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Gewinne brechen ein Wie die Coronakrise Banken in Bedrängnis bringt

Noch hat die Coronakrise die deutschen Institute nicht wirklich erreicht. Aber das wird sich ändern. Der Branche steht ein radikaler Umbau bevor.
28.05.2020 - 17:09 Uhr Kommentieren
Noch stehen die deutschen Banken ganz am Anfang der Coronakrise. Quelle: dpa
Frankfurter Skyline

Noch stehen die deutschen Banken ganz am Anfang der Coronakrise.

(Foto: dpa)

Frankfurt An Selbstbewusstsein mangelt es Christian Sewing derzeit nicht. Auf der virtuellen Hauptversammlung der Deutschen Bank Mitte Mai verkündete der Vorstandschef des größten heimischen Geldhauses, die Bank habe sich in „einer nie da gewesenen Situation“ bislang sehr gut geschlagen.

Der Börsenkurs scheint ihm recht zu geben. Trotz Coronakrise gewann die Aktie der Deutschen Bank im zurückliegenden Monat um mehr als ein Viertel an Wert. Aber Sewing weiß auch, dass die Banken erst am Anfang der Krise stehen. Deshalb will er die Deutsche Bank „sturmfest“ machen, weil im Moment noch niemand seriös prognostizieren könne, welche Zweit- und Drittrundeneffekte die Pandemie auslösen werde.

Tatsächlich könnte der Sturm die Banken noch schlimmer treffen als die Finanzkrise. Experten warnen vor dramatischen Gewinneinbrüchen in den kommenden Monaten. Die Verwerfungen könnten so heftig ausfallen, dass die ohnehin unter notorisch schwacher Profitabilität leidenden deutschen Banken an ihre Grenzen stoßen und deutlich radikalere Umbauten einleiten müssen als bislang geplant.

Die Berater von Roland Berger haben ausgerechnet, was die Coronakrise die deutschen Banken kosten könnte. Dabei arbeiten die Experten mit zwei Szenarien. Das erste, optimistischere, läuft unter der Überschrift „Verzögerte Heilung“ und unterstellt eine zwölfwöchige Unterbrechung der wirtschaftlichen Aktivität.

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    In diesem Szenario würde das operative Ergebnis der deutschen Banken in diesem Jahr um 25 Prozent absacken. Bei dieser Berechnung fehlt allerdings noch der erwartete steile Anstieg der Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite. Bezieht man auch diese Risikokosten in die Kalkulation mit ein, würde der Vorsteuergewinn der heimischen Geldhäuser um 230 Prozent einbrechen und voraussichtlich vier Jahre lang negativ bleiben.

    Das zweite Szenario geht von einer tiefen Rezession aus, mit einem sechsmonatigen Lockdown der Wirtschaft. In diesem Fall würde das operative Ergebnis 2020 um 40 Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr und der Gewinn vor Steuern um 320 Prozent einbrechen. Würde dieses pessimistische Szenario Realität, bliebe nach den Berechnungen von Roland Berger das Vorsteuerergebnis der heimischen Institute im Schnitt sogar bis 2025 im roten Bereich.

    Bedrohliche Kreditverluste

    Andere Experten rechnen mit ähnlich pessimistischen Szenarien: Die Berater von McKinsey gehen davon aus, dass die Einnahmen der Banken in Kontinentaleuropa nach Risikokosten um 42 Prozent einbrechen werden und sich frühestens 2024 wieder erholen.

    Damit würde Covid-19 die Branche härter treffen als die Finanzkrise 2008. Dabei unterstellen die Experten, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone 2020 um elf Prozent schrumpft und sich erst 2023 wieder wirklich erholt.

    Auch eine neue Finanzkrise wollen die McKinsey-Berater nicht ausschließen. Die Banken hätten sich zwar seit der Krise vor zwölf Jahren deutlich robustere Kapitalpuffer zugelegt. Dennoch dürften die drohenden Kreditabschreibungen das Kapital vieler Banken so weit aufzehren, dass sie auf Unterstützung angewiesen sein könnten.

    Im Schnitt hätten die Kapitalquoten der europäischen Banken 2018 acht Prozentpunkte höher gelegen als 2007, rechnet McKinsey vor. Allerdings gebe es in der Coronakrise „glaubhafte Szenarien“, in denen die Kreditverluste deutlich höher ausfielen als in der letzten Finanzkrise – und höher als in den Stresstests, die die Aufseher in den vergangenen Jahren durchgespielt haben.

    Grafik

    Die Berater rechnen deshalb mit massivem Druck auf die Eigenkapitalquoten, die in Richtung acht Prozent sinken könnten. Besonders stark betroffene Banken oder Institute, denen die Investoren misstrauen, könnten nach Einschätzung der Berater Probleme bekommen, sich das nötige frische Kapital am Markt zu besorgen.

    Die ersten Folgen der Coronakrise zeigten sich bereits im ersten Quartal quer durch alle deutschen Bankenlager. Dennoch üben sich die meisten Topmanager nach wie vor in Optimismus. Die DZ Bank, das Zentralinstitut der Genossenschaftsbanken, verbuchte für die ersten drei Monate vor Steuern ein Minus von rund 130 Millionen Euro und kassierte seine Gewinnprognose.

    Analysten erwarten Milliardenverlust bei Deutscher Bank

    Für das Gesamtjahr kündigte der Co-Chef des Instituts in einem Interview mit der „Börsenzeitung“ dennoch „deutlich schwarze Zahlen“ an. Auch die gerade erst mit einem rund 3,6 Milliarden Euro schweren Hilfspaket gerettete NordLB warnt vor massiven Belastungen durch die Coronakrise. Im ersten Quartal musste das Hannoveraner Geldhaus ein Minus von 65 Millionen Euro vor Steuern verbuchen.

    Dank der Sonderkonjunktur im Investmentbanking erreichte die Deutsche Bank in den ersten drei Monaten des Jahres einen Vorsteuergewinn von 206 Millionen Euro. Vor ein paar Tagen berichtete Vorstandschef Sewing, dass der Rückenwind im Wertpapiergeschäft auch im April und Mai angehalten habe. Offiziell gilt für das größte heimische Geldhaus nach wie vor das Versprechen, 2020 operativ eine schwarze Null zu erreichen. Die Analysten befürchten allerdings erneut einen Milliardenverlust. Es wäre das sechste Verlustjahr in Folge.

    „Die Banken müssen jetzt handeln, sie dürfen nicht warten, bis sie die Kreditausfälle wirklich treffen“, meint Markus Strietzel, Partner bei Roland Berger. Als ersten Schritt sollten die Geldhäuser ihre Kreditportfolios durchforsten, um möglichst schnell potenzielle Risiken auszumachen.

    Als besonders gefährdete Branche sehen die Berater unter anderem die Tourismusindustrie. Aber auch die Automobilbranche mit ihren Zulieferern stehe unter Druck, wenn beispielsweise eine zweite Pandemiewelle anrollt. Strietzel glaubt auch, dass die Banken sehr schnell weitere Sparprogramme auf den Weg bringen müssen: „Um zu ermöglichen, dass die Kosten-Ertrags-Relation auf das Vorkrisen-Niveau von ungefähr 70 Prozent zurückkehrt, sind Einsparungen in Höhe von etwa elf Milliarden Euro nötig.“

    „Im Moment gibt es noch keinen Grund, mit irgendwelchen Horrorszenarien zu kalkulieren“, meint ein deutscher Spitzenbanker. Aber ausschließen könne man sie auch nicht, und bislang habe die Coronakrise deutlich mehr böse als gute Überraschungen bereitgehalten. Aber egal, welches Szenario am Ende Realität werde, die Pandemie wirke wie ein Katalysator, der den Umbau der deutschen Banken massiv beschleunigen werde.

    Kein Weg zurück in die alte Welt

    Nach Meinung der Berater ist der Einschnitt für die Branche so tief, dass es für die Banken keinen Weg zurück in die alte Normalität gibt. Die Umstellung der Kunden auf digitale Bankangebote hätte innerhalb weniger Monate einen Sprung um mehrere Jahre nach vorn gemacht, heißt es in der McKinsey-Studie.

    Darauf müssten sich die Banken einstellen und ihre digitalen Vertriebsmodelle massiv ausbauen. Umgekehrt habe die Pandemie gezeigt, dass man auch mit 20 bis 30 Prozent weniger Filialen auskommen könne.

    Thomas Steiner, Leiter Banking und Capital Markets bei der Beratung Bearingpoint, geht noch einen Schritt weiter. Er glaubt, dass die europäischen Banken auch ohne den zusätzlichen Druck der Coronakrise drastische Reformen hätten einleiten müssen.

    „Der technologische Zyklus dauert etwa sieben bis zehn Jahre, das heißt, die Banken müssen sich eigentlich spätestens alle zehn Jahre technologisch neu erfinden.“ Früher oder später würden viele Banken radikale Entscheidungen treffen müssen. „Sonst steigt das Verhältnis von Kosten zu Einnahmen trotz enormer Investitionen in die Digitalisierung weiter an“, meint Steiner. Dazu gehöre zum Beispiel eine gründliche Bereinigung des Produktportfolios.

    Als Beispiel aus der Praxis nennt der Berater Hypothekendarlehen: Eine Bank habe 100 Produktvarianten dieser Kredite im Angebot, aber 93 Prozent des Geschäfts entfielen auf nur zwölf Varianten, auf 17 Varianten sieben Prozent und auf die übrigen 70 Varianten nur insgesamt ein Prozent.

    Das habe auch Konsequenzen für den Innovationszyklus: „Die zwölf Produkte, auf die der Löwenanteil des Geschäfts entfällt, ließen sich in drei Monaten erneuern. Für die 17 weiteren Varianten wäre ein Jahr nötig, für die restlichen 70 zwei bis zweieinhalb Jahre“, erläutert Steiner.

    Aber eigentlich müssten die Geldhäuser nach seiner Meinung noch einen entscheidenden Schritt weiter gehen und sich komplett von ihren alten Strukturen verabschieden: „Eigentlich wäre es sinnvoll, Banken auf der grünen Wiese neu aufzubauen, mit neuer Plattform und neuen Prozessen.“ Die spanische Santander habe mit ihrer Open Bank vorgemacht, wie solche radikalen Erneuerungsprozesse funktionieren könnten.

    „Bei einigen Banken reifen solche Gedanken sehr schnell“, berichtet der Berater. Die Aufgabe, vor der die Branche bei der Digitalisierung stehe, lasse sich mit der eines Bauherren vergleichen: „Lohnt es sich, einen Altbau zu renovieren, oder ist es sinnvoller, das Gebäude abzureißen und völlig neu zu bauen?“

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