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Gespräch mit CEO Nicky Maan Deutsche-Börse-Konkurrent Spectrum wechselt in den Angriffsmodus

Die Handelsplattform Spectrum erwartet durch den Anschluss neuer Broker und Emittenten einen Wachstumsschub. Auch Comdirect und Consors sind interessiert.
07.10.2020 - 14:57 Uhr Kommentieren
Spectrum: Finanzkonzern IG startet neue Handelsplattform
Spectrum-Chef Nicky Maan

Der Vorstandschef will, dass das Angebot von Spectrum im Vergleich zu traditionellen Börsen überschaubar bleibt.

Frankfurt Die europäische Handelsplattform Spectrum will Platzhirschen wie der Deutschen Börse und der Börse Stuttgart Marktanteile im Geschäft mit strukturierten Produkten abnehmen. Rund ein Jahr nach dem Start des in Frankfurt beheimateten Unternehmens zieht Vorstandschef Nicky Maan im Gespräch mit dem Handelsblatt eine positive Zwischenbilanz – und kündigt eine deutliche Ausweitung des Angebots an.

Die Tochter des britischen Finanzkonzerns IG werde die Zahl der handelbaren Produkte von aktuell rund 800 in absehbarer Zeit auf 40.000 bis 50.000 vervielfachen, sagt Maan. „Wir wollen unsere Produktpalette ausweiten und demnächst auch mittel- und langfristige Anlageprodukte offerieren.“ Spectrum sei dazu bereits in fortgeschrittenen Gesprächen mit einer deutschen und einer italienischen Bank, die entsprechende Finanzinstrumente emittieren wollen.

Aktuell sind bei Spectrum ausschließlich Turbo-Warrants handelbar, die von der IG-Tochter Raydius emittiert werden. Dabei handelt es sich um kurzfristige Finanzinstrumente, mit denen risikoaffine Anleger mit einem Hebel auf steigende oder fallende Kurse von Basiswerten setzen können – etwa auf Indizes, Währungen oder Rohstoffe. Künftig sollen auf der Plattform laut Maan unter anderem auch Bonus- und Faktorzertifikate angeboten werden.

Dem Vorstandschef ist jedoch wichtig, dass das Angebot im Vergleich zu traditionellen Börsen überschaubar bleibt. „Wir sind sehr selektiv, weil wir keine Börse werden wollen, die vollgestopft ist mit 500.000 Produkten, die niemand handelt“, erklärt der Brite. Nur so könne Spectrum seinen Kunden auch künftig bessere Konditionen bieten als die Konkurrenz.

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    Zum Vergleich: An der Börse Stuttgart sind derzeit rund 1,6 Millionen verbriefte Derivate handelbar, an der Frankfurter Zertifikatebörse etwa 1,4 Millionen Produkte.

    Das Geschäft läuft angesichts der Marktschwankungen in der Coronakrise derzeit so gut wie lange nicht. Laut Daten des deutschen Derivateverbands summierten sich die Umsätze mit strukturierten Wertpapieren an den Börsen in Stuttgart und Frankfurt in den ersten acht Monaten des Jahres auf 43 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg von mehr als 70 Prozent.

    Auch auf Spectrum gebe es eine hohe Nachfrage, sagt Maan. „In der Coronakrise haben viele Menschen erstmals mit verbrieften Derivaten gehandelt – vor allem in Deutschland und Skandinavien.“

    „Konstruktive Gespräche“ mit Comdirect

    Spectrum ist eine sogenannte Multilateral Trading Facility, die von der deutschen Finanzaufsicht Bafin reguliert wird. Das Unternehmen bietet den Handel in zehn europäischen Ländern an: neben Deutschland noch in Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Belgien, Irland, Schweden, Norwegen und Finnland.  

    Privatanleger können nicht direkt bei Spectrum handeln, aber über Banken und Broker. Bisher fungiert die Konzernschwester IG Europe als einziger Broker. Bekannte deutsche Anbieter wie ING, Comdirect, Consors und Flatex konnte Maan bisher nicht als Kunden gewinnen.

    Spectrum sei zwar kostengünstiger als andere Handelsplätze und biete im Gegensatz zur Konkurrenz Handel rund um die Uhr an, heißt es in der Branche. Auf der anderen Seite sei das Angebot bisher noch überschaubar. Darüber hinaus bestehe grundsätzlich die Gefahr, dass bei neuen Anbietern gerade bei hoher Systemlast Kinderkrankheiten aufträten.

    Perspektivisch können sich einige Broker eine Zusammenarbeit mit der Handelsplattform aber durchaus vorstellen. „Wir sind kein Kunde von Spectrum, stehen aber in regelmäßigem Austausch und führen konstruktive Gespräche“, heißt es bei Comdirect. Die Consorsbank erklärt, das Angebot von Spectrum sei interessant und eine Zusammenarbeit in den nächsten Jahren denkbar. 2020 hätten für das Institut jedoch andere Projekte Priorität.

    Zwei andere europäische Broker haben laut Maan bereits fest zugesagt, bei Spectrum anzudocken. Einer davon komme aus Deutschland und werde bereits in wenigen Monaten angeschlossen. „Das ist ein wichtiger Meilenstein für uns“, frohlockt der Vorstandschef. Das Handelsvolumen auf der Plattform werde dadurch deutlich steigen.

    „Wir brauchen nicht Hunderte Mitarbeiter“

    Von Oktober 2019 bis Anfang September 2020 wurden auf Spectrum insgesamt eine Million Handelsgeschäfte (Trades) abgewickelt, die durchschnittliche monatliche Wachstumsrate betrug dabei 16 Prozent. Im Vergleich zur Konkurrenz ist das Volumen jedoch noch überschaubar. Die Frankfurter Zertifikatebörse kam allein im ersten Halbjahr 2020 auf 4,2 Millionen Trades.

    Maan ist mit der Entwicklung unter dem Strich dennoch zufrieden. „Trotz des starken Volumenanstiegs während der Coronakrise hatten wir keinerlei Ausfälle unserer Plattform“, betont er. Diese Stabilität sei extrem wichtig. „Im Börsengeschäft dauert es lange, sich einen guten Ruf zu erarbeiten. Verlieren kann man seine Glaubwürdigkeit dagegen sehr schnell.“

    An manchen Stellen hat die Coronakrise die Entwicklung von Spectrum allerdings gebremst. Weil die meisten Mitarbeiter wegen der Pandemie von zu Hause arbeiteten und sich nicht so intensiv austauschen könnten wie im Büro, komme das Unternehmen bei technologischen Neuentwicklungen etwas langsamer voran als vor der Krise, räumt Maan ein. „Auch das Anbinden neuer Kunden dauert länger als erwartet, weil viele Unternehmen einen starken Fokus darauf haben, ihr Geschäft während der Coronakrise am Laufen zu halten.“

    Spectrum selbst kommt derzeit mit lediglich 30 Mitarbeitern aus. Die Zahl der Beschäftigten werde in den kommenden Monaten leicht steigen, weil das Unternehmen im operativen Geschäft und im Vertrieb einige Mitarbeiter einstellen wolle, sagt Maan. „Aber wir betreiben bei Spectrum kein Geschäft, für das wir Hunderte Beschäftigte brauchen.“

    Da die Handelsplattform neu aufgebaut wurde, setzte das Unternehmen stark auf Technologie und Automatisierung. „Wir brauchen in der Abwicklung und Verwaltung deshalb nicht so viel Personal wie traditionelle Börsenbetreiber.“

    Mehr: Privatanleger sind von der Pannenserie bei Handelsplattformen in der Coronakrise besonders betroffen.

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