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Hendrik Riehmer und Hans-Walter Peters Hamburger Bankhaus Berenberg ordnet seine Führung neu

Das Hamburger Geldhaus hat seine Führungsfrage gelöst. Die beiden persönlich haftenden Gesellschafter wollen die Bank auch in Zukunft gemeinsam weiterentwickeln.
17.02.2020 - 10:35 Uhr Kommentieren
Hendrik Riehmer  (l.) und Hans-Walter Peters im Gespräch mit dem Handelsblatt. Quelle: Bernd Roselieb
Berenberg-Bank

Hendrik Riehmer (l.) und Hans-Walter Peters im Gespräch mit dem Handelsblatt.

(Foto: Bernd Roselieb)

Frankfurt Es ist eine Frage des Alters: Beim Hamburger Bankhaus Berenberg scheiden die persönlich haftenden Gesellschafter traditionell mit 65 Jahren aus der operativen Führung aus. Hans-Walter Peters erreicht diese Grenze in diesem Jahr. Damit würde das Führungsduo, das Berenberg von einer eher beschaulichen Privatbank zur internationalen Investmentbank gemacht hat, auseinandergerissen.

Lange rangen Peters und sein Kompagnon Hendrik Riehmer um eine Lösung für dieses Problem. Jetzt ist klar: Peters, der als ehrenamtlicher Präsident auch den Bundesverband deutscher Banken (BdB) leitet, wechselt zwar in den Verwaltungsrat von Berenberg, die Bank will er dennoch gemeinsam mit Riehmer weiter ausbauen. De facto werde sich nichts an der Kooperation ändern, sagen die beiden im Interview mit dem Handelsblatt. Eine Lösung, die nicht ohne Blessuren erreicht wurde.

Riehmer wird die Verantwortung für die Investmentbank von Berenberg abgeben und stattdessen die Leitung des Wealth- und Asset-Managements übernehmen. Diesen Bereich hat Berenberg als zentrales Wachstumsfeld für die nächsten Jahre ausgemacht.

Wirtschaftlich geht es für die Bank nach harten Einschnitten wieder aufwärts. Im vergangenen Jahr stieg der Jahresüberschuss um 160 Prozent auf 60,5 Millionen Euro. Alles rein operativ erzielt, betonen Peters und Riehmer. Das war nicht immer so. 2018 hatte sich die Bank nur mit erheblichen Sondererträgen in die schwarzen Zahlen gerettet.

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    Damals trennte sich Berenberg von 150 Mitarbeitern und verkaufte Unternehmensteile wie die Schweizer Tochter. 2019 sah die Lage besser aus. Der für die Bank entscheidende Provisionsüberschuss stieg um 28 Prozent auf den historischen Höchststand von 356 Millionen Euro. Der Zinsüberschuss verbesserte sich von 53 auf 63 Millionen Euro. Gleichzeitig sanken die Verwaltungskosten um 26 Millionen Euro auf 346 Millionen. Die Eigenkapitalrendite lag Ende 2019 bei 28,6 Prozent vor Steuern.

    Nach der schmerzhaften Sparrunde wollen Peters und Riehmer in die Offensive gehen und auch wieder Personal aufbauen, denn „eigentlich sind wir ein Wachstumsunternehmen“, sagt Peters.

    Lesen Sie hier das ganze Interview:

    Herr Peters, für Sie wird 2020 ein ganz besonderes Jahr. Sie sind 65 Jahre alt, traditionsgemäß scheiden die persönlich haftenden Gesellschafter von Berenberg dann aus der Geschäftsleitung aus. Wie geht es für Sie weiter?
    Hans-Walter Peters: Ich werde Ende des Jahres an die Spitze des Verwaltungsrats wechseln, die Bank aber weiter beraten …
    Hendrik Riehmer: Das ist vor allem ein juristischer Schritt. De facto werden wir Berenberg weiter als Tandem weiterentwickeln. Wir sind 25 Jahre befreundet und haben Berenberg zusammen aufgebaut. Jetzt fängt es gerade an, richtig Spaß zu machen, das zeigen die Zahlen für das vergangene Jahr. Nachdem wir 2018 einen schmerzhaften Schnitt setzen mussten, können wir jetzt unser Geschäftsmodell wirklich ausbauen. Warum sollten wir aufhören und die Führung an Dritte delegieren?

    Ganz so harmonisch scheint dieser Prozess aber nicht abgelaufen zu sein. Von Streit war zu hören und von Phasen, in denen Sie kaum miteinander gesprochen haben?
    Peters: Wir beide sind seit einem Vierteljahrhundert gemeinsam unterwegs. Fachlich waren wir immer einer Meinung, und unsere Freundschaft funktioniert nach wie vor.
    Riehmer: Für uns war es sehr wichtig zu entscheiden, wie sollen die nächsten zehn bis 15 Jahre aussehen. Dass man bei solchen grundlegenden Fragen auch einmal kontrovers diskutiert, finde ich völlig normal. Wir haben uns die Zeit genommen, die wir brauchten, um eine Lösung zu finden, die beide glücklich macht. Die entscheidende Frage war: Wollen wir uns etwas zurücknehmen, oder wollen wir weiter voll aktiv sein? Jetzt ist klar, wir bleiben in der ersten Reihe.

    Was bedeutet das für Sie Herr Riehmer?
    Riehmer: Ich werde mich künftig sehr viel stärker um das Asset-Management und das Wealthmanagement kümmern. Dieser Bereich wird in den kommenden Jahren unser Kernwachstumsgebiet sein. Die Verantwortung für unsere Investmentbank wird dann David Mortlock übernehmen, der den Bereich bereits bisher zusammen mit mir geleitet hat.

    Verschieben Sie mit der Entscheidung, als Duo weiterzumachen, die Nachfolgeprobleme nicht einfach nur in die Zukunft? Verschenken Sie gerade die Chance auf einen geordneten Übergang?
    Peters: Nein. Wir haben ja mit David Mortlock und Christian Kühn, der alle internen Abläufe verwaltet, zwei Manager in die Geschäftsleitung geholt, die wir gerne auch zu persönlich haftenden Gesellschaftern machen wollen. Damit haben wir aus meiner Sicht eine ziemlich ideale Altersstruktur.

    Die neue Aufstellung an der Spitze hat allerdings ein prominentes Opfer gefordert: Henning Gebhardt, der Leiter des Wealth- und Asset-Managements, den sie von der Deutsche-Bank-Tochter DWS abwarben, hat Berenberg verlassen
    Riehmer: Ja, das ist eine bedauerliche Folge der Entscheidung, dass wir beide an der Spitze weitermachen. Henning Gebhardt wäre sonst auch ein Kandidat für den Kreis der persönlich haftenden Gesellschafter gewesen.

    Mit seiner Leistung waren Sie zufrieden?
    Peters: Ja, absolut, er war ganz entscheidend daran beteiligt, Berenberg im Asset- und Wealthmanagement neu aufzustellen. Mit Matthias Born und Peter Kraus haben wir tolle Fondsmanager eingestellt, mit Bernd Meyer einen kompetenten Chefanlagestrategen, auch das war mit ein Verdienst von Henning Gebhardt. Unsere neuen Aktienfonds haben im vergangenen Jahr eine durchschnittlichen Wertsteigerung von über 38 Prozent erreicht, das ist mehr als zehn Prozent besser als der Markt insgesamt. Das gibt uns die Zuversicht, diesen Bereich deutlich ausbauen zu können.

    Und was passiert mit dem Investmentbanking und dem Aktienhandel, die Berenberg international bekannt gemacht haben?
    Riehmer: Eigentlich hätten wir gerne schon früher die Vermögensverwaltung ausgebaut. Aber dann kam uns die Euro-Krise dazwischen. Weil wir im Asset- und im Wealthmanagement damals noch stark auf Zinsprodukte gesetzt haben, mussten wir erst einmal Aktienexpertise im Fondsmanagement aufbauen. Das hat ein paar Jahre gedauert. In der Zwischenzeit haben wir das Investmentbanking ausgebaut. Diese Phase ist jetzt mit dem Aufbau des US-Geschäfts erst einmal strukturell abgeschlossen. Nun werden wir mit dem erwarteten Geschäftswachstum Erweiterungsinvestitionen tätigen.

    Wie läuft denn das US-Geschäft?
    Riehmer: Sehr gut, wir haben mittlerweile rund 100 Mitarbeiter in den USA, davon etwa 20 Analysten, die sich tief in Geschäftsmodelle und Strategien der Unternehmen einarbeiten und nicht einfach nur Excel-Tabellen ausfüllen. Damit sind wir offenbar in eine Marktlücke gestoßen. Das hat uns geholfen, Aufträge für Aktienplatzierungen zu bekommen, sehr viel schneller etwa als bei der Expansion nach London. Für uns war von Anfang an klar, dass wir auf dem weltgrößten Kapitalmarkt Fuß fassen müssen, sonst wird es irgendwann schwerer, auch in Europa Mandate zu bekommen.

    2018 musste Berenberg erstmals seit etlichen Jahren auf die Bremse treten, kräftig sparen und Personal abbauen, ist diese Phase abgeschlossen?
    Peters: Das war für uns ein schmerzhafter Schritt, der 150 Stellen kostete. Wir haben gesehen, wie sich der Bankenmarkt entwickelt, und kamen zu dem Schluss, dass wir unser Modell nur ausbauen können, wenn wir uns von Teilen, die nicht zur Strategie passen, trennen und einen Kostenschnitt machen. Jetzt können wir auch wieder neue Mitarbeiter einstellen, denn eigentlich sind wir ein Wachstumsunternehmen.

    Wie lief denn das neue Jahr an?
    Riehmer: Der Auftakt ist vielversprechend, anders als 2019. Wir sind ziemlich optimistisch, was die Lage an den Aktienmärkten angeht, und damit auch für unser Geschäft. Viele Investoren hatten zu große Angst vor einer Rezession in Europa, vor Verwerfungen durch den Brexit oder vor einer Korrektur an den Börsen und sind jetzt unterinvestiert. Davon profitieren wir.

    Also haben Sie keine Angst vor Verwerfungen an den Börsen?
    Peters: Nein, wir denken, dass die Gefahr einer Rezession abgewendet ist, trotz des Coronavirus. Die Kursgewinne der vergangenen Tage und Wochen sind allerdings nicht ganz gesund, in solchen Börsenphasen muss man mit heftigeren Kursschwankungen rechnen. Aber eine länger anhaltende Korrektur halten wir für unwahrscheinlich. Ein Vorteil ist die Präsidentschaftswahl in den USA, Wahljahre waren eigentlich immer gute Börsenjahre. Und in Europa stützt die lockere Zinspolitik der EZB den Markt.

    Das klingt sehr optimistisch …
    Riehmer: Ja, aber wir haben gute Gründe für unseren Optimismus. Am Markt für Aktienplatzierungen ist zum Beispiel die Nachfrage zum ersten Mal seit Jahren größer als das Angebot. Im Moment könnte man beinahe alles platzieren. Große US-Investoren und Hedgefonds suchen nach Investments in Europa, das zeigen Transaktionen wie der Paketverkauf von 5,5 Prozent der Aktien von Evonik durch den Großaktionär RAG-Stiftung.

    Herr Peters, für Sie steht ja nicht nur bei Berenberg ein Wechsel an, im April endet auch Ihre Amtszeit als Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken. Glauben Sie, dass die deutschen und die europäischen Banken auf absehbare Zeit eine Chance haben, zu den Konkurrenten aus den USA aufzuschließen?
    Peters: Ich fürchte, das wird für die europäischen Institute sehr, sehr schwierig. Dafür gibt es viele Gründe, zwei der wichtigsten sind die Minuszinspolitik der Europäischen Zentralbank und die Regulierung. Wenn das unter dem Stichwort Basel IV bekannte Paket wirklich so umgesetzt wird wie geplant, werden viele Banken ihre Kreditvergabe zurückfahren müssen, fürchte ich. Natürlich sollte man die neuen Regeln nicht abschaffen, aber man sollte sie effizienter machen.

    Und wenn Sie als BdB-Präsident einen abschließenden Wunsch frei hätten, wie würde der aussehen?
    Peters: Wenn man die Banken wirklich entlasten möchte, dann müsste die EZB den Freibetrag für die Befreiung der Institute von den Minuszinsen erhöhen. Aber ich fürchte, dass sich dieser Wunsch nicht so schnell erfüllen wird.

    Eine letzte Frage an Sie beide. Früher sind Sie öfter gemeinsam in Urlaub gefahren, auch um in Ruhe über die Zukunft der Bank sprechen zu können. Ist der nächste Trip schon geplant?
    Riehmer: Wir waren ja gerade erst zusammen unterwegs, im Dezember – und die nächste gemeinsame Reise kommt bestimmt.

    Herr Peters, Herr Riehmer, vielen Dank für das Interview.

    Die Fragen stellte Michael Maisch.

    Mehr: Staatsanwälte stellen Ermittlungen gegen Berenberg-Banker ein.

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