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Insolventer Apothekenabrechner Behörden geraten im AvP-Skandal in Erklärungsnöte

Die Bafin stellte bereits 2016 Defizite bei AvP fest. Doch von einer Vorstrafe eines Managers bekam sie nichts mit. Sie zeigt mit dem Finger auf die Justiz.
07.12.2020 - 16:03 Uhr Kommentieren
Einer der Verantwortlichen des Apothekenabrechners verlor nach einer Vorstrafe seine Fluglizenz. Die AvP-Geschicke bestimmte er dennoch weiter. Quelle: dpa
Firmenschild an der Düsseldorfer AvP-Zentrale

Einer der Verantwortlichen des Apothekenabrechners verlor nach einer Vorstrafe seine Fluglizenz. Die AvP-Geschicke bestimmte er dennoch weiter.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Chaos in der Buchhaltung und Verantwortliche an der Unternehmensspitze, die mutmaßlich Gelder in die eigene Tasche wirtschafteten. Das ist keine gute Kombination. Bei AvP, einem der größten deutschen Apothekenabrechner, brach sie dem Unternehmen das Genick. Im September musste die Düsseldorfer Firma Insolvenz anmelden und Tausende Apotheken bangen nun um einen insgesamt dreistelligen Millionenbetrag.

Der Insolvenzverwalter Jan-Philipp Hoos deckte schnell „strukturelle Defizite“ auf – so nannte er die Misswirtschaft und Griffe in die Firmenkasse in seinem Gutachten Ende Oktober. Staatsanwälte ermitteln unter Hochdruck und aus dem Unternehmen werden nach und nach immer mehr Details bekannt, die die Arbeit von Behörden infrage stellen. Dabei gerät auch die Bafin unter Druck.

Denn nicht nur intern bei AvP gab es schon seit Längerem Zweifel, dass einer der langjährigen Spitzenmanager, der nun auch einer der Hauptbeschuldigten in dem Skandal ist, seine Aufgaben zuverlässig erfüllen kann. Dem Mann wurde nicht nur ein narzisstisches Wesen, sondern auch ein wenig sorgsamer Umgang mit Geldern nachgesagt.

Diese Beschreibung des Mannes aus dem Unternehmen bzw. seinem familiären Umfeld ist das eine. Eine strafrechtliche Verurteilung des Mannes aus dem Jahr 2013 ist das andere: Wegen Steuerhinterziehung, wenngleich auch nicht in Verbindung mit AvP, wurde ein Strafbefehl gegen ihn verhängt. In einer anderen Firma hatte er ihm nahestehende Personen angestellt und ihnen teils sechsstellige Jahresgehälter gezahlt, obwohl diese nie für ihn tätig waren. 168.000 Euro musste er zahlen.

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    Außerdem verlor er seine Fluglizenz, „weil Zweifel an seiner Zuverlässigkeit“ bestanden. Fliegen durfte der Hobbypilot nicht mehr. Aber Verantwortung tragen für ein Unternehmen, das jährlich acht Milliarden Euro bewegte. Denn die für AvP zuständige Finanzaufsicht Bafin unternahm nichts.

    Keine Meldung über Strafbefehl an die Bafin

    Ein Anwalt übt massive Kritik: „In zahlreichen Ländern müssen Unternehmensverantwortliche bei den Aufsichtsbehörden regelmäßig vorweisen, dass sie strafrechtlich unbelastet sind. Dass einer verurteilten Person in Deutschland die Fluglizenz wegen Unzuverlässigkeit entzogen werden kann, sie aber in einem von der Bafin beaufsichtigten Unternehmen unbehelligt bleibt, ist ein Unding.“

    Die Aufsichtsbehörde verweist auf Handelsblatt-Nachfrage auf eine Antwort der Bundesregierung zu einer Nachfrage einiger Abgeordneter der FDP-Fraktion. Demnach habe die Bafin „weder Anzeigen noch Hinweise bezüglich einer strafrechtlichen Vorbelastung eines der gesetzlichen Vertreter“ der AvP AG vorgelegen. Die Bafin habe nicht „die nach dem Kreditwesengesetz vorgesehene Mitteilung durch die zuständige Strafverfolgungsbehörde bzw. das zuständige Gericht erhalten“.

    Das Amtsgericht Darmstadt, das den Manager im April 2013 wegen Steuerhinterziehung in vier Fällen rechtskräftig zu einer Gesamtgeldstrafe von 350 Tagessätzen zu je 480,00 Euro verurteilt hatte, reagierte auf eine Nachfrage dazu bislang nicht.

    Schon im März 2016 gab es ein Aufsichtsgespräch mit AvP

    War es Schludrigkeit? Womöglich nicht einmal das. Der Teufel könnte im Detail stecken. Denn nach der einschlägigen Bestimmung ist die Bafin „im Falle der Erhebung der öffentlichen Klage“ zu informieren. Dazu war es aber im Fall des AvP-Managers nicht gekommen, das Verfahren wurde nicht in öffentlicher Verhandlung, sondern im Wege eines Strafbefehls erledigt.

    Anders lief es im Falle der Fluglizenz: Dort brachte eine Auskunft aus dem Bundeszentralregister Klarheit über die Vorstrafe. Der Anlass dafür war banal: eine turnusgemäße Zuverlässigkeitsüberprüfung nach dem Luftsicherheitsgesetz.

    Ins Visier der Bafin geriet AvP dennoch weit früher als bis dato bekannt. Zwar betont die Behörde, dass sie erst November 2019 erste Hinweise auf mögliche Defizite in der AvP-Rechnungslegung erhielt. Doch auf Nachfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Wieland Schinnenburg zu früheren Gesprächen mit AvP über Unregelmäßigkeiten mussten die Finanzaufseher nun eingestehen, dass im März 2016 ein Aufsichtsgespräch mit AvP geführt worden sei.

    Dabei sei es um „fehlerhafte Meldungen über personelle Veränderungen in der AvP-Geschäftsleitung“ gegangen. Diese Defizite seien im Nachgang durch AvP abgestellt worden.

    Schinnenburg hat dennoch wenig Verständnis: „Die Bafin wusste also schon vor mehr als vier Jahren, dass es bei AVP Probleme gab. Diese waren offensichtlich gravierend und sie betrafen die Geschäftsleitung. Es wird noch aufzuklären sein, ob die Bafin im März 2016 richtig reagierte.“

    Um welche fehlerhaften Meldungen es damals ging und wie die Defizite abgestellt wurden, wollte die Bafin auf Handelsblatt-Nachfrage nicht mitteilen.

    Mehr: 4000 Gläubiger bangen um ihr Geld. Die Insolvenz des Apothekenabrechners AvP hat auch kriminelle Hintergründe.

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