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Kommentar Wie die Banken sich schön rechnen

Die Kernkapitalquoten der Banken sind niedriger, als sie aussehen. Müssten die Institute Bilanzen wie in jeder anderen Branche vorzeigen, bekämen viele keinen Kredit mehr.
23.11.2011 - 20:55 Uhr 16 Kommentare
Ein Schild mit den Aufschriften

Ein Schild mit den Aufschriften "Bankfurt" und "demokratischer Sektor" bei einer Kundgebung der Partei "Die Linke" vor der Alten Oper in Frankfurt.

(Foto: dapd)

Düsseldorf Wenn ich in eine Bank gehe und nach einem Kredit frage, will die Bank Sicherheiten sehen. Wenn ich dann mit einer Eigenkapitalquote von 2,6 Prozent daher komme, muss das Geschäft schon ziemlich gut sein, damit die Bank mich mit meinem Kreditwunsch nicht freundlich hinauskomplimentiert.

Die Deutsche Bank hat laut Geschäftsbericht für das vergangene Jahr eine Eigenkapitalquote von 2,6 Prozent. Die Commerzbank kommt auf 3,8 Prozent aus. Kleine Institute sind oft besser ausgestattet: Bei der Volksbank Düsseldorf Neuss etwa sind es rund fünf Prozent, bei der Kreissparkasse Köln noch etwas mehr.

Frank Wiebe
Der Autor

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

Angesichts solch niedriger Prozentzahlen ist es schon merkwürdig, wenn die Banken glauben, sie sind für alle Krisen, auch für einen Bruch der Euro-Zone, ausreichend gerüstet. Die Banken selber rechnen in der Regel freilich mit anderen Kennziffern, die deutlich besser aussehen. Sie berechnen ihre Quote mit "Tier 1", auf Deutsch ist das das Kernkapital. Und dann gibt es noch "Core Tier 1", das müsste man eigentlich mit Kernkernkapital übersetzen, weil es etwas enger definiert ist. Bei diesen Kennziffern werden einige Teile des Vermögens nur zu Bruchteilen oder gar nicht eingerechnet, weil sie als wenig risikoreich oder risikolos gelten. Als risikolos gelten zum Beispiel Staatsanleihen - eine mutige Einschätzung, wie wir immer deutlicher sehen! Diese Kennziffern sind es auch, mit denen Finanzaufseher und die Experten des Baseler Financial Stability Boards rechnen, die neue Normen für die Kapitalausstattung von Banken erarbeiten.

Diese Ziffern sind aber nicht Bestandteil der offiziellen Bilanz, unter die die Wirtschaftsprüfer ihre Unterschrift setzen. Und hier liegt das Problem: Die Zahlen, die in der Praxis zählen, und die offiziellen Jahresabschlüsse haben immer weniger miteinander zu tun. Das Phänomen gibt es nicht nur bei Banken, sondern auch in anderen Branchen, wo Konzerne mit Gewinnen wie Ebit,Ebita oder Ebitda jonglieren - ohne Verankerung in der offiziell veröffentlichten Gewinn- und Verlustrechnung und immer auf der Suche nach einer Chance, möglichst gut auszusehen. Aber bei den Bankbilanzen geht es nicht nur um Gewinne und Aktionäre. Hier steht die Stabilität des gesamten Finanzsystems auf dem Spiel - und damit auch der "realen" Wirtschaft, die ganz ohne Banken ja auch ganz real auf dem Schlauch steht.

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    Daraus folgt für die Europäische Bankenaufsicht, die sich dieser sache gerade mal wieder annimmt, zweierlei. Erstens: Die Banken sollten ihr Kapital ruhig noch deutlicher aufstocken, auch wenn das die Rendite schmälert. Dabei wäre es schon ein Fortschritt, wenn die großen Institute wenigstens auf die Quoten ihrer kleinen Konkurrenten kämen. Und zweitens: Es wäre schon hilfreich, das Kennzahlengewirr zu lichten, das nach außen kommuniziert wird. Schließlich wollen in Krisenzeiten nicht nur Aktionäre, sondern auch Politiker und Steuerzahler verstehen, wie es ihren Banken geht.

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    16 Kommentare zu "Kommentar: Wie die Banken sich schön rechnen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Rechnungslegung deutscher Banken entspricht den International Financial Reporting Standards (IFRS), d. h. hier werden alle Verbindlichkeiten in der Bilanz berücksichtig, während zum Beispiel britische und amerikanische Geldhäuser GAAP verwenden, wo nur Nettowerte gerechnet werden. Bei jener Saldierung werden Forderungen und Verbindlichkeiten voneinander abgezogen, sofern sie gegenüber derselben Gegenpartei bestehen und die Verrechnung rechtlich durchsetzbar ist.
      Gerade bei Investmentbanken mit Derivatehandel können diese Unterschiede sehr beträchtlich sein. Würden bei die Deutsche Bank lediglich die Nettowerte verwendet (nach U.S. GAAP), läge die Eigenkapitalquote für 2010 nicht bei 2,6% sondern bei 4,4%.
      Eine gewisse Unkenntnis in Sachen Bilanzierungsmethoden bei der FMS Wertmanagement, der Bad Bank der HRE, hatte kürzlich dem Bund ein "Plus" von 55,5 Mrd. € beschert.

      Zu: "Bei diesen Kennziffern ["Tier 1", "Core Tier 1"] werden einige Teile des Vermögens nur zu Bruchteilen oder gar nicht eingerechnet, weil sie als wenig risikoreich oder risikolos gelten. Als risikolos gelten zum Beispiel Staatsanleihen - eine mutige Einschätzung, wie wir immer deutlicher sehen!"

      Weil sich dies (politisch offenbar gewollt) in diesen Tagen ändert, trennen sich europäische Banken derzeit en masse von eben diesen Staatsanleihen. Vielleicht sollte einmal jemand darüber nachdenken, wer stattdessen diese Papiere erwerben soll.
      Die jüngsten Kursverluste und fehlgeschlagenen Auktionen bei europäischen Staatsanleihen sind einer Folge jener Maßgaben der Politik und kein Versagen des Marktes oder das Werk ominöser Spekulanten.

      Zu: "Die Banken sollten ihr Kapital ruhig noch deutlicher aufstocken".

      Statt neues Kapital aufzunehmen würden die Banken wohl weiter ihre Bilanzen kürzen.

    • Wenn das Eigenkapital 0 ist, ist die Eigenkapitalrendite unendlich. Aber im ernst : Die angestrebte Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank von 25 % ist unter diesem Gesichtspunkt nicht so schwer zu erreichen. Gleichzeitig wird der Gewinnanspruch der Aktionäre an das Unternehmen minimiert und die Möglichkeit der Bonuszahlungen maximiert.
      Es müßte eine Eigenkapitalgröße in % der Bilanzsumme gesetzlich vorgeschrieben werden, da es niemand voraussagen kann, wie sich die Risiken der einzelnen Bilanzpositionen entwickeln werden, wie die heute als riskant anzusehenden Staatsanleihen der südeuropäischen Staaten (und in Zukunft der nordeuropäischen Staaten ?) zeigen.

    • Nachtrag zu Obigem aus USA:

      Goldman Sachs Group Inc. (NYSE: GS) Chief Executive Officer Lloyd Blankfein was really on a roll speaking at an investment conference in New York last week.
      Among other things, he said there’s no way we can conclude that a slowdown in banking and trading businesses is “secular, rather than cyclical.”

      There’s a reason why Goldman Sachs is derisively referred to as “Government Sachs.” The flow of executives and operatives between Goldman and Washington, and even other world governments and central banks for that matter, is legendary.

      weiter unter

      http://www.yolohub.com/featured/the-goldman-rule-dont-let-this-puppet-master-pull-your-strings

    • So sehr für die vorige Finanzkrise die unsäglichen Produkte der Banken verantwortlich waren, die Staaten diese abwenden konnten, sind nun die Banken in eine nicht selbstverschuldete Misere geraten, denn Staatsanleihen waren zuvor eine solide Anlage, was man ihnen nicht vorwerfen kann.

      Nun aber sind die Retter, also die Staaten selbst in den Fokus und Not geraten und die Banken gleichsam automatisch hinterher. Die Verschuldungskrise war zwar immanent sichtbar, stand aber nicht auf der Agenda, bis sie plötzlich das allumgreifende Thema wurde.

      Das Ganze nimmt inzwischen durch ungebremste Spekulation aber auch Vertrauensverlust gegenüber der Gesamtlage chaotische Züge an.Eigentlich weiß niemand, wie man das ganze Dilemma in den Griff bekommen kann und die Ungewißheit und Furcht ist riesengroß.

      Wenn nun schon deutsche Staatsanleihen boykottiert werden, 30% der Anleihen wurden gestern nicht abgesetzt, dann brennt es.

      Es stellt sich die Frage: ist diese nicht absehbare chaotische Entwicklung berechtigt, oder sind da Steuerungen übergeordneter Interessen im Spiel, Ziele angesteuert werden sollen, die uns noch wenig bekannt, man vielleicht aber ahnen könnte? Zerschlagungen in einem Wirtschaftskrieg o.ä? Denn ständige Schuldzuweisungen zwischen USA und Euopa finden statt und die ganze Welt ist in Sorge, weiß nicht, wohin das noch führen mag.

      Manche sprechen sogar in USA nicht mehr von Goldman-Sachs sondern von "Government-Sachs".

      Unlängst gab GS die Prognose: EURO/$ gehe gen 1.40, subito ging es abwärts. Es ist inzwischen bekannt, daß GS Prognosen herausgibt, gegen die sie selbst wetten...

      Fragen über Fragen....




    • Das CDUPDSGRÜNSPDCSUFDP Parteienkonstrukt namens Bundesrepublik Deutschland ist auch bald pleite. Wer das nicht glaubt, wird es bald lernen.

    • So funktioniert das Bilderberg System: Immer Zinzahlungen kassieren auf die Obligationen... mit maximalem Riskio. Wenn es schief geht muss der Steuerzahler dafür einspringen... manchmal muss auch der Aktionär bluten, aber fast nie der Eigentümer von Obligationen. Warum? ...weil jede Pensionskasse, Lebensversicherung etc dieselben Papiere hält und für diesen Schaden wirklich niemand verantwortlich sein will.... eine sichere Sache!

    • Vor ein paar Tagen habe ich auf Handelsblatt oder boerse.ard gelesen, daß Banken mehr und mehr Geld and die EZB zurück verleihen, was sie von dort geliehen haben, was gemein hin als Warnsignal verstanden wird.
      Ich bin wirklich kein Finanzexperte aber ich merke schon, wenn es augenscheinlich korrupt ist.
      Ich zahle Steuern (Mwst, Mineralölsteuer, ESt, ...)
      an den Staat, der leiht es für <1% (oder wo sind wir jetzt?) an "meine" Hausbank. Die hat keine Lust mehr
      an mich bettelarmen Kunden Geld zu leihen, wozu auch
      der Staat muss sich ja Geld leihen(klärt mich auf !
      wieviel Prozent bekommt sie vom Staat ??)
      hat ja keines mehr.. also zahl ich noch mal Steuern
      für die Zinsen auf meine Steuern.
      >>> Tolle Gelddruckmaschine. <<<<
      So ein Geschäftsmodell funktioniert doch nur bei
      haarsträubender Korruption !
      Ok, ihr seid halt alle schlauer und mächtiger als ich,
      ihr sitzt am Hebel, ich nicht.
      Aber was glaubt ihr, wie lange ich euch den Spaß finanzieren kann ? (von wollen will ich gar nicht erst reden)
      Ich fang schon mal an, mein Konto zu räumen und empfehle
      es auch anderen. Hoffentlich knallt's bald..

    • @Gesetzesbrecher: Unqualifizierter Kommentar. Keine Ahnung von Bilanzanalyse aber mit starken Worten punkten wollen.

    • Dass man das anspricht ist erfreulich und notwendig. Wissen tut man das schon lange. Gerade Herr Ackermann hat sich bis heute mit Erfolg dagegen gewehrt zu einer transparenteren Bilanzierung zurückzukehren. Tatsache ist, dass die Bilanzierungen der Banken abenteuerlich und grob irreführend sind.

    • Banken werden nun an Ihren eigenen Sprüchen gemessen nämlich:

      SCHLECHTE BILANZEN SIND IMMER SCHLECHTER , GUTE IMMER BESSER !!!

      DEMNACH BETREIBEN BANKEN KONKURSVERSCHLEPPUNG, WAS FÜR JEDES UNTERNEHMEN STRAFBAR IST, VON DER STAATSANWALTSCHAFT VERFOLGT UND VOM GERICHT ABGEURTEILT WIRD !!

      VOR DEM GESETZ SIND ALLE GLEICH... SELTEN SO GELACHT!!!

      Bananenstaat Deutschland!!!

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