Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kantonalbank Schattenspiele in Zürich – Eine Seilbahn sorgt für Streit

Die Zürcher Kantonalbank will ihren Geburtstag mit einer Seilbahn feiern. Anwohner wollen den Bau mit einer „Besonnungsinitiative“ verhindern.
27.10.2019 - 16:00 Uhr Kommentieren
Anwohner wollen das Projekt stoppen. Quelle: Kantonalbank
Entwurf der „Züribahn“

Anwohner wollen das Projekt stoppen.

(Foto: Kantonalbank)

Zürich Noch scheint die Sonne am Zürichsee. Am Kieselstrand nimmt ein einsamer Schwimmer seinen Mut zusammen und setzt trotz der Oktoberkälte den ersten Fuß ins Wasser. Einige Meter entfernt steht Peter-Wolfgang von Matt, braune Lederjacke, die Sonnenbrille im Haar, und deutet auf das Panorama: links die Stadt, rechts die Alpen. „Sie sehen ja, wie schön das hier ist“, sagt von Matt. „Und trotzdem sollen hier riesige Pfeiler entstehen, direkt am See.“

Zwei Pfeiler, jeweils etwa 80 Meter hoch, will die Zürcher Kantonalbank in Ufernähe errichten lassen. Denn die Bank feiert im kommenden Jahr ihr 150-jähriges Bestehen und hat sich dazu etwas ganz Besonderes ausgedacht: eine Seilbahn quer über den Zürichsee. Das Versprechen: „So haben Sie Zürich noch nie gesehen.“

Doch manche Zürcher sehen die Sache skeptisch. Sie fürchten, dass das Projekt die Seesicht verschandelt. Peter-Wolfgang von Matt will die Züribahn mit demokratischen Mitteln verhindern.

Der parteilose Dolmetscher hat eine „Volksinitiative zum Schutz der Besonnung des öffentlichen Grünraums am Seeufer“ lanciert. Ein Gesetz soll Bauprojekte verbieten, die dort Schatten werfen könnten. „Wir sind einfach Stadtbewohner, die finden, dass wir den Grünraum am See schützen sollten“, sagt der Dolmetscher. Und das bedeutet: keine Seilbahn, keine Schatten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Züribahn-Zwist ist eine ziemlich schweizerische Angelegenheit: Auf der einen Seite eine Bank, die ihren Geburtstag ausgerechnet mit einer Seilbahn feiern will – einem Fortbewegungsmittel, zu dem manche Eidgenossen ein fast schon erotisches Verhältnis unterhalten. Auf der anderen ein einzelner Bürger, der im Alleingang eine Gesetzesänderung lanciert.

    Ein heimlicher Riese

    Ganz nebenbei wirft der Streit ein Schlaglicht auf eine heimliche Macht in der Schweizer Bankenwelt. Die Zürcher Kantonalbank ist mit einer Bilanzsumme von rund 170 Milliarden Franken (154 Milliarden Euro) nämlich die viertgrößte Bank des Landes, und dazu auch noch äußerst profitabel.

    2018 stand unterm Strich ein Gewinn von 788 Millionen Franken (715 Millionen Euro). Das öffentlich-rechtliche Institut verdiente also doppelt so viel wie die Deutsche Bank. Die geschätzten 50 Millionen Franken Baukosten für die Züribahn wirken da wie eidgenössische Peanuts.

    Angenehmer Nebeneffekt des Millionengewinns sind stetige Dividenden, die von dem Institut an Kanton und Gemeinden ausgeschüttet werden. Doch nicht nur deshalb schätzen die Züricher „ihre“ ZKB. Viele haben hier ein Konto oder einen laufenden Kredit.

    Doch seit die Kantonalbanker ihr großes Jubiläum vorbereiten, wird die Begeisterung der Züricher über ihre Hausbank auf die Probe gestellt – und das trotz einer „Jubiläumsdividende“ von 150 Millionen Franken (136 Mio. Euro).

    So nahmen die Städter verdutzt zur Kenntnis, dass die Tramhaltestelle „Börsenstraße“ in der Innenstadt plötzlich in „Kantonalbank“ umgetauft wurde – dabei dürfen Haltestellen in der Schweiz nicht nach Firmen benannt werden, das wäre schließlich Werbung. Eilig versicherten die zuständigen Stellen, dass die Haltestelle ja nicht „Zürcher Kantonalbank“ heißt, sondern nur „Kantonalbank“ ganz allgemein.

    Der neue Name stehe „für die Kantonalbank an sich, angesprochen ist das Kantonalbänkische in uns allen“, lästerte die „Neue Zürcher Zeitung“. Und freute sich, dass die ZKB trotz des Nicht-gemeint-Seins rund 5000 Franken für die Umbenennung bezahlt hat.

    Die weiteren Geburtstagspläne der Kantonalbanker dürften ungleich teurer werden. Das Institut verspricht eine interaktive Zeitreise durch die 150-jährige Geschichte, einen Erlebnisgarten – und natürlich die „Züribahn“. Mit ihr wolle man der Bevölkerung „ein unvergessliches Erlebnis schenken und eine neue Perspektive auf die Stadt und den Kanton Zürich ermöglichen“, sagt ein Sprecher des Instituts.

    Das allerdings nur befristet: Nach fünf Jahren sollen Gondeln, Seile, Stationen und Pfeiler wieder verschwinden, zurück bliebe nur ein Teil der Fundamente.

    Eine millionenschwere Seilbahn als Pop-up-Projekt: Trifft das noch den Zeitgeist? Nachhaltigkeit steht in der Schweiz nicht erst seit der Parlamentswahl vom vergangenen Wochenende hoch im Kurs, bei der die Schweizer Grünen das beste Wahlergebnis ihrer Geschichte eingefahren haben.

    Doch die Kritiker des Projekts stören sich nicht nur am ökologischen Fußabdruck. Die Bahn verschandele nicht allein die Seesicht, sondern gefährde auch noch die Privatsphäre der Badegäste. Die seien „den Teleobjektiven von Touristen ausgeliefert“, warnt die Interessengemeinschaft „Seebecken Seilbahnfrei“. Vor allem aber gebe es für die Bahn gar keinen echten Bedarf.

    Es handele sich um eine reine „Vergnügungsbahn“, kritisiert die Interessengemeinschaft der Seilbahngegner. Und Vergnügen haftet im protestantischen Zürich von jeher eine gewisse Skepsis an.

    Zu spät fürs Jubiläum

    Angesichts der Einsprüche ist der Zeitplan für das Projekt schon jetzt nicht mehr zu halten. So musste die ZKB einräumen, dass die Bahn für das Jubiläumsjahr 2020 in jedem Fall zu spät kommt.

    Doch geschlagen geben sich die Kantonalbanker deshalb noch lange nicht. „Wir haben von vielen Seiten sehr positives Echo bekommen“, sagt ein Sprecher. Man wolle die Bahn als „Impuls für Zürich aus unserem Jubiläumsjahr realisieren“. Die Bank verweist auf eine repräsentative Befragung, der zufolge die Mehrheit der Zürcher das Projekt unterstützt, selbst in den betroffenen Stadtteilen. Sobald die nötigen Bewilligungen vorliegen, soll der Bau beginnen.

    Doch auch Peter-Wolfgang von Matt will nicht aufgeben. Die benötigten 3000 Unterschriften für seine Volksinitiative hat er inzwischen beisammen. Wenn seine Initiative angenommen wird, können die Politiker der Stadt einen Gegenvorschlag formulieren. Danach könnten alle Züricher darüber abstimmen, wie wichtig ihnen Sonnenschein am Seeufer ist.

    Eines sei klar, sagt von Matt: „Wenn Sie die Zürcher fragen, was ihnen hier fehlt, würde keiner antworten: eine Seilbahn.“

    Mehr: Stockender Infrastrukturausbau – Große Bauvorhaben sollen künftig schneller umgesetzt werden. CDU und Kommunen wollen daher Klagemöglichkeiten von Umweltverbänden stark einschränken.

    Startseite
    0 Kommentare zu "Kantonalbank: Schattenspiele in Zürich – Eine Seilbahn sorgt für Streit"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%