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Kapitalmarkt Das Milliardengeschäft der Investmentbanker bricht ein

2018 jubelten die Investmentbanken noch über Rekorde bei Übernahmen und Börsengängen in Deutschland. In diesem Jahr macht sich Katerstimmung breit. 
20.12.2019 - 04:00 Uhr Kommentieren
Milliardengeschäft der Investmentbanker bricht ein Quelle: Reuters
Skyline Frankfurt

Schwaches Jahr für Berater und Investmentbanker.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Das zu Ende gehende Jahr war für die erfolgsverwöhnten Investmentbanker eine große Enttäuschung – zumindest was den deutschen Markt angeht. Daran kann auch der voraussichtlich letzte große Deal des Jahres rund um den Anzeigenportal-Betreiber Scout 24 nichts mehr ändern.

Mitte Dezember verkündete das Unternehmen seine Aufspaltung und verkauft nun seinen Gebrauchtwagen-Onlinemarktplatz Autoscout 24 für knapp 2,9 Milliarden Euro an den amerikanischen Finanzinvestor Hellman & Friedman.

Der aktivistische Investor Elliott unter der Führung des legendären Milliardärs Paul Singer war bei den Münchenern eingestiegen und hatte öffentlich eine Abspaltung des Autoportals und eine stärkere Fokussierung gefordert. Ein lukrativer Deal, auch für die Investmentbanker – aber er kann die magere Bilanz nur unwesentlich korrigieren.

Denn gerade in der Königsdisziplin des Investmentbankings, dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A), herrschte in den vergangenen zwölf Monaten Flaute in Deutschland. In Zeiten sinkender Zinseinnahmen werden Provisionsgeschäfte wie die Übernahmeberatung für die Finanzbranche immer wichtiger.

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    Aber gerade hier haperte es gewaltig. Nach den Berechnungen des Informationsdienstleisters Refinitiv brach das M&A-Geschäft mit deutscher Beteiligung um 38 Prozent auf 157,8 Milliarden Dollar ein.

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    Megadeals wie die Übernahme des US-Saatgutproduzenten Monsanto durch den deutschen Bayer-Konzern mit einem Volumen von mehr als 60 Milliarden Dollar suchten die Banker in diesem Jahr vergebens. „Es fehlen die großen Transaktionen“, konstatiert Tibor Kossa, Co-Chef M&A für den deutschen Markt bei Goldman Sachs. Die Ausnahme seien Akquisitionen deutscher Unternehmen in den USA, die deutlich zugenommen haben.

    Dazu zählt der Kauf des US-Chipherstellers Cypress durch den Münchener Konkurrenten Infineon, der in Dollar gerechnet in zweistelliger Milliardenhöhe ausfiel. Grenzüberschreitende Deals insgesamt haben sich allerdings deutlich abgekühlt, was für Kossa mit den Spannungen im internationalen Handel zusammenhängt.

    Aber auch in einem ansonsten schwachen Markt gab es Treiber für den Übernahmemarkt. Dazu zählt der Aufbau von Unternehmensplattformen.

    Vorbild dafür ist die EADS, die bereits im Juli 2000 als Konsolidierungsplattform aus dem internationalen Zusammenschluss von Aerospatiale Matra, Daimler-Chrysler Aerospace (Dasa) und Construcciones Aeronauticas (Casa) hervorgegangen ist. Nach der Fusion zählt die EADS nun weltweit zu den führenden Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsunternehmen, zu dem auch der Flugzeugbauer Airbus gehört.

    Aus dem Erfolgskonzept haben deutsche Unternehmen gelernt, es gilt heute wieder als topaktuell. Die Immobilienfirmen Ado Properties, Adler Real Estate und der Projektentwickler Consus planen beispielsweise eine Milliardenfusion im Wohnungsmarkt durch einen Aktientausch. Im ersten Schritt soll die Fusion von Ado und Adler bis Ende des ersten Quartals 2020 abgeschlossen werden.

    Ähnlich sieht es beim Essenslieferanten Delivery Hero aus, der den größten südkoreanischen Konkurrenten Woowa Brothers übernimmt. Die Hälfte des Kaufpreises wird über einen Aktientausch abgewickelt. Hinter solchen Deals sieht Ken Oliver Fritz, Leiter Investmentbanking von Lazard in Deutschland, ein einheitliches Muster: „Konsolidierungsplattformen sollten Synergien bieten und von den Produkten her so nahe wie möglich beieinanderliegen. Geografisch können sich die Unternehmen ergänzen.“

    Probleme für die Autozulieferer

    Plattformen gelten als Patentrezept, um Fusionen ohne große Bargeldsummen zu stemmen. Das trifft vor allem auch auf die Autozulieferer zu. Die Branche leidet darunter, dass im vergangenen Jahr durch die Umstellung auf den neuen Abgasprüfstandard WLTP und erste Absatzschwierigkeiten bei den Autoherstellern die Fahrzeughalden wuchsen und die Zulieferer erst später bezahlt wurden.

    Diese Zahlungseingänge, der Cashflow, fehlten für die Betriebsmittelfinanzierung, um Kredite zurückzuzahlen, und für Investitionen in die Elektromobilität, erläutert Fritz. Dann kühlte sich auch noch die Konjunktur ab, und die Autoproduktion fiel nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg in der Folge um fünf Prozent.

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    Die Flaute hat langfristige Folgen für die Unternehmen. Zulieferer wie Continental und Bosch sehen bis 2025 kein wesentliches Wachstum. Für Armin von Falkenhayn, Deutschlandchef der Bank of America, ist „die Automobilindustrie ein gutes Beispiel dafür, wie Technologiesprünge ganze Wertschöpfungsketten aufbrechen können“.

    Eine Möglichkeit, das Problem anzugehen, wären Übernahmen und Fusionen in der Branche. Käufer von außen sehen die Investmentbanker dagegen eher nicht, denn Private Equity hält sich mit der Übernahme von Zulieferern zurück.

    Zu hoch sind nach den Worten von Rainer Langel, Europachef der Bank Macquarie, oft noch die Preisvorstellungen der Eigentümer: „Sie wachen erst auf, wenn sie vor den Insolvenzrichter treten müssen, ist zu befürchten.“ Konsolidierungsplattformen bieten sich deshalb als Lösung für Autozulieferer an, die sich auf die Fertigung des Antriebsstrangs konzentrieren, zu dem auch die Motoren gehören.

    Continental hat für das kommende Jahr bereits die Abspaltung der Antriebssparte Vitesco angekündigt. Insgesamt gibt es laut dem Informationsanbieter Capital IQ in privater Hand 418 deutsche Autozulieferer. Weitere 13 sind börsennotiert.

    Knappe Liquidität

    Möglich wäre die Konsolidierung vor allem auf zwei Wegen: Bereits börsennotierte Zulieferer vollziehen für die Übernahme eine Kapitalerhöhung durch Sacheinlage und schonen so die Barmittelbestände. Eine Alternative seien Spin-offs von Zuliefereinheiten aus Konglomeraten, Autoherstellern und anderen Zulieferern, betont Fritz von Lazard: „In allen Fällen wird die bestehende Investorenbasis genutzt.“ Das spart Liquidität, die derzeit für die Branche am Kapitalmarkt nur schwer zu erhalten ist.

    Klassische Börsengänge von Autozulieferern scheinen Finanzexperten derzeit unrealistisch wegen mangelnder Nachfrage der Investoren, schwacher Margen oder drohender Kursabschläge, die solche Deals unattraktiv für die Eigentümer machen. Deswegen hat sich auch Continental zu einer Abspaltung durchgerungen, obwohl zunächst ein Börsengang von Vitesco geplant war.

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    Lazard-Banker Fritz glaubt, dass die Autozulieferer mittlerweile die Notwendigkeit der Konsolidierung erkannt haben. Das mache Transaktionen möglich, die vor Jahren noch nicht denkbar gewesen wären. Finanzexperten gehen von Deals in Milliardenhöhe aus. Neben Vitesco könnten Abspaltungen der Zuliefertöchter Schaeffler Auto, die Rheinmetall-Tochter KSPG oder Continental Reifen zu Konsolidierungsplattformen ausgebaut werden.

    Für denkbar halten Investmentbanker auch eine Konsolidierung auf bereits vorhandene Unternehmen wie Leoni, Knorr-Bremse oder Elring-Klinger. Als Katalysator wären Garantien und Bürgschaften von staatlicher Seite für die volkswirtschaftlich wichtige Branche Autoindustrie möglich. Autohersteller könnten zudem konsolidierten Konzernen mit Auftragsgarantien helfen, meint Fritz. Die Autokonzerne würden umgekehrt von einer zukunftsfähig aufgestellten Zulieferindustrie profitieren.

    Entsprechend groß ist das Interesse an Übernahmen in den Konzernen. 65 Prozent der vom Berater EY befragten heimischen Unternehmen planen, in den kommenden zwölf Monaten zuzukaufen. Das sei der höchste Wert seit 2010, betonen die Berater. Für Constantin Gall, Partner von EY, haben gerade Firmen mit großen Herausforderungen in Schlüsselindustrien wie dem Automobil-, Maschinen- oder Anlagenbau die richtige Vorwärtsstrategie: „Sie sind bereit, sich von Geschäftsfeldern zu trennen, die traditionell zum Kerngeschäft gezählt wurden.“ Andererseits hätten sie aber auch den Mut, hohe Summen für Investitionen in zukunftsträchtige Geschäftsmodelle bereitzustellen.

    Doch zunächst gilt es für die Berater und Investmentbanker, das schwache Jahr 2019 zu verkraften. Die Gebühren im Investmentbanking in Deutschland brachen um 20,8 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar ein, wie Refinitiv exklusiv für das Handelsblatt errechnete. Mit einem Gebührenanteil von 7,5 Prozent steht die Deutsche Bank an der Spitze, dicht gefolgt von JP Morgan. Die italienische Großbank Unicredit belegt Rang drei.

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    Bank-of-America-Banker von Falkenhayn hofft, dass die Provisionen in Deutschland im nächsten Jahr leicht steigen. Vieles wird dabei von M&A, aber auch vom Geschäft mit Aktienemissionen abhängen.

    Trotz des Rückgangs habe M&A nicht an strategischer Bedeutung verloren, sondern bleibe ein Motor des Wachstums für die Unternehmen, meint Dirk Albersmeier, Co-Europachef für M&A bei JP Morgan. Dazu tragen auch aktivistische Investoren wie Elliott bei, die von Geld überschwemmt werden. Geld, das die meist aus den USA stammenden Aktivisten gut in Deutschland einsetzen können, da es hier noch viele Unternehmen mit Restrukturierungspotenzial gibt. Zum Geschäftsmodell der Aktivisten gehören Abspaltungen und auch Verkäufe von Teilbereichen wie im Fall Scout 24, was das Übernahmegeschäft ankurbelt.

    Weitere Impulse für den M&A-Markt dürften von Private-Equity-Fonds kommen. Die Beteiligungsgesellschaften haben mittlerweile über 1,3 Billionen Dollar an nicht investiertem Kapital angehäuft, das sie anlegen wollen. Diese Finanzinvestoren kaufen Mittelständler und Konzernteile, restrukturieren sie und verkaufen sie nach drei bis sieben Jahren wieder oder bringen sie an die Börse.

    Für Macquarie-Mann Langel „ist und bleibt Private Equity ein Stabilisator im M&A-Geschäft und dürfte auch im kommenden Jahr wieder einen Anteil von 25 bis 30 Prozent am Gesamtvolumen erreichen“. Langel erwartet auch Transaktionen von über zehn Milliarden Euro.

    Beim zweiten Sorgenkind der Investmentbanker, den Aktienemissionen, brach das Geschäft im ablaufenden Jahr sogar um 59 Prozent ein. Das Problem sind die Börsengänge in Deutschland, sie fielen laut Refinitiv von 19 im Jahr 2018 auf nur noch sechs. Das Volumen drittelte sich auf 4,3 Milliarden Dollar. Joachim von der Goltz, Leiter des Aktienemissionsgeschäfts von Credit Suisse für Nordeuropa, blickt „verhalten optimistisch auf das kommende Jahr“.

    Eine Entwarnung gibt er allerdings nicht. Für den deutschen Markt für Börsengänge erwartet Credit Suisse angesichts der erwarteten Konjunkturabkühlung und der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten, dass sich die Zahl der Platzierungen kaum erhöhen dürfte. Je nach Marktumfeld hält von der Goltz „fünf, in einem potenziell besseren Marktumfeld auch bis zu zehn Börsengänge für möglich“.

    Mehr: Jedes Jahr werden Unternehmen an der Börse von Konkurrenten übernommen. Auch private Investoren können unterm Strich zumindest etwas Rendite daraus erhalten.

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