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Geplatzter Mega-Deal Deutsche Bank und Commerzbank kennen sich mit gescheiterten Fusionen aus

Der geplatzte Deal zwischen Deutscher Bank und Commerzbank ist nur das vorerst letzte Kapitel im Übernahmepoker zwischen den deutschen Großbanken.
25.04.2019 - 14:04 Uhr Kommentieren

Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank geplatzt

Frankfurt Es war der große Traum von Rolf Breuer. Das größte Kreditinstitut aller Zeiten wollte der damalige Chef der Deutschen Bank bauen, einen Finanzkonzern, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat, einen echten Global Player.

Damals im Jahr 2000 ging es nicht wie heute um die Fusion mit der Commerzbank, sondern um die Übernahme der Dresdner Bank, und es ging nicht um eine Art Notfusion zweier schwächelnder Großbanken sondern darum, einen weltweiten Bankenchampion zu bauen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hätte sich wahrscheinlich gefreut. Es war die Zeit vor der Finanzkrise, und die Deutsche Bank fühlte sich stark und unangreifbar.

Aber auch der Dresdner Bank fehlte es nicht an Selbstbewusstsein. Und doch endete Breuers Traum im Chaos.

Der entscheidende Spieler im Fusionspoker war damals der Versicherer Allianz. Wie eine Spinne saß die Allianz im Netz der Deutschland AG. Konzernchef Henning Schulte-Noelle kontrollierte als größter Einzelaktionär knapp 22 Prozent der Anteile der Dresdner Bank, und er war wild entschlossen, die Neuordnung der deutschen Finanzbranche voranzutreiben.

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    Dafür hatte er 1999 Paul Achleitner, den damaligen Deutschland-Chef von Goldman Sachs, als Finanzvorstand engagiert, den gleichen Manager, der heute den Aufsichtsrat der Deutschen Bank führt. Achleitner und Schulte-Noelle orchestrierten einen Deal, der vor allem einem genutzt hätte: der Allianz.

    Deutsche und Dresdner durften heiraten, dafür hätten die Münchner den Versicherer Deutsche Herold und die Fondsgesellschaft DWS von der Deutschen Bank bekommen.

    Am 8. März unterzeichneten die Aufsichtsratschefs der drei Banken bei einem Mittagessen die Grundsatzvereinbarung über die Bankenhochzeit. Das Ganze sollte trotz der Größenunterschiede eine Fusion unter gleichberechtigten Partnern werden. Das Logo des neuen Instituts sollte von der Deutschen Bank kommen, die Farbe grün von der Dresdner.

    Die wichtigsten Fragen wurden allerdings ausgespart, allen voran, wie das Investmentbanking beider Häuser zusammengeführt werden sollte. Schon bald sickerte durch, dass die Deutsche Bank die Sparte Dresdner Kleinwort Benson zum Verkauf stellen wollte, weil die eigenen Investmentbanker überzeugt waren, dass eine Integration ihnen mehr schaden als nutzen würde.

    Damals in den Boom-Zeiten des Investmentbankings war Kleinwort Benson die lukrativste Sparte der Dresdner Bank. Vorstandschef Bernhard Walter wollte nicht zulassen, dass die Tochter schon vor der Fusion kaputtgeredet wird und ließ den ganzen Deal platzen.

    Codename „Umbrella“

    Damit war das Fusionskarussell aber noch lange nicht zum Stillstand gekommen. Schon 2001 drehte es sich weiter. Die Operation trug den Codenamen „Umbrella“ – Regenschirm. Gemeint war damit die Übernahme der Dresdner Bank, dieses Mal nicht durch den größeren Frankfurter Nachbarn, sondern durch die Allianz.

    Als Großaktionär hatte Schulte-Noelle alle Trümpfe in der Hand, dem Dresdner Vorstandschef Bernd Fahrholz blieb nichts anderes übrig, als eine „Allianz fürs Leben“ zu schließen. Aus der Übernahme wurde einer der größten Irrtümer der deutschen Finanzgeschichte.

    Selbst Schulte-Noelles-Nachfolger Michael Diekmann musste schließlich eingestehen, dass der Deal „ein schreckliches Ende“ genommen hat. 25 Milliarden Euro hatte der Versicherer für die Bank bezahlt, durch Verluste und Abschreibungen hat die Dresdner die Allianz mit weiteren 6,4 Milliarden Euro belastet. 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, rutschte der Versicherer deshalb mit 2,4 Milliarden Euro in die roten Zahlen.

    Immerhin konnte die Allianz die marode Tochter noch für um die fünf Milliarden Euro an die Commerzbank losschlagen. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Finanzkrise kam es zu einer der größten Bankenübernahmen in Deutschland. Letztlich gelang der Deal nur mit Hilfe des Staates. Dank zweier Milliardenspritzen des Bankenhilfsfonds Soffin wurde der Deal in letzter Minute gerettet.

    Insgesamt hatte die Regierung ihre Kapitalhilfen für die Commerzbank um zehn Milliarden auf mehr als 18 Milliarden Euro erhöht. Die Dresdner Bank gehörte jetzt dem lange Jahre kleineren Konkurrenten, dafür hatte man den Staat als Großinvestor an Bord, der noch immer 15 Prozent an der Commerzbank hält.

    Der damalige Vorstandschef Martin Blessing wollte nach der Integration der Dresdner mit vereinten Kräften eigentlich den schwächelnden Platzhirsch Deutsche Bank angreifen. Doch so richtig ist daraus nichts geworden. Zwar gelang es Blessing und seinem Nachfolger Martin Zielke, die Commerzbank nach turbulenten Jahren zu stabilisieren.

    Aber beide trieb der Verdacht um, dass man alleine nicht schnell genug wachsen kann, um ein nachhaltig lohnendes Geschäftsmodell zu kreieren. Deshalb klopfte Blessing schon 2014 beim damaligen Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain an, um über eine Fusion zu sprechen. Doch er stieß auf taube Ohren.

    2016 standen die Banken beim sogenannten Sommerflirt bereits kurz vor der Verlobung, kamen dann aber doch zu dem Schluss, dass beide erst einmal ihre Aufräumarbeiten erledigen sollten. Der Plan damals: In einer Holding wird auf der einen Seite das Privat- und das Unternehmensgeschäft beider Häuser gebündelt. Auf der anderen Seite stünde die Investmentbank.

    Zu den Unterstützern des Deals gehörte schon damals der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, jener Manager also, der sich schon 2000 im Auftrag von Schulte-Noelle an die Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft gemacht hatte. Aber das funktionierte damals so wenig wie heute.

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