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Geldhäuser Russlands Zentralbank reicht Rekordklage ein

Die russische Zentralbank macht den Ex-Managern der Großbank Otkrytije den Prozess. Ein Name fehlt aber überraschend auf der Liste der Angeklagten.
05.07.2019 - 08:30 Uhr Kommentieren
Die russische Zentralbank verlangt einen Schadenersatz von vier Milliarden Euro - eine Rekordsumme. Quelle: imago/Sven Simon
Moskauer Bankenviertel

Die russische Zentralbank verlangt einen Schadenersatz von vier Milliarden Euro - eine Rekordsumme.

(Foto: imago/Sven Simon)

Moskau Zwei schwere Jahre hat die Sanierung der Moskauer Großbank „Otkrytije“ gedauert. Jetzt erklärte die Zentralbank den Prozess für abgeschlossen – die Aufarbeitung der Beinahe-Pleite dauert aber an: Jetzt nehmen die Geldhüter die ehemaligen Besitzer und das frühere Top-Management des Bankhauses ins Visier: Vor dem Moskauer Schiedsgericht hat die Zentralbank im Namen der von ihr übernommenen „Otkrytije“ Klage über 290 Milliarden Rubel – umgerechnet vier Milliarden Euro – eingereicht.

Die Zentralbank hatte bei der Otkrytije als Retter einspringen müssen, nachdem sich das Geldhaus mit teuren Übernahmen verhoben hatte. Im August 2017 übernahm sie die Geschäfte und begann mit der Sanierung.

An Zuschüssen und Krediten musste die Zentralbank dabei einen zweistelligen Milliardenbetrag in Euro aufbringen, um Otkrytije vor der Pleite zu bewahren. Allein um den mit Otkrytije verbandelten größten Versicherungskonzern Russlands Rosgosstrakh zu retten, habe die Zentralbank 120 Milliarden Rubel (umgerechnet 1,7 Milliarden Euro) aufwenden müssen, teilte Rosgosstrakh-Chef Nikolaus Frei dem Handelsblatt mit.

Wegen des Beinahe-Bankrotts müssen sich nun vier Männer und eine Frau verantworten: Ex-Großaktionär Wadim Beljajew, Ex-Vorstandschef Jewgeni Dankewitsch sowie die damals für Retail und Corporate Geschäft verantwortlichen Vorstände Jelena Budnik und Gennadi Schuwljow. Zudem wurde Klage gegen die frühere Muttergesellschaft der Bank „Otkrytije Holding“ eingereicht.

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    Zweck der Klage sei es, die Verluste, die aus den zur Verfügung gestellten Refinanzierungsmitteln und den nötigen Einlagen entstanden sind, zurückzufordern, teilte die Zentralbank mit. Dabei machte sie allerdings keine näheren Angaben zu den Vorwürfen gegen die Angeklagten.

    Ob das Einklagen von Schadenersatz tatsächlich Resultate bringt, bleibt abzuwarten. Beljajew und Dankewitsch zumindest sind bereits 2017 nach Bekanntwerden der finanziellen Probleme von Otkrytije außer Landes geflohen und leben seitdem in London. Beljajew soll allerdings immer noch etwa 28 Prozent der „Otkrytije Holding“ kontrollieren, die wiederum Aktiva unter anderem bei der Förderung von Edelsteinen besitzt.

    Parallelen zur Promswjasbank

    Die Schadensersatzforderung in Höhe von vier Milliarden Euro ist für russische Verhältnisse ein Rekord. Die bisher höchste Regressforderung hat die russische Finanzaufsicht gegen die ehemaligen Besitzer der ebenfalls 2017 in finanzielle Schieflage geratenen „Promswjasbank“ (PSB) erhoben.

    Otkrytije und PSB gehörten bis zu ihrer erzwungenen Übernahme durch die Zentralbank zu den zehn größten Instituten im russischen Bankensektor. Eine weitere Parallele: Beide Banken hatten zuvor selbst im Auftrag der Zentralbank kleinere in Not geratene Banken saniert – und sich dabei wohl übernommen.

    In Finanzkreisen wurde die Einreichung der Klage zum jetzigen Zeitpunkt als überraschend bewertet. Erstaunlich sei auch, dass auf der Liste nicht Alexej Karachan auftauche, erklärte ein mit der Situation vertrauter Finanzier dem Handelsblatt. Karachan hatte als Generaldirektor der Otkrytije im Krisenjahr 2017 enormen Einfluss auf die Geschäfte des Bankhauses genommen, gegen ihn hatte es in der Presse schwere Vorwürfe gegeben.

    Unter anderem die „Financial Times“ hatte 2017 berichtet, dass „mehrere Mitglieder des Otkrytije Top-Managements, darunter Alexej Karachan“ kurz vor dem Einspringen der Zentralbank als Insolvenzverwalter eigene Gelder aus der Bank abgezogen hätten. Umso erstaunlicher, dass Karachan nun bei der Klage außen vor gelassen wurde.

    Immerhin kann die Zentralbank Otkrytije mit einer Erfolgsmeldung aus der Sanierung entlassen. Demnach hat die Anfang 2019 mit der Binbank zu Russlands drittgrößtem Geldhaus fusionierte Otkrytije in den ersten fünf Monaten einen Gewinn von umgerechnet knapp 340 Millionen Euro erzielt – eine Vervierfachung des Vorjahresergebnisses. Für das Halbjahr wird ein Gewinn von 400 Millionen Euro erwartet.

    Schritt für Schritt will die Zentralbank Otkrytije wieder privatisieren. 2021 soll das erste Aktienpaket über 20 Prozent verkauft werden.

    Mehr: Die russische Zentralbank hat die Ausgabe von Kopeken eingestellt. Warum das aber trotzdem nicht das Ende des Bargelds in Russland ist.

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