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Haushaltsplanung So bekommen Sie Ihre Finanzen in den Griff

Wenn das Sparen nicht gelingen will, kann ein Kassensturz helfen. Manche Finanz-Apps bieten eine komfortable Hilfe, aber sie haben auch Nachteile.
21.02.2020 - 15:43 Uhr Kommentieren
Sich intensiv mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen kostet viele Menschen etwas Überwindung. Quelle: Westend61/Getty Images
Kuchendiagramm

Sich intensiv mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen kostet viele Menschen etwas Überwindung.

(Foto: Westend61/Getty Images)

Frankfurt Fitter, schlanker, wacher – der Trend zur Selbstoptimierung rund um den eigenen Körper ist seit Jahren ungebrochen. Rund 30 Prozent der Deutschen haben einen Fitnesstracker, der die Schritte zählt, verbrannte Kalorien berechnet und teils auch die Schlafzeiten überwacht.

Ähnliche Hilfen gibt es für die persönlichen Finanzen. Das Angebot reicht vom klassischen Haushaltsbuch auf Papier über Analysetools im Online-Banking der Hausbank bis hin zu bankunabhängigen Apps, die den Nutzern Sparpotenziale aufzeigen und zugleich konkrete Angebote machen. Wo die Chancen und Risiken der Angebote liegen, und was Nutzer in Sachen Datenschutz beachten müssen.

Wie viel Geld habe ich pro Monat zur freien Verfügung? Welches sind die größten Kostenblöcke, und welche Ausgaben wären vermeidbar? Solche Fragen klingen banal, doch aus dem Stehgreif können sie wohl nur wenige Menschen beantworten. Wichtig ist ein solcher Überblick längst nicht nur für Menschen mit einem kleinen Einkommen. Auch für Besserverdiener kann sich ein Kassensturz lohnen. Schließlich wusste schon Henry Ford, Gründer des Automobilherstellers Ford: „Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt.“

Sich intensiv mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen kostet viele Menschen etwas Überwindung. Constanze Hintze, Geschäftsführerin der Finanzberatung und Vermögensverwaltung Svea Kuschel und Kolleginnen in München, rät deshalb: „Bevor man loslegt, sollte man sich ein konkretes Ziel setzen, ansonsten versandet solch ein Projekt schnell.“

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    Manche möchten für eine große Reise sparen, sich den Traum von der eigenen Immobilie erfüllen, bestehende Schulden abbauen, die private Altersvorsorge aufstocken, damit sie später keine Abstriche bei ihrem Lebensstandard machen müssen, oder schlicht einen finanziellen Puffer aufbauen, damit auch spontane Ausgaben besser zu verkraften sind. Ein Sparziel könne motivieren, so Hintze.

    Der einfache Teil der Übersicht ist für die meisten die Einnahmenseite. Hierzu zählen typischerweise Lohn und Gehalt, Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit, Sozialleistungen oder auch Mieteinnahmen. Bei den Ausgaben wird es schon schwieriger. Hier bietet sich eine Unterteilung in Fixkosten und variable Kosten an. Zu den fixen Kosten zählen insbesondere Ausgaben fürs Wohnen, also die Miete plus Nebenkosten, oder alles rund um die eigene Immobilie, außerdem Versicherungen, Telekommunikation, Mobilität, Kinderbetreuung und Rundfunkgebühren. Zu den variablen Kosten gehören Ausgaben für Lebensmittel, Hausrat, Körperpflege, Gesundheit und Freizeitaktivitäten.

    Allzu detailliert muss die Aufteilung nach Ansicht von Corina Lechner, Leiterin der Schuldnerhilfe Bremen, nicht sein. „Ob man im Supermarkt Nudeln oder Gemüse gekauft hat, spielt für die Finanzplanung keine entscheidende Rolle. Viele Menschen sind aber überrascht, wie viel Geld sie regelmäßig für Kaffee zum Mitnehmen oder belegte Brötchen ausgeben“, sagt Lechner. Daher können im Bereich Ernährung die Kategorien Lebensmittel, Restaurantbesuche sowie „essen unterwegs“ sinnvoll sein.

    Ziel der ganzen Anstrengung sollte es laut Lechner sein, „das persönliche schwarze Loch zu finden, in das unbemerkt Geld verschwindet“. Das klassische Hilfsmittel bei dieser Suche ist ein Haushaltsbuch. In der schlichten Form ist das ein Heft mit vielen Tabellen, in die Verbraucher ihre Einnahmen und Ausgaben nach Kategorien geordnet eintragen und am Monatsende summieren. In ihrer Beratungsstelle sei die Nachfrage nach solchen Heften noch immer groß, berichtet Lechner.

    Übersicht per App

    In Zeiten der Digitalisierung wirken die Hefte allerdings antiquiert und unkomfortabel. Auch die Schuldnerberaterin sagt: „Ein Haushaltsbuch zu führen macht nur wenigen Menschen Spaß. Wer es zumindest mal einen Monat durchzieht, verdient schon großen Respekt.“

    Einen größeren Spaßfaktor wollen diverse Finanz-Apps für das Smartphone bieten, die direkt auf die Bankkonten der Nutzer zugreifen. Zu den bekanntesten gehören Finanzblick, das vom Software-Unternehmen Buhl betrieben wird, und Numbrs mit Sitz in der Schweiz und Outbank, das inzwischen zum Vergleichsportal Verivox gehört. Zudem hat die App Finanzguru in den vergangenen zwei Jahren durch die Beteiligungen der Deutschen Bank und des Investors Carsten Maschmeyer Bekanntheit erlangt.

    Sie alle wurden im Google-Playstore mehr als 100.000-mal heruntergeladen. Finanzblick selbst spricht von einer „hohen sechsstelligen Nutzerzahl“ und meint damit Personen, die die App mindestens einmal pro Monat nutzen. Outbank spricht von „rund 130.000 monatlich aktiven Nutzern“, Numbrs nennt keine Zahlen, und Finanzguru spricht von einer halben Million Nutzer. Weitere Anbieter mit weniger App-Downloads sind Treefin, mehrheitlich zum Versicherungskonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) gehörig, und Zuper.

    Zudem sind auch die Banking-Apps der Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken für Kunden verfügbar, die keine Konten bei diesen Instituten haben. Dabei stehen aber nur eingeschränkte Funktionen zur Verfügung. Vor Kurzem gestartet ist zudem Teo, ein Angebot, das von mehreren Sparda-Banken ins Leben gerufen wurde und neben Finanzprodukten auch Shopping-Gutscheine bietet.

    Kern der Finanz-Apps ist in der Regel ein sogenanntes Multibanking-Tool. Nutzer können ihre Konten von unterschiedlichen Banken mit den Apps verknüpfen und bekommen dann eine Übersicht über ihre Umsätze. Möglich ist das dank der EU-Richtlinie PSD2, die solche Kontozugriffe regelt.

    Die Apps ordnen die einzelnen Buchungen wie in einem Haushaltsbuch weitgehend automatisch unterschiedlichen Kategorien zu. Nicht erkannte Buchungen müssen die Nutzer manuell einsortieren. Bei Finanzblick, Numbrs und Outbank können sie in den Apps auch Überweisungen auslösen und teils Daueraufträge verwalten. Finanzguru bietet das noch nicht, laut Co-Gründer Benjamin Michel soll diese Funktion aber folgen. Auch einige Banken bieten in ihren Apps und im Online-Banking bereits Multibanking- und Analyse-Tools. Um darauf basierende Zusatzangebote zu machen, kooperieren sie teils mit Fintechs.

    Mit dem Komfort der automatisch erfassten Umsätze geht nach Ansicht von Lechner allerdings der Lerneffekt verloren, den das manuelle Führen eines Haushaltsbuchs hat. „Der Sinn besteht darin, dass man sich bewusst mit den Ausgaben beschäftigt. Wenn man die Ergebnisse mit einem Klick sieht, lernt man dabei nicht viel“, sagt sie. Hinzu kommt: Viele Deutsche zahlen noch immer überwiegend bar. Solche Umsätze müssen die Nutzer also ohnehin separat erfassen – bei Finanzblick und Outbank können sie in der App ergänzt werden.

    Ein Kompromiss können Haushaltsbuch-Apps ohne Kontoverknüpfung sein. Hierbei tippen die Nutzer alle Ausgaben ins Smartphone ein. Wer es digital mag, aber lieber am Computer arbeitet, findet auch dafür entsprechende Software. Eine weitere Alternative ist eine selbst erstellte Tabelle in einem Tabellenkalkulationsprogramm.

    Sparpotenziale heben

    Sind die Einnahmen und Ausgaben übersichtlich erfasst, folgt der zweite Schritt: Nun gilt es, Sparpotenziale zu heben. Nach Ansicht von Finanzberaterin Hintze finden sich diese häufig im Kleinen. Typisch seien unnötige Versicherungsverträge oder überflüssige Abos. Hier lässt sich schnell Abhilfe schaffen. Auch hohe Ausgaben für Restaurantbesuche lassen sich einfach reduzieren. „Anders verhält sich das mit den Wohnkosten, die sich nicht von heute auf morgen verringern lassen“, sagt Hintze.

    Angesichts der in den letzten Jahren massiv gestiegenen Mieten nehmen sie einen immer größeren Anteil an den Gesamtausgaben eines Haushaltes ein. „Die Regel, dass für die Miete höchstens ein Drittel des Nettoeinkommens verwendet werden sollte, lässt sich insbesondere in Großstädten heute kaum noch durchhalten. Als Ultima Ratio lässt sich zusätzliches Sparpotenzial teils nur mit einem Umzug heben“, so die Beraterin.

    Einen groben Anhaltspunkt dafür, ob man nun vergleichsweise viel oder wenig Geld ausgibt, bieten die Referenzbudgets, die der Beratungsdienst Geld und Haushalt der Sparkassen-Finanzgruppe auf seiner Internetseite veröffentlicht. Sie basieren auf Daten des Statistischen Bundesamtes und zeigen, wie viel Haushalte je nach Einkommen und Anzahl der Personen für bestimmte Lebensbereiche ausgeben.

    Zu den noch immer gültigen Faustregeln gehört laut Hintze, dass Privatleute einen finanziellen Puffer in Höhe von drei bis sechs Netto-Monatsgehältern haben sollten. Der ist für unvorhergesehene Ausgaben gedacht, wie eine defekte Waschmaschine oder ein kaputtes Auto. „Ich rate außerdem dazu, mindestens zehn Prozent des Nettoeinkommens für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge anzusparen und breit gestreut am Kapitalmarkt zu investieren. Auch die Riester-Rente ist für viele Anleger geeignet“, sagt Hintze.

    Grafik

    Auch Finanz-Apps bieten Unterstützung beim Sparen. Nutzer können damit beispielsweise Budgets für einzelne Ausgabekategorien erstellen. Zudem entwickeln sich Anbieter aber mehr und mehr zu Vertragsvermittlern. So können Nutzer über Numbrs Bankkonten, Kredite und Versicherungspolicen abschließen.

    Outbank bietet mithilfe des Mutterunternehmens Verivox Strom- und Gasverträge sowie Kfz-Policen an. Finanzguru hat gerade mit der Vermittlung von monatlich kündbaren Strom- und Gasverträgen begonnen, später sollen Versicherungen folgen. Bei Finanzblick befindet sich ein Tool fürs Vertragsmanagement laut Geschäftsführer Peter Glowick in Planung.

    Eine individuelle Beratung können solche Apps aber noch nicht ersetzen. Zu diesem Ergebnis kam kürzlich „Finanztest“ nach einer Untersuchung von Versicherungsmakler-Apps. Auch sie filtern auf Basis der Kontoumsätze Verträge raus und machen dann Änderungsvorschläge. Die besten wurden gerade mal mit „befriedigend“ bewertet. Das Resümee der Tester: „Technisch läuft es meist gut, doch bei der Beratung schwächeln alle.“

    Vertragsvermittlung ist für die Finanz-App-Anbieter eine wichtige Einnahmequelle, denn die Apps selbst sind überwiegend kostenlos. Sobald die Betreiber einen Vertrag an den Nutzer vermitteln, bekommen sie dafür vom Vertragsanbieter eine Provision. Gegen den Verdacht, dass sie auch die Kontodaten der Kunden zu Geld machen, indem sie diese an andere Unternehmen weitergeben, wehren sich die Anbieter jedoch allesamt.

    „Niemand außer dem Kunden selbst hat Zugriff auf seine Bankdaten“, sagt Michel von Finanzguru. „Kontodaten werden niemals und unter keinen Umständen mit Drittparteien geteilt“, sagt Fynn Kreuz, Chief Marketing Officer von Numbrs. Ähnlich äußert sich auch Finanzblick, und Outbank verweist darauf, dass die Konto- und Finanzdaten verschlüsselt auf dem Endgerät des Nutzers liegen und das Unternehmen keinen Zugriff darauf habe.

    Datenschutz im Fokus

    Gesetzlich ist mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) klar geregelt, welcher Datenzugriff erlaubt ist. Michael Kaiser, Leiter des Referats Kreditwirtschaft beim Hessischen Datenschutzbeauftragten, erklärt: „Sie dürfen nur mit Zustimmung des Kontoinhabers auf personenbezogene Daten zugreifen und diese nur in dem Umfang nutzen, wie dies für die Erbringung der Dienste unbedingt erforderlich ist.“ Je umfangreicher die Leistungen der Dienste, desto mehr Daten dürften in der Regel auch verarbeitet werden.

    Von den Datenschutzbehörden der Länder werde dies überwacht. „Wir können nicht ausschließen, dass es zu Verstößen kommt, aber uns liegen bisher keine Beschwerden zu solchen Anbietern vor“, so Kaiser. Ähnlich äußerte sich gegenüber dem Handelsblatt auch Michael Will, Präsident des Bayerischen Landesamts für Datenschutzaufsicht: Soweit bekannt, verarbeiten die Dienste Daten nur mit Einwilligung der Nutzer.

    Kritisch betrachtet Datenschützer Kaiser den Einsatz von sogenannten Tracking Tools. Diese stammen zum Teil von Google und dienen der Analyse des Nutzerverhaltens in Apps und auf Internetseiten. „Solche Tools sind für die Nutzung der Angebote nicht erforderlich, deshalb müssen die Anbieter zwingend eine Einwilligung der Nutzer einholen“, so Kaiser. Noch sei der Umgang mit solchen Tools aufsichtsrechtlich aber nicht abschließend geklärt. Die App-Anbieter fordern dafür entweder direkt die Zustimmung der Nutzer oder bieten in der App die Möglichkeit, die Analyse auszuschalten.

    Im internationalen Vergleich gelten deutsche Verbraucher als besonders zurückhaltend, wenn es um die Preisgabe ihrer persönlichen Daten geht. So zeigte eine Studie des Analysehauses IDC im vergangenen Jahr, dass zwar zwei Drittel der Deutschen bereit sind, ihre Daten für eine bessere Betrugsbekämpfung preiszugeben, aber nur 40 Prozent würden das tun, um bessere Preise von ihrer Bank zu bekommen.

    An Angeboten basierend auf ihrem Standort und ihren Umsätzen waren nur 31 Prozent der Befragten interessiert. In Italien, Dänemark und Frankreich lag die Bereitschaft zum Teil deutlich höher. „Vor dem Hintergrund großer Datenskandale wächst bei den Kunden das Bewusstsein dafür, wie wertvoll ihre Daten für Unternehmen sein können“, sagt Studienautor Tom Zink.

    Letztlich müssen Verbraucher stets individuell entscheiden, wie viel Daten sie preisgeben wollen. „Verbrauchern sollte jedoch klar sein, dass ihnen niemand etwas schenkt“, sagt Schuldnerberaterin Lechner. „Wenn Unternehmen Tipps zu einem Vertragswechsel geben, machen sie das nicht aus Nettigkeit, sondern weil sie Geld dafür bekommen“, sagt sie.

    Ob nun mit oder ohne App – um langfristig von der Finanzübersicht zu profitieren, sollte man am Ball bleiben, rät Hintze: „Man sollte es ähnlich halten wie mit dem Zähneputzen und dem Zahnarzt: Die Einnahmen und Ausgaben laufend im Blick behalten und ein Mal im Jahr einen Check-up machen.“ Dabei könne man sich auch seine Verträge näher anschauen.

    Mehr: Haftpflicht und Co. – Welche Versicherungen Sie wirklich brauchen.

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