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Kohle Deutsche Banken scheitern an Klimazielen

Ein neuer Vergleich der Kohle-Richtlinien von 400 Finanzakteuren zeigt: Nur 16 werden den Pariser Klimazielen gerecht – darunter kein einziger deutscher.
09.09.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Deutschland soll bis spätestens 2038 aus der klimaschädlichen Stromgewinnung aus Braun- und Steinkohle aussteigen.
Kohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen

Deutschland soll bis spätestens 2038 aus der klimaschädlichen Stromgewinnung aus Braun- und Steinkohle aussteigen.

Frankfurt Für einige fühlte es sich wie ein Durchbruch an, als sich die UN-Klimakonferenz Ende 2015 im Kampf gegen die Klimaerwärmung endlich einigte: Die globale Erderwärmung sollte auf klar unter zwei Grad begrenzt werden – und dafür müsste ein Sektor besonders zurückgefahren werden: die Kohle-Industrie.

Seit dem Pariser Klimagipfel haben nicht nur Regierungen und internationale Organisationen Maßnahmen ergriffen: Auch viele Finanzinstitutionen haben mittlerweile Richtlinien zum Ausschluss von Kohle eingeführt. Doch da jede Institution selbst entscheidet, wie sie die Strategie gestaltet und offenlegt, ist es für Anleger und Öffentlichkeit oft nur schwer ersichtlich, wer solide plant und wie wirksam die Ansätze einzelner Banken, Versicherer und Vermögensverwalter mit Blick auf das Klima sind.

Die französische Nachhaltigkeits-NGO Reclaim Finance will nun Abhilfe schaffen: Seit diesem Dienstag können Verbraucher auf der eigens eingerichteten Website Banken, Versicherer, Rückversicherer und Vermögensverwalter aus 30 Ländern im Hinblick auf deren Strategien zur Minimierung von Kohle-Investments vergleichen.

Zugrunde liegen umfangreiche Untersuchungen von mehr als 400 einzelnen Institutionen weltweit, die die Experten von Reclaim Finance in Zusammenarbeit mit 27 weiteren NGOs im vergangenen Jahr ausgewertet haben. Dazu zählen 214 Finanzinstitutionen, die bereits eine Kohle-Richtlinie haben, sowie 216 ohne jegliche Kohle-Einschränkungen. Die Auswahl der getesteten Akteure ergibt sich aus den ersten 100 Plätzen globaler Rankings, für den Bankensektor beispielsweise durch die Ratingagentur Standard & Poor’s, für Vermögensverwalter das Ranking durch Willis Towers Watson.

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    Nur 16 Akteure werden den Pariser Klimazielen gerecht

    Das Ergebnis: Nur 16 der über 400 untersuchten Finanzakteure haben Richtlinien eingeführt, die darauf abzielen, ihre Kohlegeschäfte im Sinne der NGO umfassend und schnell herunterzufahren und so den Pariser Klimazielen gerecht zu werden. Laut Ansicht der NGO sind die meisten Richtlinien von Banken, Versicherungen und Investoren sogar so schwach, dass sie dem Kohlesektor nach wie vor zu Wachstum verhelfen.

    Die NGO vergleicht die Unternehmen im Coal Policy Tool anhand von fünf Kriterien: Erstens sollte der Finanzsektor laut Reclaim Finance jegliche Unterstützung für Kohleprojekte wie etwa einzelne Kraftwerke beenden. Zweitens sollten Unternehmen ausgeschlossen werden, die aktuell noch neue Kohleprojekte entwickeln, genauso wie – drittens – Unternehmen mit einer starken Exposition zu Kohle, etwa in der Lieferkette. Viertens sollten die größten Kohleunternehmen selbst ausgeschlossen werden. Und fünftens fordern die Umweltschützer überzeugende Ausstiegsstrategien sowie eine Unterstützung der Schließung bestehender Kohlevorkommen.

    Die besten Anti-Kohle-Richtlinien sind bei Finanzinstitutionen innerhalb der EU zu finden, besonders Akteure aus Frankreich schneiden gut ab. Die überzeugendsten Kohlestrategien können AXA, Crédit Agricole und Amundi, Crédit Mutuel und UniCredit vorweisen.

    Den Grund erläutert Lucie Pinson, Gründerin des NGO Reclaim Finance und Entwicklerin des Coal Policy Tools: In Frankreich haben viele Banken erst kürzlich Strategien entwickelt, um den Kohlesektor geschlossen zu verlassen. Das wirke sich positiv auf das Ranking aus. Weltweit schneidet der Bankensektor allerdings noch immer schlechter ab als andere Finanzakteure, zum Beispiel aus der Versicherungsbranche.

    Am schlechtesten schneiden im Ranking US-Institutionen ab: So gehören die US-Vermögensverwalter zu den Klima-Schlusslichtern, von denen einzig der Vermögensverwalter Blackrock eine Kohlestrategie vorweisen kann. Die im Januar angekündigte Nachhaltigkeitsoffensive des weltgrößten Fondsverwalters hatte jedoch kaum Auswirkungen auf das tatsächliche Kohlegeschäft, wie das Coal Policy Tool nun zeigt.

    Unter den 16 Top-Klima-Institutionen finden sich keine deutschen Banken oder Versicherer. Reclaim-Finance-Gründerin Lucie Pinson habe jede einzelne untersuchte Institution kontaktiert, um Daten abzugleichen, offene Fragen zu klären und sie mit den Ergebnissen zu konfrontieren.

    Kritik an Deutscher Bank und Munich Re

    Mit Blick auf Deutschland hält sie besonders Munich Re und die Deutsche Bank für problematisch. Beide Institutionen schlössen lediglich Kohleprojekte wie zum Beispiel die Finanzierung einzelner Kraftwerke aus. Das sei mittlerweile allerdings der Standard, sagt Pinson: „Heutzutage ist keine Bank mehr so verrückt zu sagen: Ich schreibe meinen Namen auf dieses Kohlekraftwerk.“

    Moritz Schröder-Therre von der deutschen Partnerorganisation Urgewald pflichtet Pinson bei. Er erklärt, dass gerade die Deutsche Bank zu den größten Finanzierern von Kohlekraftwerken gehöre. Außerdem seien kaum glaubhafte Bemühungen zu erkennen, das zu ändern: „Die Deutsche Bank hat ihre Kohlestrategie sehr spät verkündet – erst dieses Jahr.“

    Besser schneiden dafür die Allianz ab, gefolgt von DZ-Bank und Talanx, die beim Phase-out, also den Ausstiegsplänen, eine gute Figur machen und überzeugende Pläne vorweisen können. Zwar seien die Strategien nicht perfekt, doch ein klarer Wille zu langfristiger Veränderung sei erkennbar, so Pinson. Nachhaltigkeitsbanken wie Triodos oder die GLS wurden im Ranking aufgrund ihrer Größe nicht berücksichtigt.

    Pinson schätzt zudem, dass viele Institutionen zwar den Willen zur Veränderung hätten, doch die Kenntnisse zu Umsetzung fehlten: „Viele Akteure in der Finanzwelt denken vielleicht, sie investieren gar nicht mehr in Kohle. Dabei unterstützen sie Kohle nach wie vor.“ So wirke sich zum Beispiel die Abhängigkeit von Kohle in den Lieferketten einzelner Unternehmen stark auf die CO2-Bilanz aus.

    Mehr: Banken verpflichten sich zu mehr Klimaschutz bei Krediten und Anlagen

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    1 Kommentar zu "Kohle: Deutsche Banken scheitern an Klimazielen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wenn es heißt, "Nur 16 der über 400 untersuchten Finanzakteure haben Richtlinien eingeführt, die darauf abzielen, ihre Kohlegeschäfte im Sinne der NGO umfassend und schnell herunterzufahren", so muß deutlich gesagt werden, nicht die NGO entscheidet wo jemand anlegt sondern der anleger und hier ist die Rendite entscheidend.

      Niemand hat das Recht sich in fremde Finanz-Anlagestrategien einzumischen. Jeder Anleger trägt das Risiko für Gewinn/Verlust, Diese dubiose NGO will nach sozialistischem Muster hier über das Geld der Anleger, über den Umweg der Gängelung der Finanzinstitute, verfügen.
      Jeder selber hat das Recht die Anlageentscheidung, hier auch Finanzinstitute, zu treffen die er für die Beste hält und sonst niemand.
      Oberstes Ziel ist nicht die Geldvernichtung sondern die Rendite.
      Solche Forderungen kommen nur von staatlich subventionierten NGO’s oder Geschwätz Wissenschaftlern von denn wir eindeutig zu viele haben.
      Diese NGO’s wollen wie im Sozialismus üblich unser komplettes Leben von der Wiege bis zur Bahre bestimmen. Was wir Essen, Anziehen, Fortbewegungsmittel, Wohnen, Heizen, Geldanlage, Bildung, Gesundheit, Urlaub, Reisen usw..
      Der nächste Schritt dieser NGO’s ist dann ein social scoring a la China, natürlich wie in China nur zum Wohl der Regierung ist, aber nie für die Menschen. Ohne Scoringpunkte keine Teilnahme am normalen Leben, keine Reisefreiheit keine Finanzmittel, alles eingefroren.
      Wehren wir uns gegen diese diktatorischen NGO’s und sich das „Recht“ heraus nehmen die Menschen bis hin zu Regierungen zu bedrohen.
      Der Souverän ist der Bürger und sonst niemand.

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