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HalbjahresbilanzDeutsche Fintechs bei Risikokapitalgebern gefragt – Investitionen deutlich über Vor-Corona-Niveau

Zinswende, Inflation und Ukrainekrieg setzen Fintechs derzeit stark unter Druck. Dennoch können einige Fintech-Sparten in diesem Umfeld bei Investoren punkten.Dennis Schwarz 13.07.2022 - 12:34 Uhr Artikel anhören

Das deutsch-britische Fintech richtet sich vor allem an kleine Händler und Restaurants. Es profitiert davon, dass immer mehr Menschen mit Karte bezahlen statt mit Bargeld.

Foto: Bloomberg

Frankfurt. Deutsche Finanz-Start-ups ziehen auch im aktuellen Marktumfeld das Interesse von Risikokapitalgebern auf sich. Im zweiten Quartal steckten Venture-Capital-Investoren insgesamt knapp 1,4 Milliarden Euro in die hiesigen Fintechs. Das geht aus Zahlen des Analysehauses Barkow Consulting und Comdirect hervor.

Das sind zwar fast 20 Prozent weniger als im Vorjahresquartal, als ein neuer Rekordwert erzielt werden konnte. Aber immer noch deutlich mehr als in den Jahren davor. 2020 lag das Investitionsvolumen im zweiten Quartal bei 455 Millionen Euro, 2019 bei 217 Millionen. Im gesamten ersten Halbjahr 2022 investierten VC-Firmen insgesamt etwa 1,86 Milliarden Euro in deutsche Fintechs, nach 2,3 Milliarden im Vorjahreshalbjahr und 599 Millionen 2020.

Diese Entwicklung steht der aktuellen Stimmung im Finanzsektor entgegen. Denn Krieg, Inflation und die Erwartung steigender Zinsen setzen auch Fintechs unter Druck.

In den vergangenen Monaten häuften sich die Meldungen von Mitarbeiterentlassungen und Strategiewechseln, um schneller profitabel zu werden. Die Venture-Capital-Investitionen seien im laufenden Jahr bislang noch überraschend hoch, sagte Peter Barkow vom gleichnamigen Analysehaus.

Einige Fintechs können aber offenbar gerade in diesem Umfeld punkten. Unternehmen, die profitabel sind oder es werden könnten, seien bei Investoren beliebt, sagte Alex von Frankenberg vom halbstaatlichen Hightech-Gründerfonds (HTGF).

Christian Nagel von der Wagniskapitalfirma Earlybird zählt B2B-Fintechs zu den aktuellen Profiteuren. Sie fokussieren sich auf Geschäftskunden (Business-to-Business).

„Sie waren zwar nicht unter deutlichen Coronagewinnern, profitieren nun allerdings vom veränderten Marktumfeld, da sie ohnehin schon ein nachhaltiges Geschäftsmodell vorweisen können“, sagte Nagel. Auch Unternehmen aus dem Offlinehandel können laut dem Risikokapitalgeber deutlich zulegen, da die Menschen vermehrt wieder in Geschäften einkaufen und lieber mit Karte als bar bezahlen.

Sumup mit größter Finanzierungsrunde

In der Tat konnte mit Sumup ein deutsch-britischer Zahlungsdienstleister die größte Summe von Investoren im zweiten Quartal einsammeln. 590 Millionen Euro erhielt Sumup Ende Juni dieses Jahres; die Bewertung stieg nach eigenen Angaben auf acht Milliarden Euro. Unklar ist allerdings, wie hoch jeweils der Anteil an Krediten und Eigenkapital ist.

Sumup, gegründet von mehreren Deutschen, vertreibt mobile Lesegeräte für das Bezahlen per Bank- und Kreditkarte. Das Fintech mit Hauptsitz in London richtet sich vor allem an kleine Händler, Restaurants und Cafés.

Auch das Berliner B2B-Fintech Upvest sammelte in einer Finanzierungsrunde 42 Millionen Dollar ein (etwa 40 Millionen Euro). Upvest bietet Unternehmen mittels sogenannter API-Schnittstelle die Vermittlung und Verwahrung von Anlageprodukten an. Es stellt somit die Infrastruktur hinter andere Fintechs, die so ihrerseits den Endkunden anbieten, in ETFs, Krypto oder auch Aktien zu investieren. Die B2B-Fintechs Lemon Markets und Payrails konnten ebenfalls Millionenbeträge von Risikokapitalgebern einsammeln.

Einen größeren Betrag konnte auch der Berliner Neobroker Trade Republic Anfang Juni mit 250 Millionen Euro einsammeln. Dadurch stieg die Bewertung auf fünf Milliarden Euro. Bereits im April erhielt zudem das größte deutsche Steuer-Start-up Taxfix 220 Millionen Euro an frischem Kapital.

Dennoch seien Investoren angesichts des aktuellen Marktumfelds selektiver, sagte Nagel. Auch von Frankenberg bestätigt: „Die Spreu trennt sich vom Weizen: Investoren prüfen die Geschäftsmodelle aktuell noch detaillierter“, sagte er.

Das zeigt auch die Anzahl der Finanzierungsrunden. So konnten im zweiten Quartal 33 Deals geschlossen werden, im gesamten ersten Halbjahr beträgt die Zahl der Finanzierungsrunden deutscher Fintechs 54. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden im ersten Halbjahr 96 Deals geschlossen, 2020 waren es 70.

Kapital ist bei den Investoren offenbar dennoch genügend vorhanden. So konnte etwa HTGF seinen eigenen Fonds („HTGF IV“) im Juni mit 400 Millionen Euro füllen, der Vorgänger fasste lediglich 320 Millionen. „Viele Fonds sind erst gefüllt worden. Somit ist das Geld vorhanden, das auch investiert werden muss“, sagte von Frankenberg.

Trend dürfte weiter anhalten

Dieser Trend dürfte sich auch im dritten Quartal fortsetzen. So konnte das digitale Versicherungsunternehmen Wefox bereits 400 Millionen Dollar bei Investoren einsammeln, wie das Insurtech am Dienstag bekannt gab.

Doch nicht alle Fintechs können bei Investoren derzeit punkten. Einige Fintech-Sparten geraten weltweit stark unter Druck wie etwa BNPL-Fintechs. Im Fachjargon steht „Buy now, pay later“ (BNPL) für das Bezahlen auf Raten und auf Rechnung beim Onlineshopping. Zu den bekanntesten BNPL-Firmen zählt Klarna.

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Zwar konnte der schwedische Zahlungsdienstleister in einer Finanzierungsrunde 800 Millionen Dollar einsammeln, wie das Unternehmen am Montag bekannt gab. Allerdings brach die Bewertung um 85 Prozent auf nun 6,7 Milliarden Dollar ein. Bei der letzten Finanzierungsrunde im Juni des vergangenen Jahres kam Klarna noch auf eine Bewertung von 45,6 Milliarden Dollar.

„Die Bewertungen der starken Coronagewinner normalisieren sich“, sagte Nagel. Dazu zähle auch Klarna. Von Frankenberg erklärt ebenfalls: „Wir haben im vergangenen Jahr eine riesige Übertreibung bei einigen Bewertungen gesehen. Deshalb gibt es jetzt umso größere Rücksetzer.“

Mehr: Der Zahlungsdienstleister Klarna bekommt das heikle Marktumfeld zu spüren. Die Bewertung bricht ein.

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