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Hauptversammlung „Eklatantes Missverhältnis zwischen Boni und Dividende“: Investoren kritisieren Vergütung bei Deutscher Bank

Vorstandschef Christian Sewing zeigt sich auf der Hauptversammlung selbstbewusst. Viele Aktionäre loben den Umbau, drängen aber auf ein Ende der Dividendenpause.
27.05.2021 Update: 27.05.2021 - 18:19 Uhr 6 Kommentare
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank zieht auf der Hauptversammlung eine positive Bilanz seines Instituts, doch Investoren sehen auch einige Defizite. Quelle: imago images/sepp spiegl
Christian Sewing

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank zieht auf der Hauptversammlung eine positive Bilanz seines Instituts, doch Investoren sehen auch einige Defizite.

(Foto: imago images/sepp spiegl)

Frankfurt Streit gibt es immer auf den Hauptversammlungen der Deutschen Bank – auch in einem eher versöhnlichen Jahr wie diesem. Während sich Aufsichtsratschef Paul Achleitner und Vorstandschef Christian Sewing verbal gegenseitig auf die Schulter klopften, lobten die Aktionäre zwar die Fortschritte beim Umbau, ärgerten sich aber gleichzeitig über die hohen Boni und die üppigen Vorstandsgehälter.

Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment, beklagte „ein eklatantes Missverhältnis zwischen Boni und Dividenden“ beim größten heimischen Geldhaus. Und Andreas Thomae von Deka Investment kritisierte, dass „in einem Jahr, in dem die Bank gerade einmal eine Milliarde Euro vor Steuern verdient hat, die variable Vergütung um 29 Prozent steigt“.

Vorstandschef Sewing betonte dagegen, dass sich „der Blick auf unsere Bank grundsätzlich verändert hat“. An der eingeschlagenen Strategie gebe es „immer weniger Zweifel“.

Tatsächlich hat die Deutsche Bank 2020 nach fünf Verlustjahren in Folge nach Steuern zumindest einen Minigewinn erzielt. Im ersten Quartal wurden die Erwartungen der Analysten klar übertroffen, der Aktienkurs ist deutlich gestiegen, und die Ratingagenturen beginnen, das Geldhaus wieder etwas positiver zu sehen.

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    Aufsichtsratschef Achleitner dankte dem gesamten Vorstand auf dem Aktionärstreffen, das erneut virtuell stattfand, für diese „hervorragende Leistung“. Die Fortschritte werden auch von großen Investoren durchaus honoriert. „Das Management hat in den letzten zwölf Monaten sehr gute Arbeit geleistet“, lobte Deka-Fondsmanager Thomae.

    Sewing kündigt für nächstes Jahr Dividende an

    Seine Kollegin Annecke, Fondsmanagerin von Union Investment, ergänzte: „Lange galt die Deutsche Bank am Kapitalmarkt als angezählt, heute wird sie als spannende Turnaround-Story gesehen.“ Die Aktie habe in den vergangenen zwölf Monaten um über 70 Prozent zugelegt und damit mehr als der Durchschnitt der europäischen Banken.

    Doch mit den Fortschritten wächst auch der Druck auf die Bank, mehr für ihre Aktionäre zu tun. Seit zwei Jahren hat es nun schon keine Dividende mehr gegeben – und in den vier Jahren zuvor schüttete die Bank auch nur das gesetzliche Minimum an Dividende aus. 

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    „Wir nehmen uns fest vor, dass wir im nächsten Jahr an dieser Stelle endlich wieder eine Dividende vorschlagen können“, versprach Sewing. Ab dem kommenden Jahr will das Institut damit beginnen, insgesamt fünf Milliarden Euro an die Aktionäre auszuschütten.

    „Die Aktionäre wurden lange kurzgehalten“

    Aus Sicht der Investoren ist das auch höchste Zeit. „Die Dividendenhöhe ist ein wichtiger Gradmesser für den Erfolg. Geizen Sie nicht bei der Dividende, Herr Sewing und Herr von Moltke!“, betonte Annecke. „Die Aktionäre wurden lange kurzgehalten.“

    Im ersten Quartal hat das Institut schon einmal 300 Millionen Euro für eine potenzielle Dividende zurückgelegt. Der Betrag liegt über der Summe, die das Institut zuletzt insgesamt an Aktionäre als Mindestdividende ausgezahlt hatte.

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    Das ist ein wichtiges Signal. Denn die lange Pause bei der Dividende ist für viele Investoren ein sensibles Thema, weil sich die Bank bei den Boni für die eigenen Mitarbeiter in den vergangenen Jahren weitaus großzügiger gezeigt hatte als bei den Auszahlungen an die Aktionäre. 

    Kein anderes europäisches Institut leistete sich im vergangenen Jahr mehr Einkommensmillionäre als die Deutsche Bank. Immerhin 684 Mitarbeiter verdienten siebenstellig. Mehr Einkommensmillionäre gab es bei dem Institut zuletzt im Jahr 2017.

    Dazu haben auch die Boni beigetragen, die das Institut trotz der Bitte der Europäischen Zentralbank (EZB) um Mäßigung im vergangenen Jahr noch erhöht hat. Inklusive Halteprämien hat die Bank für das vergangene Jahr Boni in Höhe von 2,14 Milliarden Euro ausgezahlt.

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    Das sorgt unter Investoren für Unmut. „Ich gönne grundsätzlich jedem sein Geld – und die Bank hat auch viele ihrer Ziele erreicht“, sagte etwa Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Was aber nicht geht, ist, dass üppige Boni ausgeschüttet werden und die Aktionäre als Eigentümer leer ausgehen.“

    Fondmanager: Boni sollten kein Vorschuss auf die Zukunft sein

    Fondsmanager Thomae monierte, dass ein größerer Teil der Boni aufgeschoben wird, weil das die zukünftigen Gewinne dann stärker belastet. Allerdings entspricht das durchaus Forderungen der Europäischen Zentralbank. Thomae fordert aber, dass sich die Auszahlung der Boni am tatsächlich erwirtschafteten Gewinn orientieren und kein Vorschuss auf die Zukunft sein sollte.

    Fondsmanagerin Annecke kritisierte im Handelsblatt-Interview neben dem seit Jahren existierenden Ungleichgewicht zwischen Boni und Dividenden auch die überdurchschnittlich hohen Gehälter für die Vorstände der Deutschen Bank.

    Vorstandschef Sewing verteidigte den Sprung bei den Boni: „Insgesamt hätten unsere Geschäftsergebnisse für sich betrachtet eine noch höhere variable Vergütung gerechtfertigt.“ Die Bank habe entsprechend der Erwartung der Aufseher aber einen „maßvollen Ansatz angewendet“.

    Sewing betonte, angesichts des Wettbewerbs um Talente sei es „notwendig und richtig“, Mitarbeiter „marktkonform und entsprechend ihrer herausragenden Leistung zu vergüten“: Nur so könne die Bank langfristig wieder nachhaltig profitabel werden und auch wieder Dividenden ausschütten.

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    Dass die Bank ihre Mitarbeiter allerdings durchaus üppig vergütet, zeigt auch ein Blick auf das Durchschnittsgehalt der sogenannten „Material Risk Taker“. Darunter versteht man Mitarbeiter, die einen wesentlichen Einfluss auf das Risikoprofil einer Bank haben können, also etwa Investmentbanker, die hohe Handelspositionen eingehen dürfen.

    Deren Durchschnittsvergütung ist inklusive Boni wieder höher als in den vergangenen zwei Jahren. Und auch in den Jahren davor rutschten die Durchschnittsgehälter nur selten deutlicher unter die Millionenmarke.

    Verdienst der Risikoträger vergleichsweise hoch

    Den Vergleich mit europäischen Wettbewerbern muss das Institut damit jedenfalls nicht scheuen. Die Durchschnittsgehälter der „Material Risk Taker“, also der Risikoträger, des Instituts lagen im vergangenen Jahr mit 1,06 Million Euro wohl in der Spitzengruppe der europäischen Banken.

    Auf solche Summen kommen am ehesten US-amerikanische Banken. Bei europäischen Konkurrenten wie Barclays, HSBC und den Investmentbankern von BNP Paribas lag das Durchschnittsgehalt mit umgerechnet 860.000 bis 960.00 Euro spürbar darunter. Anders als die Deutsche Bank waren viele der europäischen Wettbewerber allerdings auch in der Lage, den Aktionären eine nennenswerte Dividende auszuzahlen.


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    Die französische Großbank BNP Paribas etwa schüttete an Aktionäre in den vergangenen Jahren häufig Summen von mehr als drei Milliarden Euro aus, bei Santander lag die Ausschüttungssumme bei 1,6 bis zwei Milliarden Euro. Selbst Barclays knackte 2019 wieder die Milliardenmarke. Solche Dimensionen erreichte die Dividendenzahlung bei der Deutschen Bank zuletzt 2014.

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    Aber nicht nur Boni und Dividende sorgten für Konfliktstoff. Einige Investoren halten die Bestellung von EY zum erneuten Abschlussprüfer für falsch. „Das geht gar nicht“, betonte Kleinaktionär Matthias Gaebler. Einem Urteil, dem sich auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz anschloss. EY hatte jahrelang die Bilanz des Skandalunternehmens Wirecard testiert und steht nun in der Kritik, die Bilanzmanipulationen nicht früher aufgedeckt zu haben.

    EY droht Verlust des Prüfungsmandats

    Die Deutsche Bank habe keinerlei Hinweise, die die Unabhängigkeit und Sorgfalt von EY infrage stellen würden, betonte Aufsichtsratschef Achleitner. Deshalb gebe es keinen Grund, das Mandat für die Buchprüfung für dieses Jahr neu auszuschreiben. Um sich gegen alle Eventualitäten zu wappnen, werde die Bank aber das Mandat für 2022 neu ausschreiben, erläuterte er.

    Damit droht EY auch bei der Deutschen Bank der Verlust des Prüfauftrags. Im Zuge des Wirecard-Skandals hat EY schon mehrere prominente Mandate verloren, etwa bei der Deutschen-Bank-Fondstochter DWS, der Commerzbank oder der Deutschen Telekom.

    Für den Aufsichtsratschef beginnt sein letztes Jahr an der Spitze des Kontrollgremiums. Der Österreicher leitet den Aufsichtsrat seit 2012. Als potenzielle Nachfolger gelten die beiden Aufsichtsratsmitglieder Theodor Weimer, Vorstandschef der Deutschen Börse, sowie Norbert Winkeljohann, der derzeit das Kontrollgremium von Bayer leitet. Auch der ehemalige VW-Finanzvorstand Frank Witter gilt in Finanzkreisen als möglicher Kandidat. 

    Auf seiner voraussichtlich vorletzten Hauptversammlung betonte Achleitner, dass die Bank aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt habe, und die meisten Aktionäre schienen das trotz der Kritik an hohen Boni und fehlenden Dividenden ähnlich zu sehen. Für den DWS-Vizechef Nieding ist die intensivste Phase des Umbaus vorbei. „Schaut man sich die erreichten Meilensteine an, reiht sich eine Erfolgsmeldung an die andere.“

    Auch Fondsmanagerin Annecke fand lobende Worte: „Es ist das erste Mal, dass unter den Aktionären keine Krisenstimmung herrscht“. Sie begrüßte außerdem, dass die Deutsche Bank ihre Hauptversammlung als einzige Aktiengesellschaft interaktiv, also mit Wortbeiträgen, gestaltet hatte.

    Am Ende entlasteten die Aktionäre Sewing mit 98 Prozent der abgegebenen Stimmen. Achleitner erhielt mit 97 Prozent so viel Zustimmung wie noch nie, seitdem über die jeweiligen Mitglieder einzeln abgestimmt wird. 2020 wurde er mit 93 Prozent entlastet, im Jahr zuvor nur mit 72 Prozent.

    Versöhnlicher als in früheren Jahren war die Stimmung aber nicht nur auf der virtuellen Hauptversammlung, sondern auch den Frankfurter Straßen. Erstmals seit Langem gab es keine Proteste gegen das Aktionärstreffen. Beim Ordnungsamt der Stadt waren keine Demonstrationen gegen das Geldhaus angemeldet.

    Mehr: Bilanzcheck Deutsche Bank: Der mühsame Weg zur Normalität der Deutschen Bank

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    6 Kommentare zu "Hauptversammlung: „Eklatantes Missverhältnis zwischen Boni und Dividende“: Investoren kritisieren Vergütung bei Deutscher Bank"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wie war das noch mit der Strafzahlung in Amerika? 7 Milliarden für die Risiken, die in einer übernommenen USA-Bank schlummerten? Ist so wie Bayer-Monsanto, die Risiken sind klar, die Übernahme wird dennoch vollzogen, die Aktionäre schauen blöd aus der Wäsche - keine Dividende, hochbezahlte Manager für miese Leistung.
      Christian Sewing muss AUCH IM INVESTMENTBANKING AUFRÄUMEN - sonst wird er die Deutsche Bank nicht sinnvoll restrukturieren können.
      Wie gesagt Boni dürfen NIEMALS HÖHER SEIN ALS DIE DIVIDENDEN.
      Sind die Aktionäre nun Eigentümer oder irgendwelche dummen Schafe, die sich gerne nach dem Motto "stupid german money" abzocken lassen.

      Und ganz klar - ich bin ein Fan der Deutschen Bank, sie hat hervorragende Mitarbeiter in Deutschland, die mich immer sehr, sehr gut beraten haben und ohne denen meine Leben und mein Wohlstand nicht möglich gewesen wären. Herzlichen Dank an die Mitarbeiter in den Filialen.

      ABER was in Amerika/England abgeht an Investmentbanking - Boni geht gar nicht!!!!
      UND BITTE niemals Reisende aufhalten mit Rückhalte- oder Bleibeprämien - hört sich an wie ein ganz schlechter Scherz!!!!

    • Über 2 Mrd € Boni, aber nur 495 Mio Gewinn? Und keine Dividendenausschüttung?

      Nun seid mal nicht kleinlich Leute. Gönnt den Angestellten doch ihre Millionen-Einkommen! Sie müssen ja auch damit klar kommen dass sie keinerlei Risiken tragen (im Gegensatz zum Besitzer einer Pommesbude), und im Zweifen den goldenen Tritt in den A*** bekommen! Diese psychische Bealstung muss man doch pekunär ausgleichen!
      Und die Aktionäre...diese raffgierigen Bonzen sollen sich nicht so anstellen und ihre großzügige Dividende mitnehmen (Oh, es gab keine letztes Jahr? Na gut, dann vergesst das...)

      (Das Posting kann Spuren von Ironie enthalten)

    • Wie bei unseren Politikern............
      Die Bezüge laufen munter weiter, obwohl kriminelle Tätigkeiten (Masken, usw.) vorhanden sind, oder Fehlentscheidungen, uns "normalen" Bürgern, Kosten in millionfacher Höhe
      bescheren.
      Ein immer weiter so ist zur Zeit in. "Mutti" Merkel hat es ja gezeigt, gefolgt von Fr. v. d. Leyen,
      Scheuer und noch mehr andere Politikern und deren weiblichen Gefolge.

    • ... und zur gleichen Zeit leiden viele im Unternehmen an Burn-out, weil Stellen nicht besetzt werden, ganze Abteilungen unterbesetzt sind. Dort herrscht Frust und Unterbezahlung. Ein eklatantes Missverhältnis das die Lücke zu dem Investmentbanking größer werden lässt. Es könnte in diesen Bereichen wesentlich mehr Geld verdient werden, wenn auch dort Bezahlung und Stellenzahl ausgebaut würden.

    • Übrigens: Bleibeprämien sich SCHWACHSINN - Reisende soll man nicht aufhalten

    • Sehr guter Bericht, DANKE!

      Die Boni dürfen niemals höher sein als die Dividenden!
      Im Verlustjahr dürfen niemals Boni gezahlt werden.

      Wenn hohe Risiken eingegangen werden wie beim Investmentbanking, so dürfen die Boni erst nach dem Ende des Deals mit einer Rückhaltung für Sicherheitsleistungen bestehender Geschäfte ausgezahlt werden.

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