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Geschäftsbericht Deutsche Bank schüttet wieder üppige Boni aus – 684 Einkommensmillionäre

Deutschlands größtes Geldhaus hat die Boni für das vergangene Jahr um fast 30 Prozent erhöht. Auf den zweiten Blick fallen die Prämien der Investmentbanker noch üppiger aus.
12.03.2021 Update: 12.03.2021 - 15:58 Uhr 3 Kommentare
2020 hatte Deutschlands größtes Geldhaus erstmals seit 2014 einen Gewinn erwirtschaftet. Quelle: AP
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

2020 hatte Deutschlands größtes Geldhaus erstmals seit 2014 einen Gewinn erwirtschaftet.

(Foto: AP)

Frankfurt Kaum schreibt die Deutsche Bank wieder schwarze Zahlen, fährt sie auch die Ausschüttungen an ihre Mitarbeiter deutlich nach oben. Für das vergangene Jahr schüttet die Bank über zwei Milliarden Euro an Boni und Halteprämien aus.

In ihrem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht weist die Bank 1,9 Milliarden Euro als leistungsabhängige variable Vergütung aus. Das sind 29 Prozent mehr, als Deutschlands größtes Geldhaus seinen Mitarbeitern für 2019 genehmigt hatte.

Die Prämien sind aber noch üppiger ausgefallen, als es auf den ersten Blick erscheint: Denn zu den 1,9 Milliarden Euro kommen noch einmal „andere“ variable Vergütungen wie Halte- oder Neueinstellungsprämien in Höhe von 286 Millionen Euro hinzu.

Alles in allem hat die Bank damit Boni in Höhe von 2,14 Milliarden Euro ausgezahlt. Damit übertraf das Institut sogar den Gesamtbonuspool von 2018, der bei 2,08 Milliarden Euro gelegen hatte. Laut Geschäftsbericht hatte das Institut 171 Millionen Euro an Halteprämien bereits zu Beginn des vergangenen Jahres „aufgrund eines erhöhten Abwanderungsrisikos“ gewährt.

Die Zahl der Einkommensmillionäre ist angesichts der gestiegenen Boni wieder deutlich gestiegen: 684 Mitarbeiter verdienten siebenstellig, nach 583 Deutschbankern im Vorjahr. Der bestbezahlte Mitarbeiter erhielt sogar mindestens zehn Millionen Euro an Gehalt, und damit deutlich mehr als Vorstandschef Christian Sewing.

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Aber auch Sewing darf sich über eine deutliche Gehaltserhöhung freuen. Seine Gesamtvergütung legte 2020 um 46 Prozent auf 7,4 Millionen Euro zu. Dem gesamten Vorstand bezahlte die Deutsche Bank 50 Millionen Euro nach 36 Millionen Euro im Jahr zuvor. Allerdings erhöhte sich die Zahl der Vorstände im Jahresdurchschnitt auf zehn von acht Mitgliedern. Sewing und seine Kollegen hätten eigentlich noch Anspruch auf 4,6 Millionen Euro mehr gehabt. Wegen der gesamtwirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie wurden aber bestimmte Gehaltskomponenten verringert.

Die variable Vergütung verteilt sich höchst unterschiedlich auf die einzelnen Geschäftsbereiche. Den markantesten Anstieg verbuchten die Investmentbanker für sich, deren Bonusvolumen sich um 40 Prozent erhöhte. Das entspricht 238.140 Euro pro Kopf. Der tatsächliche Anstieg der Boni im Investmentbanking fiel tatsächlich aber viel größer aus.

Denn bislang verzerrten Mitarbeiter, die dem Investmentbanking zwar zugeordnet waren, diesem Bereich aber nur zuarbeiteten und viel weniger verdienten, die Durchschnittswerte. Doch Mitarbeiter mit diesen Infrastrukturaufgaben wie etwa die IT werden seit dem vergangenen Jahr zentral den Kontroll- oder Unternehmensfunktionen zugeordnet.

Dadurch hat sich die Zahl der „Investmentbanker“ von 10.059 auf 4258 mehr als halbiert. Der Anstieg der Bonussumme und der Pro-Kopf-Werte der eigentlichen Investmentbanker dürfte also wesentlich höher ausgefallen sein.

Bonus im Investmentbanking: Pro-Kopf-Anstieg um 56 Prozent

Man kann den tatsächlichen Anstieg nur grob kalkulieren: Etwa 5650 Beschäftigte, die im Vorjahr noch als Investmentbanker im Vergütungsbericht ausgewiesen waren, sind nun den Kontroll- und Unternehmensfunktionen zugeordnet. Der Durchschnittsbonus dieser Beschäftigten lag 2019 bei rund 9400 Euro. Die „umgeschlüsselten“ Mitarbeiter dürften also einen Bonus von 54 Millionen Euro erhalten haben.

Bereinigt man den Topf der Investmentbanker um diese Summe, dann haben die 4351 „echten“ Investmentbanker im Vorjahr insgesamt also 665 Millionen Euro verdient, was einem Pro-Kopf-Wert von 152.800 Euro entspricht. Das heißt, der Pro-Kopf-Anstieg im Investmentbanking betrug bereinigt 56 Prozent.

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So deutliche Auswirkungen hatte die Umschlüsselung nur im Investmentbanking. Zum einen wanderten aus dieser Sparte besonders viele Mitarbeiter in andere Bereiche, zum anderen klafft das durchschnittliche Bonus-Niveau zwischen beiden Beschäftigungsgruppen besonders weit auseinander.

Auch wenn der Anstieg im Investmentbanking besonders markant ausfiel, so ist die Vergütung auch in anderen Sparten gestiegen. Die Bonussumme der Firmenkundensparte wuchs um etwa 30 Prozent, sowohl insgesamt als auch pro Kopf.

Bad-Bank-Mitarbeiter unter Gewinnern

Zu den Gewinnern zählen auch die Mitarbeiter der internen Bad Bank des Instituts. Zwar halbierte sich die Bonussumme für sie auf 40 Millionen Euro. Allerdings verteilte sich diese Summe auch nur auf etwa ein Drittel der Mitarbeiter des Vorjahres. Das entspricht einem Pro-Kopf-Anstieg von 25 Prozent.

In der Privatkundensparte wurde zwar insgesamt weniger verteilt. Doch da die Zahl der Beschäftigten ebenfalls deutlich schrumpfte – wohl wegen der Umschlüsselungen –, fiel die variable Vergütung pro Kopf um gut 13 Prozent höher aus.

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Bei den „Unternehmensfunktionen“, also typischen Gemeinschaftsaufgaben wie IT und Ähnliches, wuchs nicht nur die Zahl der Mitarbeiter um etwa 50 Prozent, sondern auch die Bonussumme – um gut 60 Prozent. Pro Kopf bedeutete das einen Zuwachs von im Schnitt gut zehn Prozent.

Zu den Verlierern zählte laut Vergütungsbericht das Asset-Management, das überwiegend aus der Fondstochter DWS besteht: Dort schrumpfte der Bonuspool um rund 13 Prozent – sowohl insgesamt als auch pro Kopf.

Kritik von Union Investment und Gewerkschaften

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Bank nach Handelsblatt-Informationen zunächst gedrängt, bei den Boni eine Obergrenze von 1,8 Milliarden Euro zu ziehen. Die Aufseher wollen, dass die Banken ihr Kapital zusammenhalten, um die wirtschaftlichen Folgen der Covid-Krise abfangen zu können. Den Informationen zufolge haben sich die EZB und das größte heimische Geldhaus dann aber aufeinander zubewegt.

Aus Sicht des Linken-Politikers Fabio de Masi ist die variable Vergütung damit aber noch immer zu hoch. „Es passt nicht in die Zeit, dass die Deutsche Bank, die indirekt auch immer wieder von Rettungsschirmen profitiert hat, eine Corona-Party feiert“, sagte er dem Handelsblatt. Kürzlich habe noch eine Fusion mit der Commerzbank zur Debatte gestanden, jetzt solle es wieder Boni regnen. „Im Vorstand der Deutschen Bank scheint man dem Prinzip Leistung nicht sonderlich verpflichtet.“

In der Deutschen Bank würde man ihm darin wohl widersprechen. Im vergangenen Jahr hatten vor allem die Investmentbanker deutlich mehr verdient als im Vorjahr. Und während die Zinserträge im Konzern schrumpften und die Provisionserträge stagnierten, stieg das Handelsergebnis um mehr als zwei Milliarden Euro. Allerdings profitierte das Investmentbanking auch von der Sonderkonjunktur, die das Corona-Jahr an den Kapitalmärkten ausgelöst hatte.

Kritik übten auch die Gewerkschaften. „Variable Vergütungen gehören zur Vergütungsstruktur der Deutschen Bank, nicht nur für Investmentbanker“, sagte Verdi-Fachgruppenleiter Jan Duscheck. „Aber wenn die Bank auf der einen Seite für diese absoluten Spitzenverdiener die Vergütung derart erhöht und auf der anderen Seite nicht bereit ist, beispielsweise für die Beschäftigten der DB Direkt GmbH, die eher zu den Geringverdienern gehören, über angemessene Tariferhöhungen zu sprechen, dann entsteht hier eine absolute soziale Schieflage in der Vergütungspolitik dieses Hauses“, ergänzte Duscheck, der auch im Aufsichtsrat der Bank sitzt. Seit Wochen streiken Callcenter-Mitarbeiter der Bank für eine Lohnerhöhung und ein 13. Monatsgehalt.

Selbst unter Investoren gibt es Unzufriedenheit. „Wir sehen die Höhe der Bonuszahlungen sehr kritisch“, sagte Vanda Rothacker, Corporate-Governance-Expertin bei Union Investment. Der Gewinn solle annähernd zu gleichen Teilen an Mitarbeiter, Aktionäre und in die Gewinnrücklagen des Unternehmens fließen, wie es die Deutsche Bank vor Jahren anlässlich der Einsetzung einer externen Vergütungskommission („Hambrecht-Kommission“) formuliert habe. „Dieses Ziel ist immer noch in weiter Ferne. Das Missverhältnis von Boni und Dividenden ist eklatant.“

Deutsche-Bank-Aktie leicht im Plus

Die meisten Investoren scheinen die deutlich höheren Boni aber nicht allzu sehr zu stören. 2020 hatte die Deutsche Bank erstmals seit 2014 einen Gewinn erwirtschaftet. Unter dem Strich stand ein Plus von 113 Millionen Euro. In einem etwas schwächeren Gesamtmarkt lag die Deutsche-Bank-Aktie am Freitagnachmittag 1,6 Prozent im Plus.

Die Summe der Boni „entspricht dem Stand von 2018, wobei aber ein größerer Teil als vergangenes Jahr in aufgeschobenen Zahlungen besteht“, sagte Andreas Thomae, Bankenanalyst bei der Deka. Dies spiegele die erfolgreiche Leistung in der Transformation der Bank und eben das sehr gute Jahr im Investmentbanking wider. „In einem fairen Vergleich muss man hier berücksichtigen, dass die Deutsche Bank aufgrund ihrer Ertragslage die letzten Jahre weniger als die Wettbewerber ausgezahlt hat und sich das Investmentbanking in einem globalen Wettbewerbsumfeld befindet, was nun zu einer Angleichung geführt hat.“

Die Gesamtvergütung des Vorstandschefs stieg auf 7,4 Millionen Euro. Der bestbezahlte Mitarbeiter ist er aber nicht. Quelle: Reuters
Christian Sewing

Die Gesamtvergütung des Vorstandschefs stieg auf 7,4 Millionen Euro. Der bestbezahlte Mitarbeiter ist er aber nicht.

(Foto: Reuters)

2021 dürfte allerdings ein schwierigeres Jahr werden. Das Geldhaus erwartet für das laufende Jahr einen leichten Rückgang der Erträge, die 2020 bei 24 Milliarden Euro lagen. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie werden sich der Prognose zufolge etwas entspannen. Der Geschäftsbericht sagt einen leichten Rückgang der Risikovorsorge voraus, die aber voraussichtlich höher bleiben wird als vor der Corona-Pandemie. Für 2022 erwarten die Frankfurter dann einen weiteren Rückgang der Risikovorsorge auf 25 bis 30 Basispunkte des Kreditvolumens.

Gleichzeitig hält Sewing an den finanziellen Zielen fest. Bis 2022 verspricht er den Investoren eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von acht Prozent. Die Analysten trauen der Bank diesen Sprung allerdings nach wie vor nicht zu. Im Schnitt sagen die Experten für 2022 lediglich eine Rendite von 4,4 Prozent voraus. 2020 lag diese Kennzahl bei 0,4 Prozent.

Belastung beim Kernkapital

Die harte Kernkapitalquote soll 2021 über dem Zielwert von 12,5 Prozent bleiben. Wegen aufsichtsrechtlicher Änderungen befürchtet die Bank aber negative Auswirkungen von rund 80 Basispunkten auf die Kernkapitalquote.

Nachdem die coronabedingte Sonderkonjunktur im Investmentbanking das Jahresergebnis 2020 gerettet hat, rechnet die Bank in diesem Jahr mit einer Normalisierung und einem Rückgang der Erträge. Stabile Erträge werden für die Unternehmerbank und die Privatkundensparte erwartet. Am optimistischsten sind die Frankfurter für das Asset-Management und ihre Fondstochter DWS. Trotz chronisch niedriger Zinsen und Dauerdruck auf die Margen sollen die Erträge hier etwas steigen.

Die Deutsche Bank plant weiterhin, ab 2022 fünf Milliarden Euro an ihre Aktionäre auszuschütten. Für 2020 wird es aber wie angekündigt keine Dividende geben.

Mehr: Bafin stellt sich auf Bankenabwicklungen infolge der Coronakrise ein.

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3 Kommentare zu "Geschäftsbericht: Deutsche Bank schüttet wieder üppige Boni aus – 684 Einkommensmillionäre"

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  • @Herr Lothar Bitschnau
    Gute Analyse - ich sehe das genauso.
    Herr Sewing macht scheinbar doch keinen guten Job!

    "Halte- oder Neueinstellungsprämien in Höhe von 286 Millionen Euro"
    Lasst die Leute gehen oder stellt sie nicht ein, dann müsst ihr auch nicht kündigen und spart Euch Abfindungen!

    116 Millionen Gewinn - dann sollte auch nicht mehr als 116 Millionen an Boni gezahlt werden!
    Dass die Boni 20 mal so hoch sind wie der Gewinn, GEHT GAR NICHT!

    Wer Aktien der Deutschen Bank hat, ist selber schuld - es ist ein Selbstbedienungsladen ohne skrubel!

  • "Das ist eine Anmaßung gegenüber den Aktionären und findet keinen Vergleich.

    Wieso lassen sich Aktionäre überhaupt dermaßen für dumm verkaufen? Wer hält überhaupt Aktien von diesem Laden? Ich garantiert nicht - und Sie vermutlich auch nicht.
    Wäre die DB nicht "systemrelevant", gäbe es sie auch schon lange nicht mehr.
    Die Politik fördert also den "Moral Hazard" dieser "Systembanker" oder vielmehr, dass sie eben nicht mehr auch nur die geringste Moral und Anstand haben.
    Deshalb müssen auch Systembanken pleite gehen können. Okay, dann gibt es halt ein gigantisches Heulen und Zähneknirschen, das Derivate-Ponzi-System fliegt auseinander - aber danach gibt es immerhin eine Chance, dass man dann ca. 50 bis 100 Jahre lang (bis die Menschen wieder alles vergessen haben) keine "sytemrelevante" Bank mehr entstehen lässt.


  • Aktienkultur
    Danke Hr. Maisch für diese kritische Betrachtung der Entwicklung bei der Deutschen Bank.
    Für mich steht das „Zulangen“ der Deutschbanker in keinem redlichen Verhältnis zum Ergebnis. Das wohl am besten zahlenden Unternehmen mit einer skandalösen Vergangenheit kehrt zu alten Mustern zurück.

    Die Bilanz aus der Sicht eines Aktionärs 2010 bis 2020

    Dividenden für Aktionäre ca. 5,5 Mrd.
    Boni für Beschäftigte mehr als 30 Mrd.

    Ergebnis für die Aktionäre:
    Marktkapitalisierung Ende 2010 36,3 Mrd.
    Marktkapitalisierung Ende 2020 18,5 Mrd.
    Kapitalerhöhungen von Aktionären aufgebracht 29,7

    Kursverluste 17,8 Mrd. zuzüglich verdampfter Kapitalerhöhungen ergibt ein Minus von 47,5 Mrd.
    Das ist eine Anmaßung gegenüber den Aktionären und findet keinen Vergleich.

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