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Interview mit Stefan HoopsDWS-Chef räumt „überschwängliches Marketing“ für grüne Investments ein

Der neue Vorstandschef spricht über die Lehren aus dem Greenwashing-Skandal und plädiert dafür, dass die Deutsche Bank ihren Anteil an der DWS reduziert.Yasmin Osman, Andreas Kröner 16.12.2022 - 04:07 Uhr Artikel anhören

Der Vorstandschef der Fondsgesellschaft – hier noch in seiner Zeit bei der Deutschen Bank – legt keinen großen Wert mehr darauf, in die Top 10 der weltgrößten Vermögensverwalter vorzustoßen. Andere Ziele sind ihm wichtiger.

Foto: Martin Leissl für Handelsblatt

Frankfurt. Die Greenwashing-Vorwürfe gegen die DWS haben Stefan Hoops, bis dahin Firmenkundenchef der Deutschen Bank, eine Blitzbeförderung an die Spitze der Fondstochter des Instituts beschert. Überschwängliches Marketing in Sachen Nachhaltigkeit soll künftig der Vergangenheit angehören, betont der neue Vorstandschef.

In einigen Punkten sieht Hoops sein Unternehmen dann aber doch wieder in einer Vorreiterrolle. Und er erklärt im Handelsblatt-Interview, warum er glaubt, den Marktgiganten der Fondsbranche in den USA Paroli bieten zu können.

Lesen Sie hier das vollständige Interview:

Herr Hoops, Sie kamen vor sechs Monaten über Nacht ins Amt, nachdem Ihr Vorgänger Asoka Wöhrmann nach einer Razzia wegen Greenwashing-Vorwürfen gehen musste. Kritiker monierten damals Ihre mangelnde Erfahrung in der Vermögensverwaltung.
Wenn das der einzige Kritikpunkt ist, hätte es ja schlimmer kommen können. Als Volkswirt habe ich mich intensiv mit makroökonomischen Themen wie Geldpolitik, Zinsen und Inflation beschäftigt. In meiner Zeit als Investmentbanker, immerhin die ersten 15 Jahre der Karriere, war ich nah an den Kapitalmärkten – und Vermögensverwalter zählten zu meinen Kunden, zuletzt auch in der Unternehmensbank.

Sie sollen ein Fixgehalt von 2,8 Millionen Euro und einen Bonus von 4,4 Millionen Euro pro Jahr ausgehandelt haben. Wie lässt sich das begründen? Schmerzensgeld für einen schwierigen Job? Vorschusslorbeeren? Oder will Ihr Arbeitgeber sicherstellen, dass Sie nicht versuchen, wie Ihr Vorgänger einen Porsche über fragwürdige Mittelsmänner zu beschaffen?
Wir fahren ein geleastes Familienauto, insofern besteht da keine Gefahr mit Blick auf einen Autokauf. Was das Gehalt angeht: Für den Betreffenden ist es immer schwierig zu rechtfertigen, warum man eine bestimmte Summe erhält. Als jemand, der noch vor nicht allzu langer Zeit Bafög bezogen hat, ist mir bewusst, dass wir in der Finanzbranche über sehr hohe Gehaltssummen reden.

In Ihrer Botschaft an die DWS-Belegschaft haben Sie gesagt: „Let’s make Asoka proud.“ Viele fanden die Formulierung unglücklich, weil sie nach dem abrupten Abgang Ihres durchaus umstrittenen Vorgängers ein „Weiter-so“ signalisierte.
Sie müssen sich in die Situation damals zurückversetzen: Erst die Staatsanwaltschaft vor Ort, dann wechselt über Nacht der CEO. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren in einem Ausnahmezustand. Ich hatte die Wahl, entweder mit einer Unschuldsvermutung oder mit einem Generalverdacht zu starten. Mir war es wichtig, allen zu signalisieren: „Ich bin einer von euch und trete ohne Vorurteile an.“

Aber Ihr Vorgänger musste nicht wegen schlechter Zahlen, sondern vor allem wegen Fragen der Unternehmensführung gehen. Außerdem musste sich die DWS gegen Vorwürfe wehren, dass sie ihr Engagement für nachhaltige Investments übertrieben positiv darstellt. Ihre Ansage kann den Eindruck erwecken, Sie würden eine solche Unternehmenskultur gutheißen.
In der damaligen Phase war es aus meiner Sicht am wichtigsten, das gesunde Unternehmen DWS zu stabilisieren. Ich wollte verhindern, dass massiv Kundengelder abfließen oder eine Reihe erfahrener Portfoliomanagerinnen und -manager geht. Eine Ansage wie: „Ich stelle jetzt erst mal alles auf den Prüfstand, keiner ist sicher“, wäre da nicht hilfreich gewesen. In der Zwischenzeit haben wir dann aber doch einiges verändert.

Sie haben zum Beispiel den Vorstand kräftig umgebaut. War es das mit den Änderungen?
Wir haben jetzt ein starkes Team in der Geschäftsführung, mit drei Frauen und drei Männern, die voll motiviert sind, das Unternehmen voranzubringen. Mit der Zusammensetzung fühle ich mich sehr wohl.

Die internen Untersuchungen zu den Greenwashing-Vorwürfen sind fast abgeschlossen. Welche Schlüsse haben Sie daraus gezogen?
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich mit Blick auf die noch laufenden behördlichen Untersuchungen nicht näher äußern möchte. Mit Blick auf unsere internen Untersuchungen können wir sagen, dass wir zu unseren Veröffentlichungen und Prospekten stehen. Aber man kann im Nachhinein schon feststellen, dass es eine Zeit lang überschwängliches Marketing bei dem Thema Nachhaltigkeit gab – übrigens nicht nur im Asset-Management, sondern über viele Branchen hinweg. Da sollten wir alle zurückhaltender auftreten.

Wie würden Sie – auf einer Skala von „blauäugig“ bis „schuldig“ – bewerten, was bei der DWS schiefgelaufen ist?
Ich kann mit solchen Kategorien wenig anfangen, und es ist auch nicht an uns, das zu beurteilen.

Die Marke DWS steht Stefan Hoops zufolge nicht zur Disposition.

Foto: REUTERS

Sie haben nun eine Art Öko-Revision eingeführt. Hätte man das nicht von Beginn an tun können?
Es ist nicht ungewöhnlich für ein neues Wachstumsfeld, dass man schrittweise dazulernt. Ich gehe davon aus, dass andere Vermögensverwalter künftig vergleichbare Strukturen aufbauen.

Der Nachhaltigkeitsbereich kommt nicht zur Ruhe. Vor Kurzem hat die DWS mehrere ihrer Fonds aus der EU-Kategorie für „dunkelgrüne“ Fonds – sogenannte Artikel-9-Fonds – in die Kategorie für „hellgrüne“ Fonds – Artikel-8-Fonds – heruntergestuft. War das wieder ein Fall überschwänglichen Marketings?
Nein. In dem Fall sind einfach bestehende EU-Vorschriften klarer gefasst und verschärft worden. Deshalb haben viele Vermögensverwalter die Klassifizierung ihrer Fonds anpassen müssen. Wir gehören übrigens zu denen, die sehr früh die Entscheidung für die Umkategorisierung getroffen haben. Solche Änderungen wird es auch in Zukunft vermutlich immer wieder geben, solange die Regeln weiter modifiziert und präzisiert werden.

Die Regulierung wird immer strenger, und in den USA werden Fondsgesellschaften, die aus Sicht von republikanisch regierten Bundesstaaten „zu“ grün agieren, mit Auftragsstornierungen bestraft. Ist Nachhaltigkeit noch das Wachstumsthema, das es einmal war? Die US-Fondsgesellschaft Vanguard hat sich gerade erst aus der Klimaschutzinitiative „Net Zero Asset Managers“ zurückgezogen.
Wir haben nicht vor, uns aus solchen Initiativen zurückzuziehen. Aber natürlich ist es nicht gut, wenn es große Wettbewerber tun. Wir sollten alle einmal innehalten und darüber reflektieren, wie wir gemeinsam weitermachen können, anstatt in Lager zu zerfallen. Das Thema ist gesellschaftlich wichtig, und für unsere Kunden ist es das auch.

Lassen Sie uns über Ihre Strategie sprechen. Sie haben angekündigt, das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds im wettbewerbsintensiven US-Markt auszubauen. Gab es keine aussichtsreicheren Optionen?
Wir haben alle nötigen Ausgangsvoraussetzungen, die entsprechenden Lizenzen, die nötige technische Plattform, eine bekannte Marke. Unser Team hat klar gesagt, was es für Wachstum in diesem Bereich braucht: mehr Personal, mehr Marketing und dass wir neue Produktideen schneller an den Markt bringen.

Vita Stefan Hoops
Seit Juni 2022 führt der promovierte Volkswirt die DWS. Zuvor hatte der 42-Jährige eine steile Karriere bei der Deutschen Bank gemacht: Vom Chef des deutschen Kapitalmarktgeschäfts über die Leitung der Transaktionsbank bis zum Chef der Unternehmensbank, dem Bereich den Vorstandschef Christian Sewing zum Kern seiner neuen Strategie gemacht hatte.
Die Deutsche-Bank-Fondstochter ist der größte deutsche Fondsanbieter für private Anleger und managt weltweit rund 833 Milliarden Euro Kundenvermögen. Rund 44 Prozent der Kunden sind Privatanleger, etwa 43 Prozent kommen aus Deutschland. Als wichtigste Wachstumsfelder hat CEO Hoops den Bereich alternativer Anlagen (15 Prozent des verwalteten Fondsvermögens) und der Indexfonds (24 Prozent) identifiziert.

Und das reicht, um gegen Fondsriesen wie Vanguard zu bestehen?
Wenn wir die bekannten und breiten Aktienindizes wie den S&P 500 oder den MSCI World nachbilden wollten, hieße die Antwort Nein. Aber wenn es um passiv gemanagte Fonds geht, die bestimmte Themen aufgreifen, die währungsadjustiert sind oder eine bestimmte Branche abbilden, dann haben wir eine Chance. In diesem Segment kommt es darauf an, den richtigen Riecher für eine neue Themenidee zu haben und möglichst als Erster mit einem Produkt an den Markt zu kommen. Bei solchen maßgeschneiderten Indexfonds ist das Wachstum am größten.

Sie suchen Ihr Glück also in der Nische?
Ja, wobei die Nischen in den USA sehr groß sind, weil dieser Markt einfach riesig ist. Wir rechnen in solchen Nischen mit einem Marktwachstum von 25 Prozent. Und letztlich gibt es bei Indexfonds nun einmal nur zwei Optionen: Entweder man geht voll rein und investiert – oder man gibt das Geschäft ganz auf. Das Team hat gesagt, was es für Wachstum benötigt. Das hat es bekommen – und muss nun liefern.

Was Zukäufe angeht, sind Sie zurückhaltend. Warum?
Wir haben angekündigt, dass wir unser Überschusskapital nach der Hauptversammlung im Mai 2024 an unsere Aktionäre zurückzahlen, wenn wir es bis dahin nicht für interessante Übernahmen oder organische Wachstumsinitiativen ausgegeben haben. Das finde ich fair, denn das Geld gehört nicht uns. Unser wichtigstes Finanzziel ist es, ausschüttbare Gewinne für unsere Aktionäre zu kreieren. Es geht nicht darum, sagen zu können, wir haben etwas mit dem Geld gemacht – neue Geschäfte oder Übernahmen müssen Mehrwert schaffen.

Verfolgen Sie noch das einst von der Deutschen Bank ausgegebene Ziel, dass die DWS gemessen am verwalteten Vermögen zu den Top Ten weltweit gehören soll?
Der Fokus auf diese eine Kenngröße wäre mir zu wenig. Ich würde im Rahmen von Zukäufen gern Talente dazubekommen oder das Geschäft mit alternativen Investments ausbauen. Im großen Stil niedrigmargige Geldmarktfonds zu kaufen, nur um das verwaltete Vermögen um ein paar Hundert Milliarden zu steigern, wäre dagegen nicht sinnvoll. Das wird auch am Markt so gesehen. Es gibt einige Asset-Manager, die weniger Vermögen verwalten als wir, die an der Börse aber deutlich mehr wert sind.

Sie wollen also lieber unter die Top Ten der Vermögensverwalter gemessen an der Marktkapitalisierung vorstoßen?
Das wäre ein gutes Ziel, aber natürlich ambitioniert. Andererseits habe ich ja noch ein paar Jahre Zeit. Bis ich 2047 planmäßig in Rente gehe, sollte es klappen (lacht).

Um Ihre Marktkapitalisierung zu erhöhen, könnten Sie auch die ungewöhnliche Struktur einer Kommanditgesellschaft auf Aktien abschaffen, die viele internationale Investoren nicht gut finden.
Sie werden mir nachsehen, dass ich mich dazu nicht konkret äußern werde. Generell gilt, dass wir als Geschäftsführung bestrebt sind, den Aktienkurs der DWS zu steigern. Wenn Investoren Vorschläge unterbreiten, die dafür förderlich wären, nehmen wir das gern auf. Unser Aktienkurs würde im Übrigen auch davon profitieren, wenn mehr als 15 Prozent unserer Aktien frei handelbar wären. Ich bringe diese Punkte in die Diskussionen mit unserem Hauptaktionär, der Deutschen Bank, ein. Was davon umgesetzt wird, hängt aber nicht allein von uns ab.

Zuletzt gab es auch Spekulationen darüber, ob die DWS ihren Namen noch mal anpasst, weil die Marke in vielen ausländischen Märkten nicht so bekannt ist wie in Deutschland. Wie ist der aktuelle Stand?
Hintergrund dieser Spekulation ist vermutlich, dass ich in allen Regionen gefragt habe, welche Maßnahmen helfen würden, um den Vertrieb zu stärken. In Deutschland ist der Bekanntheitsgrad der DWS sehr hoch, in anderen Ländern wie Korea nicht. Da hat zum Beispiel unser früherer Name Deutsche Asset Management gut funktioniert, weil die Investoren die Assoziation mit der Deutschen Bank mochten. In anderen Ländern ist es wieder anders. Es gab jedoch nie eine Diskussion darüber, ob wir unseren Namen ändern. Die Marke DWS steht nicht zur Disposition.

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Herr Hoops, vielen Dank für das Interview.

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