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Insolvente Finanzfirma Stahlmagnat Gupta stoppt Zahlungen an Greensill

Der Stahlunternehmer Sanjeev Gupta kappt die Geschäftsbeziehung zu seinem Finanzier Lex Greensill. Intern nimmt er ihn jedoch in Schutz. 
05.03.2021 - 16:18 Uhr Kommentieren
In den vergangenen Jahren kaufte er Stahl- und Aluminiumwerke rund um den Erdball auf und wuchs dabei schneller als Weltmarktführer Arcelor-Mittal. Quelle: Bloomberg
Sanjeev Gupta

In den vergangenen Jahren kaufte er Stahl- und Aluminiumwerke rund um den Erdball auf und wuchs dabei schneller als Weltmarktführer Arcelor-Mittal.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt, London Der Aufstieg der beiden Unternehmer Lex Greensill und Sanjeev Gupta ist eng miteinander verwoben. Der eine, Gupta, hat mit dem Aufkauf maroder Stahlwerke den schnell wachsenden Werkstoffkonzern GFG Alliance geformt.

Der andere, Greensill, stellte die Finanzmittel für die rasche Expansion bereit. Der gebürtige Australier hatte nach einigen Lehrjahren bei den Investmentbanken Morgan Stanley und Citi im Jahr 2011 in London das Fintech Greensill für Lieferkettenfinanzierungen gegründet.

Dieses System implodiert nun – und das geschäftliche Bündnis der beiden Aufsteiger teilt sich. Gupta, ein Brite mit indischen Wurzeln, hat die Zahlungen an Greensill Capital faktisch eingefroren, wie das Handelsblatt aus informierten Kreisen erfahren hat.

Da die Finanzfirma diese Woche Insolvenz in Australien beantragt habe, könne GFG Alliance nicht anders handeln. Denn schließlich sei auch der Geldfluss von Greensill an Guptas Firmen versiegt.

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    Mit seinem Management fahndet Gupta nun nach Möglichkeiten, seine Finanzierung auf andere Beine zu stellen. Langfristig müsse die ausgerichtet sein und ohne „funky tools“ auskommen, hieß es aus Kreisen, die mit den Vorgängen vertraut sind. Es gebe mehrere Optionen, über die nun intensiv verhandelt werde. Bereits vor dem Zusammenbruch von Greensill Capital seien diese Gespräche aufgenommen worden.

    Die GFG Alliance hat mehr als zwei Milliarden Pfund von Greensill erhalten, womit die Gruppe der größte Kreditnehmer sein dürfte. Das Unternehmen beteuert, solide aufgestellt zu sein. Hilfreich sei, dass die Nachfrage nach Stahl und Aluminium angezogen habe, beteuerte ein Sprecher.

    Eine aggressive Konstruktion

    Hinter den sogenannten „funky tools“ verbirgt sich eine Finanzkonstruktion, die eher ungewöhnlich für etablierte Industriefirmen sein dürfte. Greensill vergibt Kredite auf Forderungen von GFG an deren Kunden. Der Haken: Es gibt zwar eine Lieferbeziehung, allerdings sind keine festen Aufträge für die Kredite hinterlegt. Es wird lediglich angenommen, dass in Zukunft Geschäfte getätigt werden.

    Die Konstruktion sei aggressiv, sagte eine informierte Person, allerdings rechtlich geprüft und letztlich ohne Risiko. GFG wolle die Kredite ja zurückzahlen.

    Zudem seien Ausfallversicherungen mit dem japanischen Versicherungskonzern Tokio Marine geschlossen worden. Dies gelte auch für die Bremer Greensill Bank, die von der Aufsichtsbehörde Bafin am Mittwoch wegen drohender Überschuldung vorerst geschlossen worden war.

    Die einstige Nordfinanz Bank wurde 2017 von Greensill Capital übernommen. Quelle: Reuters
    Greensill Bank in Bremen

    Die einstige Nordfinanz Bank wurde 2017 von Greensill Capital übernommen.

    (Foto: Reuters)

    Gupta jedenfalls erhielt dank der „funky tools“ für den Aufbau seiner Unternehmensgruppe leichten Zugang zu Krediten. In den vergangenen Jahren kaufte er so Stahl- und Aluminiumwerke rund um den Erdball auf und wuchs dabei schneller als Weltmarktführer Arcelor-Mittal in seiner Anfangszeit. Firmenchef Gupta ist ambitioniert, er will an die Weltspitze. „Das Ziel verfolgt er weiterhin“, hieß es in seinem Umfeld.

    Bei ihrem Aufstieg halfen sich die beiden Mittvierziger gegenseitig – und das Duo konnte bekannte Köpfe für sich gewinnen. So engagierte Greensill den früheren britischen Premierminister David Cameron als Berater und gewann die japanische Softbank als Investor. Nach einer Milliardeninvestition 2019 wurde das Fintech mit vier Milliarden Dollar bewertet.

    Während Gupta nun für sein Lebenswerk kämpfen muss, bricht das von seinem Wegbegleiter in sich zusammen. Das Ende von Greensill Capital begann am Montag vor dem Supreme Court in Sydney. Die Firma hatte die drei Kreditversicherer Tokio Marine, BCC und Insurance Australia verklagt.

    Das Gericht blieb unbeeindruckt

    Wenn diese ihre Ausfallpolicen nicht verlängerten, sei die wirtschaftliche Existenz von Greensill „unmittelbar und ernsthaft gefährdet“, argumentierten die Anwälte der Firma laut Gerichtsdokumenten. Finanzierungsquellen würden in dem Fall sofort versiegen. Auch hätten mehrere Kunden gewarnt, dass sie dann in die Insolvenz rutschen würden.

    Das Gericht ließ sich nicht beeindrucken. Es wies die Klage mit der Begründung ab, dass Tokio Marine bereits Mitte vergangenen Jahres erklärt habe, die Kreditversicherungen auslaufen zu lassen. Laut den Dokumenten hatte der Versicherer Greensill im August mitgeteilt, dass man den zuständigen Sachbearbeiter entlassen habe, weil dieser seine Kompetenzen überschritten habe. Am 1. September schrieb die Versicherung, dass sie sämtliches Neugeschäft ab 1. März stoppen werde.

    Der Richterspruch in Sydney löste eine Kettenreaktion aus, die sich um den halben Erdball zog. Als Erstes reagierte die Schweizer Großbank Credit Suisse, die vier Fonds mit einem Anlagekapital von zehn Milliarden Dollar vom Handel aussetzte.

    Über diese Fonds verkaufte Greensill die verbrieften Forderungen ihrer Kunden an Anleger und finanzierte so das laufende Geschäft. Tokio Marine hatte einen großen Teil der Fonds versichert. Ohne den Versicherungsschutz mussten die Schweizer den Handel erst stoppen; die Fonds werden an diesem Montag nun aufgelöst.

    Als Gründe führte Credit Suisse am Freitag unter anderem die unklare Bewertung der Investments und den fehlenden Versicherungsschutz an. Die Bank wird in den kommenden Tagen beginnen, den rund tausend betroffenen professionellen Anlegern Kapital zurückzahlen. Wie hoch die Verluste ausfallen werden, ist noch unklar.

    Wie das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf interne Mails berichtet, wurde in der Credit Suisse bereits 2019 die Sorge laut, dass die Fonds von zu wenigen Versicherern abgedeckt würden. Die Bank verzichtete jedoch darauf, den Kreis der Versicherer zu erweitern.

    Im vergangenen Jahr stieg die Konzentration der Risiken: Tokio Marine haftete zeitweise für bis zu 75 Prozent der Forderungen in einem Fonds. Der japanische Versicherer hatte 2019 die australische BCC übernommen, die ursprünglich die wichtigste Versicherungspolice von Greensill unterzeichnet hatte.

    Vorwürfe an die Greensill Bank

    Folgen hat der Richterspruch nun für Großbritannien, wo die Zentrale von Greensill liegt – und auch für Deutschland. Am Mittwoch verhängte die Bafin ein Moratorium über die Bremer Greensill Bank. Die Aufseher stoppten alle Ein- und Auszahlungen. Die Staatsanwaltschaft will zudem ermitteln, ob die Banker bei der Erstellung der Bilanz betrogen haben. Die Bank besteht nämlich entgegen den Regeln vor allem aus Krediten an Gupta, wie es hieß.

    Grafik

    Es sind eben jene „funky tools“, mit denen die Bilanz der Bremer Bank gefüllt ist. Die Kredite an die Gupta-Firmen sind indes dort nicht als Bündel notiert, sondern als viele kleinere Kredite. Geführt würden sie unter den Namen der Kunden. Statt GFG Alliance sind also Unternehmen wie Airbus und Thyssen-Krupp benannt, obwohl die Unternehmen in diesen Fällen keine Kredite von der Greensill Bank gezogen haben.

    Auf diesem Weg haben die Banker aus Sicht der Bafin kaschieren wollen, dass der weitaus größte Kunde Gupta sei. Denn laut Finanzregeln darf auf einen Kunden nur weniger als 25 Prozent der Bilanzsumme entfallen. Die Beamten haben die Bankmanager daher bei der Staatsanwaltschaft wegen möglichen Bilanzbetrugs angezeigt.

    Es trifft auch zahlreiche Investoren

    Die Misere bei der Greensill Bank trifft auch etliche Investoren, die über Zinsplattformen wie Weltsparen und Zinspilot einige Hundert Millionen Euro bei der Greensill Bank angelegt haben.

    Aus Sicht von Gupta ist das Geld der Anleger sicher. Im Kreis seines Managements hat er nach Handelsblatt-Informationen erklärt, dass sein Unternehmen für die Kredite geradestehen wolle. Dazu müsse er seine Finanzierung auf langfristig stabile Beine stellen.

    Mit Lex Greensill hat er nicht gebrochen. Zwar setze ihn der Zusammenbruch von dessen Lebenswerk GFG Alliance unter Zugzwang. Ein Betrüger sei der Australier aber nicht, soll Gupta in kleinem Kreis gesagt haben. Das Geld sei schließlich da.

    Mehr: Greensill zeigt unheimliche Parallelen zum Fall Wirecard

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