Großbritannien: Erst fehlen Lkw-Fahrer, dann Banker: Londoner City fürchtet Personalmangel
Der Brexit gefährdet die Vormachtstellung Londons als europäisches Finanzzentrum.
Foto: Paul Langrock/Zenit/laifLondon. In Großbritannien werden nicht nur Lastwagenfahrerinnen, Schlachter und Pflegekräfte dringend gesucht. Zehn Monate nach dem Brexit warnt nun auch der Londoner Finanzsektor vor drohenden Personalengpässen.
Der Grund für die Warnung: Vor dem Brexit konnten Unternehmen ihre Mitarbeiter kostenlos zwischen Großbritannien und anderen EU-Ländern hin- und herbewegen. Seit Anfang des Jahres sind Arbeitsvisa nötig, selbst bei kurzzeitigen Einsätzen. Das erhöht die Personalkosten und verringert die Flexibilität.
„Das Ende der Freizügigkeit hat den Zugang zu europäischen Fachkräften erschwert“, bestätigt ein Sprecher des Branchenverbands City UK. Die Einstellungskosten seien erheblich gestiegen. „Der Talentpool in London beginnt zu schrumpfen, weil mehr Fachkräfte nach Europa und an andere Orte umziehen“, warnte kürzlich der Europachef der US-Bank JP Morgan Chase, Vis Raghavan, gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg. „Diese Fragmentierung ist nicht gut für die Finanzindustrie.“
Bislang hatte die Corona-Pandemie diese Probleme verdeckt, weil Geschäftsreisen und Auslandseinsätze weitgehend ausfielen. Doch in dem Maße, wie sich der Büroalltag normalisiert, wird deutlich, wie teuer und lästig die neuen Regeln für den Finanzplatz London sind.