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Das Logo der Großbank HSBC in Hongkong

Die größte europäische Bank droht zum Opfer des Streits zwischen den USA und China zu werden.

(Foto: dpa)

Großbank HSBC drohen schmerzhafte Sanktionen in China, aber auch in den USA

Das starke Asiengeschäft war bislang der Trumpf der HSBC. Doch nun droht Europas größter Bank eine Zerreißprobe zwischen Ost und West.
01.10.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren

Peking, London Seit Noel Quinn vor einem Jahr an die Spitze von HSBC rückte, hat er einiges getan, um die britische Großbank schlanker und schneller zu machen. Der neue Vorstandschef verkündete eine weitreichende Restrukturierung, baute das Management um und verlagerte mehr Kapital in die Wachstumsmärkte in Asien.

Doch trotz all seiner Anstrengungen reißen die Negativschlagzeilen einfach nicht ab. Erst verhagelte die Coronakrise die Bilanz, dann rutschte die Aktie vergangene Woche auf ihren niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Europas größte Bank war plötzlich weniger wert als die Commonwealth Bank of Australia.

Anlass für den jüngsten Ausverkauf waren Spekulationen in der chinesischen Staatspresse. Demnach könnte die Bank in China auf einer schwarzen Liste „unzuverlässiger“ ausländischer Unternehmen landen. Hinzu kamen Berichte eines internationalen Journalisten-Netzwerks über mangelnde Geldwäschekontrollen bei Banken, in denen die HSBC eine prominente Rolle spielte.

Handelskonflikt stellt Unternehmensstrategie infrage

Bei Anlegern und Analysten wachsen daher die Zweifel. Die Aktie ist seit Jahresbeginn um 50 Prozent eingebrochen. Diese Woche hat sich der Kurs zwar wieder etwas erholt, nachdem bekannt wurde, dass der größte Investor Ping An seinen Anteil von 7,95 auf acht Prozent aufgestockt hatte.

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    Doch selbst dieser kleine Vertrauensbeweis kann die Sorgen über die langfristigen Aussichten des Geldhauses nicht ausräumen. Weniger als ein Fünftel der Analysten, die die Aktie beobachten, empfehlen HSBC noch zum Kauf.

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    Vor allem der geopolitische Konflikt zwischen den USA und China bedroht die Bank, denn er stellt die Unternehmensstrategie grundsätzlich infrage. Die 1865 in Schanghai gegründete Institution versteht sich seit jeher als Brücke zwischen Ost und West.

    Den Großteil ihrer Gewinne erwirtschaftet HSBC in Asien, doch die Zentrale ist seit 1991 in London und soll auch dort bleiben. Wie keine andere Bank muss HSBC nun den Spagat zwischen den Regierungen in Peking, Washington und London schaffen, ohne dabei alle zu verärgern.

    „HSBC ist ein Beispiel, wie ein Unternehmen außerhalb der Tech-Branche zwischen die Fronten gerät“, sagt Max Zenglein, Chefökonom beim Berliner China-Thinktank Merics. Internationale Konzerne würden verstärkt dazu gezwungen, sich öffentlich zu positionieren.

    Druck aus Washington und Peking

    Das bringt die Bank immer wieder in die Bredouille. Als die Hongkonger Polizei im August mehrere Manager der regierungskritischen Lokalzeitung „Apple Daily„ festnahm und deren HSBC-Konten sperren ließ, mischte sich US-Außenminister Mike Pompeo ein. Er kritisierte die Bank, dass sie die Konten der Demokratie-Aktivisten sperre, während sie chinesische Regierungsvertreter trotz US-Sanktionen unbehelligt lasse.

    Auch Peking setzt das Geldhaus unverhohlen unter Druck. Im Streit um das Sicherheitsgesetz in Hongkong hatte ein Mitglied des obersten politischen Beratungsgremiums der Regierung im Mai HSBC öffentlich mit einem Boykott gedroht.

    Daraufhin knickte das Unternehmen ein: Asienchef Peter Wong sprach sich für das Sicherheitsgesetz aus, das Peking in der Sonderverwaltungszone inzwischen eingeführt hat. Wongs Kotau wurde in Großbritannien und den USA heftig kritisiert, westliche Investoren gingen auf Distanz. Regierungen weltweit halten das drakonische Gesetz für einen Völkerrechtsbruch.

    HSBC-Führung fürchtet Chinas schwarze Liste

    „Man kann sehr deutlich an HSBC sehen, was passiert, wenn ein Unternehmen sich zu abhängig von China macht“, warnt Zenglein. In China Geschäfte zu machen bedeute ein hohes politisches Risiko. 

    Vorstandschef Quinn räumte Anfang August selbst ein, dass die Spannungen zwischen China und den USA „schwierige Situationen“ schaffen. Meinungsunterschiede über „Handel, Technologie, Menschenrechte und den Status Hongkongs“ stellten mögliche Geschäftsrisiken für die Bank dar. Konkret nannte er die Gefahr für Mitarbeiter, Sanktionen, Aufsichts- und Imagefragen.

    Die größte Sorge der HSBC-Führung ist es, auf der Liste der „unzuverlässigen“ Unternehmen zu landen, an der Peking gerade arbeitet. Diese ist eine Reaktion auf eine ähnliche schwarze Liste der US-Regierung, mit der bereits die Geschäfte von zahlreichen chinesischen Unternehmen wie dem Mobilfunkausrüster Huawei stark eingeschränkt wurden.

    Unternehmen auf Chinas Liste sollen laut dem Wirtschaftsministerium davon abgehalten werden, dort zu investieren und Geschäfte zu machen. Mitarbeitern der betroffenen Firmen droht eine Verweigerung der Arbeitserlaubnis in der Volksrepublik.

    „Sollte HSBC auf der Liste stehen, würde das Geschäft auf dem chinesischen Festland negativ beeinträchtigt, weil Kunden ihre Transaktionen verringern“, schreiben die Analysten der amerikanischen Großbank Citigroup. „In einem Worst-Case-Szenario könnte HSBC gezwungen sein, Investitionen in China abzustoßen.“

    In den USA drohen Sekundärsanktionen

    Bislang hat Peking noch keine Namen genannt. Doch überraschend käme es nicht, wenn HSBC bestraft würde, denn die Regierung hat noch eine Rechnung mit der Bank offen. China beschuldigt das Unternehmen, der US-Regierung bei der Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou geholfen zu haben.

    Meng, die auch die Tochter des Huawei-Gründers Ren Zhengfei ist, war Ende 2018 auf Antrag der USA in Kanada verhaftet worden und steht derzeit unter Hausarrest in Vancouver. Sie ist unter anderem wegen Verstoßes gegen US-Sanktionen gegen den Iran angeklagt.

    HSBC hatte auf Verlangen der US-Behörden Informationen des ehemaligen Kunden Huawei herausgegeben. In chinesischen Staatsmedien wurde die Bank beschuldigt, dem Unternehmen eine Falle gestellt zu haben. HSBC bestreitet dies.

    Als sei das noch nicht genug, drohen der Bank auch Strafmaßnahmen aus Washington. Am 12. Oktober muss das US-Außenministerium dem Kongress gemäß dem Hongkonger Autonomiegesetz einen Bericht vorlegen. Er soll ausländische Personen benennen, die wesentlich dazu beigetragen haben sollen, dass China seinen Verpflichtungen zur Autonomie Hongkongs nicht nachgekommen ist.

    Zudem muss die Regierung dem Kongress in den darauffolgenden zwei Monaten auch noch eine Liste mit ausländischen Finanzinstituten vorlegen, die wissentlich Akteure unterstützt haben, die Hongkongs Autonomie untergraben haben.

    Den betroffenen Unternehmen drohen „schwere Sekundärsanktionen“, schreibt die Ratingagentur Fitch in einer aktuellen Analyse. Die Regierung könnte etwa das Dollar-Clearing via US-Finanzinstitutionen unterbinden. Die britischen Banken HSBC und Standard Chartered, die beide erheblich in China und Hongkong engagiert sind, könnten mit am stärksten betroffen sein.

    Chinachef: „Geopolitische Spannungen gehen vorbei“

    „Es stellt sich die Frage, ob ausländische Banken einige der bestehenden Kundenbeziehungen beenden müssen, um nicht ins Visier von Sanktionen zu geraten“, meint Grace Wu, Chefanalystin für Greater China bei Fitch. „Wenn die Sanktionen ausgeweitet werden und dadurch das Geschäft der Bank materiell geschädigt wird, dann könnte das für die Bonitätsnote von Bedeutung sein.“ Im Moment sei es aber noch zu früh, um abzuschätzen, welche Auswirkungen die Sanktionen haben könnten.

    Wie groß der Schaden ist, den HSBC durch den Handelskonflikt bereits erlitten hat, ist schwer zu beziffern. Die Bank äußert sich dazu nicht. Offiziell hält sie an ihrer Strategie fest. „Unsere Rolle als Brücke zwischen Ost und West bleibt unverändert“, betonte der Chef von HSBC China, Mark Yunfeng Wang, kürzlich auf der Handelsblatt-Tagung „Asia Business„. „Die geopolitischen Spannungen werden vorbeigehen.“

    Auch Deutschlandchefin Carola von Schmettow betonte, die meisten Bankkunden seien von den Handelsspannungen kaum tangiert. „Asien ist dort, wo das Wachstum ist.“

    Noch mehr China-Fokus?

    Tatsächlich wachsen die Einnahmen in China weiter, im ersten Halbjahr war die Region einer der wenigen Lichtblicke. Europa und die USA hingegen sind die Sorgenkinder von HSBC. Im Rahmen der Restrukturierung, die 35.000 Arbeitsplätze kostet, will Quinn im Westen ab- und im Osten aufbauen.

    Der Bankchef will das Kapital dort einsetzen, wo es am meisten Rendite abwirft. Auch will er die Kosten senken – und das geht am besten durch Filialschließungen und flachere Konzernstrukturen in Europa und den USA.

    Aus der Sicht mancher Beobachter wäre es daher konsequent, sich noch klarer zu China zu bekennen. Früher brachten Verwaltungsratskreise auch regelmäßig einen Umzug der Zentrale nach Hongkong ins Spiel. Das hat sich gelegt, seit dort die Demokratie-Proteste ausgebrochen sind. Der britische Rechtsstaat hat als Standortfaktor einen neuen Wert gewonnen. Doch wenn die Verlagerung des Geschäfts nach China so weitergeht, wird sich die Frage des Hauptsitzes früher oder später erneut stellen.

    Immer wieder diskutiert wird auch der komplette Rückzug aus den USA. Dies halten Experten jedoch für nicht realistisch. Angesichts der Bedeutung des US-Dollars als Handelswährung und des Status der USA als führende Handelsnation sei es im Interesse der HSBC, dort eine umfassende Präsenz zu behalten, meint Michael Wu vom Analysehaus Morningstar.

    Nahezu 30 Prozent der weltweiten Erträge der HSBC aus dem Ausland stammten aus den USA. Darüber hinaus fungiere die Bank als großer Dollar-Clearing-Agent, hauptsächlich für ihre eigenen Kunden. Außerdem seien die Privatkundeneinlagen in den USA eine „wertvolle Quelle“ für die kostengünstige Finanzierung.

    Es sieht daher so aus, als werde die Bank den schmerzhaften Spagat zwischen den USA und China noch eine Weile aushalten müssen.

    Mehr: Die Handelsbeziehungen zu China sind zum Risikogeschäft geworden.

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