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Hayes-Prozess geht zu Ende „Niemand hat ihm ein Bein gestellt“

Das Verfahren um Libor-Zinsmanipulationen des ehemaligen Starbankers Tom Hayes liegt in den letzten Zügen. Hayes räumt die Vorwürfe zwar ein – beteuert aber, sich nicht unehrenhaft verhalten zu haben.
21.07.2015 - 18:13 Uhr Kommentieren
Im Dienst von UBS und Deutscher Bank war der Ex-Banker Tom Hayes an der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor beteiligt. Quelle: Reuters
Ex-Händler Hayes

Im Dienst von UBS und Deutscher Bank war der Ex-Banker Tom Hayes an der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor beteiligt.

(Foto: Reuters)

London Der mit Spannung verfolgte Londoner Prozess um manipulierte Zinsen geht in die Schlussphase. Staatsanwalt Mukul Chawla betonte am Dienstag noch einmal, der angeklagte frühere Starbanker Tom Hayes sei für seine missliche Lage selbst verantwortlich. Niemand habe Hayes gezwungen, an Zinssätzen zu schrauben, andere in die Tricksereien mit hineinzuziehen oder Geständnisse in den Vernehmungen mit den Ermittlern abzulegen. „Das hat er alles selbst getan“, sagte Chawla vor dem Southwark Crown Court. „Niemand hat ihm ein Bein gestellt.“

Mit Hayes steht im weltweiten Zinsskandal erstmals eine Einzelperson vor einem Geschworenengericht und könnte von diesem verurteilt werden. Der Ex-Banker, dem Ärzte eine leichte Form von Autismus attestieren, arbeitete früher für die UBS und die Citigroup. Er war Spezialist für den Handel mit Derivaten für die japanische Währung Yen und nach Auffassung der Ermittler einer der Drahtzieher in der Zinsaffäre, die Großbanken rund um den Globus Milliardenstrafen kostete. Die britische Strafverfolgungsbehörde SFO wirft dem 35-jährigen Briten in acht Fällen Verschwörung zum Betrug in den Jahren 2006 bis 2010 vor. Damit drohen Hayes zehn Jahre Gefängnis. Der Prozess hatte Ende Mai begonnen.

Hayes hat auf nicht schuldig plädiert. Die Zinstricksereien, etwa durch illegale Absprachen mit anderen Händlern, bestreitet er im Grundsatz nicht. Vor Gericht erklärte er aber, er habe nicht unehrenhaft gehandelt, sondern seinen Job einfach nur so perfekt wie möglich machen wollen, um seinen Arbeitgeber zufriedenzustellen. Seine Vorgesetzten seien über die damalige Geschäftspraxis informiert gewesen. Dass er gegenüber den britischen Behörden einst ein Fehlverhalten einräumte, hatte nach Hayes’ Darstellung nur einen einzigen Grund: Er habe eine Auslieferung in die USA gefürchtet, wo das Justizministerium ebenfalls seine Rolle in der Zinsaffäre untersucht.

An Referenzzinssätzen wie Libor und Euribor hängen Geschäfte in einem Volumen von vielen hundert Billionen Dollar. Ein Händlerring hatte die Zinssätze über Jahre jeweils in die gewünschte Richtung gelenkt - damit die individuellen Wetten aufgingen und Handelsgewinne gebucht werden konnten. Die Aufseher waren dem Kartell durch E-Mails und Chatbeiträge auf die Schliche gekommen und hatten bei mehreren internationalen Großbanken mangelnde interne Kontrollen beklagt. Etliche Institute schlossen milliardenschwere Vergleiche, darunter Hayes' früherer Arbeitgeber UBS, aber auch die Deutsche Bank.

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    Die üblichen Verdächtigen
    huGO-BildID: 34118346 FILE -In this Jan. 24, 2013 file photo the logo of Swiss bank UBS is pictured in Zurich, Switzerland. The European Commission h
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    Die Schweizer Großbank UBS ist keine Unbekannte, wenn es um Marktmanipulationen geht. Bereits beim Libor-Skandal vor zwei Jahren mischte das Finanzinstitut ordentlich mit. In einem Vergleich einigte sich die UBS mit den Ermittlern auf eine Strafzahlung von rund 1,2 Milliarden Euro. Bei den Manipulationen des billionenschweren Devisenmarktes soll die UBS nun ebenfalls beteiligt sein. Die Schweizer Wettbewerbsbehörde Weko ermittelt gegen die Bank. Diese hat in der Folge sieben Mitarbeiter suspendiert. Zu den Vorwürfen selbst wollten sich die Schweizer nicht äußern.

    (Foto: ap)
    huGO-BildID: 34121281 A man walks past a Barclays Bank branch in London, Wednesday, Dec. 4, 2013. The European Commission has fined a group of major
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    Die britische Barclays-Bank wollte ebenfalls nichts zu den Beschuldigungen der Weko sagen. Baclays gehört genau wie die UBS zu jenen Banken, gegen die im Libor-Skandal 2012 ermittelt wurde und die sich auf einen Vergleich verständigten, der die Bank rund 470 Millionen Euro gekostet hatte. Neben der Weko ermittelt auch die Finanzmarktaufsicht Finma gegen die am Devisenskandal beteiligten Banken.

    (Foto: ap)
    EU fines banks 1.7 billion euros for rate-rigging
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    Die Royal Bank of Scotland (RBS) ist auch kein unbeschriebenes Blatt. Wie Barclays und die UBS hatte auch die RBS im Libor-Skandal ihre Finger im Spiel. Ein Vergleich erleichterte die Bank um 612 Millionen Dollar. Aus der Mitteilung der Weko heißt es: „Es bestehen Anhaltspunkte, dass zwischen den Banken Wettbewerbsabreden zur Manipulation von Wechselkursen im Devisenhandel getroffen wurden“. Wie tief die RBS in den Skandal verwickelt ist, müssen die Ermittlungen ergeben. Die Bank selbst schwieg zu den Vorwürfen.

    (Foto: dpa)
    huGO-BildID: 36038899 The sign of Swiss banking giant Credit Suisse is seen in this November 2, 2013 fle photo in Zurich. Swiss bank Credit Suisse ag
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    Als eine von wenigen Banken äußerte sich die Credit Suisse zu den Anschuldigungen. Sie kritisierte das Vorgehen der Weko. „Derartige Vorwürfe zum jetzigen Zeitpunkt sind unangebracht und rufschädigend.“ Das Institut sprach von Falschinformationen. Die Credit Suisse werde aber uneingeschränkt mit den Behörden der Weko zusammenarbeiten. Von den Untersuchungen sind unter anderem Wechselkurse von Franken, US-Dollar, Euro, Yen und Pfund betroffen.

    (Foto: AFP)
    A man walks past the entrance of the headquarters of Swiss bank Julius Baer in Zurich
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    Neben der Credit Suisse gab auch die Privatbank Julius Bär ein Statement ab. Die Verantwortlichen erklärten, dass sie in einer internen Untersuchung keine Anhaltspunkte für marktmissbräuchliches Verhalten gefunden hätten. Dementsprechend sagte Julius Bär der Weko ihre Kooperation zu.

    (Foto: Reuters)
    Man walks past JP Morgan Chase's international headquarters on Park Avenue in New York in this file photo
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    Der US-Großbank wurde wegen ihre illegalen Tätigkeiten beim Libor-Skandal zu Strafzahlungen in Höhe 70 Millionen Euro verurteilt und kam damit vergleichsweise glimpflich davon. Ob sie dieses Mal wieder mit einer recht milden Strafe davonkommen, werden die Untersuchungen zeigen müssen. Experten zufolge drohen den in den Devisenskandal verwickelten Kreditanstalten Strafen in Milliardenhöhe.

    (Foto: Reuters)
    File photo of raindrops pictured on a signboard of Citibank at its branch in Tokyo
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    Die Chefetage der Citigroup dürfte angesichts der Vorwürfe der Weko ebenfalls ins Schwitzen kommen. Die US-Bank musste vor zwei Jahren ebenfalls „nur“ 80 Millionen Euro Strafe bezahlen, könnte nun aber mit deutlichen höheren Bußen konfrontiert werden. Zu den Vorwürfen äußern wollte sich die Citi nicht. Angesichts der schieren Größe des Devisenmarktes – weltweit beträgt der tägliche Devisenumsatz rund 5,3 Billionen Euro – wird in Expertenkreisen mit hohen Strafen gerechnet.

    (Foto: Reuters)
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