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Gespräch mit Vorstandschef Unterlandstättner Direktbank DKB will mehr Expats als Kunden gewinnen

Das Institut sieht die Coronakrise als Chance und peilt mehr Wachstum an. Zudem erhöht es nach einer Pannenserie den Druck auf seine Dienstleister.
05.05.2020 - 12:00 Uhr Kommentieren
Der DKB-Chef fordert nach einer Pannenserie Verbesserungen bei seinen Dienstleistern. Quelle: © NILS BRÖER
Stefan Unterlandstättner

Der DKB-Chef fordert nach einer Pannenserie Verbesserungen bei seinen Dienstleistern.

(Foto: © NILS BRÖER)

Frankfurt Die Direktbank DKB will ihren Wachstumskurs in den nächsten Jahren deutlich beschleunigen – und dabei verstärkt um internationale Kunden werben. „Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck an einem englischsprachigen Angebot, das noch 2020 starten soll“, kündigte Vorstandschef Stefan Unterlandstättner im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

Ins Visier nehmen will der DKB-Chef damit vor allem Expats – also Personen, die ihren Wohnsitz vorübergehend oder dauerhaft außerhalb ihres Heimatlandes haben. In Deutschland lebten viele Menschen, die der deutschen Sprache nicht mächtig seien, betont Unterlandstättner. „Diese Personen wollen wir mit dem zusätzlichen englischsprachigen Angebot bedienen.“

Zudem will die DKB verstärkt um Deutsche werben, die im Ausland arbeiten. Diese können bei der DKB Kunden werden, sofern sie noch eine Meldeadresse in der Bundesrepublik haben. Da Kunden mit der Kreditkarte der DKB im Ausland kostenlos Geld abheben können, hat die Bank nach eigenen Angaben bereits heute viele Kunden jenseits der deutschen Grenze – beispielsweise Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes und von großen Unternehmen.

Doch Unterlandstättner hat sich vorgenommen, in dieser attraktiven Nische noch stärker zu wachsen. „Künftig wollen wir aus Deutschland heraus verstärkt um Kunden im Ausland werben“, sagt der Vorstandschef. „Wir sehen auch über die Region Deutschland, Österreich und Schweiz hinaus großes Potenzial.“

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    Die DKB hat aktuell 4,4 Millionen Privatkunden, bis 2023 sollen es acht Millionen sein. Um so viele Kunden betreuen zu können, ohne in großem Umfang neue Mitarbeiter einzustellen, investiere die Bank derzeit in eine noch stärkere Automatisierung ihrer Prozesse, erklärt Unterlandstättner. „Das ist derzeit der limitierende Faktor.“

    Da die Systeme zunächst verbessert werden sollen, strebt die DKB im laufenden Jahr unter dem Strich lediglich 350.000 neue Kunden an. Um das Ziel von acht Millionen Kunden zu erreichen, müsse das Institut in den kommenden Jahren dann jedoch deutlich schneller wachsen, betont der Vorstandschef. Die größten Kundenzuwächse seien in den Jahren 2022 und 2023 angepeilt.

    Neben neuen Angeboten setzt Unterlandstättner dabei vor allem auf Weiterempfehlungen, durch die der Konzern bereits heute die meisten neuen Kunden gewinnt. „Je größer unsere Kundenbasis wird, desto stärker ist also auch das Wachstum.“

    Milliardenschweres Engagement im Tourismussektor

    Die Coronakrise hat bei der DKB bisher keine deutlichen Spuren hinterlassen. Einigen Privatkunden habe die Bank Kredite gestundet. „Aber die Zahl ist überschaubar“, berichtet Unterlandstättner. „Mit Blick auf unsere Gesamtkundenzahl von 4,4 Millionen bewegt sie sich im Promillebereich.“

    Im Firmenkundengeschäft kümmert sich die DKB nur um Firmen ausgewählter Branchen. „Der Einzelhändler um die Ecke beispielsweise gehört typischerweise nicht zu unseren Kunden“, betont der DKB-Chef. „Im Zuge der Coronakrise erwarten wir deshalb geringere Belastungen als klassische Firmenkundenbanken.“

    Innerhalb des Firmenkundensegments sei es in Branchen wie erneuerbaren Energien oder dem Gesundheitssektor bisher zu keinen Einnahmeausfällen gekommen, sagt Unterlandstättner. Auch die Wohnungswirtschaft werde allenfalls zeitversetzt betroffen sein, wenn Mietzahlungen ausblieben.

    Für den Tourismussektor stellt die Coronakrise dagegen eine große Belastung dar. „Hier sind wir im Gespräch mit vielen Unternehmen, deren Hotels oder Gebäude wir finanziert haben“, sagt Unterlandstättner. Insgesamt habe die DKB an die Tourismusbranche Kredite und Kreditlinien in Höhe von 1,2 Milliarden Euro vergeben. „Das ist im Vergleich zu unserem gesamten Kreditvolumen von knapp 90 Milliarden Euro eine überschaubare Größenordnung. Und ich hoffe, dass durch die staatlichen Hilfen viele Unternehmen die Coronakrise überstehen werden.“

    Die DKB gehört zur Bayerischen Landesbank (BayernLB) und hat im vergangenen Jahr mit einem Vorsteuergewinn von rund 300 Millionen Euro fast die Hälfte zum Gewinn des Münchener Geldhauses beigetragen. Im Zuge der neuen BayernLB-Strategie soll die DKB weiter an Bedeutung gewinnen.

    Weniger Auslagerungen nach Pannenserie

    Zuletzt sorgte das in Berlin ansässige Institut jedoch in erster Linie mit Pannen für Aufmerksamkeit. Erst am Sonntag legte ein Hackerangriff auf einen Dienstleister die DKB-Homepage und das Onlinebanking für rund zwei Stunden lahm. Bereits im Januar setzte eine ähnliche Attacke die DKB außer Gefecht. Zudem kam es zuletzt wegen technischer Probleme mehrfach zu Ausfällen im Wertpapierhandel (Brokerage).

    „Besonders dramatisch ist, wenn unser System in Marktturbulenzen nicht zur Verfügung steht“, räumt der DKB-Chef ein. Wenn es in der Folge zu Schadensersatz- oder Kulanzforderungen komme, werde die Bank dies mit den Kunden individuell besprechen. „Größere Belastungen durch entsprechende Zahlungen für die DKB sehe ich aber nicht.“

    Wichtig ist Unterlandstättner, dass die Pannen allesamt auf Ausfälle bei Dienstleistern zurückzuführen waren. „Unsere DKB-internen Systeme haben immer funktioniert.“ Zu den betroffenen Dienstleistern zählen in erster Linie der Wertpapierabwickler DWP Bank sowie der Sparkassen-IT-Dienstleister FI-TS – und beide nimmt Unterlandstättner nun in die Pflicht.

    „Selbstverständlich fragen wir uns immer, wer der geeignete Partner für bestimmte Aufgaben ist“, sagt der DKB-Chef. „Wenn ein Partner nachhaltig nicht das leisten kann, was die DKB von ihm erwartet, dann werden wir uns von ihm trennen.“ Das sei bisher zwar noch nicht passiert. Konsequenzen habe die DKB aber dennoch gezogen. „Wir kümmern uns nun um bestimmte Sicherheitsmechanismen und Systeme inzwischen selbst, statt diese Aufgaben extern zu vergeben.“

    Mehr: Welche Onlinebanken von der Coronakrise profitieren – und welche nicht

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