Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Fintechs Zahlungsabwickler Mollie jetzt mehr als sechs Milliarden Dollar wert

Prominente Fintech-Investoren steigen bei der niederländischen Firma ein. Diese sammelt so fast 800 Millionen Dollar und wird zum drittwertvollsten Fintech Europas.
22.06.2021 - 09:00 Uhr Kommentieren
Zahlungsabwickler wie Mollie profitieren davon, dass der E-Commerce rasant wächst. Das lässt auch die Bewertung von Payment-Fintechs steigen. Quelle: Moment/Getty Images
Bezahlen beim Onlineshopping

Zahlungsabwickler wie Mollie profitieren davon, dass der E-Commerce rasant wächst. Das lässt auch die Bewertung von Payment-Fintechs steigen.

(Foto: Moment/Getty Images)

Frankfurt Der niederländische Zahlungsabwickler Mollie sammelt in einer dritten Finanzierungsrunde insgesamt 792 Millionen Dollar ein. Damit steige Mollies Bewertung auf 6,4 Milliarden Dollar, teilte das Unternehmen am Dienstagmorgen mit.

Mit den frischen Mitteln will Mollie unter anderem die internationale Expansion vorantreiben. Das Finanz-Start-up (Fintech) wickelt im Auftrag vor allem kleiner und mittelgroßer Händler Onlinezahlungen ab und zählt damit zu den „Payment Service Providern“, wie es im Fachjargon heißt. Sie bieten dem Onlinehandel möglichst alle nötigen Zahlungsmethoden wie Kreditkarte, Paypal oder Rechnungskauf aus einer Hand sowie Dienstleistungen etwa zum Schutz vor Betrug an.

Mollie hat Geld von prominenten Finanziers erhalten. Zu den Investoren gehören Wachstumsfonds der Finanzinvestoren Blackstone und EQT sowie General Atlantic, HMI Capital, Alkeon und TCV. Mollie-Chef Shane Happach, der seit März an der Firmenspitze steht, wertet das als „Beleg für das Vertrauen in Wachstum, Strategie und Produktpalette“.

Die große Finanzierungsrunde verdeutlicht, wie viel Investoren jungen Payment-Firmen generell zutrauen – und wie hoch auch die Erwartungen sind. Das liegt vor allem daran, dass der Onlinehandel boomt ist, auch angetrieben durch die Coronakrise. Viele Menschen haben verstärkt per Internet eingekauft und entsprechend online bezahlt. Sven Korschinowski, Partner der Beratungsfirma KPMG, meint, dass der E-Commerce noch am Anfang stehe. „Er wird weiter rasant und nachhaltig wachsen. Das Einkaufsverhalten der Verbraucher ändert sich gerade fundamental.“

Mollie springt nun auf Rang drei der wertvollsten nicht börsennotierten Fintechs Europas, wie sich aus Zahlen der Branchendienste CB Insights und Dealroom ergeben. Vor Mollie rangieren zwei weitere Payment-Fintechs: Checkout.com aus Großbritannien wird mit 15 Milliarden Dollar bewertet, Klarna aus Schweden kommt nach einer Finanzierungsrunde in der vorvergangenen Woche auf fast 46 Milliarden Dollar.

Expansion in weitere Märkte geplant

Der börsennotierte niederländische Zahlungsabwickler Adyen, gegründet 2005 und damit sogar erst kurz nach Mollie, erreicht eine Marktkapitalisierung von rund 70 Milliarden Dollar. Und der US-Wettbewerber Stripe, der noch nicht an der Börse notiert ist, steht mit einer Bewertung von fast 100 Milliarden Dollar ganz vorne.

Bisher ist Mollie erst in einer Handvoll europäischen Märkte aktiv, darunter in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Frankreich. Das Unternehmen prüfe, in weiteren Ländern zu starten, innerhalb wie außerhalb Europas. Zudem plant Mollie, die Mitarbeiterzahl binnen neun Monaten von derzeit 480 auf 780 aufzustocken.

Dominik Stein, Partner bei EQT in München, sieht in Stripe den großen Wettbewerber Mollies. Stripe, das ebenfalls viele kleine und mittelgroße Kunden bedient, hatte im März angekündigt, die Mittel aus der jüngsten Finanzierungsrunde besonders für das Wachstum in Europa auszugeben. Stein erkennt dennoch für Mollie Chancen, weil sich das Unternehmen erst einmal auf einige wenige europäische Märkte konzentriere und diese gut kenne.

Adyen dagegen hat viele sehr große Kunden – die hohe Transaktionsvolumina auf Adyens Plattform bringen, aber auch besonders hohe Anforderungen stellen. Checkout konkurriert sowohl mit Adyen als auch mit Stripe und hat viele Tech-Konzerne als Kunden. Klarna wiederum ist zwar auch Zahlungsabwickler, im Vordergrund steht aber das Angebot als Bezahldienst, unter anderem über die eigene Shopping-App. Klarna richtet sich wie Paypal auch direkt an Verbraucher.

Dennoch gibt es Überlappungen bei den Payment-Fintechs. Hinzu kommt, dass traditionelle Zahlungsdienstleister wie Worldline mit seiner deutschen Tochter Payone ihren Platz behaupten wollen. Auch die Deutsche Bank kehrt in das Geschäft der Zahlungsabwicklung zurück. Der Markt ist daher stark umkämpft.

Mollie will mit seiner Technik punkten und damit, dass die Preise transparent und offen auf der Internetseite ausgewiesen seien, sagt Chief Commercial Officer Ken Serdons. „Wir binden Kunden nicht in lang laufende Vertrage, wie es viele traditionelle Zahlungsdienstleister tun“, sagte er dem Handelsblatt.

Das Fintech hat nach eigenen Angaben gut 120.000 Kunden, darunter der Lieferdienst Deliveroo, das Modelabel Drykorn und die Restaurantkette L‘Osteria. 2020 hat sich das Transaktionsvolumen auf mehr als zehn Milliarden Euro verdoppelt. Auch 2021 erwarte man eine Verdopplung, berichtet Serdons.

Bislang ist Mollie allerdings ein Zwerg. Adyen wickelte im vergangenen Jahr ein Transaktionsvolumen von 300 Milliarden Euro ab.

Mehr: Die Deutsche Bank verbündet sich mit dem US-Paymentriesen Fiserv.

Startseite
Mehr zu: Fintechs - Zahlungsabwickler Mollie jetzt mehr als sechs Milliarden Dollar wert
0 Kommentare zu "Fintechs: Zahlungsabwickler Mollie jetzt mehr als sechs Milliarden Dollar wert"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%