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Folgen der Coronakrise Einbruch bei den Hedgefonds: Hoffnungsträger enttäuschen die Anleger

Eigentlich gelten Hedgefonds als die Rockstars der Finanzcommunity, die auch in turbulenten Zeiten Geld verdienen. Doch derzeit gelingt das kaum. Die Branche steht vor schwierige Zeiten.
27.03.2020 - 11:44 Uhr Kommentieren
Der CEO of Pershing Square Capital gilt als aktivistischer Investor. Quelle: Reuters
Bill Ackman

Der CEO of Pershing Square Capital gilt als aktivistischer Investor.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Profiteure der derzeitigen Aktienmarktkrise sind schwer zu finden. Der aktivistische Investor Bill Ackman scheint einer raren Spezies anzugehören. Auf den ersten Blick hat die schillernde Figur unter Hedgefonds-Managern geschafft, was derzeit viele versuchen. Am 23. März löste er Absicherungsgeschäfte auf, die einen Ertrag von 2,6 Milliarden Dollar für seinen Hedgefonds erbrachten, wie er in einem Brief an seine Investoren schreibt.

Doch der erste Blick täuscht, selbst Ackmans Bilanz ist mager: Denn insgesamt lag der 53-Jährige nach eigenen Angaben mit seinem Fonds bis zum 24. März trotz allem nur 0,2 Prozent im Plus. Denn auch Hedgefonds stehen angesichts des durch die Coronakrise ausgelösten, weltweiten Chaos an den Märkten unter Druck.

Während der jüngsten Turbulenzen haben Hedgefonds ihre Verschuldung, die sie eingegangen waren, um ihre Investments zu finanzieren, „extrem schnell“ abgebaut. Das berichten Marktteilnehmer.

Viele der Fonds wurden angesichts fallender Kurse mit einer erhöhten Sicherheitseinlage konfrontiert, die von den „Prime Broker“ genannten Banken gefordert wurde. Nur so konnten sie Anlagepositionen offenhalten. Teilweise mussten die unregulierten Fonds ihre Wetten kürzen oder zahlten Schulden bei den Banken zurück.

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    Den schwierigen Wochen werden weitere folgen. Davon geht auch Ackman aus: „Wir erwarten, dass die Märkte – und unsere Performance – weiter stark schwanken werden und sich deshalb neue Gelegenheiten ergeben werden, die besser sind als diejenige, die wir derzeit besitzen“, schreibt der US-Amerikaner.

    Zu hohe Gebühren, zu schwache Ergebnisse

    Er stimmt seine Investoren auf weitere Absicherungen für seine Anlagen ein. Auch will er höhere Barmittel aufbauen. „Mit anderen Worten, wir werden wahrscheinlich einen höheren Portfolio-Umschlag in diesem Umfeld haben“, betont der Milliardär.

    Eigentlich gelten Hedgefonds als die Rockstars der Finanzcommunity, nahmen sie doch stets für sich in Anspruch, in allen Marktlagen Geld zu verdienen. Denn Hedgefonds wetten auf steigende und fallende Aktienkurse, nutzen minimale Preisunterschiede an Handelsplätzen aus oder versuchen, aus Fusionen und Übernahmen Gewinn zu ziehen.

    Doch nun zeichnet sich immer deutlicher ab: Auch auf die Hedgefonds-Branche, die nach Zahlen des Informationsdienstes Hedge Fund Research (HFR) insgesamt 3,32 Billionen Dollar verwaltet, kommen schwierige Zeiten zu. Zu hohe Gebühren, zu schwache Ergebnisse, lautet der Vorwurf.

    Der Ruf der Hedgefonds hat sich bereits im vergangenen Jahr verschlechtert: Da lag die Durchschnittsrendite für alle Hedgefonds-Strategien laut HFR bei 10,4 Prozent – und damit deutlich niedriger als der Anstieg der Aktienmärkte.

    Grafik

    Nun, da die Märkte wegen der Coronakrise allgemein unter Druck stehen, machen auch die Hedgefonds Verluste. So verloren Hedgefonds, die auf sogenannte Macro-Strategien setzen – also sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse –, seit Jahresbeginn laut HFR 1,67 Prozent. Im Monat März büßten sie bislang im Schnitt 1,3 Prozent ein.

    Damit stehen sie allerdings noch deutlich besser da als etwa der deutsche Börsenleitindex Dax , dessen Verlust seit Jahresbeginn um ein Vielfaches größer war. Er verlor in diesem Jahr bereits mehr als 25 Prozent – 20 Prozent sind es allein seit Monatsbeginn.

    Beim Hedgefonds Aspect Capital ging es sogar etwas bergauf. Sein Gründer, Martin Lück, ist davon überzeugt, dass gerade in Bärenmärkten computergestützte, systematische Handelsstrategien ihre Stärke zeigen, die auf Trends an den Märkten aufbauen.

    Der Erfolg seines Hedgefonds Aspect Systematic Global Macro Programm gibt ihm recht. Zwar verlor das Vehikel im besonders turbulenten März 3,77 Prozent. Doch seit Beginn des Jahres liegt der Fonds insgesamt bis zum 26. März 2,45 Prozent im Plus.

    Verluste bei einigen Hedgefonds

    Blickt man auf die gesamte Branche, zeigen sich jedoch bei mehreren Hedgefonds Probleme. Morgan Stanley spricht laut Fachblatt „Financial News“ in einer Analyse von „einem Abbau des Schuldenhebels“ in allen Regionen. Zunächst seien quantitative Strategien davon betroffen gewesen, danach Multi-Asset-Strategien und Macro-Hedgefonds.

    Für die Zeit im März bis Ende vergangener Woche werden detaillierte Verluste aufgeführt. So sei bis zu diesem Zeitpunkt der Systematica Alternative Risk Premia Fonds seit Jahresbeginn 4,3 Prozent im Minus gewesen.

    Der beim selben Anbieter angesiedelte Systematica Investments Fonds wurde von der wohl mächtigsten Hedgefonds-Chefin der Welt gegründet, der Brasilianerin Leda Braga. In der Branche wird sie auch die „Queen of Quants“ genannt, da die Ingenieurin bei Systematica den quantitativen Ansatz mit ihren über 100 Mitarbeitern lebt.

    Sie verwaltet rund neun Milliarden Dollar und sieht grundsätzlich auf Algorithmen basierende Hedgefonds auf dem Vormarsch. „Von den 10.000 Hedgefonds werden nur ein paar Hundert übrig bleiben“, erwartet Braga.

    Besonders schlecht sieht es laut „Financial News“ beim AQR Systematic Total Return Fund aus, der seit Jahresbeginn etwa zwölf Prozent eingebrochen ist. Der GAM Systematic’s Alternative Risk Premia verlor dagegen zwar zwischen dem ersten und dem 18. März zehn Prozent, seit Jahresbeginn konnte er aber ein Plus von 10,3 Prozent erzielen.

    Massive Verluste musste nach Angaben aus Finanzkreisen dagegen auch der Renaissance Technologies Hedgefonds hinnehmen. Er erlitt nicht nur in den ersten drei Märzwochen starke Verluste, sondern hat in diesem Jahr insgesamt bereits 24 Prozent verloren.

    Sein Renaissance Equity Fund investiert nur in börsennotierte Aktien in den USA, bei denen seine Computermodelle einen Kursanstieg erwarten. Renaissance wurde vom Mathematiker James Simons gegründet und sitzt in East Setauket im Staat New York.

    Auch den mit über 150 Milliarden Dollar weltgrößten Hedgefonds Bridgewater Associates hat es in der Krise hart getroffen. Die vom Milliardär Ray Dalio gegründete Gesellschaft verbucht seit Jahresbeginn ein Minus von 21 Prozent.

    Einbruch anders als in der Finanzkrise

    Für Anoosh Lachin, Portfoliomanager bei Aspect, fühlt sich der Einbruch in diesem März trotz allem anders an als der in der Finanzkrise 2008. Trotz der massiven Eingriffe, mit denen Regierungen und Notenbanken weltweit versuchen, die Wirtschaft vor den Folgen der Corona-Pandemie zu schützen, sei alles auf einem höheren Niveau abgelaufen.

    Zwar sei die Finanzkrise 2008 vielen Anlegern noch präsent. Doch die momentane Lage will der Hedgefonds-Manager lieber mit dem Ausbruch der Grippeepidemie 1918 vergleichen.

    Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege von Fidelity International, ist ebenfalls überzeugt, dass keine zwölf, sondern 102 Jahre zurückgeblickt werden sollte, um Parallelen zu erkennen. Damals habe die Rezession sieben Monate gedauert, obwohl einer zweiten Infektionswelle im Herbst 1918 mehr Menschen zum Opfer gefallen seien als in der ersten. Während der Pandemie starben damals fünf Prozent der Weltbevölkerung.

    In Bezug auf die aktuelle Situation schreibt Lachin, die Märkte seien eingefroren und suchten verzweifelt nach Liquidität. Er spricht von „massiven Kursschwankungen und einem Abbau des Schuldenhebels um 30 Prozent“. Zeitweise hätten die Anleger alles verkauft – auch Gold und Bundesanleihen, obwohl diese als sichere Häfen gelten.

    Für Lachin liegt der Vorteil von computergestützten, systematischen Handelsstrategien in der niedrigen Korrelation zu den Kapitalmärkten. Angesichts der hohen Kursschwankungen hätten die Investoren das Bedürfnis, Risiko aus ihren Portfolios zu nehmen, urteilt der Experte.

    Dass die Gefahren gerade auch für die US-Wirtschaft riesig sind, hat Dalios Bridgewater Associates in einem aktuellen Bericht geschrieben. Danach könnten die US-Firmen vier Billionen Dollar an Erlösen wegen des Coronavirus verlieren, wenn es nicht zu einer deutlichen fiskalischen oder geldpolitischen Reaktion komme.

    Der Verlust würde die Wirtschaft mehr als sechs Prozent schrumpfen lassen. In solchen Zeiten haben Hedgefonds eine gute Chance, ihre größere Stabilität gegenüber den Märkten zu beweisen.

    Mehr: Trotz des schwierigen Marktumfelds wittern aktivistische Hedgefonds angesichts der Coronakrise weiterhin ihre Chance.

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