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Fintech-Interview Risikokapitalgeber Andreas Haug: „Bei Smartphone-Banken bin ich sehr skeptisch“

Der Mitgründer des Risikokapitalgebers E-Ventures hat auch ins Fintech-Segment investiert. Was ist für den Erfolg von Finanz-Start-ups wichtig?
01.07.2019 - 03:56 Uhr Kommentieren
Der Mitgründer des Risikokapitalgebers E-Ventures spricht über Fintechs. Quelle: eVentures
Andreas Haug

Der Mitgründer des Risikokapitalgebers E-Ventures spricht über Fintechs.

(Foto: eVentures)

Global hat E-Ventures derzeit rund 150 Unternehmen im Portfolio. Im Fintech-Segment zählen dazu die deutschen Firmen Deposit Solutions und Exporo sowie die Versicherungs-Start-ups Coya und Friendsurance.

Herr Haug, Fintechs in Deutschland haben zuletzt neue Investmentrekorde geknackt. Hunderte Betriebsaufgaben blieben dagegen weitgehend unbemerkt. Ist der Fintech-Boom vorbei?
Bei Fintechs sehen wir momentan die gleiche Entwicklung wie bei anderen Start-ups: Die Anzahl der Finanzierungsrunden geht zurück, aber die einzelnen Deals werden größer. Insgesamt ist weiterhin sehr viel Geld im Spiel, allerdings gehen immer mehr Unternehmen leer aus. Das ist kein negatives Zeichen, der Markt wird einfach reifer.

Sind große Finanzierungsrunden eine Erfolgsgarantie?
Erfolg bei der Investorensuche bedeutet noch lange nicht, dass die Unternehmen in Zukunft auch wirtschaftlich erfolgreich sein werden. Sehr skeptisch bin ich da bei Smartphone-Banken. Sie geben extrem viel Geld aus, um Kunden zu gewinnen, die traditionelle Banken ohnehin gerne loswerden wollen – nämlich solche, mit denen sich kaum Geld verdienen lässt. Sie wetten darauf, dass aus den Millennials später loyale, zahlende Kunden werden. Doch das ist keineswegs sicher, und in der Zwischenzeit entwickeln sich auch die traditionellen Banken weiter.

Geld ist das eine, welche Gründe für das Scheitern sehen sie noch?
Die Ursachen sind vielfältig. Manche Gründer entwickeln die perfekte Lösung für etwas, das die meisten Menschen gar nicht als Problem betrachten. Oder sie bringen ihr Produkt zu früh an den Markt und die potenziellen Kunden sind noch nicht bereit dafür. Manchmal werden sie auch von etablierten Unternehmen überholt, die schauen sich eine Idee ab und machen es dann selbst.

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    Viele Fintechs scheitern im dritten oder vierten Jahr. Warum ist dieser Übergang in die Wachstumsphase so kritisch?
    Das liegt zum einen schlicht am Unternehmer- beziehungsweise Managementpotenzial. Ab einer gewissen Größe reicht es nicht mehr aus, nur gut programmieren zu können, da muss man auch Organisationsstrukturen aufbauen und Mitarbeiter führen können. Auch die Prozesse muss man in dieser Phase häufig weiterentwickeln, um eine steigende Nachfrage zu bedienen. Das kann sehr komplex und teuer sein.

    Welche Rolle spielt die Regulierung?
    Das ist ein riesiges Hemmnis und sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Manche Fintechs nutzen es aus, dass die Finanzaufsicht ihnen nicht auf die Finger schaut, solange sie noch klein sind. Doch wie wir gerade bei N26 sehen, geht das nicht lange gut. Aber auch die deutsche Aufsicht sollte ihr Vorgehen ändern und zu einem frühen Zeitpunkt mehr Hilfestellung geben. Das Sandkasten-Modell in Großbritannien ist ein gutes Vorbild. Dort helfen die Aufseher den Start-ups, ihre Abläufe direkt regelkonform zu gestalten.

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    Oftmals werden Start-ups aber zum schnellen Markteintritt getrieben.
    Manche sagen: „Wenn du mit dem Produkt zufrieden bist, warst du zu langsam.“ Aber da bin ich vorsichtig. Wenn man ein soziales Netzwerk oder einen Online-Shop aufbaut, mag das stimmen. Die Finanzbranche dagegen ist sehr komplex, da geht Sorgfalt vor Schnelligkeit.

    Womit kann ein Fintech Sie überzeugen?
    Die Grundidee der Fintechs ist es ja, Finanzgeschäfte mittels Digitalisierung transparenter und günstiger zu machen. Uns ist es wichtig, dass sich mit den Geschäftsmodellen unmittelbar Kostenvorteile generieren lassen und dass es einen echten Bedarf am Markt gibt. Ein Beispiel dafür ist die Geldanlage-Plattform Exporo, an der wir beteiligt sind. Darüber können Privatanleger viel günstiger und flexibler in Immobilien investieren, als es bisher über offene oder geschlossene Immobilienfonds möglich ist.

    Welche Bereiche finden Sie noch interessant?
    Marktplätze finden wir grundsätzlich spannend. Deshalb haben wir auch in Deposit Solutions investiert. Eine solche Anlageplattform für Tages-, Termin- und Festgelder schafft für Kunden und Banken einen echten Mehrwert. Auch im Versicherungsbereich sehe ich noch viele Möglichkeiten, denn der Markt ist vollkommen ineffizient. Allerdings braucht man da als Investor einen langen Atem, weil Versicherungskunden ihre Policen sehr selten wechseln.

    Etliche Fintechs sind im Endkundengeschäft gestartet und agieren inzwischen als Technologiedienstleister. Unterstützen Sie das?
    Dieser Bereich ist super relevant. Schließlich leiden traditionelle Banken unter ihren alten IT-Systemen und sind deshalb sehr langsam. Viele benötigen dringend Unterstützung von außen, deshalb sehe ich da noch viel Potenzial für Fintechs.

    Wie wichtig ist das Auftreten der Gründer? Müssen sie ordentlich auf den Putz hauen, um zu überzeugen?
    Wenn sich ein 25-Jähriger auf die Bühne stellt und den Deutsche-Bank-Vorstand herausfordert, ist das natürlich sehr medienwirksam. Aber auch ruhigere Typen, die sachlich argumentieren, bekommen Finanzierungen. Auf jeden Fall sollten sie eine große Vision für ihr Unternehmen haben und diese kommunizieren können.

    Welche Anforderungen stellen Sie an das Team?
    Die Zusammensetzung des Teams ist ganz entscheidend, denn eine total schicke App zu entwickeln reicht bei weitem nicht aus. Insbesondere, wenn man in einem regulierten Geschäftsbereich tätig ist, sollte man auch Leute an Bord haben, die sich damit auskennen und vielleicht schon mal im Finanzdienstleistungsbereich gearbeitet haben. Gründer sollten auch offen dafür sein, sich Unterstützung von außen zu holen.

    Herr Haug, vielen Dank für das Gespräch.

    Mehr: Seit 2011 haben 233 Finanz-Start-ups ihr Geschäft wieder eingestellt. Woran das liegt...

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