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Geldwäscheskandal Millionenfache Gesetzesverstöße: Die australische Westpac-Bank muss ein Riesen-Bußgeld befürchten

Australiens älteste Bank sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Westpac soll unter anderem zugelassen haben, dass Geld an Kinderschänder überwiesen wurde.
26.11.2019 - 15:51 Uhr Kommentieren
Kommenden Montag tritt der CEO der ältesten Bank Australiens nach öffentlichem Druck zurück. Quelle: Reuters
Westpac-CEO Brian Hartzer

Kommenden Montag tritt der CEO der ältesten Bank Australiens nach öffentlichem Druck zurück.

(Foto: Reuters)

Bangkok Zahlungen an mutmaßliche Kinderschänder, millionenfache Verstöße gegen Antigeldwäschebestimmungen und eine mögliche Strafe in Rekordhöhe: Australiens älteste Bank Westpac steckt nach Enthüllungen von letzter Woche in einer historischen Krise.

Die Führung des Kreditinstituts reagiert mit personellen Konsequenzen und kündigt mehrere Rückzüge an: Bankchef Brian Hartzer gibt am kommenden Montag seinen Posten ab, Aufsichtsratschef Lindsay Maxsted will seinen Abschied in den Ruhestand auf die erste Jahreshälfte 2020 vorziehen.

Der Skandal, der die Manager ihren Job kostete, kam am Mittwoch durch die Aufsichtsbehörde Austrac ins Rollen. Sie wirft der Bank vor, in 23 Millionen Fällen gegen Geldwäsche- und Antiterrorgesetze verstoßen zu haben. Dabei geht es um Transaktionen mit einem Volumen von umgerechnet rund 6,8 Milliarden Euro, die unter anderem in Länder wie den Irak, Libyen und Simbabwe geflossen sein sollen.

Der Grund für die massive Empörung, die dem Kreditinstitut in den letzten Tagen entgegenschlug, sind aber vergleichsweise kleine Summen, die über Westpac in den vergangenen Jahren nach Südostasien transferiert wurden: Sie stehen im Verdacht, in direktem Zusammenhang mit der sexuellen Ausbeutung von Kindern zu stehen.

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    Austrac listet insgesamt zwölf Westpac-Kunden auf, deren verdächtiges Verhalten die Bank eigentlich hätte bemerken müssen: Eine Person, die in den Dokumenten der Behörde als „Kunde 1“ bezeichnet wird, transferierte zwischen 2013 und Juli dieses Jahres umgerechnet insgesamt 84.000 Euro von Australien auf die Philippinen. Überwiesen wurden stets kleinere Beträge, verteilt auf mehr als 600 Transaktionen.

    Laut Austrac ist ein solches Zahlungsverhalten typisch für Fälle, bei denen es um Kindesmissbrauch geht. Die Aufseher fanden zudem heraus, dass „Kunde 1“ unter anderem Geld an eine Person auf den Philippinen schickte, die später wegen Kindesmisshandlungen festgenommen wurde. Die Person soll an sexuellem Missbrauch von Kindern beteiligt gewesen sein, der via Livestreaming an Internetzuschauer übertragen worden war.

    Hätte Westpac Misshandlungen verhindern können?

    In den vergangenen Jahren waren mehrere Fälle bekannt geworden, bei denen Pädophile via Online-Live-Chats sexuellen Missbrauch von Kindern auf den Philippinen steuerten und dafür Geld bezahlten. „Kunde 1“ soll in den vergangenen Jahren auch zweimal persönlich auf die Philippinen gereist sein.

    Die Aufsichtsbehörde Austrac wirft indirekt die Frage auf, ob Misshandlungen von Kindern hätten verhindert werden können: „Hätte Westpac regelmäßige Überweisungen mit niedrigem Wert, die für Kinderausbeutung typisch sind, angemessen überprüft, hätten diese Transaktionen auffallen müssen“, schreiben die Aufseher, die auch weitere mutmaßliche Überweisungen an Kinderausbeuter durch andere Kunden aufführen. In einem Fall sollen die verdächtigen Zahlungen eines wegen Kindesausbeutung verurteilten Kunden nicht ordnungsgemäß kontrolliert worden sein.

    Angesichts der Schwere der Vorwürfe wurde die Skandalbank in den vergangenen Tagen zum Politikum: Die australische Regierung sprach von „sehr ernsten“ Vorwürfen. Premierminister Scott Morrison forderte das Bankmanagement auf, Verantwortung für die Vorgänge zu übernehmen. Die oppositionelle Labor-Partei nannte das Verhalten der Bank beschämend.

    Tagelang sah es zunächst so aus, als würde sich Bankchef Hartzer, der das Unternehmen seit 2015 leitet, an seinen Posten klammern. Nach einem Bericht der Zeitung „The Australian“ soll er die Affäre noch am Montag in einer internen Besprechung heruntergespielt haben.

    Demnach soll Hartzer vor seinem Managementteam dargelegt haben, dass sich die meisten Australier nicht für den Skandal interessieren würden. „Das ist kein großes Problem“, soll er hinzugefügt haben. Nun erklärte er zu seinem Rücktritt: „Als CEO akzeptiere ich, dass ich letztendlich für alles verantwortlich bin, was in der Bank passiert.“

    Westpac steht nun vor einer massiven Strafe: Theoretisch droht für jeden einzelnen der 23 Millionen Verstöße ein Bußgeld von mehr als zehn Millionen Euro. In einem ähnlichen Fall, bei dem es aber um deutlich weniger beanstandete Transaktionen ging, musste die Commonwealth Bank of Australia im vergangenen Jahr eine Strafe von mehr als 430 Millionen Euro zahlen.

    Persönlich dürfte Hartzer vorerst in keine finanziellen Schwierigkeiten geraten: Sein Gehalt soll er auch während der kommenden zwölf Monate noch weiter erhalten – insgesamt mehr als 1,6 Millionen Euro.

    Mehr: Wegen fehlender Informationen haben die Wirtschaftsprüfer von EY der Wirecard-Tochter in Singapur das Testat für eine frühere Jahresbilanz verweigert.

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