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Fondsgesellschaft DWS rechnet im Gesamtjahr 2020 mit schwächeren Erträgen

Die Deutsche-Bank-Tochter profitiert aber von der Erholung an den Finanzmärkten und Einsparungen. Neues Geld gelangte allerdings vor allem in ETFs und Geldmarktfonds.
29.07.2020 Update: 29.07.2020 - 16:17 Uhr Kommentieren
Im Frankfurter Frühhandel legte die Aktie des Vermögensverwalters um drei Prozent zu. Quelle: Reuters
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Im Frankfurter Frühhandel legte die Aktie des Vermögensverwalters um drei Prozent zu.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Die DWS stellt sich wegen der anhaltenden Corona-Pandemie für das Gesamtjahr 2020 auf niedrigere Erträge im Vergleich zu 2019 ein. „Da die Pandemie andauert, erwarten wir, dass die bereinigten Erträge, allerdings auch die bereinigten Kosten unter den Werten für 2019 liegen werden“, erklärte die Fondstochter der Deutschen Bank zur Vorlage der Geschäftszahlen für das zweite Quartal. „Der Erholungspfad (für die Wirtschaft) wird deutlich länger werden als weithin erwartet“, sagte DWS-Chef Asoka Wöhrmann zu den Folgen der Pandemie auf der Analystenkonferenz zu den Zahlen.

Bereits im ersten Halbjahr sind die bereinigten Erträge gegenüber dem Vorjahreshalbjahr um sechs Prozent gesunken. Durch Maßnahmen zur Effizienzsteigerung wurden die Kosten im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum aber um zwölf Prozent gesenkt. „Unser Fokus auf Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz zahlt sich weiterhin aus“, sagte DWS-Finanzchefin Claire Peel. „Wenn nötig, sind weitere Kostenersparnisse möglich“, ergänzte sie.

Im zweiten Quartal konnte die DWS unter dem Strich aber überraschend viel Anlegerkapital in Höhe von 8,7 Milliarden Euro einsammeln. Investoren steckten neues Geld allerdings vor allem in die relativ margenschwachen indexnachbildenden Fonds, ETF, denen netto 6,5 Milliarden Euro Kapital zufloss, und parkten 6,3 Milliarden Euro Kapital in Geldmarktfonds.

Aus aktiv gemanagten Fonds zogen Anleger per Saldo gut vier Milliarden Euro ab, vor allem aus Anleihefonds. Auch aus Fonds, die aus verschiedenen Wertpapierarten gemischt sind, floss unterm Strich Geld ab, während Aktienfonds eine Milliarde Euro einsammelten.

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    Das über längere Zeit gewichtige Engagement der DWS in Aktien des nun insolventen Zahlungsabwickler Wirecard hat nach Aussage Wöhrmanns „keinen direkten Einfluss“ auf die Kapitalflüsse gehabt, zumal deutsche Aktienfonds im zweiten Quartal unterm Strich neues Kapital eingesammelt hätten. Das Investment habe nur zu einer leichten Unterperformance in deutschen Aktienfonds geführt, betonte er. Zeitweilig war der Flaggschifffonds „DWS Deutschland“ mit gut zehn Prozent des Fondsvermögens an Wirecard beteiligt.

    Verwaltetes Vermögen gestiegen

    Analysten hatten für die DWS rund halb so hohe Zuflüsse im zweiten Quartal erwartet. Nach Netto-Abflüssen im ersten Quartal von 2,5 Milliarden Euro bleibt der DWS damit im ersten Halbjahr neues Kapital von 6,2 Milliarden Euro. Gut die Hälfte dieser Zuflüsse gelangten indes in aktive und passive Fonds, die das Geld nachhaltig anlegen.

    Das verwaltete Vermögen beim größten deutschen Fondshaus für private Anleger stieg im zweiten Quartal vor allem mit den sich wieder erholenden Börsen um 45 Milliarden Euro auf 745 Milliarden Euro.

    Bei den großen deutschen Konkurrenten entwickelten sich die Kapitalflüsse schwächer, wie ein Blick auf die vor allem für private Anleger aufgelegten Publikumsfonds zeigt. Die DWS sammelte dort nach Zahlen des Fondsratinghauses Morningstar im ersten Halbjahr vor allem in Geldmarkt-, Immobilienfonds und ETFs insgesamt gut zehn Milliarden Euro ein. Die Sparkassenfondstochter Deka verbuchte unterm Strich 2,7 Milliarden Euro Zuflüsse, die genossenschaftliche Union Investment 1,1 Milliarden Euro. Bei der Allianz-Tochter Allianz Global Investors zogen Anleger dagegen netto 0,7 Milliarden Euro ab.

    Managementgebühren sinken

    Die bereinigten Erträge der DWS sanken im zweiten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahresquartal um gut neun Prozent auf 551 Millionen Euro. Höheren Performance- und Transaktionsgebühren standen geringere Managementgebühren als Folge eines niedrigeren durchschnittlichen verwalteten Vermögens während des Quartals gegenüber.

    Die Managementgebührenmarge ging im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 0,3 Prozentpunkten auf 0,286 zurück. Im ersten Halbjahr sanken die Erträge gegenüber dem Vorjahreshalbjahr auf 1074 Millionen Euro von zuvor 1142 Millionen Euro.

    Seine Kosten konnte das Fondshaus weiter senken. Zwar stiegen die bereinigten Kosten im zweiten Quartal aufgrund höherer aktienkursabhängiger Vergütungen, doch im Vergleich zum Vorjahresquartal sanken sie um 14 Prozent auf 362 Millionen Euro. Im Halbjahresvergleich gingen sie um zwölf Prozent zurück auf 707 Millionen Euro.

    Kosten weiter deutlich gesenkt

    Im ersten Halbjahr wurden die bereinigten Kosten im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 707 Millionen Euro reduziert – von zuvor 804 Millionen Euro. Dabei sanken sowohl der Personal- als auch der Sach- und sonstige Aufwand.

    Die DWS dreht schon seit Jahren an der Kostenschraube und hat sich bis Ende des Jahres im Vergleich zu 2017 Einsparungen von 150 Millionen Euro brutto vorgenommen. Zuletzt hat DWS-Chef Asoka Wöhrmann die Führungsstruktur verschlankt und Kernsparten neu geordnet. Seit dem 1. Juli gehören dem Vorstand außerdem nur noch sechs statt acht Mitglieder an.

    Außerdem baut Wöhrmann eine Matrixstruktur zwischen Funktionen und Regionenverantwortung, die bei globalen Vermögensverwaltern vielfach üblich ist. So leitet Wöhrmann auch das Asiengeschäft, Finanzvorstand Claire Peel ist ebenfalls für das Europageschäft verantwortlich und Organisationschef Mark Cullen von New York aus für das US-Geschäft. „Wir haben unsere globale Geschäftsstruktur vereinfacht, um noch kundenorientierter, flexibler, effizienter zu werden“, erklärt DWS-Chef Asoka Wöhrmann.

    Ihre Kosten-Ertrags-Marge (Cost-Income-Ratio, CIR) hat die DWS im zweiten Quartal von 69,5 Prozent ein Jahr zuvor auf 65,7 Prozent gesenkt. Damit kommt das Haus nah an sein mittelfristiges Ziel von unter 65 Prozent bis 2021 heran.

    Der bereinigte Vorsteuergewinn kletterte daher im Vergleich zum ersten Quartal um fünf Prozent auf 189 Millionen Euro und lag ebenfalls über den Analystenerwartungen. Gegenüber dem zweiten Quartal 2019 stieg der Gewinn um zwei Prozent von 185 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr legte der Gewinn An der Börse legte die DWS-Aktie zunächst zu, notierte zuletzt aber rund drei Prozent im Minus. Die DWS bestätigte indes ihren Vorschlag, eine Dividende von 1,67 Euro zu zahlen. Die Hauptversammlung ist für den 18. November angesetzt.

    Große Investoren loben das strikte Kostenmanagement der DWS und die branchenweit hohen Kapitalzuflüsse. Auch im europäischen Vergleich „hat die DWS stark eingesammelt“, lobt ein internationaler Investor. Wermutstropfen bleibt für ihn allerdings die „etwas stärker als erwartet“ gesunkene Managementgebührenmarge: Denn die Aktienkurse müssten schon massiv weiter klettern, damit die Marge wieder steigen könne.

    Für einen anderen Großinvestor kommt es auf dem aktuellen Niveau der ETF-Marge von geschätzten knapp 0,2 Prozentpunkten nun darauf an, ob das Passivgeschäft „so stark wächst, dass die gesunkene Marge ausgeglichen werden kann“. Die DWS müsste dafür in diesem Jahr rund 15 Milliarden Euro neues ETF-Kapital einsammeln; bisher sind es per Saldo 4,5 Milliarden Euro.

    DWS bereit für Übernahmen

    Die DWS sieht sich für die aktuelle Krise gewappnet, ebenso für den zunehmenden Margendruck in der Branche durch Überkapazitäten und die billigen ETFs. Wöhrmann betonte in dem Zusammenhang einmal mehr den Mix seine Hauses aus aktiv gemanagten und passiven Produkten sowie strategische Partnerschaften vor allem in Asien wie auch mögliche Zukäufe.

    Besonders über strategische Kooperationen will Wöhrmann den „regionalen Fußabdruck“ der DWS vergrößern. Mit der neuen Partnerschaft des US-Hauses Northwestern Mutual Capital soll etwa die Produktpalette bei Private Equity verbreitert sowie der Absatzkanal USA gestärkt werden. In Asien „arbeitet“ Wöhrmann zudem konkret an einer neuen Kooperation. Die DWS ist bereits am chinesischen Fondshaus Harvest beteiligt.

    Zu den Berichten über einen möglichen Verkauf der Fondsvertriebsplattform IKS hielt sich der DWS-Chef bedeckt. In dem Bereich tue sich viel, die gesamte Branche arbeite an ihren Vertriebsplattformen in der Vermögensverwaltung. „Wir prüfen und überlegen, welche strategischen Optionen wir haben, um unsere Fondsplattform in die nächste Ära zu führen“, sagte Wöhrmann.

    IKS betreut rund zwei Millionen Kunden mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 100 Milliarden Euro. Als möglicher Interessent für das Geschäft wird die Deutsche Börse gehandelt, die erst Anfang des Jahres der Schweizer Großbank UBS ihre Fondsvertriebsplattform Fondcenter AG abgekauft hatte.

    Ferner „scannt“ die DWS Möglichkeiten für Übernahmen, sagte der DWS-Chef – zumal die Covid-Pandemie den Konsolidierungsdruck erhöhen könnte. Aktuell sei es noch zu früh zuzuschlagen, schränkte er sein, da die Coronakrise noch im vollen Gange sei.

    Mehr: Deutsche Bank übertrifft in der Coronakrise die Erwartungen.

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