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Interview mit PGI-Chef Fonds-Investor Pat Halter: „Einkaufszentren und Altersheime sind attraktiv“

Der Chef des 500 Milliarden Dollar schweren Fonds PGI sieht trotz der bereits kräftig gestiegenen Preise noch Chancen am europäischen Immobilienmarkt.
12.12.2019 - 18:31 Uhr Kommentieren
Der einflussreiche Investor sieht an den Aktienmärkten vor allem für große Konzerne Chancen. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt
Pat Halter, Chef des großen US-Fonds PGI

Der einflussreiche Investor sieht an den Aktienmärkten vor allem für große Konzerne Chancen.

(Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

Frankfurt Principal Global Investors (PGI) gehört zu den großen Vermögensverwaltern der Welt. Die 500 Milliarden Dollar an Anlegergeldern managt der Chef von PGI, Pat Halter, allerdings nicht von New York oder dem Silicon Valley aus, der Fonds sitzt im eher beschaulichen Des Moines im US-Bundesstaat Iowa. Ein Großteil des Geldes stammt von Investoren, die für ihre künftige Rente sparen.

Langfristige, sichere Anlagen spielen deshalb eine wichtige Rolle, etwa Immobilien. Auf diesem Markt zählt PGI zu den zehn größten Spielern weltweit. Der 60-jährige Halter setzt zum Beispiel auf Einkaufszentren, die als Investment bis zu fünf Prozent Rendite bieten. Altersheime sieht er ebenfalls als interessante Anlageobjekte.
Diskussionen über schlechte Aussichten für die Branche Vermögensverwalter kann Halter als international aufgestellter Asset Manager nicht nachvollziehen. Er spricht von guten Perspektiven wegen der demografischen Entwicklung. „Weltweit werden in den nächsten zehn Jahren 2,5 Milliarden Menschen in die Mittelklasse aufsteigen und ihre Familien absichern wollen“, prognostiziert der Experte. Gleichzeitig würden in den nächsten 20 Jahren über eine Milliarde Menschen 65 Jahre oder älter, die Geld für ihren Lebensabend benötigen.

Eine Konsolidierung der Branche erwartet der passionierte Marathonläufer trotzdem – gerade bei „mittelgroßen Asset-Managern“. Am Ende werden nach Halters Meinung etwa 100 große Asset-Manger überleben.

Lesen Sie hier das gesamte Interview

Herr Halter, was bringt Sie heute nach Frankfurt?
Als einer der zehn größten Immobilienbesitzer weltweit haben wir in Europa nach dem Kauf von Internos Global Investors eine starke Immobilienplattform. Ein Schwerpunkt liegt in Frankfurt, wo 50 Leute der insgesamt 100 Kollegen in Europa für uns arbeiten.

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    Die europäische Wirtschaft wächst kaum, der Euro gilt noch immer als Wackelkandidat. Was finden Sie hier als Investor so interessant?
    Historisch gesehen sind wir besonders stark in Nordamerika. Doch wir wollen außerhalb expandieren. Über die nächsten drei Jahre planen wir, unseren Fußabdruck in Europa auszuweiten nicht nur in Immobilien, sondern auch über Kredite in diesem Bereich und generell über Darlehen in dieser Region. Dazu gehören auch börsennotierte Infrastruktur sowie Unternehmen, die Immobilien verwalten.

    Warum suchen Sie gerade nach Immobilien. Sind die Ihnen nicht zu teuer?
    In einer Welt, die noch viele Jahre von Niedrigzinsen geprägt sein wird, bieten Immobilien attraktive Renditen. Gerade Pensionsfonds und reiche Privatinvestoren rechnen hier mit guten Anlageerträgen und sind bereit, auch größere Risiken einzugehen. Immobilienmärkte sind sehr heterogen; da kommt es darauf an, die richtigen Nischen zu finden. Mit Investments in Einkaufszentren lassen sich durchaus Renditen von fünf Prozent erzielen. Altersheime sehen wir ebenfalls als attraktives Investment.

    Sehen Sie noch andere lukrative Nischen?
    Aus unserer Sicht bewegt sich gerade beim Klimaschutz viel. Gebäude sind für rund 40 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Wir verwenden viel Zeit und Geld darauf, den Energieverbrauch zu senken. Das ist gut für die Umwelt und gut für die Rendite.

    Lassen Sie uns ein bisschen über ihre Branche sprechen, die mitten in der Konsolidierung steckt. Wie sehen Sie die Aussichten?
    Generell haben Vermögensverwalter aus meiner Sicht gute Perspektiven. Ein Grund dafür ist die demografische Entwicklung. Weltweit werden in den nächsten zehn Jahren 2,5 Milliarden Menschen in die Mittelklasse aufsteigen und die Zukunft ihrer Familien absichern wollen. Gleichzeitig werden in den nächsten 20 Jahren über eine Milliarde Menschen 65 Jahre oder älter, die Geld für ihren Lebensabend benötigen.

    Und das sind ihre Kunden von Morgen?
    Ja, das sind die Themen, über die die Anleger sprechen wollen, wie ich vor Kurzem in Asien erfahren habe. Bei Besuchen in China, Südkorea und Taiwan ging es nicht nur um die wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch um nachhaltige Investments und den freiwilligen Aufbau von Sparplänen für die Rente. Diese Themen zählen zu unseren Stärken. In Brasilien und Chile sind wir beispielsweise die Nummer eins unter den privaten Anbietern von Rentenplänen. Durch unsere Kooperation mit der China Commercial Bank rangieren wir auch in China auf Platz vier.

    Wollen Sie aktiv in die Konsolidierung der Vermögensverwalter eingreifen?
    Absolut. Wir haben einen starken Finanzkonzern im Rücken und bauen unsere Stärken durch Übernahmen bei alternativen Investments und Immobilien aus. Die Konsolidierung wird vor allem mittelgroße Asset-Manager treffen. Diese Firmen sind mit Blick auf die erforderlichen Skaleneffekte zu klein, aber zu groß für Nischen.

    Wie weit wird der Konzentrationsprozess gehen?
    Am Ende werden nicht fünf, sondern eher 100 große Asset-Manager übrigbleiben. Weltweit gibt es noch so viel zu tun, gerade in Asien. Denken Sie an Indien und den unaufhaltsamen Aufstieg von vielen Millionen in die Mittelklasse, die in 30 bis 40 Jahren ihr Geld anlegen möchten.

    Haben Sie keine Angst, dass Sie angesichts des Handelsstreits zwischen den USA und China unter Druck geraten?
    Wir sind global aufgestellt und handeln lokal. Vergessen Sie nicht, China will ausländische Finanzfirmen im Land haben, sich weiterentwickeln und öffnen. Klar gibt es immer wieder Handelskriege und die damit verbundenen Probleme. Das bestimmt die Schlagzeilen. Aber eine darunter liegende Polarisierung der Welt erkenne ich nicht.

    Bei so viel Optimismus, gibt es eine Lösung im Handelskonflikt?
    Präsident Trump muss eine Lösung präsentieren und wird das auch. Das wird den Märkten neuen Schwung geben und seine Chancen erhöhen, wiedergewählt zu werden.

    Denken Sie nicht, dass das Auseinanderdriften von Reich und Arm in den USA eine Rolle spielen wird? Erstmals in der amerikanischen Geschichte könnte es den Kindern schlechter gehen als ihren Eltern.
    Definitiv. Darin liegt für mich der Hauptgrund für den wachsenden Populismus weltweit. Wir müssen in jedem Fall ein soziales Sicherheitsnetz einziehen und die Menschen aus- und weiterbilden, um ihnen bessere Berufs- und Lebenschancen zu bieten.

    Wo sehen Sie jenseits der politischen Risiken die größten Gefahren für die Wirtschaft und die Anleger?
    Mit Blick auf die Märkte erkenne ich eine starke Disziplin. Es gibt keine Übertreibungen wie sie in den Jahren 2005 und 2006 vor allem bei Hypothekenkrediten auftraten.

    Wie steht es mit der Bewertung der Märkte. Sind sie heute nicht zu teuer?
    Kaum. Die Kurse der Aktien im Standard & Poor’s 500 Index sind in diesem Jahr um über 20 Prozent gestiegen, obwohl es zu einem Abfluss von Geldern von mehr als 200 Milliarden Dollar kam.

    Wo liegen die Gründe dafür?
    Die Technologieaktien haben Indizes wie den S&P 500 getrieben. Das heißt: Das Geld konzentriert sich auf wenige Aktien. Aber in diesen Firmen steckt auch die Zukunft der Welt, das disruptive Element. Deswegen reagieren für mich die Märkte nicht über. Wir befinden uns mitten in der nächsten Revolution, vielleicht vergleichbar mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert.

    Trotzdem ziehen sich immer mehr Unternehmen von der Börse zurück …
    Es stimmt, die Kurszettel schrumpfen. Mehr Firmen verlassen die Börsen als neue durch Börsengänge dazukommen. Auf der anderen Seite haben die Investoren heute eine weitaus größere Auswahl an Anlagemöglichkeiten außerhalb der Börsen im Vergleich zu vor fünf Jahren und sie sind viel besser informiert. Deshalb ziehen etwa Private Equity oder Fonds für Kredite aus Schwellenländern erheblich mehr Interesse an.

    Reicht das als Erklärung für den Exodus von der Börse?
    Die außerbörslichen Beteiligungsfonds schwimmen im Geld. 1,2 Billionen Dollar warten darauf, investiert zu werden. Deshalb lassen sich mit dem Verkauf eines Unternehmens deutlich höhere Preise erzielen als durch eine Börsennotiz. Die Vorstände versuchen, möglichst viel für ihre Aktionäre herauszuschlagen. Außerdem ist eine Börsennotiz aufwendig. Quartal für Quartal muss über das Geschäft berichtet werden. Manche Unternehmen wollen aber lieber eine längerfristige Politik verfolgen. Sie denken in Warren-Buffett-Kategorien.

    Was genau verstehen Sie unter diesem Schlagwort?
    Inzwischen investieren Private Equity-Fonds viel längerfristiger und strategischer als noch vor ein paar Jahren. Es geht nicht mehr darum, mithilfe eines hohen Schuldenhebels ein Unternehmen zu kaufen und sich nach drei Jahren wieder von ihm zu trennen. Die Firmen werden heute stärker weiterentwickelt und dadurch wird Mehrwert geschaffen. Das sorgt für einen stärkeren Gleichlauf der Interessen von Investoren und Unternehmen.

    Wird der Trend anhalten?
    In den nächsten zwei, drei Jahren in jedem Fall. In einer Welt, in der die Zinsen so niedrig liegen, bieten sich privatem Kapital viele Chancen. Wir werden noch häufiger den Rückzug von der Börse sehen.

    Werden die Notenbanken denn an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten, und hat die US-Zentralbank Fed mit der Lockerung ihrer Geldpolitik nicht schon überzogen?
    Ich glaube, die Fed hat einen guten Job gemacht und für Vertrauen und Sicherheit an den Märkten gesorgt. Die wirtschaftliche Situation sieht besser aus als noch vor ein paar Monaten. Aus meiner Sicht bleibt noch Raum für eine Zinssenkung, die wohl in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres kommen wird.

    Wie beurteilen sie vor diesem Hintergrund die Chancen an den Aktienmärkten?
    Gegen schwankende Kurse kann man sich mit Investments in Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung besser absichern, als wenn man in kleineren Aktien anlegt. Die bessere Qualität und internationale Ausrichtung von Large Caps oder gar Mega-Caps helfen Unsicherheiten abzumildern, die durch schwierige wirtschaftliche und geopolitische Verhältnisse entstehen.

    Herr Halter, vielen Dank für das Gespräch.

    Mehr: Reich werden wie die Quandts: Verschwiegene Dynastie gewährt Einblick in ihre Vermögensverwaltung

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