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Finanzsektor GLS Bank hofft auf 50.000 Neukunden in diesem Jahr

Die GLS Bank setzt auf Nachhaltigkeit, will im Zuge der Klimadebatte an Bekanntheit gewinnen und ihren Marktanteil ausbauen.
05.02.2020 - 15:53 Uhr Kommentieren
Die GLS Bank aus Bochum verspürt Rückenwind, weil sich immer mehr Menschen für Klimaschutz stark machen. Quelle: dpa
GLS Bank

Die GLS Bank aus Bochum verspürt Rückenwind, weil sich immer mehr Menschen für Klimaschutz stark machen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die sozial-ökologische GLS Bank rechnet im Zuge der Klimaschutz-Debatte mit einem kräftigem Kundenwachstum im laufenden Jahr. GLS-Vorstandsmitglied Dirk Kannacher sagte am Mittwoch: „Wir planen netto mit 50.000 Neukunden dieses Jahr.“ Allein im Januar habe die Bank fast 5.000 neue Kunden gewonnen.

Die genossenschaftliche Bank zählte per Ende 2019 rund 242.000 Kunden, das sind 24.000 mehr als Ende 2018. Kannacher erklärte weiter, die GLS Bank sei auch über die Klimaschutz-Bewegung „Fridays for Future“ noch bekannter geworden. „Wir glauben, dass wir die richtigen Themen in der Gesellschaft ansprechen.“

Das Geldhaus mit Sitz in Bochum ist die größte sozial-ökologische Bank in Deutschland. Bislang spielt sie mit ihren rund 170.000 Girokonten für private Kunden und 242.000 Kunden auf dem deutschen Bankenmarkt aber nur eine kleine Rolle. Sie kommt auf eine Bilanzsumme von 6,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Rund 15 Genossenschaftsbanken, darunter etliche Volks-und Raiffeisenbanken, sowie etwa 40 Sparkassen sind größer als die GLS Bank.

Das Besondere bei der GLS Bank: Die Kunden sind relativ jung. Kannacher zufolge war 2019 fast ein Drittel der Neukunden jünger als 28 Jahre. Im Schnitt sind die GLS-Privatkunden 35 Jahre alt. Viele Genossenschaftsbanken und Sparkassen dagegen ringen darum, junge Kunden zu gewinnen beziehungsweise zu halten.

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    Die GLS Bank achtet bei der Kreditvergabe an Unternehmen stark auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz. So prüft das Geldhaus, ob die Kreditnehmer seine Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Es finanziert beispielsweise keine Firmen, die in irgendeiner Form zur Atomenergie-Branche gehören oder Fleisch aus Massentiererhaltung erzeugen oder verarbeiten. Stattdessen ist die GLS Bank unter anderem stark bei erneuerbaren Energien engagiert.

    Die Nachhaltigkeitsbank steht - wie auch die Umweltschutz-Bewegung „Friday for Future“ - hinter den Pariser Klimazielen, die eine Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf möglichst maximal 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vorsehen. Ihr eigenes Kreditportfolio sieht die GLS Bank bereits mit Einklang mit diesem Ziel: Wenn alle Banken so wirtschaften würden wie die von ihr finanzierten Unternehmen, könnte die Erderwärmung bis 2050 auf 1,5 Grad begrenzt werden, heißt es. Das hat sie zusammen mit Klimaforschern vom Wuppertal Institut sowie dem Start-up Right Based on Science berechnet. Right Based on Science hat ein Modell erstellt, mit dem Firmen ihre eigenen Klimaauswirkungen ermitteln können.

    Abschreibungen durch faule Kredite an Klimasünder

    Andere Kreditinstitute sieht GLS-Bank-Chef Thomas Jorberg allerdings nicht auf dem richtigen Weg: „Die Klimakrise kann zu einer Bankenkrise werden“, warnte er erneut. Jorberg verwies auf drohende hohe Abschreibungen für Banken, wenn diese auf faulen Krediten an Klimasünder sitzen bleiben. Die Risiken aus der Industrie „kumulieren sich in den Bankbilanzen“, so Jorberg.

    Jorbergs Ansicht nach besteht die Gefahr, dass Banken zu lange an Finanzierungen für Unternehmen festhalten, die viel CO2 emittieren oder Produkte mit hohem CO2-Ausstoß herstellen. „Jede Investition in C02 emittierende Technologien ist hochgradig ausfallgefährdet“, warnte er. Zumindest im Neugeschäft sollten Banken solche Finanzierungen meiden.

    Der GLS-Chef verwies aber auch auf Chancen für die Banken, weil hohe Investitionen in klimafreundliche Unternehmen und Branchen notwendig sind. Das wiederum sei im Grunde „ein Freudenfest“ für die Banken. Am Geld werde die Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft nicht scheitern, wenn man es richtig anpacke. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, Vorreiter zu sein“, erklärte er zum Antritt der GLS Bank.

    Auch Aufsichtsbehörden werfen zunehmend ein Blick auf Nachhaltigkeitsrisiken im Geschäft von Banken, Fonds und Versicherern. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat erst kürzlich die finale Fassung eines Merkblatts veröffentlicht, das den von ihr beaufsichtigten Finanzfirmen „Orientierung“ im Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken geben soll. Gemeint sind damit Gefahren aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. „Hierzu zählen als Teilaspekt bekannter Risikoarten auch Nachhaltigkeitsrisiken“, so die Bafin.

    Der für Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling betonte vor wenigen Tagen ebenfalls: „Wir erwarten von den Banken, dass sie Nachhaltigkeitskriterien in Zukunft stärker berücksichtigen.“ Damit würden sich unter anderem auch die Bankaufsicht der EZB, die EU-Bankenaufsichtsbehörde Eba und der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht beschäftigen, sagte Wuermeling Ende Januar dem Handelsblatt.

    Die GLS Bank jedenfalls schraubte das Ergebnis mit ihrem Ansatz nach oben. Im vergangenen Jahr stiegen sowohl der Zins- als auch der Provisionsüberschuss. Nach Bewertung verdiente das Geldhaus gut 40 Millionen Euro, fast fünf Millionen Euro mehr als 2018. Unterm Strich – nach Rücklagebildung und Steuern – betrug der Gewinn knapp elf Millionen Euro.

    Mehr: Die Bafin verlangt von Finanzfirmen in einem Merkblatt einen bewussten Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken.

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