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Immobilienkredite Trotz Pandemie: Die Baufinanzierung in Deutschland erreicht neues Rekordhoch

Banken und Sparkassen, die im Niedrigzinsumfeld ansonsten kaum Geld verdienen, jubeln. Der Bestand an Immobilienkrediten steigt auf mehr als 1,4 Billionen Euro. Allerdings nehmen damit auch die Risiken zu.
01.07.2021 - 16:50 Uhr Kommentieren
Obwohl viel gebaut wird, steigen die Preise für Wohnimmobilien. Auch der Boom der Baufinanzierung ist ungebrochen. Quelle: dpa
Hausbau

Obwohl viel gebaut wird, steigen die Preise für Wohnimmobilien. Auch der Boom der Baufinanzierung ist ungebrochen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Baufinanzierung boomt auch in der Coronakrise – und in diesem Jahr beschleunigt sich das Wachstum sogar noch einmal: Allein in den ersten vier Monaten betrug das Neugeschäft fast 100 Milliarden Euro – nach gut 90 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum und 273 Milliarden Euro im Gesamtjahr 2020. Der Kreditbestand erreichte per Ende April ein neues Rekordvolumen von mehr als 1,4 Billionen Euro. Die jährliche Wachstumsrate steigt damit auf 6,8 Prozent. Das zeigen Zahlen der Bundesbank, die die Beratungsfirma PwC ausgewertet hat und die dem Handelsblatt vorliegen.

Bereits im vergangenen Jahr war deutlich geworden, dass die Pandemie die Deutschen nicht davon abhält, Immobilien zu bauen oder zu kaufen. PwC-Partner und Kreditexperte Tomas Rederer erwartet keine Trendumkehr. Denn gerade in der Coronakrise sei für viele Menschen klar geworden, wie wichtig die eigenen vier Wände seien. Ob das Volumen an Immobilienkrediten noch weiter ansteigt, hänge aber auch von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ab.

Die deutschen Kreditinstitute gehören zu den großen Profiteuren des anhaltenden Immobilienbooms. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Preise für Wohnimmobilien im ersten Quartal dieses Jahres um 9,4 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Im Vergleich zum letzten Quartal 2020 stand bei dem sogenannten Häuserpreisindex ein Plus von 1,5 Prozent, wie die Wiesbadener Statistiker mitteilten.

Darlehenssumme steigt im Schnitt

Das zahlt sich auch für die Banken aus: Je mehr Menschen Eigentumswohnungen und Doppelhaushälften kaufen, desto mehr wächst die Nachfrage nach Krediten zu deren Finanzierung. Und da die eigenen vier Wände immer teurer werden, fällt in der Regel auch die Kreditsumme immer höher aus. Das Resultat sind höhere Darlehenssummen, die in diesem Jahr im Februar einen neuen Rekordwert von durchschnittlich 304.000 Euro erreichten und aktuell nur geringfügig darunter liegen, wie eine Untersuchung des Kreditvermittlers Dr. Klein zeigt. Zum Vergleich: Anfang 2014 waren es noch 156.000 Euro.

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    Bankenaufseher und Experten beobachten die Immobilienrally jedoch mit Unbehagen, weil sie langfristig Risiken fürchten. Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling hatte schon im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass vor allem viele kleine und mittelgroße Banken und Sparkassen ihre Gewerbeimmobilienkreditvergabe deutlich ausgebaut hätten. „Bei einigen kleineren Instituten sehe ich dies mit einer gewissen Sorge, weil hier schon der Ausfall einzelner Kredite signifikante Folgen für das gesamte Institut haben kann.“

    Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School, übt Kritik: „Dass die Banken so viele Kredite bewilligen, ist nicht zu verantworten.“ Banken und Käufer ignorierten, dass sich die finanzielle Situation der Kreditnehmer in einigen Jahren verschlechtern könnte. Befürchtet wird auch, dass mancher Schuldner bei einer möglichen Zinswende die Kredite auf Dauer nicht mehr ausreichend bedienen könnte.

    Stärkere Finanzierung über Bankkredite

    Tatsächlich belegen einige Daten des Baufinanzierungsvermittlers Dr. Klein, dass viele Käufer für den Traum vom Eigenheim immer mehr an ihre Grenzen gehen. So finanzieren die Immobilienkäufer inzwischen einen größeren Anteil des Kaufpreises über Bankkredite. Aufschluss darüber gibt der sogenannte Beleihungsauslauf. So nennt man das Verhältnis von Kreditsumme zum Beleihungswert, der konservativ ermittelte Wert einer Immobilie, der in der Regel unter dem Kaufpreis liegt. Dieser Beleihungsauslauf pendelte bis Mitte 2017 unter 80 Prozent, seit März 2018 liegt er durchgängig darüber. Trotz hoher Kreditsummen blieb der Wert allerdings im laufenden Jahr stabil, im Mai sank er sogar leicht auf 83,14 Prozent.

    Fachleute wie Dr.-Klein-Vorstand Michael Neumann sehen vor diesem Hintergrund noch keinen Anlass zu übertriebener Sorge. Aus Sicht des Immobilienexperten wird das Gros der Immobiliendarlehen von den Banken alles in allem mit Bedacht vergeben. Viele Wohnungskäufer sichern sich die niedrigen Zinsen zudem auf lange Sicht: Die durchschnittliche Laufzeit neuer Baukredite lag zuletzt erstmals bei mehr als elf Jahren.

    Auch PwC-Experte Rederer erkennt aktuell keine Warnsignale. „Wir sehen derzeit keine erhöhten Risiken durch mögliche Kreditausfälle.“ Man registriere auch nicht, dass Banken und Sparkassen die Kreditvergabestandards bei Baufinanzierungen lockern würden.

    Mehr: Bauzinsen steigen: Acht Fehler, die Immobilienkäufer bei der Finanzierung vermeiden sollten.

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