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Fusionen und Übernahmen Deals im Mittelstand stützen den M&A-Markt

Die Coronakrise sorgt für eine Flaute bei großen Fusionen und Übernahmen. Aber bei Abschlüssen im deutschen Mittelstand gibt es viele Lichtblicke.
21.05.2020 - 14:13 Uhr Kommentieren
Corona: Deals im Mittelstand stützen den M&A-Markt Quelle: dpa
Sonnenuntergang in Frankfurt

Die M&A-Branche macht bei großen Deals eine Pause

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Abschluss der Transaktion erfolgte vor wenigen Tagen, mitten in der Corona-Pandemie. Das Beteiligungshaus Silver Investment Partners übernahm mit der Lucien Ortscheit GmbH einen führenden Spezialpharmahändler für nicht lizensierte Arzneimittel. Die Firma operiert in einem Nischengeschäft, das jährlich mit rund fünf bis zehn Prozent wächst. Zum Kundenstamm zählen mehrere Tausend Adressen aus über 60 Ländern. In diesem Spezialsegment des Pharmahandels werden der zeitliche Verzug bei Erstzulassungen oder Arzneimittelengpässe überbrückt, was etwa Patienten mit seltenen Krankheiten zugute kommt.

Der Deal zeigt beispielhaft, dass es trotz der verheerenden Folgen von Corona im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) weiterhin Lichtblicke gibt. „Für die richtige Sache und aussichtsreiche Investments ist unverändert viel Liquidität im Markt. Die Erfahrung zeigt, dass Krisen wieder zu mehr Bewegung im Transaktionsmarkt führen“, sagt Philipp Amereller, geschäftsführender Partner von Silver Investment Partners.

Investoren wie Amereller profitieren von einigen Besonderheiten im deutschen und teilweise auch im europäischen M&A-Markt. Tausende Mittelständler brauchen Kapital für die Expansion ihrer Geschäftsmodelle oder den Zukauf von Wettbewerbern, außerdem rückt die Nachfolgeregelung für die Generation der Babyboomer in den Fokus. Nach der Krise werden auch Umweltfragen und die Digitalisierung eine noch größere Rolle spielen und M&A-Aktivitäten auslösen.

„Wir bekommen rund 400 Vorschläge für Investments auf den Tisch, von denen wir uns zehn bis 15 genauer anschauen und zwei bis drei Transaktionen umsetzen“, sagt Amereller, der Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen in Unternehmen mit Umsätzen zwischen fünf Millionen und 100 Millionen Euro tätigt. „Wir mobilisieren langfristiges Kapital von vermögenden Privatpersonen und Family Offices für Beteiligungen an Mittelständlern und Familienunternehmen.“

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    Zu den aktuell im Fokus stehenden Branchen gehörten beispielsweise Softwarefirmen, Healthcare sowie die Pharmaindustrie, ergänzt Amereller, der seine Investments aus dem Taunusstädtchen Königstein heraus plant.

    Firmen im Bereich Healthcare sind gesucht

    Auch Sven Oleownik, Partner und Deutschlandchef bei der Investmentgesellschaft Gimv, sieht Marktbewegungen – vor allem bei Unternehmen, die Corona-resilient seien. Diese wollten nun schnell weiter Gas geben, etwa in den Bereichen Nahrungsmittel, Informationstechnik, Digitalisierung, Sicherheit, Infrastruktur, Healthcare und Medizintechnik. „Sobald die Krise abflacht und mehr Zukunftssicherheit besteht, werden auch wieder mehr Unternehmen auf dem Markt sein, die vor der Krise gesund und dann in der Krise angeschlagen waren“, ergänzt der Manager.

    Karsten Wulf, Gründer und Geschäftsführer der Zwei.7-Gruppe, sieht ebenfalls eine wachsende Nachfrage im Mittelstand, wobei auch Unternehmerkapital für Unternehmer mobilisiert wird. „Family Equity ist ruhiges Geld. Es geht in erster Linie um langfristige Investments über Mehrheitsbeteiligungen“, sagt der Manager. Vielen Interessenten gehe es nicht nur um das Geld, sie seien vor allem auf der Suche nach unternehmerischen Sparringspartnern.

    Abgesehen vom deutschen Mittelstandsgeschäft hat der globale M&A-Markt einen beispiellosen Einbruch erlitten. Im April 2020 wurden weltweit Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 63,6 Milliarden Euro angekündigt, 72 Prozent weniger als im Vormonat und gleichzeitig der niedrigste monatliche Gesamtwert seit September 2002, wie aus Daten des Informationsdienstleisters Refinitiv hervorgeht.

    Die weltweit angekündigten Transaktionen im gesamten ersten Quartal des Jahres 2020 summieren sich auf einen Wert von 728 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von 39 Prozent gegenüber dem vergangenen Jahr und dem niedrigsten Stand seit 2013. Der deutsche Markt hielt sich besser und verzeichnete von Januar bis April insgesamt 445 Deals im Wert von 40 Milliarden Euro.

    Auch gibt es weiter Interesse seitens der institutionellen Geldgeber am Markt für mittelgroße Deals. Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) konnte Mitte Mai den Abschluss der Platzierung für ihren Fonds VIII bekannt geben, gut 1,1 Milliarden Euro erreichten die Kapitalzusagen. Die Rahmenbedingungen für neue Investments seien kurzfristig zwar ungünstig, allerdings ergäben sich für langfristiges Eigenkapital für den deutschen Mittelstand auch zusätzliche Chancen, hieß es bei der DBAG.

    Verschont bleibt das M&A-Geschäft mit Mittelstandsfirmen von der Krise aber nicht. „Bei Fusionen und Übernahmen im mittelständischen Bereich befürchte ich einen Rückgang bei der Anzahl der Transaktionen um rund 40 Prozent. Damit fällt das Ergebnis aber immer noch deutlich besser aus als bei großen Deals, wo die Einschnitte noch massiver sein werden“, glaubt Michael Drill, Vorstandschef von Lincoln International in Deutschland.

    Angesichts der Unsicherheiten leisteten sich Konzerne zwar Akquisitionen in dreistelliger Millionenhöhe, sagt Drill. Milliardenschwere Deals mieden sie jedoch. Sie seien ihnen zu risikoreich und auch nur schwer finanzierbar. Letzter Mega-Deal war die Übernahme des Aufzugsgeschäfts von Thyssen-Krupp durch Finanzinvestoren für gut 17 Milliarden Euro – ein Deal, der so heute kaum noch über die Bühne gehen würde, meinen Investmentbanker. Eher gehen jetzt kleinere Transaktionen, wie etwa der Verkauf einer Beteiligung am Spielentwickler Daedelic Entertainment durch den Verlag Bastei Lübbe vor wenigen Tagen.

    Mehr Deals im zweiten Halbjahr

    Die Finanzinvestoren stehen ebenfalls in den Startlöchern, um im zweiten Halbjahr wieder stärker mitzumischen. Die Private-Equity-Häuser haben bisher die Liquidität gesichert, staatliche Hilfen für Portfoliounternehmen geprüft und Kosteneinsparungen eingeleitet. Nach der Sommerpause könnten die Deals im Mittelstand dann wieder deutlich an Dynamik gewinnen.

    „Derzeit verhalten sich Unternehmen vorsichtig und zurückhaltend. Allerdings werden strategische M&A-Pläne durchaus weiterverfolgt“, sagt Axel Höfer, Managing Director bei der Investmentbank Goldman Sachs in Frankfurt. Spätestens bis zum Herbst werde sich zeigen, ob viele der Pläne „auf Eis“ gelegt werden. Aber man sehe nicht nur Probleme. Es gebe Sektoren wie Pharma oder den Online-Handel, denen es aktuell recht gut gehe.

    Weil die Börsenkurse mittlerweile wieder stark aufgeholt haben, sind Mittelständler vergleichsweise preiswerter zu haben, was den Dealflow in diesem Segment stützt. „Börsennotierte Unternehmen mussten zwar am Anfang der Krise massive Kurskorrekturen hinnehmen“, sagt Lincoln-Vorstand Drill.

    „Inzwischen ist jedoch ein Großteil der Verluste wieder aufgeholt worden. Das macht die Firmen teuer, denn die Gewinnschätzungen werden am laufenden Band nach unten angepasst, und die Bewertungen fallen dadurch immer höher aus.“ Im Vergleich dazu seien nicht an der Börse notierte Unternehmen im Preis realistischer bewertet.

    „Derzeit sind im M&A-Geschäft vor allem die Auktionsprozesse ausgesetzt“, meint Armin von Falkenhayn, Deutschlandchef bei der Bank of America. „Bei anderen Transaktionen laufen die Vorbereitungen weiter, und wir gehen davon aus, dass wir wieder vermehrt M&A-Aktivitäten sehen werden, sobald sich die Volatilität weiter reduziert hat und eine Preisfindung für Verkäufer und Käufer wieder möglich ist.“
    Entscheidend wird sicher sein, wie schnell sich die Wirtschaft vom Pandemie-Schock erholt. Jan Pörschmann, Managing Partner bei Proventis Partners, geht nicht von einem V- oder U-förmigen Verlauf der Wirtschaft, sondern eher von einem Wurzelzeichen aus, das heißt einer Rückkehr des Wirtschaftswachstums auf deutlich niedrigerem Niveau.

    „Das wird sich in den Kaufpreisen von besonders betroffenen Branchen widerspiegeln. Ich erwarte im Mittel, über alle Branchen, eine Korrektur der Bewertungen um 20 bis 30 Prozent, voraussichtlich mit einem Zeitverzug von etwa einem halben Jahr, wenn sich die konjunkturellen Perspektiven verdichten“, so Pörschmann.

    Dass die Deals auch durch die Coronakrise hindurch lukrativ bleiben, davon sind Beteiligungsmanager wie Amereller von Silver Investment Partners überzeugt. Die Renditevorstellungen lägen nach wie vor bei mindestens 20 Prozent.

    Mehr: Die Krisenbekämpfung sorgt für eine Zäsur im Investmentbanking.

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