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Amanda Staveley

Die britische Unternehmerin fühlt sich von ihrem alten Geschäftspartner Barclays hintergangen und fordert entgangene Gewinne plus Zinsen.

(Foto: i-Images / Polaris/laif)

Großbritannien Amanda Staveley vs. Barclays – Neuer Prozess gegen britische Großbank

Die Katar-Affäre lässt Barclays nicht los. Die prominente Investorin Amanda Staveley verklagt die britische Großbank auf eine Milliardenzahlung.
08.06.2020 - 18:30 Uhr Kommentieren

London Die Welt befindet sich bereits in der nächsten großen Wirtschaftskrise, doch vor dem Londoner High Court geht es noch einmal um ein Kapitel aus der Finanzkrise von 2008. Am Montag hat der Prozess von Amanda Staveley gegen die britische Großbank Barclays begonnen. Die Londoner Investorin wirft den Investmentbankern aus der Canary Wharf Täuschung vor und fordert 1,5 Milliarden Pfund an entgangenen Gewinnen und Zinsen.

Die Summe würde Barclays empfindlich treffen, stehen doch die Gewinne des Geldhauses wegen der Coronakrise und der drohenden Minuszinsen in Großbritannien ohnehin schon unter Druck. Dazu kommt der Imageschaden, weil die leidige Katar-Affäre nun weitere Monate in den Schlagzeilen ist.

In dem Zivilprozess geht es um die Finanzspritze von 7,3 Milliarden Pfund, mit der Investoren aus Katar und Abu Dhabi die angeschlagene Bank im Oktober 2008 vor der Verstaatlichung bewahrt hatten. Die britische Bankenaufsicht hatte Barclays damals vor die Alternative gestellt, entweder frisches Kapital zu sammeln oder den Einstieg des Staates hinzunehmen.

Der damalige Vorstandsvorsitzende John Varley schickte ein Team unter Leitung von Roger Jenkins an den Golf, um die nötigen Milliarden zu finden. Es war erfolgreich. Barclays entging dem Schicksal der Konkurrenten Lloyds und Royal Bank of Scotland, die beide verstaatlicht wurden.

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    Staveley hatte einen entscheidenden Anteil an der Kapitalerhöhung: Ihre Private-Equity-Firma PCP Capital fädelte eine Zahlung von 3,5 Milliarden Pfund aus Abu Dhabi ein. Der Staatsfonds des Emirats wurde damals zum größten Anteilseigner von Barclays. Staveley erhielt eine Gebühr von 30 Millionen Pfund.

    Später kam jedoch heraus, dass Mit-Investor Katar offenbar bessere Konditionen erhalten hatte. So hatte Barclays der katarischen Regierung einen günstigen Kredit in Höhe von drei Milliarden Dollar sowie einen Beratervertrag über 322 Millionen Dollar zugesagt. Beide Absprachen wurden nicht öffentlich gemacht.

    Staveley reklamiert entgangene Gewinne

    Laut Staveley hatte das Barclays-Team ihr gegenüber mehrfach versichert, dass alle Investoren zu den gleichen Bedingungen einstiegen. Das will sie im Prozess mit E-Mails und Zeugen beweisen. Sie sagt, sie hätte Abu Dhabi das Investment nicht empfohlen, wenn sie von den Nebenabsprachen gewusst hätte. Weil sie sich hintergangen fühlte, reichte sie 2016 Zivilklage gegen Barclays ein. Sie reklamiert entgangene Gewinne in Höhe von 720 Millionen Pfund plus Zinsen.

    Der Zivilprozess wurde mehrfach verschoben, weil das Gericht erst den Ausgang des Strafprozesses in der gleichen Angelegenheit abwarten wollte. Der acht Jahre dauernde Strafprozess endete kürzlich mit einer Blamage für die Staatsanwaltschaft: 2018 hatte der Richter zunächst die Klage gegen das Unternehmen Barclays abgewiesen. 2019 folgte der Freispruch des ehemaligen Bankchefs Varley, im Februar dieses Jahres schließlich der Freispruch von drei weiteren Topbankern. Die Jury sah den Vorwurf nicht gedeckt, dass die Bank andere Investoren durch die Geheimhaltung der Nebenabsprachen mit Katar getäuscht hatte.

    Im Zivilprozess treten nun viele der gleichen Figuren noch einmal vor Gericht auf. Unter anderem wird Jenkins nach seinem Freispruch im Februar nun gegen Staveley aussagen. Die beiden sollen ein angespanntes Verhältnis haben: Der einstige Star-Investmentbanker soll sie während der Gespräche damals unter anderem „Flittchen“ genannt haben.

    Es geht auch um unterschiedliche Einschätzungen von Staveleys Rolle in dem Deal: Während sie ihre Firma als Investorin beschreibt und daraus ihre Schadensersatzforderungen ableitet, war sie laut Barclays nie mehr als eine Beraterin.

    Bereits im Strafprozess hatten die Bankvertreter bestritten, Katar bevorzugt behandelt zu haben. Der Beratervertrag für das Emirat sei nicht vorgetäuscht gewesen, Katar habe für die Gebühren echte Leistungen erbracht. Und den Kredit habe die Regierung nur unter der expliziten Vorgabe erhalten, das Geld nicht für den Kauf von Barclays-Anteilen zu verwenden.

    Die Nahost-Vermittlerin

    Dank der Protagonistin Staveley bekommt der Prozess nun ein gewaltiges Medienecho. Die 47-jährige Geschäftsfrau genießt eine gewisse Boulevard-Prominenz im Königreich, seit sie einmal mit Prinz Andrew zusammen war.

    Zudem tritt sie immer wieder als Vermittlerin spektakulärer Übernahmen durch arabische Investoren auf. Zuletzt hatte sie den Verkauf des Fußballclubs Newcastle United vom britischen Unternehmer Mike Ashley an den saudischen Staatsfonds vermittelt. Der 300-Millionen-Pfund-Deal liegt wegen des Barclays-Prozesses nun vorerst auf Eis.

    2008 hatte Staveley auch den Verein Manchester City und Scheich Mansour von Abu Dhabi als Investor zusammengebracht – der Grundstein für Manchesters Aufstieg an die Spitze der Premier League. Auch für Londoner Luxushotels wie das Claridge’s hat sie Käufer gefunden.

    Die ersten Kontakte in die Golfstaaten hatte Staveley gleich zu Beginn ihrer Karriere geknüpft. Sie brach ihr Fremdsprachenstudium an der Universität Cambridge ab, um ein Restaurant in der Nähe der Pferderennbahn Newmarket zu eröffnen. Hier lernte sie reiche Pferdebesitzer aus dem Mittleren Osten kennen. Später gründete sie PCP Capital mit Büros in London und Dubai und baute ihr Netzwerk stetig aus.

    Bekannte beschreiben sie als sehr zielorientiert und durchsetzungsstark. Ihre Aussage in dem zweimonatigen Prozess wird per Videoschalte erfolgen, ebenso wie alle anderen Aussagen auch. Aufgrund der Corona-Pandemie finden alle Gerichtsverhandlungen in Großbritannien derzeit virtuell statt. Staveleys Erfolgschancen scheinen mäßig, wenn man den Strafprozess als Indikator ansieht.

    Mehr: Warum britischen Großbanken harte Einschnitte drohen.

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