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Folgen der Geldpolitik Wie deutsche Banken die Strafzinsen der EZB umgehen

Deutsche Kreditinstitute horten rund 37 Milliarden Euro Bargeld. Ihre Tresore werden immer voller. Auch bei Privatkunden steigt die Nachfrage nach Schließfächern.
30.09.2019 - 13:52 Uhr 3 Kommentare
Nach Angaben der Bundesbank hielten deutsche Kreditinstitute im Juli Bargeld im Wert von 37,4 Milliarden Euro. Quelle: mauritius images
Schließfächer

Nach Angaben der Bundesbank hielten deutsche Kreditinstitute im Juli Bargeld im Wert von 37,4 Milliarden Euro.

(Foto: mauritius images)

Frankfurt Für die meisten deutschen Finanzinstitute ist die Europäische Zentralbank (EZB) der Buhmann. Denn anders als in der Vergangenheit bekommen die Banken keine Zinsen, wenn sie über Nacht Geld bei ihrer Notenbank parken, sondern sie müssen stattdessen welche bezahlen.

Die Hoffnung, dass sich daran in absehbarer Zeit grundsätzlich etwas ändert, ist nach der letzten EZB-Zinsentscheidung Mitte September endgültig geschwunden. Eine gewisse Erleichterung schaffen allerdings neue Freibeträge, bis zu denen die Geldhäuser wenigstens zu null Prozent Liquidität parken können.

Zahlreiche Banken sind wegen der Zinssituation gezwungen, ihr Geschäftsmodell grundlegend umzubauen. Darüber hinaus greifen sie zu einer ganz profanen Maßnahme: Sie bunkern immer mehr Geld in ihren Tresoren, statt bei der Notenbank dafür Negativzinsen zu bezahlen. Und bei Privatkunden sind Schließfächer stark gefragt.

Begonnen hat diese Entwicklung 2016, als die EZB den Einlagenzins von minus 0,2 auf minus 0,4 Prozent drückte. Und Banker und Versicherer erwarten, dass sich der Trend nach der Senkung auf minus 0,5 Prozent am 18. September nun noch einmal verstärken wird. „Die Minuszinsen werden dazu führen, dass Kunden und Institute noch mehr Bargeld halten“, sagt ein Banker, der sich mit dem Thema schon länger intensiv beschäftigt.

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    Adam Gehrke teilt diese Einschätzung. Er leitet beim Industrieversicherungsmakler Marsh in Deutschland das Geschäft mit Finanzkonzernen. Und er bekommt zurzeit vermehrt Anfragen von Banken und Vermögensverwaltern, die höhere Summen absichern wollen.

    „Die Zahl der Tresore ist in letzter Zeit nicht gestiegen. Aber die Summen, die dort lagern, steigen“, berichtet Gehrke. Er ist überzeugt, dass dies so weitergehen wird. Selbst Bundesanleihen haben mittlerweile eine negative Rendite. Und einige Banken verlangen bei hohen Einlagen Negativzinsen. „Das wird definitiv dazu führen, dass Investoren mehr Geld und Wertgegenstände in Tresoren lagern“, sagt Gehrke.

    Grafik

    Die Banken selbst sprechen über das Thema nicht gern. Aber hinter vorgehaltener Hand bestätigen viele, dass sie damit liebäugeln, noch mehr Geld in ihre Tresore zu stopfen. „Viele denken darüber nach, noch mehr kokettieren damit“, sagt der Chef einer großen Sparkasse.

    Nach Angaben der Bundesbank hielten deutsche Kreditinstitute im Juli Bargeld im Wert von 37,4 Milliarden Euro. Das sind 40 Prozent mehr als im Durchschnitt des Jahres 2017 und mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2015. Grundsätzlich benötigen Finanzinstitute einen gewissen Kassenbestand, um den Zahlungsverkehr abzuwickeln und Kunden mit Bargeld zu versorgen. Der kräftige Anstieg ist aus Sicht der Bundesbank jedoch maßgeblich darauf zurückzuführen, dass Geldhäuser Negativzinsen vermeiden wollen.

    Die Bundesbank vermutet, „dass Kreditinstitute gegenwärtig in Deutschland Banknoten mit einem Wert von mehr als zehn Milliarden Euro halten, um Negativzinsen zu vermeiden“, wie es im Monatsbericht von März 2018 heißt. Die Filialen der Bundesbank berichten seit Mitte 2016 von auffälligen Geldbestellungen durch Kreditinstitute.

    Auf europäischer Ebene ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten, auch wenn die Zuwachsraten dort bisher geringer ausfallen als in der Bundesrepublik. Laut EZB-Daten sind die Kassenbestände von Finanzinstituten in der Euro-Zone von Januar 2016 bis Juli 2019 um 57 Prozent gestiegen auf 81,5 Milliarden Euro.

    Deutsche bunkern am meisten

    Die Senkung des Einlagenzinses auf minus 0,4 Prozent im März 2016 sei für einige Banken ein „Schlüsselmoment gewesen, nach dem diese entschieden haben, einen Teil ihrer Liquidität in Bargeld umzuwandeln“, schrieb die EZB schon in einem Aufsatz von September 2018.

    Für diese Institute seien die Kosten für die Bargeldlagerungen offenbar geringer als die Kosten durch die Negativzinsen. Der Anstieg des Bargeldbestands von Banken in der Euro-Zone sei zu fast 70 Prozent auf deutsche Geldhäuser zurückzuführen. Mit deutlichem Abstand folgten Institute aus Italien, Frankreich, Österreich und Spanien.

    Vor diesen Herausforderungen stehen die Banken
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    3 Kommentare zu "Folgen der Geldpolitik: Wie deutsche Banken die Strafzinsen der EZB umgehen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ Hans Schönenberg

      Lesen Sie das erwähnte Buch von Hrn. Häring, da fallen Sie vom Hocker. Gerade Schweden ist ein "Testkaninchen" für die Bargeldabschaffung. Bezeichnend ist jedoch, dass dort ausgerechnet ein ehemaliger Polizeichef (!) Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen die Abschaffung ist. Daran lässt sich eben auch erkennen, dass die "Kriminalitätsbekämpfung" (Geldwäsche, Terrorfinanzierung usw.) ein reiner Vorwand ist.

    • Fakt ist: z.B. in Skandinavien wird mit Kreditkarten bezahlt, auch ganz kleine Beträge. In Deutschland wird immer noch von großen Bevölkerungsteilen meistens bar bezahlt! Das ist in anderen Ländern auch so (z.B. Polen) € 500,-- Noten habe ich nie benötigt! Die Zukunft liegt halt immer mehr im "Plastik"-Geld. Das hat absolut nichts mit Freiheitsrechten zu tun! - mit Krieg auch nicht! - Da wird es langsam nervig.

    • Vor über 10 Jahren hat irgendein Autor in einem Finanzbuch sinngemäß geschrieben, dass die Zentralbanken die Zinsen niemals unter 0% senken könnten, weil es dann selbst der Allerdümmste vorziehen würde, seine Ersparnisse in Cash zu halten.
      So kann man sich täuschen. Das geht aber natürlich nur mit immer stärkeren Einschränkungen der Freiheitsrechte. Dämmert es immer noch nicht, weshalb "man" einen immer heftigeren Krieg gegen das Bargeld führt? Und dazu gehört natürlich auch die sukzessive Abschaffung großer Nominale. Wenn Big Player Milliardenbeträge in 500-Euro-Noten lagern, benötigen sie nun einmal wesentlich weniger Platz, als wenn sie nur noch 50-Euro-Noten lagern können.
      Das hat Ihr Redakteur Frank Wiebe eben nicht kapiert:
      https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-der-100-euro-schein-ist-ein-problem-und-gehoert-abgeschafft/24515394.html
      Dafür jedoch der Norbert Häring ("Schönes neues Geld") voll und ganz.

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