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Paul Achleitner und Christian Sewing

Der Aufsichtsratschef und der Vorstandsvorsitzende zeigen sich vereint.

(Foto: Unkel)

Hauptversammlung „Keine andere Wahl“ – Deutsche-Bank-Chef Sewing verteidigt Sparkurs

Christian Sewing und Paul Achleitner, Vorstands- und Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, demonstrieren Geschlossenheit – und kämpfen gegen den Unmut der Aktionäre.
24.05.2018 - 14:10 Uhr Kommentieren

Frankfurt Gemeinsam betreten sie den Saal, gemeinsam stellen sie sich den Fotografen und Kameras, gemeinsam schreiten sie zu ihren Plätzen im Zentrum des Podiums. Christian Sewing und Paul Achleitner, Vorstands- und Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, wissen, wie wichtig dieser Tag ist, wie genau sie heute beobachtet werden.

Es gilt, die aufgebrachten Aktionäre zu beschwichtigen. Den ersten Schritt haben sie am Mittwoch getan, als bekannt wurde, dass die Bank im Zuge ihrer Neuausrichtung bis zu 10.000 Stellen streichen wird, dass sie einen Teilrückzug aus dem Handel mit Aktien, in dem die Erträge zuletzt weggebrochen waren, vollziehen wird. In diesem Bereich fällt gar jede vierte Stelle weg. Nun müssen sie die Aktionäre davon überzeugen, dass das der richtige Weg ist. Der Weg, der Deutschlands größte Bank zurück in die Erfolgsspur bringen wird.

Achleitner zieht darum eine Parallele zum aktuellen Erfolg Frankfurts im Fußball und eröffnet die Hauptversammlung mit einer Gratulation. Er beglückwünscht die Frankfurter Eintracht zum Sieg im DFB-Pokal und zeigt ein Foto, dass er im Berliner Olympiastadion selbst geschossen hat. Es zeigt die Frankfurter Fankurve, vor den Rängen hängt ein Banner. „Totgesagte leben länger“ steht darauf.

Ein Spruch, der für die Bank ebenso gelten kann wie für Achleitner. Denn selten war die Kritik auch an seiner Person so laut. Doch sein Foto zeigt deutlich: Er will sich davon nicht unterkriegen lassen. Achleitner lebt. Er freue sich gar auf die Aussprache mit den Aktionären, sagt er, hebt das entschlossene Handeln des Aufsichtsrats hervor. „Schnell und klar“ habe der Aufsichtsrat gehandelt, als immer klarer wurde, dass der Vorstand um den ehemaligen CEO John Cryan seine Ziele nicht erreicht.

In seinen Ausführungen versucht Achleitner, jeden Widerstand kleinzureden. Die Fehler, die in der Führung der Deutschen Bank passiert sind, habe natürlich auch er gesehen – im Vorstand: „Wir mussten zunehmend Meinungsverschiedenheiten und Konflikte innerhalb der Führung zur Kenntnis nehmen.“ Da die Unternehmensziele nicht erreicht wurden, habe der Aufsichtsrat handeln müssen.

Kritik an den Aufsichtsratskollegen

Kein Wort der Selbstkritik. Nur eine „Reihe von Indiskretionen“ räumt er ein, die es bei der Absetzung von Ex-CEO John Cryan gegeben hat – diese Kritik aber gilt seinen Aufsichtsratskollegen, die die Informationen sofort nach außen gegeben haben. „Die Bank wird daher in diesem Zusammenhang konsequenterweise Strafanzeige gegen Unbekannt stellen“, kündigt Achleitner an.

Dann blickt er in die Zukunft, wendet sich Christian Sewing zu, dem neuen Vorstandsvorsitzenden, dem Eigengewächs der Bank. Seit 1989 ist er im Unternehmen, hat schon die Ausbildung bei der Deutschen Bank gemacht. „Christian Sewing ist unsere erste Wahl“, sagt Achleitner mit erhobener Stimme und sichert ihm zu, „dass wir voll und ganz hinter der Ausrichtung stehen“.

Eine wohlwollende Überleitung zu Sewing. Es ist dessen erste Hauptversammlung als Vorstandschef der Deutschen Bank. „Sie können sich vorstellen, dass dies ein ganz besonderer Tag für mich ist“, gibt er denn auch zu. Er fühle sich den Aktionären verpflichtet: „Sie sind die Eigentümer“, sagt Sewing. „Es muss also darum gehen, dass wir unsere Bank in Ihrem Sinne führen.“ Er versucht, die Aktionäre auf der emotionalen Ebene für sich zu gewinnen, ehe er zu den harten Fakten kommt.

„Relevant, exzellent, innovativ, stabil“

Mancher werde sich fragen, wie es zusammenpasse, „zum Nutzen der Gesellschaft“ zu wirken und zugleich ein ehrgeiziges Sparprogramm aufzulegen, das Arbeitsplätze kosten werde. Das sei eine schwierige Situation, räumt Sewing ein. „Aber die aktuelle Ergebnislage lässt uns keine andere Wahl.“

Unter lautem Unmut der Aktionäre rechnet Sewing vor, dass er Restrukturierungs- und Abfindungskosten von bis zu 800 Millionen Euro für das Gesamtjahr erwarte. Ein dickes Pfund, bei einem Nettoverlust von 700 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr. Für das laufende Quartal gibt er sich zurückhaltend: „Auch im zweiten Quartal bleibt die Ertragslage herausfordernd – und das betrifft insbesondere unsere Unternehmens- und Investmentbank“, muss er einräumen. Der Aktienkurs gibt seitdem deutlich nach, am Nachmittag notieren die Papiere fast vier Prozent im Minus.

Bei allem habe er vor allem ein Ziel, sagte Sewing: „Ich werde das persönlich mit dem Anspruch tun, unsere Bank wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückzuführen.“ Relevant, exzellent, innovativ, stabil und vertrauenswürdig – so soll die Deutsche Bank unter Christian Sewing sein, „das ist unsere DNA“. Ethisches und integres Handeln müsse die Grundlage für alle Geschäfte der Bank sein.

Begriffe, die die Aktionäre lange vermisst haben. Sie spenden Sewing viel Applaus, mit ihm verbinden sie die Hoffnung, die Bank wieder in eine andere Zeit zu führen.

Die Proteste vor dem Festsaal der Frankfurter Messe waren denn auch spärlich ausgefallen. Attac machte auf die „schmutzigen Geschäfte“ der Bank aufmerksam, andere hielten ein Banner mit der Aufschrift „Der Kapitalismus geht über Leichen“ hoch.
Im Saal selbst jedoch geht es weitgehend friedlich zu. Zwar beantragten schon vor Eröffnung der Tagesordnung einzelne Aktionäre, Paul Achleitner wegen Befangenheit als Leiter der Hauptversammlung abzuberufen, für ihren Antrag stimmen jedoch nur 0,63 Prozent der Anteilseigner. Auch Christian Sewing hatte selbstredend dagegen gestimmt.

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