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EZB in Frankfurt

Die schwache Profitabilität europäischer Banken beschäftigt die Notenbank.

(Foto: dpa)

Finanzstabilität EZB sieht mittelfristig deutlich gestiegene Risiken für das Finanzsystem

Die EZB sorgt sich um die Corona-Auswirkungen auf die Stabilität des Finanzsystems. Der Druck auf den Bankensektor, heißt es, könnte merkliche Folgen haben.
26.05.2020 - 16:21 Uhr Kommentieren

Frankfurt Die Corona-Pandemie hat die Risiken für die Finanzstabilität aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) mittelfristig „merklich“ gesteigert. „Die Pandemie hat eine der schärfsten wirtschaftlichen Rückgänge der jüngeren Geschichte verursacht, aber die weitreichenden Maßnahmen haben eine Kernschmelze des Finanzsystems verhindert“, sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos mit Blick auf die Reaktionen von Politik, Notenbanken und Aufsichtsbehörden.

Sein Blick nach vorn ist verhalten. „Die Herausforderungen der Pandemie auf die Gewinnaussichten der Banken sowie mittelfristig auf die öffentlichen Haushalte werden angesprochen werden müssen, sodass unser Finanzsystem weiterhin die wirtschaftliche Erholung unterstützen kann.“

Die Sorge de Guindos gilt nicht zuletzt den Banken. Zwar sind diese mit mehr Eigenkapital und Liquidität in die aktuelle Rezession gerutscht als in vergangenen Krisen, „aber sie werden wahrscheinlich mit signifikanten Verlusten und mit weiterem Druck auf ihre Profitabilität konfrontiert werden“, heißt es im aktuellen Finanzstabilitätsbericht der Notenbank.

Aus Sicht der EZB kann das schwerwiegende Folgen für die Volkswirtschaften der Euro-Zone haben. „Die Fähigkeiten der Banken die Erholung zu unterstützen, könnte durch die schwache Profitabilität gehemmt werden“, warnt die Notenbank in ihrem Bericht. Schon im vergangenen Jahr hatten 80 Prozent der großen, direkt von der EZB kontrollierten Banken eine Eigenkapitalrendite von weniger als acht Prozent erwirtschaftet.

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    Diese Lage dürfte sich noch verschärfen: Die EZB verweist auf die Marktschätzungen von Analysten, wonach sich die Eigenkapitalrendite der börsennotierten Banken in der Euro-Zone von 5,5 Prozent im Jahr 2019 im laufenden Jahr auf 2,4 Prozent mehr als halbieren könnte. Am Montag hatte bereits die Eba, die Bankenaufsicht der gesamten Europäischen Union, vor einem Anstieg fauler Kredite in den Bankbilanzen gewarnt.

    Das Resümee der EZB zu den Instituten der Euro-Zone fällt gemischt aus: Zwar scheint danach die Bankenbranche der Euro-Zone für Corona-Risiken mit Blick auf Solvenz und Liquidität besser aufgestellt zu sein als noch vor einem Jahrzehnt.

    Doch die schwache Profitabilität, „gerade im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern“, könnte die Kapazität der Banken zur Intermediation – gemeint ist die Kreditvergabe – limitieren. Die Institute seien weniger gut in der Lage, die Verluste aus dem Kreditgeschäft wegzustecken. „Diese Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit für Konsolidierung und strukturelle Veränderungen in der Branche", schreibt die EZB, die sich seit Langem für mehr Fusionen unter Banken einsetzt.

    Folgen des Dividendenverbots

    Auch Investoren halten Veränderungen in der europäischen Bankenbranche offenbar für notwendig. Die EZB konstatiert, dass auch die Kapital- und Liquiditätspolster der Geldhäuser nicht verhindern konnten, dass die Marktbewertungen der Institute auf Rekordtiefstände gefallen und ihre Refinanzierungskosten gestiegen sind. „Das reflektiert sowohl die Verschlechterung der volkswirtschaftlichen Aussichten als auch die beträchtlich höhere Unsicherheit mit Blick auf die Gewinnaussichten und die Qualität der Vermögenswerte der Banken“, so die EZB.

    Einen weiteren Faktor, der die Kurse der Institute belasten dürfte, hat sich die EZB in einem Extraaufsatz genauer angesehen. Dabei geht es um die dringende Empfehlung der Aufsichtsbehörden weltweit, zumindest bis Oktober auf Dividendenausschüttungen oder Aktienrückkäufe zu verzichten. In den zurückliegenden Jahren hätten die Banken der Euro-Zone ihre Dividendenausschüttungen sowie Aktienrückkäufe erhöht. Hätten die Institute in der aktuellen Lage diese Praxis fortgesetzt, hätte dies die Banken weiter geschwächt. Sie wären weniger in der Lage gewesen, Verluste auszugleichen oder der Realwirtschaft Kredite zu geben, heißt es im Finanzstabilitätsbericht.

    Die Autoren dieses Sonderaufsatzes gehen davon aus, dass die Banken der Euro-Zone durch diesen Dividenden- und Rückkaufverzicht rund 27,5 Milliarden Euro einbehalten haben, was 1,8 Prozent des Investorenkapitals entspricht und rund einem Drittel der gesamten Gewinne. „Diese einbehaltenen Gewinne könnten zusätzliche faule Kredite im Volumen von rund 60 Milliarden Euro absorbieren, wenn diese neuen faulen Kredite in ähnlichem Umfang mit Risikovorsorge unterlegt würden wie bestehende“, so die EZB.

    Vor diesem Hintergrund ist der halb erzwungene Dividenden- und Rückkaufverzicht aus Sicht der Autoren eine wichtige Ergänzung neben regulatorischen Lockerungen, mit denen die EZB-Bankenaufseher der Euro-Zone Kapital in Höhe von 140 Milliarden Euro freigesetzt hatten. Sie räumen aber auch ein, dass diese Maßnahme es den Banken schwerer machen könnte, private Investoren für eine Kapitalerhöhung zu gewinnen.

    Die Analyse kommt zudem zu dem Schluss, dass großzügiger ausschüttende Banken eine höhere Bewertung am Kapitalmarkt erzielen. In der jüngeren Vergangenheit waren nordeuropäische und US-amerikanische Institute ihren Aktionären gegenüber generöser als ihre Wettbewerber aus Großbritannien, der Schweiz oder der Euro-Zone. Das mag zu den niedrigen Bewertungen der Euro-Zone-Banken beigetragen haben. Allerdings stellt die EZB auch fest, dass profitable Banken mehr an die Aktionäre ausschütten als die weniger profitablen Institute – und dort taten sich die von ihr kontrollierten Banken eher schwer.

    Mehr: Wie die EU-Kommission einige Regeln für Banken vorübergehend lockert.

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