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Investorentag Deutsche Bank setzt stärker auf Investmentbanker – und weniger auf Privat- und Firmenkunden

Das Institut hält am Renditeziel fest, aber intern verschieben sich die Gewichte: Der Stern der Firmen- und Privatkundensparte sinkt, richten sollen es Investmentbank und Vermögensverwaltung.
09.12.2020 Update: 09.12.2020 - 16:03 Uhr Kommentieren
Der Vorstandschef der Deutschen Bank kann am Investorentag andere mit seinem Optimismus anstecken. Quelle: AFP
Christian Sewing

Der Vorstandschef der Deutschen Bank kann am Investorentag andere mit seinem Optimismus anstecken.

(Foto: AFP)

Frankfurt Es war die Antwort, auf die die Investoren der Deutschen Bank mit der größten Spannung gewartet haben. Vorstandschef Christian Sewing betonte gleich zu Beginn des Investorentags des größten heimischen Geldhauses, dass die Bank an ihren ambitionierten Profitabilitätszielen festhalten wird: Bis zum Jahr 2022 soll die Rendite auf das materielle Eigenkapital auf acht Prozent steigen und freies Kapital in Höhe von fünf Milliarden Euro an die Aktionäre zurückgegeben werden.

„Seit 2018 haben wir unsere Ziele konsequent erreicht und unsere Pläne umgesetzt“, betonte Sewing. In der dritten Phase der Sanierung, die insgesamt 18.000 Jobs kostet, werde die Bank an ihrem Weg grundsätzlich festhalten, aber einen „Gang hochschalten“.

Die zweite kritische Frage, die die Investoren umtreibt, lautet: Wie wird die Bank mit den Folgen der Coronakrise zurechtkommen? Auch hier verbreitete Sewing Optimismus.

Der Vorstandschef geht davon aus, dass der Höhepunkt bei der Risikovorsorge bereits überschritten ist. Die Bank hatte angekündigt, dass die Vorsorge trotz der Pandemie in diesem Jahr zwischen 35 und 45 Basispunkten der gesamten Ausleihungen liegen würde. Jetzt nannte Sewing für 2020 einen Wert von 41 Basispunkten, der im kommenden Jahr leicht sinken werde. Für 2022 rechnet die Bank mit 25 bis 30 Basispunkten.

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    Erst vor wenigen Tagen hatte der oberste Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank, Andrea Enria, einen Brandbrief an die großen Banken in der Währungsunion verschickt. Enria fürchtet, dass die Geldhäuser die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie unterschätzen und sich nicht sorgfältig genug auf die befürchtete Welle von faulen Krediten vorbereiten.

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    Die Investoren reagierten zunächst verhalten positiv auf Sewings Ankündigungen. Kurz nach der Rede des Vorstandschefs lag die Aktie der Deutschen Bank mit 0,6 Prozent im Plus, drehte dann aber ins Minus. Am Nachmittag waren die Aktien mit einem Verlust von rund einem halben Prozent einer der größten Dax-Verlierer.

    Aktie hat bereits kräftig zugelegt

    Allerdings hat die Bank an der Börse in diesem Jahr auch schon kräftig vorgelegt. Seit Anfang Januar kletterte der Kurs des größten heimischen Geldhauses um über 35 Prozent – stärker als jede andere europäische Bank. Und das, obwohl die Weltwirtschaft wegen der Corona-Pandemie in der schwersten Krise seit Jahrzehnten steckt.

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    Auch wenn Sewing an seinen strategischen Vorgaben festhält, gibt es doch einige bemerkenswerte Veränderungen beim Fahrplan zu diesem Ziel: Von der Investmentbank und der Vermögensverwaltungssparte erhofft sich das Institut nun mehr Wachstum, vom Firmenkundengeschäft, eigentlich der Kern der neuen Strategie, weniger. Inzwischen erwartet das Institut zwischen 2018 und 2020 im Firmenkundengeschäft nur noch ein Ertragswachstum von durchschnittlich einem Prozent im Jahr. Bislang hatte das Management drei Prozent veranschlagt.

    Das Gewicht der Sparten verschiebt sich

    Ausbügeln sollen diese Delle die Investmentbanker, die nun im gleichen Zeitraum durchschnittlich drei Prozent liefern sollen statt bislang zwei Prozent. Auch die Wachstumsziele der Asset-Manager wurden um einen Prozentpunkt auf zwei Prozent angehoben.

    Die Verschiebungen zeigen sich bei den Renditeerwartungen der Sparten sogar noch deutlicher: 2022 soll die Privatkundensparte nur noch eine Rendite von acht bis neun Prozent liefern, zwei Prozentpunkte weniger als bislang. Privatkundenchef Karl von Rohr begründete das mit dem Zinstief, das sich wegen der Coronakrise in die Länge ziehen dürfte. Außerdem wird die Bank nun erst später als angenommen von der Integration der bislang separaten IT der Privatkundensparte in die IT-Systeme der Deutschen Bank profitieren.

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    Das Renditeziel der Firmenkundensparte wurde um einen Prozentpunkt auf elf bis zwölf Prozent gestutzt. Dafür macht das Renditeziel der Investmentbank einen großen Sprung nach vorn: Statt sieben bis acht Prozent soll die Sparte nun 9,5 bis 10,5 Prozent Rendite abwerfen.

    Bei der Verkündung der neuen Strategie im vergangenen Sommer hatte Sewing den Investoren ein ausgewogeneres Geschäftsmodell versprochen mit weniger Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Investmentbanking. Kern der neuen Deutschen Bank sollte das Geschäft mit Unternehmen sein, auch die anderen stabileren Geschäftsfelder, Privatkunden und Asset-Management sollten an Bedeutung gewinnen.

    Kostenziel sinkt – Ertragsziel aber auch

    Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment traut der jetzt vorgenommenen Rekalibrierung nicht so recht: „Das Investmentbanking ist per se volatil. Der Markt ist noch vorsichtig, ob sich die 2020 gezeigten Erfolge fortschreiben lassen“, warnt sie.

    Den Ausblick für die Gesamterträge des Jahres 2022 hat die Bank minimal von 24,5 Milliarden Euro auf 24,4 Milliarden Euro gesenkt. Auf die Rendite wirkt sich das allerdings nicht aus, weil das Institut zugleich auch seine Kostenziele um 300 Millionen Euro auf 16,7 Milliarden Euro heruntergeschraubt hat. Im Kostenziel enthalten sind allerdings seit jeher auch 300 Millionen Euro für geringere Beiträge zum EU-Bankenabwicklungsfonds, die die Bank nicht einfach so beschließen kann.

    Viele Analysten und Fondsmanager halten das Renditeziel nach wie vor für zu ambitioniert. Nach den überraschend guten Zahlen in diesem Jahr mit einem Vorsteuergewinn von 846 Millionen Euro nach den ersten neun Monaten wird Sewing zwar voraussichtlich sein Versprechen erfüllen können, am Ende des Jahres schwarze Zahlen vor Steuern zu präsentieren. Aber die Eigenkapitalrendite lag nach den ersten drei Quartalen noch immer bei mageren 0,1 Prozent. Im Schnitt rechnen die Analysten für 2022 mit einer Rendite von lediglich 3,3 Prozent.

    Bedeutung der Sparten verschiebt sich

    Die Zahlen zum dritten Quartal zeigen, wie sich die Bedeutung der einzelnen Sparten bereits verschoben hat. Die gesamte Investmentbank konnte ihre Erträge in den ersten neun Monaten um 35 Prozent steigern, der Vorsteuergewinn sprang auf 2,6 Milliarden Euro.

    Lange hat die Deutsche Bank im Investmentbanking Marktanteile verloren. Das änderte sich allerdings im dritten Quartal 2020. Auf dem Investorentag versicherte Sewing, dass ein Großteil dieser Marktanteilsgewinne dauerhaft sei. Die Bank profitiere dabei nicht nur von der Sonderkonjunktur im Anleihehandel, die durch die heftigen Kursschwankungen infolge der Coronakrise befeuert wird. Vielmehr würden sich jetzt die Vorteile des neuen fokussierten Geschäftsmodells zeigen, außerdem würden verloren gegangene Kunden zur Deutschen Bank zurückkehren.

    Für die Investmentbanker dürfte sich das auszahlen: Vorstandschef Sewing ließ durchblicken, dass er die Erfolge der Sparte auch finanziell würdigen will. „Wir werden an unserer Zusage festhalten, für Performance zu zahlen“, sagte Sewing in einem Interview mit Bloomberg TV. „Wo wir eine gute Performance und sogar eine verbesserte Performance haben, werden wir das auch honorieren.“

    Kostenziele enthalten Senkung der Bankenabgabe

    Weniger zahlungswillig zeigt sich das Institut, wenn es um seine Beiträge für den Bankenabwicklungsfonds der EU geht. Mit dessen Mitteln, die Europas Banken aufbringen müssen, sollen künftig marode Banken abgewickelt oder saniert werden, um bei Bankenkrisen die Steuerzahler zu entlasten. Seit einiger Zeit versucht die Deutsche Bank, das Zielvolumen dieses Abwicklungsfonds zu senken – und rechnete den Investoren am Mittwoch vor, was sich dadurch einsparen ließe.

    Er rechne damit, dass der EU-Abwicklungsfonds sein „ursprüngliches“ Zielvolumen von 55 Milliarden Euro beibehalten werde, sagte Finanzvorstand James von Moltke. Er wiederholte damit Forderungen von Vorstandschef Sewing. „Auf dieser Basis würden unsere Beiträge in den Jahren 2021 und 2022 jeweils zwischen 300 und 400 Millionen Euro sinken“, so von Moltke.

    Damit stellt die Deutsche Bank die Vereinbarung zum Abwicklungsfonds allerdings falsch dar: Die EU-Regeln sehen kein festes Zielvolumen vor, sondern einen bestimmten Prozentsatz des versicherten Einlagenvolumens. Die Verordnung für den Abwicklungsfonds nennt als Zielgröße ein Prozent der abgesicherten Einlagen – damit sind die bis zu 100.000 Euro gemeint, die in der EU pro Kunde gesetzlich abgesichert sind.

    Als der Abwicklungsfonds vereinbart wurde, entsprach diese Ein-Prozent-Quote 55 Milliarden Euro. Durch das Einlagenwachstum der vergangenen Jahre entspricht es mittlerweile aber 70 Milliarden Euro. Sollten sich die Wünsche der Deutschen Bank an die EU-Regierungen nicht erfüllen, werden die Kosten in den nächsten zwei Jahren jeweils um 300 Millionen Euro höher ausfallen.

    Mehr: Hohe Kreditausfälle drohen: Die Angst vor einer neuen Bankenkrise wächst

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