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Frankfurt am Main

Die Zentrale der Commerzbank.

(Foto: dpa)

Jahresbilanz Commerzbank will Sparkurs noch einmal verschärfen

Der Gewinn bei Deutschlands zweitgrößter Geschäftsbank bricht um ein Viertel ein. Vorstandschef Martin Zielke gibt sich dennoch zuversichtlich.
13.02.2020 Update: 13.02.2020 - 10:46 Uhr Kommentieren

Frankfurt Mit ihrer Kritik an der zu geringen Profitabilität der Commerzbank haben die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) offenbar ins Schwarze getroffen. Am Donnerstag machte das Institut deutlich, dass es seinen Sparkurs noch einmal verschärfen will. „Wir haben auf Vorstandsebene ein Kostenprojekt beschlossen, um zusätzliches Sparpotenzial zu finden“, sagte die neue Finanzvorständin Bettina Orlopp vor Analysten.

Die europäische Bankenaufsicht hatte die bisherigen Renditeziele nach Handelsblatt-Informationen kürzlich als wenig ambitioniert kritisiert. Ein EZB-Bankenaufseher forderte das Institut im Dezember bei einer Aufsichtsratssitzung Finanzkreisen zufolge zu stärkeren Kostensenkungen auf, damit das Institut angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen höhere Renditen erzielen könne.

Wie die Bank ihr Kostenniveau genau drücken will, ließ Orlopp offen. „Wir werden aber überall nachsehen, ob es den Leuten gefällt oder nicht“, sagte sie nur. Die Bank sehe sich die Sach- wie die Personalkosten an. Etwaige Restrukturierungskosten für Sparmaßnahmen würden noch im laufenden Geschäftsjahr verbucht. Details werde es spätestens mit Veröffentlichung der Zahlen für das zweite Quartal geben.

Kapitalquote gibt Spielraum

Vorstandschef Martin Zielke deutete am Donnerstag außerdem an, dass die selbst gesteckten Renditeziele übertroffen werden könnten. Dabei kommt der Commerzbank die positive Entwicklung ihrer harten Kernkapitalquote zugute, die auf 13,4 Prozent gestiegen war.

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    Die Aktie stieg am Vormittag nach Veröffentlichung der Zahlen um fast fünf Prozent, obwohl der Gewinn der Bank deutlich geschrumpft war. Analysten hatten ein noch schwächeres Ergebnis erwartet. Außerdem dürfte die höhere Kernkapitalquote die Investoren ermutigt haben.

    Die Bank wolle die gute Kapitalquote für den Ausbau ihres Geschäfts und die Umsetzung ihrer Strategie nutzen, sagte Zielke. „Wenn wir weiter solche Fortschritte machen, halte ich perspektivisch für 2023 auch eine höhere Rendite für möglich, als wir es Mitte des vergangenen Jahres erwartet hatten.“

    Die Commerzbank hatte im Herbst erklärt, die Kosten bis 2023 um 600 Millionen Euro drücken zu wollen, die Eigenkapitalrendite soll auf mehr als vier Prozent steigen. Zielke hatte damals jedoch bereits erklärt, dass es Potenzial gebe, eine Rendite von über fünf Prozent zu erreichen.

    Dies sei unter anderem abhängig vom Zinsumfeld, dem Wachstum der Bank und vom Kostenmanagement. Beim Thema Rendite „geht es mir nicht nur um Kostensenkungen“, erklärte Zielke am Donnerstag. „Es geht auch um die volle Nutzung unseres Ertragspotenzials und die Verbesserung unserer Kapitaleffizienz.“

    Für den optimistischeren Ton ist unter anderem die unerwartet deutlich gestiegene harte Kernkapitalquote der Bank von 13,4 Prozent verantwortlich. Dieser Wert ist höher, als die Bank erwartet und in ihren Strategieplanungen berücksichtigt hatte.

    Hinzu kommt ein größerer Spielraum, den die EZB-Bankenaufseher der Bank ab dem kommenden Jahr zubilligen. So darf die Bank ab 2021 ihre individuellen, zusätzlichen Kapitalaufschläge zu 44 Prozent mit Nachranganleihen auffüllen statt mit hartem Kernkapital.

    Kein mBank-Verkauf um jeden Preis

    „Das gibt uns mehr Flexibilität“, sagte Finanzchefin Orlopp. Durch die stärkeren Kapitalkennziffern verbessert sich auch die Verhandlungsposition der Commerzbank. Zwar hält das Institut grundsätzlich am Verkauf seiner polnischen Tochter fest – weil man damit Eigenkapital freisetzen und die hohen Bewertungen für die mBank realisieren wolle.

    Doch einen Verkauf um jeden Preis soll es nicht geben: „Die Bedingungen müssen stimmen und speziell der Preis, sonst wäre das dumm“, betonte Orlopp. Und auch Vorstandschef Zielke betonte: „Zunächst einmal bleibt es dabei: Wir möchten die mBank verkaufen. Aber – auch das ist klar – nicht zu jedem Preis.“

    Damit reagierten beide auf Befürchtungen, die Commerzbank werde für die mBank einen schlechten Preis erzielen, weil Finanzkreisen zufolge nur noch zwei Bieter im Rennen sind. 

    Auf der operativen Ebene zeigte sich Vorstandschef Zielke optimistisch für dieses Jahr: „Das Jahr 2020 ist gut angelaufen“, betonte er. Das ist auch nötig. Denn das abgeschlossene Geschäftsjahr hatte sich schwierig entwickelt.

    Die Konjunktureintrübung hinterließ im vergangenen Jahr deutliche Spuren in der Bilanz der Commerzbank. Der Gewinn brach um ein Viertel auf 644 Millionen Euro ein. Im vierten Quartal rutschte das Frankfurter Institut sogar in die roten Zahlen und schrieb einen Verlust von 54 Millionen Euro.

    Verantwortlich für den deutlichen Gewinnrückgang sind vor allem drei Faktoren. Erstens verbuchte die Bank Rückstellungen von 101 Millionen Euro für den anstehenden Abbau von 4300 Stellen. Dazu teilte sie am Donnerstag mit, vor allem auf Frühverrentung zu setzen. „Wir haben damit in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht und werden das auch dieses Mal nutzen, um den notwendigen Stellenabbau zügig und so sozialverträglich wie möglich umzusetzen“, sagte Zielke.

    Das Frühverrentungsprogramm gelte für Beschäftigte ab einem Alter von 56 Jahren, die die Bank nach zwei bis drei Jahren verlassen würden, sagte Finanzchefin Orlopp. Die Bank gehe davon aus, dass mehr als 1000 Mitarbeiter daran teilnehmen würden. 2019 ist die Zahl der Vollzeitkräfte der Bank auf unter 40.400 gesunken.

    Die Restrukturierungskosten waren nicht der einzige Belastungsfaktor für die Bank. Denn zweitens musste die Commerzbank 2019 mehr Steuern als im Vorjahr zahlen. Und drittens musste sie wegen der schwächelnden Konjunktur deutlich mehr Geld für ausfallgefährdete Kredite beiseitelegen. Die Risikovorsorge stieg um 39 Prozent auf 620 Millionen Euro.

    Die Commerzbank liegt damit im Trend. Bei der Deutschen Bank sind die Rückstellungen für faule Kredite im vergangenen Jahr um 38 Prozent auf 723 Millionen Euro gestiegen. Im laufenden Jahr erwartet Deutschlands größtes Geldhaus einen weiteren Anstieg. „Wir beobachten eine Normalisierung und keinen Einbruch des Kreditumfelds“, sagt Deutsche-Bank-Vorstand James von Moltke vor zwei Wochen.

    Auch für die Commerzbank sind die Entwicklungen kein Grund zur Sorge. Die Bank erklärte, die gestiegene Risikovorsorge 2019 sei auf einige Einzelfälle im Firmenkundengeschäft zurückzuführen. Im vierten Quartal seien diese vor allem im internationalen Geschäft aufgetreten. Im laufenden Jahr rechnet das Institut mit einem Anstieg der Risikovorsorge auf mehr als 650 Millionen Euro.

    Firmenkundengeschäft bricht ein

    Im operativen Geschäft hat die Bank die Zahl ihrer Kunden und das Kreditvolumen im vergangenen Jahr erneut gesteigert. Dadurch konnte sie die Belastungen durch das negative Zinsumfeld kompensieren. Die Erträge blieben konstant bei 8,6 Milliarden Euro.
    Die beiden größten Sparten der Bank entwickelten sich dabei jedoch sehr unterschiedlich. Das Privatkundengeschäft fuhr mehr Erträge ein und steigerte sein operatives Ergebnis um 15 Prozent auf 846 Millionen Euro. Die Firmenkundensparte verzeichnete dagegen rückläufige Erträge, der Betriebsgewinn brach um 45 Prozent auf 328 Millionen Euro ein.

    Im laufenden Jahr peilt die Bank konzernweit bereinigte Erträge „mindestens auf dem Niveau von 2019“ an. Die Kernkapitalquote, die im vergangenen Jahr um 0,5 Prozentpunkte auf 13,4 Prozent gestiegen ist, soll nicht unter 12,75 Prozent fallen.
    Die Commerzbank habe 2019 mit einem besseren operativen Ergebnis abgeschlossen als zwischenzeitlich erwartet und zusammen mit einer starken Kapitalquote eine gute Absprungbasis für 2020 geschaffen, sagte Vorstandschef Zielke. „Diesen Spielraum werden wir nutzen.“

    Mehr: Die EZB hält die Renditeziele des Instituts für wenig ambitioniert und fordert stärkere Kostensenkungen. Das sorgt vor dem 150. Geburtstag der Bank für schlechte Stimmung.

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