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Finanzstabilitätsbericht EZB warnt vor Risiken bei Schattenbanken

Die Europäische Zentralbank macht sich wegen Corona Sorgen um die Finanzstabilität. Dabei geht es auch um Gefahren außerhalb des klassischen Bankensystems.
25.11.2020 - 11:52 Uhr Kommentieren
Schattenbanken spielen besonders im Kreditgeschäft eine große Rolle. Quelle: dpa
Skyline von Frankfurt

Schattenbanken spielen besonders im Kreditgeschäft eine große Rolle.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die wirtschaftliche Folgen der Coronapandemie sind nach Meinung der Europäische Zentralbank (EZB) noch lange nicht ausgestanden. Deshalb warnt die EZB in ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht vor einer Zunahme von Risiken im Falle eines abrupten Endes der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen.

Unternehmen könnten nach Einschätzung der Notenbank verwundbarer sein „als auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise“ in den Jahren 2008 und 2009. Sorgen bereitet der EZB auch, dass die Risiken bei Finanzunternehmen außerhalb des regulären Bankensystems steigen, den sogenannten Schattenbanken.

Finanzakteure wie Hedgefonds, Kreditfonds, Geldmarktfonds oder Versicherer, die bei vielen Geschäften eine ähnliche Rolle spielen wie die Banken, aber nicht so streng kontrolliert werden, sorgen mittlerweile für 20 Prozent der Kredite an Unternehmen. Dieser Wert hat sich in den vergangenen zehn Jahren annähernd verdoppelt, heißt es im Stabilitätsbericht der EZB.

Dabei erkennt die Notenbank die Leistung der Branche durchaus an: Schattenbanken, heißt es, hätten „einen signifikanten Beitrag zur Finanzierung der Unternehmen geleistet und damit die Erholung der Wirtschaft unterstützt“.

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    Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht lautet, dass die Schattenbanken anfällig für Liquiditäts-, Kredit- und Zinsrisiken seien. Diese Anfälligkeit habe sich teilweise bei den Marktturbulenzen im vergangenen März gezeigt, als die Coronakrise Europa und die USA erreichte und es zu heftigen Ausschlägen an den Märkten kam.

    Finanzfirmen aus dem Nichtbankensektor hätten in dieser Zeit verstärkt Vermögen verkauft, heißt es im Stabilitätsbericht: Fonds und Versicherer warfen 180 Milliarden Euro auf den Markt. Die EZB vermutet, dass diese Spieler wegen der Marktturbulenzen einen Teil ihrer Risiken abbauen mussten und einen plötzlich höheren Bedarf an Barmitteln hatten.

    Für besorgniserregend hält die Notenbank, dass die Schattenbanken nach der unruhigen Zeit im März verstärkt in riskante Anlagen investiert haben. Die Schlussfolgerung der Aufseher: Der größere Risikohunger und die strukturellen Schwächen der Schattenbanken könnten die Widerstandsfähigkeit des Sektors schwächen.

    Auch andere Aufseher und Regulierer betrachten die Schattenbanken mit Unbehagen und wollen die Regeln für diesen Bereich verschärfen. Großanleger hätten den Corona-Crash im März verstärkt, warnt beispielsweise auch der internationale Finanzstabilitätsrat (Financial Stability Board, FSB).

    Neue Regeln für Teile der Finanzwirtschaft im Jahr 2022

    Erste Vorschläge für eine stärkere Regulierung will die Organisation im nächsten Jahr vorlegen. Damit will sie zunächst Geldmarktfonds widerstandsfähiger machen. Im Jahr 2022 sollen neue Regeln für andere Teile der Finanzwirtschaft abseits der klassischen Banken folgen.

    Nach Ansicht des Rats hätte die Coronakrise in diesem Jahr deutlich schlimmer auf die Finanzmärkte durchgeschlagen, wenn wichtige Notenbanken nicht mit unterstützenden Maßnahmen in bisher ungekanntem Ausmaß eingeschritten wären. „Es ist klar, dass wir etwas unternehmen müssen, um diese Probleme anzugehen“, sagte der FSB-Vorsitzende Randal Quarles.

    Das Finanzsystem bleibe verletzlich, weil die Strukturen und Mechanismen, die die Turbulenzen verstärkt hätten, weiter existierten, schrieb er an die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Das FSB hat Finanzunternehmen abseits der Banken bereits lange mit Argwohn beobachtet. Die Schattenbanken verwalten inzwischen Vermögenswerte im Umfang von 53 Billionen US-Dollar (44,6 Billionen Euro).

    Aber auch bei den klassischen Banken sieht die EZB Risiken. So sei die Abhängigkeit der Banken von Staatsanleihen ihrer Heimatländer in diesem Jahr um 19 Prozent gestiegen, das größte Plus seit 2012.

    Dank der Stabilisierungsmaßnahmen der nationalen Regierungen und der EZB während der Coronakrise habe sich dieses Risiko bislang nicht manifestiert. Die EZB erwartet allerdings, dass die Bestände an heimischen Staatsschulden in den Bankbüchern noch länger auf einem erhöhten Niveau bleiben werden, damit wachse die Anfälligkeit gegenüber Kursschwankungen dieser Anleihen.

    Abbau ausfallgefährdeter Kredite verzögert sich

    Darüber hinaus fürchtet die EZB, dass die Banken in Europa wegen ihrer chronischen Gewinnschwäche möglicherweise zu wenig Geld für faule Kredite zurücklegen. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie verzögerten den Abbau ausfallgefährdeter Kredite in den Büchern der europäischen Banken.

    Im zweiten Quartal 2020 sei der Anteil dieser Darlehen an den gesamten Ausleihungen nur noch leicht von 3,1 auf 3,0 Prozent gefallen. Gleichzeitig sei die Risikovorsorge im Kreditgeschäft deutlich gestiegen.

    Die EZB bemerkt in ihrem Stabilitätsbericht allerdings auch, dass die europäischen Banken im Verhältnis zur US-Konkurrenz ihre Risikovorsorge weniger stark aufgestockt hätten. Dafür könnte zumindest teilweise auch die schwache Profitabilität vieler europäischer Banken verantwortlich sein, die es einigen Geldhäusern nicht erlaube, adäquate Vorsorge zu treffen.

    Eine Bankenkrise fürchten die Aufseher allerdings nicht. In ihrem Basisszenario für die Wirtschaftsentwicklung unterstellt die EZB einen Einbruch der Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone in diesem Jahr um acht Prozent und eine Erholung um fünf Prozent 2021.

    In diesem Szenario würde die harte Kernkapitalquote der Banken zwar um 1,3 Prozentpunkte sinken, läge aber immer noch im Schnitt bei 13,6 Prozent. Die Eigenkapitalrendite der Banken würde in diesem Jahr in den negativen Bereich fallen, sich 2021 aber wieder auf um die fünf Prozent erholen.

    Mehr: Die Coronakrise bringt viele Länder an ihre finanzielle Belastungsgrenze. An den Finanzmärkten sorgt das bislang nicht für Unruhe – im Gegenteil.

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