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Griechenland Sanierungsplan „Herkules“ soll griechische Banken retten

Die griechische Regierung will den Banken helfen, faule Kredite abzubauen. Deren Stabilisierung ist ausschlaggebend für das Wirtschaftswachstum.
13.12.2019 - 15:50 Uhr Kommentieren
Am Donnerstagabend billigte das Parlament in Athen im Eilverfahren den Herkules-Plan. Quelle: dpa
Athen

Am Donnerstagabend billigte das Parlament in Athen im Eilverfahren den Herkules-Plan.

(Foto: dpa)

Athen Giorgos Zavvos musste nicht lange über einen passenden Namen grübeln: „Herkules“ nannte er jenen Plan, der den griechischen Banken helfen soll, ihre mit riesigen Kreditrisiken belasteten Bilanzen zu bereinigen. „Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis war mit dem Namen sofort einverstanden“, erzählt Zavvos. Der Ökonomie-Professor und frühere EU-Beamte ist seit Juli als griechischer Vize-Finanzminister für das Bank- und Versicherungswesen zuständig.

Zavvos‘ Mission erinnert tatsächlich an die Prüfung, die dem Sagenhelden Herkules auferlegt war: Binnen eines einzigen Tages sollte er die seit drei Jahrzehnten nicht mehr gereinigten Rinderställe des Augias ausmisten. Herkules entledigte sich der unappetitlichen Aufgabe, indem er kurzerhand den Fluss Alphios durch die Augiasställe leitete. Dessen Wasser spülte den ganzen Mist einfach weg.

Am Donnerstagabend billigte das Parlament in Athen im Eilverfahren den Herkules-Plan. Damit macht die neue konservative Regierung endlich Tempo bei der seit Jahren stockenden Sanierung der Banken. Auf den Geldinstituten lastet ein riesiger Berg fauler Kredite. Infolge der Finanzkrise und einer achtjährigen Rezession werden nach Angaben der griechischen Zentralbank 43,6 Prozent der ausgereichten Darlehen nicht mehr bedient oder sind akut ausfallgefährdet.

Zum Vergleich: Im Durchschnitt der Eurozone beträgt die Quote nur drei Prozent. Unter dem Strich geht es in Griechenland um notleidende Forderungen (NPE) von 75,4 Milliarden Euro, so der Stand von Mitte 2019. Die Summe entspricht 40 Prozent des diesjährigen griechischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

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    Die vier systemischen Institute – Piraeus Bank, National Bank of Greece, Eurobank und Alpha Bank - haben ehrgeizige Ziele. Nachdem sie seit 2016 bereits ein Drittel der NPE abgebaut haben, wollen sie die Quote bis Ende 2022 unter zehn Prozent drücken. Die Herkules-Aufgabe besteht darin, die Problemkredite abzutragen, ohne mit weiteren Rückstellungen, Abschreibungen oder dem Verkauf an Kreditverwerter Bilanzverluste zu verursachen und die Kapitalisierung der Banken zu gefährden.

    Plan ähnelt italienischem Verfahren

    Die vier großen Banken mussten in den Krisenjahren 2012 bis 2015 bereits drei Mal mit insgesamt 50,6 Milliarden Euro rekapitalisiert werden. Davon kamen 42,3 Milliarden vom staatlichen Bankenrettungsfonds HFSF und 8,3 Milliarden von privaten Investoren. Die Alt-Aktionäre verloren infolge der Kapitalerhöhungen 99,9 Prozent ihres Geldes. Eine weitere Rekapitalisierung der Institute würde wahrscheinlich zu einer Verstaatlichung des gesamten griechischen Bankensystems führen.

    Herkules soll helfen, das zu vermeiden. Der Plan sieht vor, dass die Banken notleidende Forderungen verbriefen und in eine Zweckgesellschaft überführen. Für rund ein Drittel, nämlich die vorrangigen Papiere mit guter Bonität, stellt der Staat Bürgschaften bereit. Dafür sind zwölf Milliarden Euro vorgesehen. Die staatlich garantierten Forderungen können auf diese Weise in den Bankbilanzen verbleiben. Damit wird die Kapitalisierung der Institute gestärkt.

    Der Plan ähnelt dem Verfahren, mit dem die italienischen Banken in den vergangenen Jahren ihre Kreditrisiken erfolgreich reduzierten. Die Europäische Kommission hatte bereits im Oktober grünes Licht gegeben, nachdem die EU-Wettbewerbswächter das Konzept als marktkonform und „beihilfefrei“ genehmigten. Am Dienstag dieser Woche stimmte auch die Europäische Zentralbank zu.

    Wichtigstes Ziel des Herkules-Plans ist es, die Banken bei den Kreditrisiken zu entlasten, damit sie wieder mehr Darlehen an die Realwirtschaft vergeben. Bisher sind die Institute zugeknöpft. Die Darlehenssumme ist seit einem Jahrzehnt rückläufig und fällt immer noch, obwohl Griechenlands Wirtschaft seit 2017 wieder wächst. Im September ging die Kreditvergabe gegenüber dem Vorjahr um weitere 0,9 Prozent zurück.

    Nur wenn die Geschäftsbanken wieder mehr Kredite locker machen, kann Premier Mitsotakis seine ambitionierten Wachstumsziele erreichen: Nachdem das BIP im zu Ende gehenden Jahr voraussichtlich um knapp zwei Prozent zulegte, erwartet die Regierung für 2020 ein Plus von 2,8 Prozent.

    Kreditrating soll besser werden

    Die Stabilisierung des Bankensystems ist auch eine wichtige Voraussetzung für ein besseres Kreditrating Griechenlands. Noch rangiert das Land bei den großen Ratingagenturen zwei bis drei Stufen unter der Schwelle der investitionswürdigen Schuldner. Fachleute erwarten, dass Griechenland im Laufe der nächsten zwei Jahre wieder in die begehrte „Investment Grade“-Liga aufsteigen könnte.

    Das würde nicht nur den Schuldendienst des Staates verbilligen und die Schuldentragfähigkeit des Landes verbessern. Auch griechische Unternehmen könnten sich dann zu günstigeren Konditionen am Kapitalmarkt Geld besorgen.

    Griechenlands Partner in der Eurozone beobachten die Entwicklung bei den vier großen Hellas-Banken aufmerksam. Denn davon wird auch abhängen, ob die stockenden Pläne für eine Bankenunion und eine gemeinsame Einlagensicherung vorankommen. Als wichtige Voraussetzung dafür gilt der Abbau der faulen Kredite in den ehemaligen Krisenländern.

    Mehr: Griechische Bankaktien sind nichts für schwache Nerven. Doch viele Analysten sehen ihre Zukunft positiv, auch wenn die faulen Kredite noch ein großes Problem sind.

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