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Fintech Kreditplattform Auxmoney erhält 150 Millionen Euro

Das Finanztechnologie-Start-up aus Düsseldorf sammelt trotz aktueller Corona-Einbußen eine Rekordsumme ein – und gewinnt einen neuen Mehrheitseigner.
02.09.2020 Update: 02.09.2020 - 08:23 Uhr Kommentieren
2019 hatte Auxmoney eigenen Angaben zufolge Kredite in Höhe von rund 700 Millionen Euro ausgezahlt. Quelle: Auxmoney
CFO Daniel Drummer, CEO Raffel Johnen und COO Arie Wilder (von links)

2019 hatte Auxmoney eigenen Angaben zufolge Kredite in Höhe von rund 700 Millionen Euro ausgezahlt.

(Foto: Auxmoney)

Frankfurt Die jüngsten Nachrichten aus dem Segment der Kreditplattformen waren nicht gerade positiv. Zwar ist insbesondere bei Firmenkunden die Kreditnachfrage in der Coronakrise deutlich gestiegen, zugleich ist aber das Volumen der finanzierten Kredite gesunken. Das heißt: Die jungen Bankenkonkurrenten waren bei potenziellen Kunden zwar gefragt, konnten ihnen wegen unklarer oder erhöhter Risiken aber weniger Kredite vermitteln.

Umso überraschender ist vor diesem Hintergrund eine Meldung der Kreditplattform Auxmoney: Wie das Handelsblatt von dem Düsseldorfer Unternehmen erfuhr, hat es gerade eine Finanzierungsrunde in Höhe von 150 Millionen Euro abgeschlossen. Das ist nicht nur im Kreditsegment eine Rekordsumme, sondern in diesem Jahr auch das bisher größte Investment in ein deutsches Finanztechnologie-Start-up, kurz Fintech.

Raffael Johnen, Co-Gründer und Geschäftsführer von Auxmoney, betont im Gespräch mit dem Handelsblatt, dass es sich bei dem Betrag um reines Eigenkapital handele. Der Großteil komme vom amerikanischen Finanzinvestor Centerbridge. Auch der Bestandsinvestor Foundation Capital habe nachgelegt, „und ich selbst habe meine Anteile auch um einen für mich signifikanten Anteil erhöht“, sagt Johnen. Zur Bewertung seiner Firma äußerte er sich jedoch nicht.

Die Mehrheit an dem 2007 gegründeten Unternehmen gehöre nun Centerbridge, so Johnen. Zusätzlich zur Kapitalerhöhung habe die Beteiligungsfirma auch Anteile von Bestandsgesellschaftern übernommen. Von einer „Übernahme“ will er trotz dieses Beteiligungsverhältnisses nicht sprechen. „Dies ist eine Partnerschaft, das Management bleibt unverändert, und wir erwarten nicht, dass Centerbridge ins Tagesgeschäft eingreift“, sagt er. „Wir haben uns bewusst für diesen Investor entschieden, da wir eine gemeinsame Vision haben und Auxmoney zu einem führenden digitalen Kreditanbieter in Europa machen wollen. Dafür bringt Centerbridge eine große Expertise im Bereich Finanzdienstleistungen mit.“

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    Zu Beginn der Coronakrise hatten Marktbeobachter deutliche Einbußen im Bereich der Fintech-Finanzierung erwartet. Tatsächlich fiel der Rückgang weniger stark aus als befürchtet. Zudem wurde das Kapital bisher eher breit gestreut – auf unterschiedliche Fintech-Segmente und über kleinere Runden auch auf viele Firmen.

    Christian Nagel, Mitgründer des Wagniskapitalgebers Earlybird, blickt deshalb zuversichtlich auf den Fintech-Markt. „Bei manchen Geschäftsmodellen gab es zyklisch bedingte Einbußen, doch bei den meisten Unternehmen geht es inzwischen schon wieder aufwärts, und langfristig werden viele Geschäftsmodelle von der Coronakrise und der dadurch beschleunigten Digitalisierung profitieren“, sagt er.

    Bei den Kreditplattformen sieht es jedoch weniger rosig aus. Torsten Lund, Partner bei der Unternehmensberatung Berg Lund & Company, fasst zusammen: „Kreditplattformen erleben durch die Coronakrise tendenziell einen Dämpfer, da sie bei der Kreditvergabe zurückhaltender werden mussten und zugleich bei der Vergabe von Förderkrediten außen vor geblieben sind.“ Die Geschäftsmodelle seien zwar sinnvoll; dass alle überleben werden, sei aber eher unwahrscheinlich.

    Kreditplattformen vergeben Kredite unabhängig von klassischen Banken und erhalten das Kapital dafür überwiegend von institutionellen Investoren. Ihre besondere Kompetenz besteht darin, dass sie die Kreditantragsprozesse zu einem großen Teil automatisiert haben und so teils schneller als klassische Banken Kreditzusagen machen können. Auxmoney war ursprünglich mit Krediten an Privatleute und Selbstständige gestartet und ist 2019 in das Geschäft mit Firmenkunden eingestiegen.

    Zu Beginn der Coronakrise hatten Auxmoney und einige Wettbewerber wie Iwoca, October und Creditshelf zunächst eine große Chance gewittert: Sie wollten KfW-Kredite vergeben. Dazu ist es bis heute aber nicht gekommen.

    Auxmoney prüft Zukäufe und Börsengang

    Die jüngste Zurückhaltung bei der Kreditvergabe begründet Johnen mit seiner Verpflichtung gegenüber den Kreditinvestoren. „Wir können jetzt keine höheren Risiken eingehen“, sagt er. Erhöhte Ausfallraten seien bisher jedoch nicht zu beobachten. Wegen des Corona-bedingten Rückgangs in der Neuvergabe von Krediten seien Mitarbeiter in einigen Bereichen in Kurzarbeit. Zum Umfang wollte sich Johnen jedoch nicht äußern: „Die neue Finanzierungsrunde hat darauf keinen unmittelbaren Einfluss, denn die Kurzarbeit hat mit dem vorübergehenden Rückgang im operativen Geschäft zu tun. Das neue Kapital wird für unser strategisches Wachstum eingesetzt.“

    Das heißt, dass Auxmoney in Zukunft auch Übernahmen anderer Firmen prüft. „Es ist klar, dass es auf dem Markt zu einer Konsolidierung kommen wird, und wir schauen uns an, welche Zukäufe für uns sinnvoll sein können“, sagt Johnen. Der Fokus solle dabei weiterhin auf Deutschland liegen. „In Deutschland könnten wir künftig 20 bis 30 Mal so groß sein wie heute. Ich würde aber nicht ausschließen, dass wir uns auch im Ausland umschauen.“

    Zu den möglichen Plänen gehört außerdem ein Börsengang. Centerbridge hat bereits dem US-Versicherungsmakler GoHealth an die Börse geholfen. Im aktuellen Umfeld sei das für Auxmoney kein Thema, sagt Johnen, „perspektivisch ist es eine Option“.

    Die zwischenzeitlichen Einbußen haben Centerbridge offenbar nicht abgeschreckt, Managing Director Maximilian Rinke sieht Auxmoney als „einen der führenden digitalen Kreditmarktplätze in Europa“. „Raffael Johnen und seine Mannschaft haben ein hervorragendes Unternehmen mit einer beeindruckenden Kreditperformance aufgebaut“, so Rinke. 2019 hatte Auxmoney laut Johnen Kredite in Höhe von rund 700 Millionen Euro ausgezahlt.

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