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ING, DKB, Comdirect & Consors Welche Onlinebanken von der Coronakrise profitieren – und welche nicht

Den großen Direktbanken hilft, dass Verbraucher in Coronazeiten digitaler agieren. Viele junge Smartphone-Banken könnten hingegen Probleme bekommen.
05.05.2020 - 10:02 Uhr Kommentieren
Den deutschen Finanzstandort im Fokus. Quelle: imago images/Arnulf Hettrich
Frankfurt

Den deutschen Finanzstandort im Fokus.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Frankfurt Die Krise als Geschäftstreiber? Stefan Unterlandstättner glaubt genau das. Der Chef der Onlinebank DKB will von den Folgen der Viruspandemie profitieren. Dass viele Menschen, die vorher online nicht so aktiv waren, heute notgedrungen über das Internet einkaufen und sich Dinge nach Hause schicken lassen, stimmt Unterlandstättner zuversichtlich.

„Nach der Coronakrise werden sich einige Kunden auch fragen, ob sie wirklich eine Bankfiliale brauchen oder ob ein Onlinekonto für ihre Bedürfnisse ausreicht“, sagt der Vorstandschef im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das spiele der DKB, deren Kernprodukt das Girokonto ist, in die Karten. „Die Krise ist für uns auch eine Chance.“

Bereits im ersten Quartal hat die Viruspandemie das Geschäft der DKB und ihrer Konkurrenten ING, Comdirect und Consorsbank nicht gebremst, sondern befeuert. Die Kundenzahlen der Direktbanken steigen deutlich. Viele Menschen sehen die Rückgänge an den Börsen als Chance und eröffnen neue Wertpapierdepots.

Und auch die nötige Umstellung aufs Arbeiten im Homeoffice fällt den Onlinebanken häufig leichter als den traditionellen Geldhäusern mit dichtem Filialnetz und großen Handelssälen. „Bereits vor Corona konnten bei uns rund 90 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause arbeiten“, betont Unterlandstättner.

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    Dass die etablierten Onlinebanken am Ende zu den großen Profiteuren der Coronakrise zählen könnten, liegt auch daran, dass die Rahmenbedingungen für Angreifer aus dem Fintech-Sektor, sogenannte Smartphone- oder Challenger-Banken, global deutlich schwieriger werden.

    Viele Investoren werden bei der Finanzierung der meist noch defizitären Firmen zurückhaltender. Zudem setzten Kunden in Krisenzeiten tendenziell lieber auf „gut kapitalisierte Institute mit bekannten Namen“, heißt es in einer Studie der Beratungsfirma Forrester. Ihre Prognose: „Durch Covid-19 werden viele Challenger Banks aus dem Markt gedrängt werden.“

    „Kunden wollen nach der Krise digitaler bleiben“

    Den größten deutschen Direktbanken sind solche Sorgen fremd. Sie gehören allesamt zu etablierten Spielern am Markt. Und sie setzen darauf, dass die Kunden auch nach der Coronakrise verstärkt auf bargeldloses Bezahlen und digitale Angebote setzen werden.

    Das Verhalten der Menschen werde sich nach der Krise ändern – und darauf müssten Banken reagieren, sagte Commerzbank-Chef Martin Zielke kürzlich bei seiner ersten Pressekonferenz als Präsident des Bankenverbands. „Ich vermute, die Digitalisierung wird noch mal einen deutlichen Schub bekommen.“

    Eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Boston Consulting (BCG) bestätigt Zielkes Annahme. 13 Prozent gaben dabei an, aufgrund von Covid-19 erstmals digitale Kanäle für Bankgeschäfte genutzt zu haben – und die allermeisten waren damit sehr zufrieden. Viele Kunden wollten ihr verändertes Verhalten deshalb beibehalten, betont BCG. „Kunden sind in der Krise digitaler geworden – und wollen nach der Krise digitaler bleiben.“

    Bei den Direktbanken spiegelt sich der Trend zum Digitalen bereits in den Zahlen für das erste Quartal wider. „Wir haben im ersten Quartal brutto rund 135.000 Kunden gewonnen, netto 85.000“, sagt DKB-Chef Unterlandstättner. Die hohe Zahl an Abgängen sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich das Institut gezielt von inaktiven Kunden getrennt habe. Insgesamt kommt die BayernLB-Tochter aktuell auf 4,4 Millionen Privatkunden und ist damit die Nummer zwei in Deutschland.

    Unter dem Strich habe die DKB im ersten Quartal 48.000 neue Broker-Depots eröffnet, frohlockt Unterlandstättner. „Viele Menschen sehen die gesunkenen Aktienkurse offenbar als Einstiegschance und investieren nun Gelder, die sie bisher anderweitig geparkt hatten.“

    Auch Marktführer ING ist „bei der Kundenzahl weiter auf Wachstumskurs“. Bei Girokonten gebe es „ein konstantes Wachstum“, sagt ein Sprecher, noch besser laufe es bei den Depots. „Wir haben im ersten Quartal 2020 fast so viele Depots eröffnet wie im gesamten letzten Jahr.“

    Handel mit Wertpapieren auf Rekordkurs

    Beim Konkurrenten Comdirect ist der Ansturm ebenfalls groß. Im ersten Quartal verzeichnete die Commerzbank-Tochter 102.000 neue Depots. Unter dem Strich stieg die Zahl der Kunden um 87.000 auf 2,8 Millionen. „Im Vergleich zum Vorjahr haben wir im ersten Quartal 2020 weniger in das Wachstum mit Neukunden investiert und trotzdem das stärkste Neukundenwachstum seit mehr als zehn Jahren erreicht“, sagt Vorstandschefin Frauke Hegemann.

    Zudem werden im Zuge der Coronakrise deutlich mehr Wertpapiere gekauft und verkauft. „Unsere Kunden haben im ersten Quartal 2020 so viel gehandelt wie nie zuvor“, betont Hegemann. Die Folge: Das Provisionsergebnis von Comdirect zog deutlich an. Der Vorsteuergewinn hat sich mehr als versechsfacht auf 77,9 Millionen Euro.

    Comdirect wird gerade von ihrem Mutterkonzern Commerzbank komplett geschluckt. Deren Privatkundenvorstand Michael Mandel hat für den Kundenansturm eine profane Erklärung: „Offensichtlich haben viele Menschen derzeit Zeit, sich mit ihren Bankgeschäften zu beschäftigen.“

    Von einer positiven Entwicklung berichtet auch Sven Deglow, der Vorstandschef der Consorsbank. Sie gehört zur französischen Großbank BNP und hat in Deutschland knapp 1,5 Millionen Kunden. „Unser Geschäft läuft gut, die Konto- und Depoteröffnungen bewegen sich auf sehr hohem Niveau“, sagt Deglow. Auch die Website und die App würden häufiger aufgerufen: „Blogbeiträge zu Covid-19 und Einschätzungen zur aktuellen Marktlage werden stark geklickt.“

    Vor allem die börsenaffinen Kunden, die Trader, spricht das Consors-Brokerage an: „Die Trade-Zahlen liegen deutlich über den bisherigen Spitzenwerten und betragen das Zwei- bis Dreifache des normalen Niveaus“, so Deglow. Das lasse sich vor allem mit der aktuell hohen Volatilität an den Märkten erklären, in Teilen resultierten die Zahlen „aber auch aus dem Zustrom an neuen Kunden“.

    Grafik

    Anders sieht das Bild bei der jüngsten Bankengeneration aus, den Challenger-Banken. Besonders jene Institute, die sich auf Privatkunden fokussieren, könnten in der Coronakrise nachhaltige Probleme bekommen. Wie klassische Direktbanken verzichten sie auf Filialen, bieten ihre Dienstleistungen jedoch vor allem per Smartphone-App, die sich insbesondere an jüngere Kunden richten. Eigentlich könnte dieses Geschäftsmodell vom Digitalisierungsschub profitieren. Doch zu den Schwächen der Neobanken zählen laut Forrester, dass die meisten noch nicht profitabel wirtschaften und dass sich ihre Angebote nicht klar genug unterscheiden.

    Dabei waren solche Smartphone-Banken zuletzt noch Investors Liebling. N26 aus Berlin hat im vergangenen Jahr rund 470 Millionen Dollar von ihren Geldgebern erhalten und wurde mit 3,5 Milliarden Dollar bewertet. Zur gleichen Bewertung hat die junge Bank gerade weitere 100 Millionen Euro von ihren Investoren erhalten.

    „Die Finanzierung wurde schon vor Beginn der Coronakrise vereinbart“, sagt Georg Hauer, Deutschlandchef von N26. Mit dem Geld sollen neue Produkte entwickelt und soll das Wachstum in den Kernmärkten beschleunigt werden. Weltweit meldet die Bank mehr als fünf Millionen Kunden. Der britische Konkurrent Revolut hat über zehn Millionen Kunden. Der Firmenwert wurde bei der letzten Finanzierungsrunde im Februar auf 5,5 Milliarden Dollar taxiert.

    Neben diesen großen Neobanken gibt es jedoch Dutzende kleinere Institute, die kein so üppiges Kapitalpolster haben. Nach Einschätzung von Forrester wird genau das etlichen Anbietern das Genick brechen: Denn während der Krise neue Geldgeber zu finden dürfte schwierig sein. Viele Investoren konzentrieren sich derzeit lieber auf die Firmen in ihrem Portfolio.

    Neobanken, die durch Kapitalrunden in den vergangenen Monaten bereits die Kasse gefüllt haben, sind damit im Vorteil. Doch um dauerhaft am Markt bestehen zu können, müssen die jungen Banken auch in der Krise Kunden gewinnen und Erträge generieren.

    Beim Thema Kundengewinnung sieht es bei vielen noch vergleichsweise gut aus, wenn auch nicht so rosig wie bei den etablierten Onlinebanken. Bei N26 haben die Wachstumszahlen direkt nach dem Corona-Lock-down ein paar Prozentpunkte unter dem normalen Niveau gelegen. Inzwischen seien sie aber wieder auf einem hohen Niveau, erklärt das Institut. Ähnliches berichtet die auf Nachhaltigkeit spezialisierte Tomorrow-Bank.

    Pläne für Börsengänge werden aufgeschoben

    Beim Thema Geldverdienen trübt sich jedoch das Bild ein. N26 erzielt einen Großteil seiner Umsätze nämlich im Zahlungsverkehr: Wenn Kunden mit Karte bezahlen, erhält die Bank vom Händler Gebühren. Doch wegen der Ausgangs- und Reiserestriktionen geben die Kunden aktuell weniger Geld aus. Und das dürfte sich wegen der bevorstehenden Rezession so schnell auch nicht ändern. N26 hat wegen der Einschränkungen schon Anfang April knapp 150 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Monzo und Starling aus Großbritannien gehen Medienberichten zufolge ähnlich vor. Revolut hat ihren Mitarbeitern angeboten, einen Teil des Gehalts durch Aktienoptionen zu ersetzen.

    Den kleineren Konkurrenten Tomorrow trifft die Ausgabeunlust der Kunden nach eigenen Angaben weniger. Die Gebühren aus Kartenzahlungen würden ohnehin an Klimaschutzprojekte gespendet. Einnahmen würden vor allem über das höherpreisige Premium-Konto und Gebühren für häufiges Geldabheben generiert. Dennoch arbeitet auch Tomorrow nicht profitabel. Denn Privatkunden lassen sich noch schwieriger als Firmenkunden für kostenpflichtige Kontomodelle gewinnen.

    Pläne für Börsengänge, wie sie N26 und Starling zuletzt hegten, rücken nach Ansicht der Forrester-Analysten in der Coronakrise in ferne Zukunft. Manche Digitalbank werde ihr Geschäftsmodell umstellen und nur noch als Softwareanbieter agieren, prognostizieren die Berater. Andere würden von etablierten Häusern übernommen.

    Insgesamt rechnen die Forrester-Analysten damit, dass sich die aktuelle Krise bis ins dritte Quartal zieht und dann eine zwölf- bis 18-monatige Erholungsphase folgt. Das erwartet auch Radboud Vlaar, Co-Gründer des niederländischen Investors Finch Capital. Seiner Meinung nach können traditionelle Banken in der Zwischenzeit im Onlinegeschäft aufholen.

    „Wegen einer gesteigerten Nachfrage nach digitalen Angeboten dürften traditionelle Banken ihre Aktivitäten in diesem Bereich ausweiten“, sagt Vlaar. „Trotz Verlusten im Zuge der Krise werden sie dann immer noch größere Budgets für Marketing haben als die Fintech-Konkurrenten.“ Die traditionellen Banken könnten also in der Viruskrise Boden gutmachen gegenüber ihren digitalen Verfolgern: eine Prognose, die in mancher Bankzentrale gut ankommen dürfte.

    Mehr: Mit der Pandemie ist in vielen Branchen das Geschäft eingebrochen, doch digitale Zahlungsdienstleister profitieren.

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