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Konzernumbau Kostspielige Kurskorrektur: Commerzbank stoppt Großprojekt mit HSBC

Das Institut sagt die Auslagerung der Wertpapierabwicklung ab – und schreibt deshalb 200 Millionen Euro ab. Die Zukunft von IT-Vorstand Hessenmüller ist ungewiss.
22.07.2021 - 17:38 Uhr Kommentieren
Das diesjährige Kostenziel der Bank von 6,5 Milliarden Euro hat trotz der Abschreibung Bestand. Quelle: dpa
Commerzbank

Das diesjährige Kostenziel der Bank von 6,5 Milliarden Euro hat trotz der Abschreibung Bestand.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Commerzbank muss bei ihrem Konzernumbau einen großen Rückschlag hinnehmen. Nach zahlreichen Pannen und Verzögerungen bei der Auslagerung der Wertpapierabwicklung an HSBC hat der Vorstand beschlossen, das IT-Großprojekt mit sofortiger Wirkung zu beenden.

Für das zweite Quartal rechnet die Commerzbank deshalb nun mit einer Sonderabschreibung von rund 200 Millionen Euro, wie das Institut am Donnerstag mitteilte. Hinzu kommen Rückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe.

Seit dem Start des Auslagerungsprojekts 2017 hätten sich das Marktumfeld und die technologischen Möglichkeiten erheblich verändert, erklärte Deutschlands zweitgrößte Privatbank. Nach sorgfältiger Abwägung habe man sich nun entschieden, die Auslagerung „wegen der hohen Umsetzungsrisiken zu stoppen“, sagte IT-Vorstand Jörg Hessenmüller. „Das deutlich gewachsene Handelsvolumen und die technologische Weiterentwicklung ermöglichen uns, die Wertpapierabwicklung profitabel fortzuführen.“

Das Handelsblatt hatte vergangene Woche berichtet, dass das Großprojekt wegen massiver Probleme auf der Kippe steht. Hessenmüller steht deshalb intern unter Druck. Besonders sauer sind Teile des Commerzbank-Aufsichtsrats darüber, dass der Manager das Ausmaß des Desasters erst kurz nach seiner Vertragsverlängerung Mitte Juni offenbart hat.

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    Ob Hessenmüller weiter an Bord bleibt, dürfte davon abhängen, wann er selbst vom Ausmaß der Probleme erfahren hat und welche Verantwortung er für das Scheitern des Projekts trägt. Gestartet und lange Zeit betreut wurde es noch von seinem Vorgänger Frank Annuscheit.

    Weitere Anpassungen möglich

    Vorstandschef Manfred Knof zeigt mit dem Abbruch des Projekts „Sirius“, dass er bei seinen Aufräumarbeiten alles infrage stellt und dabei auch vor kostspieligen Kurskorrekturen nicht zurückschreckt. Finanzkreisen zufolge hat der seit Jahresanfang amtierende Vorstandschef eine externe Firma damit beauftragt, alle IT-Projekte und organisatorischen Abläufe in der Commerzbank unter die Lupe zu nehmen. Möglicherweise könnte es in den kommenden Wochen also noch zu weiteren Anpassungen kommen.

    Der IT-Vorstand hat das ganze Ausmaß des Desasters bei der Auslagerung der Wertpapierabwicklung Finanzkreisen zufolge erst kurz nach seiner Vertragsverlängerung Mitte Juni offenbart. Quelle: Commerzbank AG
    Jörg Hessenmüller

    Der IT-Vorstand hat das ganze Ausmaß des Desasters bei der Auslagerung der Wertpapierabwicklung Finanzkreisen zufolge erst kurz nach seiner Vertragsverlängerung Mitte Juni offenbart.

    Knof hat Anfang des Jahres eine neue Strategie auf den Weg gebracht. Das Institut will bis 2024 weltweit 10.000 Vollzeitstellen streichen und in der Bundesrepublik 340 Filialen dichtmachen. Die Auslagerung der Wertpapiergeschäfte war noch unter Knofs Vorgänger Martin Zielke beschlossen worden.

    Dabei geht es unter anderem darum, Transaktionen und Dividenden in den Depots der Kunden zu verbuchen. Zielke suchte dabei den Schulterschluss mit der HSBC-Tochter HTNG, die auf ihrer Plattform auch Wertpapiergeschäfte für den S-Broker der Sparkassen, die Consorsbank , Onvista und Trade Republic abwickelt.

    Prestigeprojekt für HSBC

    Umgesetzt werden sollte die Auslagerung ursprünglich bis Anfang 2020, doch der Starttermin verzögerte sich mehrfach – unter anderem, weil die Commerzbank zunächst ihre Onlinetochter Comdirect integrieren wollte. Nun soll der zuletzt für Mitte 2021 geplante Übertrag der Positionen auf die Systeme von HSBC gar nicht mehr stattfinden. „Bereits übertragene Stammdaten und Steuerabrechnungen zum Wertpapiergeschäft sollen bis Anfang 2022 auf die Commerzbank zurückübertragen werden“, erklärte das Frankfurter Institut. „Das Kundengeschäft wird hiervon nicht beeinträchtigt.“

    Am operativen Kostenziel von 6,5 Milliarden Euro für 2021 hält die Commerzbank fest. Zusätzlich fällt nun jedoch noch der Aufwand für die Sonderabschreibung an.

    Für die Deutschlandtochter von HSBC ist das Platzen des Prestigeprojekts mit der Commerzbank bitter. Das Düsseldorfer Institut hatte gehofft, dadurch die jährlichen Erträge von zuletzt knapp einer Milliarde Euro pro Jahr um bis zu sieben Prozent steigern zu können. Die Ende April abgetretene HSBC-Deutschlandchefin Carola von Schmettow hatte wiederholt die Bedeutung des Projekts betont, das der Bank in den kommenden Jahren stetig fließende, stabile Einnahmen bescheren sollte. HSBC hat zahlreiche Experten eingestellt und hohe Ausgaben getätigt, um ihre Transaktionsplattform zu stärken.

    Mehr: Commerzbank-IT-Vorstand droht nach Pannen bei Großprojekt das Aus.

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