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Genossenschaftsbanken Nach Null-Angebot der Sparda-Banken: Verdi startet diese Woche mit Warnstreiks

Der harte Tarifkonflikt zeigt die schwierige Situation bei den genossenschaftlichen Geldhäusern. Die Negativzinsen lasten auf den Sparda-Banken, der Gewinn bricht ein.
05.07.2021 Update: 05.07.2021 - 16:09 Uhr Kommentieren
Die genossenschaftlichen Sparda-Banken haben Verdi bislang kein Angebot gemacht. Nun ruft Verdi zu Warnstreiks auf. Quelle: picture-alliance/ dpa/dpawebpicture-alliance
Sparda-Bank

Die genossenschaftlichen Sparda-Banken haben Verdi bislang kein Angebot gemacht. Nun ruft Verdi zu Warnstreiks auf.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpawebpicture-alliance)

Frankfurt Nach zwei Verhandlungsrunden ohne Annäherung ruft die Gewerkschaft Verdi ab Dienstag zu Warnstreiks bei den Sparda-Banken auf. Wie Gewerkschaftssekretär Kevin Voss dem Handelsblatt sagte, beginnen die Streikenden am Dienstag bei den Sparda-Banken Hannover und Baden-Württemberg, am Mittwoch folgt dann die Sparda-Bank Hamburg und am Donnerstag die Sparda-Bank Südwest.

Die elf Sparda-Banken pochen bei den laufenden Tarifverhandlungen auf eine Nullrunde für die kommenden zwei Jahre. Verdi fordert 3,5 Prozent mehr Gehalt auf Sicht von zwölf Monaten. Auch nach zwei Dritteln der Verhandlungen habe man noch kein Angebot von der Arbeitgeberseite erhalten, so Voss, der Verhandlungsführer ist. „Die Sparda-Banken bieten weder eine Gehaltserhöhung noch einen Kündigungsschutz. Wir sehen an dieser Stelle kein anderes Mittel als Warnstreiks.“

Das Null-Angebot wirft ein Schlaglicht auf die schwierige Situation der Sparda-Banken, die besonders unter den Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) leiden – und sonst selten im Blickpunkt stehen. Der Gewinn ist bereits eingebrochen, und auch die Ertragsaussichten sind mau. Die Sparda-Banken dürften daher darauf bedacht sein, dass höhere Gehaltszahlungen die Kosten nicht weiter steigen lassen.

Wie angespannt die Lage ist, zeigt vor allem der heftige Gewinnrückgang in den vergangenen Jahren. Der Überschuss der Sparda-Banken fiel im vergangenen Jahr auf knapp 71 Millionen Euro. Binnen sechs Jahren ist er um mehr als die Hälfte abgesackt, 2014 betrug der Überschuss noch 148 Millionen Euro.

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    Der Chef des Verbandes der Sparda-Banken, Florian Rentsch, sagte am Montag: „Die seit Jahren andauernde Null- und Negativzinspolitik der EZB trifft unsere Kunden als Sparer und unsere Banken hart.“ Die Geldhäuser könnten die „ökonomische Last der Negativzinsen nicht mehr länger auf ihre Rechnung nehmen“. Die negativen EZB-Einlagenzinsen kosteten nicht nur Geld, auch die Zinsspannen der Banken würden erodieren, ergänzte Rentsch, der eine Zinswende fordert.

    Zu den Tarifverhandlungen wollte sich der Verband indes nicht äußern. Die nächste Verhandlungsrunde startet nächste Woche Mittwoch.

    EZB-Negativzinsen treffen die Sparda-Banken hart

    Die elf Sparda-Banken zählen zusammen 4,1 Millionen Kunden, kommen auf eine Bilanzsumme von gut 80 Milliarden Euro und haben rund 5600 Beschäftigte. Sie sind deutlich größer als die durchschnittliche Volksbank. Die Sparda-Banken wurden einst als Bank der Eisenbahn-Mitarbeiter gegründet, weshalb bei den aktuellen Tarifverhandlungen auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft mit am Tisch sitzt.

    Die EZB-Negativzinsen treffen die Sparda-Banken besonders hart, weil sie – anders als die Volks- und Raiffeisenbanken – fast ausschließlich im Geschäft mit privaten Kunden aktiv sind. Zwar boomt die Baufinanzierung, doch die Zinsmargen sinken. Während Firmenkunden für übliche Einlagen bereits weitgehend Minuszinsen berappen müssen, ist das bei Privatkunden noch nicht der Fall.

    Obwohl immer mehr Geldhäuser bereits für kleinere Vermögen Negativzinsen berechnen, oft ab 50.000 oder 100.000 Euro auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto, sind die meisten Privatkunden von Minuszinsen verschont. Bei den Sparda-Banken liegt der Kundenzins im Schnitt weiterhin über dem negativen Marktzins, wie Verbandsvorstand Uwe Sterz der „Börsen-Zeitung“ sagte.

    Angesichts dieser Bedingungen ist der Zinsüberschuss in den vergangenen sechs Jahren deutlich gesunken, das Plus beim Provisionsüberschuss konnte das bei Weitem nicht wettmachen – und vor allem stiegen auch die Kosten. Darüber hinaus drohen nun weitere Belastungen aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH), das Gebührenerhöhungen erschwert und Rückforderungen von Kunden ermöglicht.

    Der BGH entschied Ende April, dass die Klauseln der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), über die Banken bis dahin üblicherweise Gebühren für Privatkunden anhoben, unzulässig sind. Zuvor war es gängige Praxis gewesen, dass höhere Gebühren etwa für Girokonten über AGB-Änderungen griffen, wenn Kunden innerhalb einer bestimmten Frist nicht widersprachen.

    Durch BGH-Urteil drohen Rückzahlungen an Kunden

    Neuerdings müssen Kreditinstitute die Zustimmung von Verbrauchern einholen, wollen sie Girokonten verteuern. Insgesamt könnten Milliardenkosten auf die Geldhäuser zukommen. So dürften erste, eigentlich geplante Gebührenerhöhungen stocken. Zweitens müssten Kreditinstitute, die in den letzten Jahren Entgelte angehoben haben, auch mit Gebühren-Rückforderungen von Verbrauchern rechnen.

    Besonders brisant ist das für die Sparda-Banken. Das BGH-Urteil sei ein „Riesenproblem“, heißt es aus ihrem Kreise. Sie hatten lange Zeit Gratis-Girokonton, etliche Sparda-Banken haben aber in letzter Zeit Gebühren eingeführt. Der Sparda-Verband gab auf Anfrage keine Einschätzung dazu, welche Folgen das BGH-Urteil auf die elf Häuser haben könnte.

    Gleichwohl gehen Beobachter davon aus, dass die Sparda-Banken auf Dauer die Gebühren erhöhen müssen. „Die Banken müssen etwas für ihre Ertragslage tun“, meint ein anderer Insider. Höhere Entgelte sind da naheliegend – und waren bis zum BGH-Urteil auch einfach umzusetzen.

    Aus Sicht von Beteiligten sind einige Sparda-Banken, die ihre Prozesse in den vergangenen Jahren bereits gestrafft und ihre Kosten gedrückt haben, auf die Herausforderungen besser vorbereitet als andere. Bei einigen schwächeren Instituten allerdings hat die Bankenaufsicht das Management in ihren Aufsichtsgesprächen Insidern zufolge aufgefordert, mehr zu tun. Die Finanzaufsicht Bafin äußerte sich dazu nicht. Auch der Sparda-Verband wollte das nicht kommentieren.

    Manche mit dem Thema vertraute Personen sehen es auch kritisch, dass sieben der elf Sparda-Banken viel Geld für ihre eigene IT in die Hand nehmen müssen, weil sie im Gegensatz zu Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen nicht auf große IT-Dienstleister wie Fiducia GAD und die FI zurückgreifen. Sieben Sparda-Banken arbeiten mit dem IT-Anbieter Sopra Steria zusammen, vier Sparda-Banken haben sich für Fiducia, den Dienstleister der 800 Volks- und Raiffeisenbanken, entschieden.

    Die sieben Sparda-Banken, die mit separaten IT-Dienstleistern arbeiten, gehen auch an anderer Stelle einen eigenen Weg. Sie haben ein Start-up, Comeco, gegründet, das unter dem Namen „Teo“ ein neues Onlinebanking sowie App-Angebot aufgebaut hat. Allerdings ruckelte es zum Start gewaltig. Einige der an Comeco beteiligten Banken stellen ihr Onlinebanking auf Teo um und bieten auch die App an, zwei erklärten indes zu Jahresbeginn, sie wollten Teo nicht aktiv anbieten.

    Die Sparda-Bank Baden-Württemberg, das mit einer Bilanzsumme von fast 15 Milliarden Euro größte der elf Geldhäuser im Verbund, hat als bedeutendster Comeco-Eigentümer fast 36 Millionen Euro in das Start-up investiert. Sie hält eine „moderate Rentabilität“ fünf Jahre nach Gründung der Firma für realistisch. Für die Comeco würde dies in zwei Jahren erreicht sein, erklärte die Stuttgarter Bank auf Anfrage.

    Mit Blick auf das BGH-Urteil erklärte die Sparda-Bank Baden-Württemberg, sie bereite eine neue Vereinbarung mit ihren Kunden für das dritte Quartal vor. „Die Auswirkungen hängen dann im Wesentlich von den Kundenreaktionen ab.“

    Mehr: Verdi fordert für Banker Anspruch auf drei Tage Homeoffice pro Woche

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