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Fusionen und Übernahmen Finanzinvestoren warten auf bessere Zeiten

Die Private-Equity-Manager spüren die Corona-Folgen. Die Zahl der Firmenkäufe ist im ersten Halbjahr gesunken. Doch viele Deals sind nur aufgeschoben.
04.08.2020 - 09:00 Uhr Kommentieren
Der Verkauf der Sparte markierte mit 17,2 Milliarden Euro den größten Buyout durch Finanzinvestoren überhaupt in Deutschland. Quelle: Reuters
Aufzugsparte von Thyssen-Krupp

Der Verkauf der Sparte markierte mit 17,2 Milliarden Euro den größten Buyout durch Finanzinvestoren überhaupt in Deutschland.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Die Folgen der Coronakrise treffen die erfolgsverwöhnten Beteiligungsmanager. Die Zahl der Transaktionen mit Beteiligung von Private-Equity-Häusern brach im ersten Halbjahr in Deutschland gegenüber der Vergleichszeit 2019 um 16 Prozent auf 94 Deals ein. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Die Zahl der Transaktionen war damit so niedrig wie zuletzt im Jahr 2016. Im ersten Quartal wurden 56 Transaktionen registriert, im zweiten Vierteljahr nur noch 38.

Finanzinvestoren kaufen Konzernteile oder Mittelständler unter Einsatz von Eigen- und Fremdkapital. Nach in der Regel drei bis sieben Jahren der Restrukturierung werden die „Assets“ zu einem höheren Preis verkauft oder an die Börse gebracht.

Trotz des deutlichen Rückgangs bei der Zahl der Transaktionen nahm das Volumen im ersten Halbjahr wegen zweier Mega-Deals extrem zu. Der Verkauf der Aufzugsparte von Thyssen-Krupp an ein Konsortium um Advent, Cinven und RAG markierte mit 17,2 Milliarden Euro den größten Buy-out durch Finanzinvestoren überhaupt in Deutschland. Hinzu kam die 2,8 Milliarden Euro schwere Übernahme der Deutschen Glasfaser durch die Investoren EQT und Omers.

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    Dadurch war der Wert aller Transaktionen von Januar bis Juni mit 24,2 Milliarden Euro mehr als dreimal so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Das war gleichzeitig ein Rekord für eine Halbjahresbilanz.

    EY-Partnerin Sandra Krusch attestierte den Finanzinvestoren aktuell eine eher defensive Haltung: „Die Corona-Pandemie hat im ersten Halbjahr den deutschen Private-Equity-Markt bestimmt. Die Finanzinvestoren waren zunächst zurückhaltend, weil die Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen noch nicht richtig abzuschätzen waren. Zahlreiche Deals wurden daher auf Hold gesetzt.“ Mit den Finanzergebnissen des zweiten Quartals könnten die Investoren diese Auswirkungen nun besser beurteilen, sagt die Leiterin Private Equity für den deutschsprachigen Markt.

    Hoffen auf den Herbst und das kommende Jahr

    Die Zurückhaltung hat sich auch bei den Exits bemerkbar gemacht: Die Verkäufe von Portfoliounternehmen im Besitz von Private-Equity-Fonds fielen leicht auf 42 zurück. Es kamen lediglich 14 sogenannte Secondary Buy-outs zustande – also Verkäufe von einem Finanzinvestor an einen anderen. Das ist der niedrigste Wert seit dem ersten Halbjahr 2016. Strategische Käufer zeigten regeres Interesse: 28 Mal standen sie als Abnehmer von Unternehmensbeteiligungen von Finanzinvestoren bereit, in der Vorjahresperiode war dies nur 21 Mal der Fall gewesen.

    Das Umfeld für Verkäufe oder gar Börsengänge sei insgesamt gesehen äußerst ungünstig gewesen, heißt es in der Studie. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf dem weiteren Jahresverlauf und dem ersten Quartal 2021, wie ein Investmentbanker erklärt: „Viele Private-Equity-Fonds sind bereit, sich von Portfoliounternehmen zu trennen, die sie schon einige Jahre besitzen. Ab September werden wir sicher wieder vermehrt Transaktionen aus diesem Bereich sehen.“ Bei den Investments standen die Industrie und Informationstechnologie ganz oben bei den Deals.

    Nach Ansicht von EY-Managerin Krusch wird eine leichte Erholung des Private-Equity-Marktes in der zweiten Jahreshälfte erkennbar sein. Viele Deals, die zunächst ausgesetzt wurden, seien weiterhin in der Pipeline. Sofern die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht gravierender würden, dürfte der Private-Equity-Markt im weiteren Jahresverlauf „an Fahrt aufnehmen“.

    Tibor Kossa, Co-Chef für Fusionen und Übernahmen (M&A) im deutschsprachigen Markt bei der Investmentbank Goldman Sachs, beobachtet, dass es derzeit relativ viel Kaufwillige wie beispielsweise auch Private-Equity-Gesellschaften gebe, die attraktive Gelegenheiten für Akquisitionen nutzen wollten.

    Großes Interesse an Investments in stabilen Bereichen

    Allerdings würden sie aktuell nur relativ wenige freiwillige Verkäufer finden. Kurzfristig erwarte man eher Aktivität in stabilen Branchen, die trotz Corona einen klaren Ausblick bieten könnten und in denen es keine Verwerfungen bei den Bewertungen gebe. Da kämen zum Beispiel die Bereiche Infrastruktur, Pharma, Technologie, E-Commerce und Telekom infrage.

    Die Private-Equity-Branche verfügt nach wie vor über sehr hohe liquide Mittel. Entsprechend groß ist das Interesse an Investments in stabilen Bereichen, bei zyklischen Industrien ist man zurückhaltend. Wegen Corona wird es in den konjunktursensiblen Branchen in den nächsten Jahren ein deutlich geringeres Transaktionsvolumen geben.

    Im Gegensatz zu den strategischen Käufern aus der Industrie haben Finanzinvestoren etwas höhere Preise gezahlt. Laut der Investmentgesellschaft Argos Wityu lagen die Bewertungen im zweiten Quartal beim 9,3-Fachen des operativen Gewinns nach 8,3 im Zeitraum Januar bis März.

    Mehr: Nach der Flaute erwarten Experten eine Welle von Unternehmensverkäufen.

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