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Geldinstitut Vorstandsumbau der Deutschen Bank fällt wohl umfangreicher aus als bislang bekannt

Vorstandschef Christian Sewing plant bei der Deutschen Bank Personalwechsel im Vorstand. Dabei gilt nicht nur Garth Ritchie als akut gefährdet.
03.07.2019 - 18:00 Uhr Kommentieren
Deutsche Bank: Umfangreiche Rochade im Top-Management Quelle: Reuters
Deutsche Bank

Deutschlands größtes Geldhaus plant einen tiefgreifenden Umbau seines Geschäftsmodells.

(Foto: Reuters)

New York, Frankfurt, London Am kommenden Sonntag wird Christian Sewing aller Voraussicht nach seinen Plan für die Sanierung des größten heimischen Geldhauses präsentieren, zuerst dem Aufsichtsrat und dann dem Rest der Welt. Viele Details sind bereits im Vorfeld durchgesickert, aber eine Überraschung hat sich der Vorstandschef noch aufgehoben. Der Umbau des Vorstands wird wohl umfangreicher ausfallen als bislang bekannt.

Als akut gefährdet gelten seit geraumer Zeit Investmentbanking-Chef Garth Ritchie und die Regulierungsvorständin Sylvie Matherat. Darüber hinaus könnte nach Informationen aus Finanzkreisen aber auch Asien-Vorstand Werner Steinmüller, dessen Vertrag im kommenden Jahr ohnehin ausläuft, früher aufhören. Den Informationen zufolge plant Sewing zudem neben den Abgängen eine Neuernennung für den Vorstand.

Nach Jahren der Dauerkrise treibt die Deutsche Bank nun einen tief greifenden Umbau ihres Geschäftsmodells voran. Die einstige Königsdisziplin des Instituts, den Wertpapierhandel, will Sewing deutlich schrumpfen und dafür stärker auf stabilere Geschäftsfelder wie die Transaktionsbank und das Privatkundengeschäft setzen.

Wie das Handelsblatt berichtete, wird der Aufwand für den Umbau auf drei bis fünf Milliarden Euro geschätzt. Dadurch dürfte die Bank Finanzkreisen zufolge 2019 in die roten Zahlen rutschen. Über den wahrscheinlichen Verlust hatte zuerst die „Financial Times“ berichtet. 2018 konnte die Bank nach drei Verlustjahren in Folge erstmals wieder einen kleinen Gewinn erwirtschaften.

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    Wie berichtet, versuchen Sewing und seine Kollegen, den Umbau ohne Kapitalerhöhung zu stemmen. Zum einen wird durch die geplanten Einschnitte im Investmentbanking Kapital freigesetzt, zum anderen verhandelt die Bank Finanzkreisen zufolge mit den Aufsehern darüber, ihre Kernkapitalquote vorübergehend zu senken.

    Ende des ersten Quartals lag die Quote bei 13,7 Prozent, eine zeitweise Senkung in Richtung von 13 Prozent sei möglich, heißt es. Damit würde die Bank noch immer deutlich über den regulatorischen Vorgaben liegen. Es wird erwartet, dass das Sanierungsprogramm 15.000 bis 20.000 Stellen kosten wird – ein Fünftel der Belegschaft. Allerdings ist bislang unklar, auf welchen Zeitraum sich diese Zahl bezieht.

    Die Bank hat bereits im vergangenen Jahr 7.000 Jobs gestrichen. Außerhalb Europas wird das Institut seine Aktienhandels- und Zinshandelsgeschäfte voraussichtlich deutlich schrumpfen oder sogar komplett schließen. So soll Insidern zufolge der US-Aktienhandel auf ein Minimum reduziert werden, auch der Handel mit Staatsanleihen soll zusammengestrichen werden, daneben werden die Einschnitte vor allem die Zentralbereiche der Bank treffen.

    Besonders heftig dürften die Jobverluste in New York, aber auch in London ausfallen. Nicht nur weil dort große Teile des Investmentbankings konzentriert sind, sondern auch weil dort die Kündigungsfristen kürzer und die Abfindungen niedriger sind als in Deutschland. Entsprechend schlecht ist die Stimmung bei den Deutschbankern an der Wall Street.

    Das Hochhaus an der wohl bekanntesten Finanzmeile der Welt ist längst zu groß geworden. Schreibtische sind verwaist, und der geplante Umzug in ein kleineres Gebäude steht erst in zwei Jahren an. Immer wieder kündigen Mitarbeiter freiwillig, vor allem die guten, berichten Kollegen. Einige von denen, die noch auf der Suche nach einem anderen Arbeitgeber sind, geben auf LinkedIn ihre private E-Mail-Adresse an, ein klares Signal an Headhunter.

    Wichtige Führungskräfte sind auf dem Absprung. So wird der globale Chef des Aktienhandels, Peter Selman, die Bank sehr wahrscheinlich verlassen, heißt es in Finanzkreisen. Auch US-Chef Tom Patrick soll vor der Ablösung stehen. Kate Clifford, Chief Operations Officer für die USA, hat die Bank bereits verlassen.

    Selman soll im vergangenen Jahr bereits dafür geworben haben, 300 Millionen Euro an Kosten für die defizitäre Einheit zu senken. Doch die Verantwortlichen hätten das ausgeschlagen, nur um jetzt besonders harte Einschnitte durchzusetzen. Das steigert zusätzlich den Frust. „Wir bekommen immer noch viele Bewerbungen von Mitarbeitern der Deutschen Bank, aber viele gute sind nicht mehr übrig“, meint ein New Yorker Headhunter.

    Angesichts der Ungewissheit bei der Deutschen Bank würden viele Kunden zögern, langfristige Verträge mit den Frankfurtern einzugehen, berichtet ein Konkurrent von der Wall Street. Einige würden sich dann lieber für große US-Banken entscheiden. Auch in London sind die Deutschbanker Kummer gewohnt. In den vergangenen Jahren wurde die Zahl der Mitarbeiter bereits auf unter 8.000 gedrückt.

    Die Stimmung ist entsprechend schlecht, wie in New York häufen sich auch dort die Kündigungen. Im Juni verkündete Edward Sankey, Co-Chef des Geschäfts mit Aktienplatzierungen, dass er nach 15 Jahren bei der Deutschen Bank zur britischen HSBC wechsle. Auch der Chef des Devisengeschäfts in Europa, Amedeo Ferri-Ricci, hat die Bank verlassen.

    Das schmerzt besonders, denn auf ihren Devisenhandel ist die Deutsche Bank stolz und Sewing will das Geschäft eigentlich ausbauen.

    Kein Spott, dafür Mitleid

    Wie groß die Jobangst ist, hängt stark davon ab, in welchem Bereich ein Banker arbeitet. In seiner Abteilung sei die Stimmung nicht schlecht, sagt ein Managing Director in London. Aber die zähle auch zum Kerngeschäft. „Man muss differenzieren“, erklärt der Londoner Personalberater Reto Jauch. „Die Übernahmeberatung ist weiterhin ein heißer Markt. Das Handelsgeschäft hingegen sieht nicht rosig aus. Da wird der Druck weiter zunehmen.“

    Wer entlassen wird, findet im Moment keinen einfachen Arbeitsmarkt vor. Konkurrenten wie HSBC, Nomura oder MUFG bauen ebenfalls Stellen ab. Auch die Nachfrage aus der Private-Equity-Branche und den Hedgefonds hat sich laut Jauch abgekühlt. „Die Durchlässigkeit ist nicht mehr so, wie sie mal war“, sagt er. „Hedgefonds und Private-Equity-Firmen haben sich weiterentwickelt und sind nicht mehr auf Banker angewiesen. Sie rekrutieren verstärkt aus dem eigenen Kreis.“

    Entlassene Trader dürften sich am schwersten tun. Viele Prozesse im Handelsraum werden automatisiert, Jobs wegrationalisiert. Technologieaffinität werde daher zu einer Schlüsselqualifikation für Händler, sagt Jauch. Doch vorerst warten viele Londoner Mitarbeiter ab. Umzugskartons wie in New York stehen jedenfalls noch nicht in den Fluren der Londoner Dependance. 

    Jenseits des Atlantiks, an der Wall Street, sind die Probleme der Frankfurter längst zu einem der Lieblingsthemen beim täglichen Branchenklatsch geworden. Spott gebe es an der Wall Street nicht für die Deutsche Bank, meint ein Banker, „aber Mitleid. Und das ist fast noch schlimmer.“

    Mehr: Der Bankchef will bis zu 20.000 Jobs abbauen und den Vorstand verkleinern. Der Aufsichtsrat könnte über die Pläne noch in dieser Woche abstimmen

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