1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Banken + Versicherungen
  4. Banken
  5. Trade Republic und Co.: Entlassungen – Fintechs geraten unter Druck

FintechsEntlassungen bei Trade Republic und Co.: Fintechs geraten unter Druck

Zinswende, Inflation und Ukrainekrieg führen zu Entlassungen bei einigen Fintechs. Eine andere Start-up-Sparte baut dagegen Stellen auf.Dennis Schwarz, Elisabeth Atzler, Susanne Schier 11.06.2022 - 13:23 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Neobroker trennt sich von einigen Mitarbeitern.

Foto: dpa

Frankfurt. Auf die Feierlaune folgt Ernüchterung: Nur eine Woche, nachdem der Berliner Neobroker Trade Republic die Erweiterung seiner letzten Finanzierungsrunde um 250 Millionen Euro bekannt gegeben und so seine Bewertung auf fünf Milliarden Euro gesteigert hat, trennt sich das Fintech von einigen Mitarbeitern.

In einem internen Townhall-Meeting wurde den Mitarbeitern am Donnerstag eine Umstrukturierung angekündigt. Eine Sprecherin des Neobrokers teilte mit: „Wir haben gestern unseren Mitarbeitern vorgestellt, wie wir uns fokussieren, um unsere strategischen Ziele zu erreichen: Künftig wollen wir uns etwa auf der Produktseite zielgerichteter aufstellen und schauen, was kurzfristig zur Profitabilität beiträgt.“ Zudem setzten sie auch bei internen Prozessen weiter auf Technologie und Automatisierung.

Die Konsequenz: Einige Mitarbeiter müssen das Unternehmen verlassen, andere erhalten neue Aufgaben. In einem Beitrag auf LinkedIn schreibt ein Betroffener, der offenbar erst kurz zuvor bei Trade Republic eingestellt wurde: Nach der Ankündigung über die Finanzierungsrunde von Ende letzter Woche „feierte ich mit meinen neuen Kollegen und dachte mir, dass ich absolut die richtige Entscheidung getroffen hatte“. Doch nur wenige Tage später folgte die Entlassung.

Es würden aber auch neue Mitarbeiter hinzukommen, etwa im Softwarebereich, so die Sprecherin, die betont, dass Trade Republic sich nicht auf einem Konsolidierungskurs befinde. „Die Unternehmensgröße von 700 Mitarbeitern werden wir beibehalten“, sagte sie. Zuerst hatte der Branchen-Newsletter „Finance Forward“/“Finanz-Szene“ über die Entlassungen bei Trade Republic berichtet.

Wie viele Mitarbeiter das Unternehmen konkret verlassen müssen, dazu wollte die Sprecherin keine Angaben machen. Ende Mai 2020 betrug die Zahl der Mitarbeiter noch 150, vor einem Jahr waren es 400.

Die Meldung über die Entlassungen überrascht nach der jüngsten Erweiterung der Finanzierungsrunde dennoch nicht. Lars Hornuf, Professor für Finanzdienstleistungen an der Universität Bremen sagt: „Die derzeitige Marktsituation um Krieg, Inflation und die Erwartung steigender Zinsen übt enormen Druck auf die Fintechs aus, schneller profitabel zu werden.“ Wenn man in diesem Kontext als Fintech dann auch noch Geld brauche, erhöhe sich der Druck durch die Investoren, schnell aktiv zu werden, sagt er.

Profitabilität im Vordergrund

Das bestätigt auch Volker Brühl, Professor für Banking und Finance und Geschäftsführer am Center for Financial Studies an der Goethe Universität in Frankfurt: „Noch vor einem Jahr konnten sich Fintechs ihre Investoren aussuchen“, sagt er. Nun seien die Bedingungen deutlich härter. „Der Effizienzgedanke ist in den Vordergrund gerückt, die Profitabilitätsgrenze soll schnell erreicht werden.“

Zudem seien zahlreiche Fintechs in der Vergangenheit extrem schnell gewachsen. „Nun müssen sie sich anschauen, welche Bereiche funktionieren und wo möglicherweise auch Personal abgebaut werden kann“, sagt Brühl.

Im Ende des vergangenen Jahres veröffentlichten Geschäftsbericht weist Trade Republic für den Zeitraum von Oktober 2019 bis September 2020 einen Jahresfehlbetrag von 10,2 Millionen Euro aus. Zahlen für 2021 sind noch nicht bekannt.

Wann wieder so viel Geld investiert wird wie in der Vergangenheit, ist fraglich. Im vergangenen Jahr haben Investoren insgesamt 4,6 Milliarden Euro in Fintechs in Deutschland gesteckt. Das ist fast 2,6-mal so viel wie im bisherigen Rekordjahr 2019, wie Comdirect und Barkow Consulting ermittelt haben. Nach Angaben von Hornuf wird diese Liquidität in den nächsten Jahren nicht mehr so vorhanden sein.

Klarna und Nuri haben bereits Stellen gestrichen

Mit der Umstrukturierung ist Trade Republic nicht allein. Ende Mai gab Europas wertvollstes Start-up Klarna bekannt, 700 von 7000 Stellen zu streichen. Ein Schritt, der offenbar nötig war, weil der schwedische Zahlungsdienstleister zusehends hohe Verluste eingefahren hat.

Im vergangenen Jahr verfünffachte sich der Fehlbetrag auf knapp 7,1 Milliarden schwedische Kronen (derzeit 670 Millionen Euro). Und obwohl immer mehr Transaktionen über Klarna laufen, lag das Minus im ersten Quartal 2022 auch noch einmal höher als im Vorjahreszeitraum.

Wie andere Fintechs gibt Klarna viel Geld aus, um neue Kunden zu gewinnen. Das scheint Investoren langsam nervös zu machen. Wie die US-Finanzzeitung „Wall Street Journal“ kürzlich berichtete, würde Klarna im Rahmen einer möglichen neuen Kapitalrunde mit etwa einem Drittel weniger bewertet als zuletzt. Vor einem Jahr taxierte Klarna seinen Wert auf fast 46 Milliarden Dollar (43 Milliarden Euro). Nun könnten es noch rund 30 Milliarden Dollar sein. Das Unternehmen äußert sich nicht dazu.

Auch die Berliner Neobank Nuri trennte sich Ende Mai von etwa 45 der 200 Mitarbeiter. Nuri-Chefin Kristina Walcker-Mayer begründete das so: „Die Zinswende in den USA, die rasant steigende Inflation sowie der Ukrainekrieg führen zu Unsicherheit am Finanzmarkt und resultieren bei Nuri in einem Strategiewechsel.“

Unternehmen müssten jetzt mehr denn je zeigen, dass sie auf dem Weg zur Profitabilität seien: weg vom reinen Nutzerwachstum, hin zu höheren Umsätzen und entsprechend geringeren Kosten, sagte sie.

Insurtechs bauen Stellen auf

Doch längst nicht alle Fintechs bauen Stellen ab. Vor allem Versicherungs-Start-ups planen einen weiteren Stellenaufbau, wie etwa das Berliner Insurtech Wefox. „Wir stellen weiter in ganz Europa ein und haben derzeit 150 offene Stellen in den unterschiedlichsten Departments“, heißt es von Wefox. Für dieses Jahr seien keine Streichungen der derzeit 1200 Stellen geplant.

Auch Versicherungsmanager Clark ist auf Mitarbeitersuche. „Unser Fokus liegt hier auf Versicherungsfachkräften für den Vertrieb, Developern und Personen, die das Backend unterstützen“, teilte das Insurtech mit.

Trade-Republic-Konkurrent Scalable Capital wird nach eigenen Angaben ebenfalls weiterhin Mitarbeiter einstellen. Kündigungen aufgrund der aktuellen Marktlage seien derzeit nicht vorgesehen, teilte eine Sprecherin des Münchener Neobrokers mit.

Auch ein Solarisbank-Sprecher teilte auf Anfrage mit, dass die Berliner Neobank in den letzten Jahren sehr stark gewachsen sei und inzwischen über 700 Mitarbeiter an acht Standorten in Europa und Indien habe. „Dieses Wachstum wollen wir auch in diesem Jahr fortsetzen“, heißt es.

Deutschlands größtes Fintech N26, zuletzt mit neun Milliarden Dollar (8,5 Milliarden Euro) bewertet, habe derzeit nicht die Absicht, die Zahl der aktuell 1500 Mitarbeiter zu senken, teilte die Smartphonebank mit. „Wir werden auch weiterhin strategisch in das Wachstum unseres Teams investieren, wobei der Fokus auf den Bereichen Produkt, Technologie, Compliance und Prävention von Finanzkriminalität liegt.“

Verwandte Themen
Trade Republic
Klarna
Europa
Fintech

Raisin dagegen wollte sich zu der Frage, ob das Unternehmen Stellenstreichungen plant, nicht äußern. Die Zinsplattform, die mit dem Wettbewerber Deposit Solutions zusammengegangen ist, erklärt lediglich, dass sie die Zahl der Mitarbeiter konstant entwickelt habe und derzeit bei 620 liege.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt