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Hypo-Vereinsbank Deutsche und chinesische Familienunternehmen diskutieren über die Nachfolgefrage

Die Hypo-Vereinsbank hat das Treffen in der Münchener Allianz-Arena organisiert. Denn Chinas Patriarchen haben wenig Erfahrung bei der Suche nach einem Nachfolger.
26.07.2019 - 17:25 Uhr Kommentieren
Für die Hypo-Vereinsbank war die Veranstaltung in der Allianz-Arena eine Möglichkeit, sich das Thema China etwas abseits der bekannten Wege zu erschließen. Quelle: dpa
Hypo-Vereinsbank

Für die Hypo-Vereinsbank war die Veranstaltung in der Allianz-Arena eine Möglichkeit, sich das Thema China etwas abseits der bekannten Wege zu erschließen.

(Foto: dpa)

Unermüdlich sorgt der Rasensprenger unten auf dem Spielfeld dafür, dass das Spielfeld auch an diesem heißen Freitag in sattem Grün leuchtet. Bautrupps installieren Werbetafeln für den „Audi-Cup“ in der kommenden Woche. Und Besuchergruppen drehen unermüdlich ihre Runden.

Man hätte sicherlich auch ein Hotel wählen können, um kleinen und mittleren chinesischen Unternehmen zu erklären, wie Mittelstand in Deutschland geht. Stattdessen ließ die Hypo-Vereinsbank ihre Verbindungen zu ihrem Kunden FC Bayern spielen. Und organisierte ein Event mit Blick auf das Spielfeld der Allianz-Arena.

„Es gibt keinen besseren Ort, um Ihnen zu zeigen, was Deutschland, Bayern und München zu bieten haben“, erklärte HVB-Chef Michael Diederich der Delegation denn auch den ungewöhnlichen Ort. Die Smartphones, die davor bereits viele Bilder und kleine Filme nach China geschickt hatten, waren da bereits wieder in der Tasche verstaut.

Es ist eine außergewöhnliche Situation, in der sich das Reich der Mitte derzeit befindet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt mittlerweile auf dem Dreifachen des deutschen Niveaus. Ähnlich wie in Deutschland ist der Mittelstand der Treiber des wirtschaftlichen Wachstums. Mehr als die Hälfte der Steuereinnahmen und über 60 Prozent zum BIP tragen die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bei.

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    Der Knackpunkt dabei: Zwar begann die Reform- und Öffnungspolitik in China bereits im Jahr 1978. Aber erst seit 25 Jahren gibt es in China die rechtliche Anerkennung von Privatunternehmen. Deswegen stellt sich für die meisten Unternehmen momentan besonders häufig die Frage der Nachfolge.

    „Nach meiner Einschätzung befinden sich 90 Prozent aller Familienunternehmen in China noch unter der Führung des Gründers, nur 10 Prozent wurden bereits übergeben“, weiß Zhu Xiaobin. Der Finanzprofessor ist gleichzeitig Vorstand des Centre for Leadership and Executive Coaching (CLEC). Anders ausgedrückt: In den allermeisten Familienunternehmen drückt in den kommenden Jahren zwangsläufig die Frage nach dem Übergang.

    Genau deswegen ist die rund 30 Personen große Gruppe aus Familienunternehmern nach Deutschland gekommen. Hier, wo die Bedeutung von Familienunternehmen eine große Tradition hat, dürfte man schließlich wissen, wie man mit diesem sensiblen Thema umgeht.

    An dieser Stelle kommt die Hypo-Vereinsbank ins Spiel. Die Tochter der italienischen Großbank Unicredit ist zwar nicht unbedingt eine Größe im China-Geschäft. Wie man mit Mittelständlern umgeht, wissen sie aber aus 150 Jahren Tradition heraus. Folglich hat man – auch mit Hilfe des Frauen-Karriere-Index (FKI) - Unternehmer beider Länder zusammengebracht. „In China liegt der Anteil an Frauen in Führungspositionen schließlich heute schon zwischen 30 und 50 Prozent“, sagt Barbara Lutz, Gründerin und Geschäftsführerin des FKI. Gerade in Ökonomien wie in China, die von vielen Veränderungen geprägt sind, seien Frauen in Führungspositionen sehr gefragt.

    Für die Hypo-Vereinsbank ist die Veranstaltung eine Möglichkeit, sich das Thema China etwas abseits der bekannten Wege zu erschließen. Wohl wissend, dass die Marktführer dort kaum von ihrer Position zu verdrängen sind. Allerdings sah die HVB immer mehr ihrer Mittelstands-Kunden in den vergangenen Jahren auf dem Weg nach China. Ein Trend, der ungebrochen anhält. Der Ansatz der Münchener geht seit geraumer Zeit dahin, ihren Kunden auf dem Weg nach Fernost mit dem gewohnten Service von zuhause zu begleiten. So, dass die erst gar nicht auf die Idee kommen, sich anderweitig umzusehen.

    Umgekehrt betreiben erst rund 30 Prozent aller chinesischen Mittelständler Geschäft im Ausland. Aber auch das mit rasch wachsender Tendenz. Daraus könnte sich langfristig eine interessante Perspektive ergeben. „Es braucht zwischen Deutschland und China sicherlich noch mehr Möglichkeiten des Austauschs bei kleinen und mittleren Unternehmen“, formuliert es Markus Beumer, Vorstand für das Unternehmenskundengeschäft bei der HVB.

    Dass er und Vorstandschef Michael Diederich vom Bankenturm am Arabellapark in die Fußball-Arena gekommen sind, verdeutlicht zumindest den perspektivischen Stellenwert des Themas bei der HVB. Gehen Familienunternehmer in Deutschland wie in China doch nach wie vor meist ganz traditionell zur Bank, wenn sie Geld brauchen. Kapitalmarktmaßnahmen wie in den USA beliebt sind hier noch immer die Ausnahme. Das sind zumindest interessante Aussichten in Zeiten, in denen es Banken nicht leicht haben.

    Auch ansonsten finden sich etliche Parallelen zwischen deutschen und chinesischen Familienunternehmern. Das gilt besonders für die emotionale Bindung, die die Firmenlenker in beiden Ländern zu den oftmals auch von ihnen gegründeten Unternehmen haben. Das Thema ist in China wegen der geringeren Historie sogar noch stärker aufgeladen als hierzulande. „Es gibt bei den Gründern eine sehr emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen, deswegen suchen sie häufig innerhalb der Verwandtschaft nach einem Nachfolger, wenn das eigene Kind nicht ins Unternehmen will“, beobachtet Professor Zhu.

    Denn gerade die eigenen Kinder, die in der Regel gut und teuer im Ausland ausgebildet wurden, zieht es oftmals gar nicht ins Unternehmen des Vaters zurück. Sie wollen selbst gründen oder in die Tech-Branche, wie Untersuchungen zeigen. Eine andere Variante ist deshalb, dass sich der Gründer notgedrungen in Etappen zurückzieht und einem externen Geschäftsführer immer mehr Einfluss oder auch Aktien am Unternehmen überlässt, beobachtet der Professor.

    HVB-Vorstand Beumer drückt sich bei diesem Thema möglichst diplomatisch aus. „Familienunternehmer sollten frühzeitig anfangen, die nachfolgende Generation auf die Übernahme vorzubereiten“, rät er. Alle Formen, ein Kind in ein Unternehmen zu drängen, seien nach seiner Erfahrung nicht erfolgreich.

    Die chinesischen Mittelständler haben es mit Interesse vernommen. Und jede Menge Fotos und Selfies von der anschließenden Stadionführung mit nach Hause genommen.

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