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Geldhäuser Warum der Run auf eine Provinzbank China in Aufruhr versetzt

Gerüchte um die baldige Pleite einer kleinen Bank haben die Kunden in Aufregung versetzt. Der Vorfall schürt Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems Chinas.
05.11.2019 - 16:55 Uhr Kommentieren
Kleinsparer in China fürchten zunehmend um ihre Einlagen. Quelle: Unsplash
Straße in der Provinz Henan

Kleinsparer in China fürchten zunehmend um ihre Einlagen.

(Foto: Unsplash)

Peking Es waren Äußerungen auf dem chinesischen Messengerdienst WeChat, die Frau Wang in Schwierigkeiten brachten. Weil sie „Gerüchte“ verbreitet habe, hieß es von der lokalen Polizeibehörde in Yichuan, ist die 29-Jährige am vergangenen Mittwoch für fünf Tage inhaftiert worden.

Wangs Vergehen: Sie habe die falsche Information verbreitet, dass die lokale Yichuan Rural Commercial Bank bald pleitegehen werde. Die Diskussionen im Internet lösten einen Run auf die Provinzbank aus. Tagelang versuchten die Bankkunden, ihr Geld abzuholen. Videos von chinesischen Staatsmedien zeigen lange Menschenschlangen vor den Filialen.

Am Mittwoch erklärte die chinesische Aufsichtsbehörde, dass gegen den ehemaligen Chef der Bank und größten Anteilseigner, Kang Fengli, wegen des Verdachts auf Korruption ermittelt wird. Dieser Verdacht wurde am Montag weiter genährt: Chinesische Onlinemedien berichteten, dass bei der Yichuan Bank Ende 2018 die faulen Kredite erheblich gestiegen seien und eigentlich nicht kreditwürdige Menschen für Kredite im Wert von umgerechnet Hunderttausenden Euro bürgen konnten.

Das wurde in chinesischen sozialen Netzwerken von einigen als Zeichen gesehen, dass der festgenommene ehemalige Chef der Bank tatsächlich korrupt war.

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    Die Yichuan Rural Commercial Bank ist nur ein kleines Institut. Doch die Situation zeigt, wie angespannt die Lage des Finanzsystems in China derzeit ist. Gerade kleinere Banken haben sich in der Vergangenheit häufig übernommen mit Krediten.

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    Hinzu kommt das sich unter anderem durch den Handelskrieg mit den USA verlangsamende Wirtschaftswachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt nur um sechs Prozent gewachsen. Das macht einen Ausfall von Krediten wahrscheinlicher – und könnte die Lage der Banken damit noch weiter verschärfen.

    Anleger sind verunsichert

    Die chinesische Regierung versuchte vergangene Woche, vehement dem Eindruck entgegenzusteuern, dass es ein Problem gibt. Die lokalen Niederlassungen der Zentralbank und der Bankenaufsicht sowie die Yichuan Bank selbst versicherten in Statements, dass man alles im Griff habe.

    Man werde „energische Maßnahmen ergreifen, um die Finanzordnung aufrechtzuerhalten und die Rechte der Bank und einer breiten Anzahl von Einlegern zu schützen“, hieß es in einer Mitteilung. Die Bank arbeite normal und habe genügend Rücklagen. Die Einlagen seien staatlich abgesichert, hieß es.

    Tatsächlich besteht in China seit 2015 eine Einlagensicherung in Höhe von 500.000 Yuan pro Person, umgerechnet rund 64.000 Euro. Sollte es zum Ausfall kommen, soll der betroffene Bankkunde innerhalb von sieben Tagen Geld bekommen. Doch chinesische Anleger sind verunsichert – und trauen den Beteuerungen und Zusicherungen offenbar nicht.

    Ob es nun stimme oder nicht, dass die Yichuan Bank bald pleitegehe, kommentierte ein Internetnutzer im chinesischen sozialen Netzwerk Weibo am vergangenen Freitag, „man sollte sein Geld besser nicht in solche kleinen lokalen Banken stecken, denn es ist dort im Vergleich zu den großen Staatsbanken nicht sicher“. Über das Wochenende wurden die Kommentare dann weitgehend zensiert – ein Zeichen dafür, dass das Thema für Peking heikel wird.

    Es ist nicht das erste Mal, dass ein kleines Finanzinstitut in China negativ auffällt. Allein in diesem Jahr gab es mehrere Fälle von kleinen Provinzbanken, bei denen Peking unterstützend eingreifen musste.

    Der spektakulärste Fall ereignete sich im Mai, als die chinesischen Regulierungsbehörden die Kontrolle über die Baoshang Bank übernahmen – eine kleine Geschäftsbank mit Sitz in Baotou in der Inneren Mongolei. Der Grund: „ernsthafte“ Kreditrisiken. Es war die erste Übernahme einer Bank durch die chinesische Regierung seit mehr als zwei Jahrzehnten. Entsprechend sensibel reagierte der Markt: In der Folge stiegen die Finanzierungskosten für kleinere chinesische Banken, deren Aktienkurse gerieten unter Druck.

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    Im Juli rekapitalisierte die staatliche ICBC dann die Jinzhou-Provinzbank, nachdem diese zuvor auf anderem Wege kein Geld mehr hatte auftreiben können. Im August bewahrte Peking die Hengfeng Bank aus der ostchinesischen Provinz Shandong mit einer Finanzspritze vor dem Bankrott.

    „Die Behörden werden alles daransetzen, jeden Fall von Bankproblemen anzugehen – und solange sie isoliert bleiben, wird es managebar sein“, hieß es zuletzt in einem Kommentar der Beratungsfirma Trivium China. „Aber wenn viele kleine Banken gleichzeitig explodieren ... das ist das, was man eine Finanzkrise nennt.“

    Die chinesische Regierung räumt bereits seit einiger Zeit im Bankensektor auf. Der Markt, in dem Hunderte kleine Banken agieren, soll konsolidiert, schwache Institute mit starken fusioniert werden. Die schwächelnde Wirtschaft macht das ohnehin heikle Unterfangen nun jedoch zu einem noch schwierigeren Drahtseilakt.

    Zur Aufräumaktion gehört auch, dass kleine Provinzbanken ihre Risiken transparenter als früher machen müssen und faule Kredite auch als solche ausweisen und bezeichnen müssen. Laut eines Reports des chinesischen Rechnungshofs lag die Quote der faulen Kredite im Jahr 2018 bei 42 ländlichen Finanzinstituten bei mehr als fünf Prozent und damit über der von der Bankenaufsicht festgelegten Warnlinie.

    Banken in der Zwickmühle

    Zusätzlich heikel: China hat in allen Sektoren einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Insgesamt liegt die Verschuldung bei rund 304 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, davon machen private Haushalte 54 Prozentpunkte und Unternehmen, die nicht dem Finanzsektor angehören, rund 156 Prozentpunkte aus.

    Die Banken selbst stecken in einer Zwickmühle, denn Peking will zwar auf der einen Seite, dass sie kein Geld leichtfertig verleihen. Auf der anderen Seite forderte die chinesische Regierung die Institute aber erst Ende September dazu auf, gerade kleinere Firmen in der derzeitigen angespannten Wirtschaftslage mit mehr Krediten zu unterstützen. Sie sollten die Vergabe solcher Kredite erhöhen, die statt mit Sicherheiten durch ihre Kredithistorie abgesichert sind.

    Der Schritt ziele darauf ab, Finanzierungsschwierigkeiten und hohe Finanzierungskosten für kleine Unternehmen zu lösen, erklärten die National Development and Reform Commission (NDRC) und die China Banking and Insurance Regulatory Commission (CBIRC).

    Mehr: Handelskrieg, Konsumzurückhaltung und Überschuldung drücken auf das chinesische Wirtschaftswachstum. Das verschlechtert auch die Aussichten für Deutschland.

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