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Kooperation beschlossen Deutsche Bank wird Sponsor von Eintracht Frankfurt

Die „Commerzbank-Arena“ soll künftig „Deutsche Bank Park“ heißen. Außerdem wollen der Fußballclub und die Bank neue Geschäftsmodelle entwickeln. Das gefällt nicht jedem.
01.04.2020 Update: 01.04.2020 - 13:40 Uhr Kommentieren
Ab der neuen Saison soll die Spielstätte der Eintracht nicht „Commerzbank-Arena“ heißen, sondern „Deutsche Bank Park“. Quelle: Reuters
Commerzbank-Arena

Ab der neuen Saison soll die Spielstätte der Eintracht nicht „Commerzbank-Arena“ heißen, sondern „Deutsche Bank Park“.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Der Rasen der Spielstätte der Frankfurter Eintracht ist schon lange heilig – spätestens seit der Regenschlacht von 1974, in der sich die deutsche Nationalmannschaft gegen Polen mit 1:0 im Waldstadion ins WM-Endspiel kämpfte. Seit dem 2. November 2019 ist der Rasen noch ein kleines bisschen heiliger, denn damals fertigten die Frankfurter die hoch favorisierten Münchner Bayern in der Bundesliga mit fünf zu eins ab.

Dem bekennenden Bayern-Fan Christian Sewing dürfte das gar nicht gefallen haben, aber der Deutsche Bank-Chef scheint nicht nachtragend zu sein, denn ab der neuen Saison wird die Eintracht nicht mehr in der „Commerzbank-Arena“ spielen, sondern im „Deutsche Bank Park“. Die größte heimische Privatbank löst den kleineren Frankfurter Konkurrenten nach 15 Jahren als Sponsor des Bundesligaclubs ab.

Man hätte die Eintracht gerne weiter unterstützt und habe dem Club ein „faires und attraktives Angebot“ für eine Verlängerung des im Juni auslaufenden Vertrags unterbreitet, heißt es bei der Commerzbank. Das Angebot der Deutschen Bank war aber offenbar noch attraktiver. Über die Konditionen der auf mindestens sieben Jahre angelegten Kooperation haben das Geldhaus und der Bundesligist Stillschweigen vereinbart. In Finanzkreisen heißt es allerdings, dass sich die Bank die Partnerschaft pro Jahr rund fünf Millionen Euro kosten lässt.

Umstrittener Deal

Das Lokalderby der beiden Geldhäuser mag die Deutsche Bank gewonnen haben, aber die Entscheidung, ausgerechnet in Zeiten der Coronakrise ins Fußballsponsoring einzusteigen, ist innerhalb und außerhalb der Bank ungefähr so umstritten wie ein Handelfmeter, den der Videoschiedsrichter in der fünften Minute der Nachspielzeit verhängt.

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    „In dieser extrem angespannten Situation Millionen für die Namensrechte eines Fußballstadions auszugeben, ist den Mitarbeitern kaum vermittelbar“, meint ein Deutsch-Banker. Das Geldhaus steckt mitten in einer schmerzhaften Sanierung, der Abbau von rund 17.000 Stellen ist beschlossene Sache, auch wenn die Bank Trennungsgespräche mit betroffenen Mitarbeitern erst einmal wegen der Pandemie ausgesetzt hat.

    Im vergangenen Jahr musste das Institut wegen der Umbauarbeiten einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro verbuchen. Für 2020 hatte Sewing eigentlich operativ eine schwarze Null versprochen. Die Analysten fürchten jetzt aber wegen der Coronakrise ein Minus von rund 1,2 Milliarden Euro vor Steuern.

    Der Vertrag mit der Eintracht ist nicht der erste Ausflug der Deutschen Bank ins Fußballgeschäft. Bis Ende dieser Saison sponsort die Privatkundentochter Postbank den Bundesligisten Mönchengladbach. Der im Juni auslaufende Vertrag wurde nach Informationen aus Finanzkreisen aus Kostengründen nach elf Jahren nicht verlängert.

    Vor allem dem neuen Privatkundenchef Manfred Knof soll die Partnerschaft, für die nach Handelsblatt-Informationen jährlich ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag fällig wurde, zu teuer gewesen zu sein. „Angesichts der Situation, in der die Bank steckt, ist das verständlich. Unverständlich ist allerdings, warum man dann jetzt so viel Geld für die Eintracht übrig hat“, klagt ein Deutsch-Banker.

    Der Frankfurter Bankenprofessor Volker Brühl bezweifelt, dass Fußball überhaupt die richtige Sportart für die Deutsche Bank ist: „Fußball ist ein Volkssport, die Deutsche Bank aber keine Volksbank“, twitterte der Experte.

    Tatsächlich streiten sich die Experten seit Jahrzehnten, ob Bundesligasponsoring tatsächlich das Image eines Unternehmens außerhalb der Sportartikelbranche nachhaltig verbessern kann. Fußball polarisiert und wer einen Club unterstützt, verärgert im Zweifel die Fans von 17 anderen Vereinen. Außerdem drohen Misserfolge der Mannschaft auf den Sponsor abzufärben. Seit ihrem Pokalsieg gegen die Bayern 2018 schwimmt die Eintracht zwar auf einer Sympathiewelle, allerdings ist der Verein in den vergangenen 25 Jahren vier Mal in die zweite Liga abgestiegen.

    Mehr als Sponsoring

    Die Deutsche Bank rechtfertigt den Fußballdeal vor allem mit dem Argument, dass es sich um eine langfristige Partnerschaft handle, die deutlich über reines Sponsoring hinausgehe und neue Geschäftsmöglichkeiten eröffne. Finanzkreisen zufolge geht es dabei vor allem um die Entwicklung digitaler Prozesse und Produkte rund um das Eintracht-Stadion. Über konkrete Projekte wollen die Bank und die Eintracht nach dem Abflauen der Coronakrise informieren. Bereits im vergangenen Jahr erhielt das Geldhaus von dem Club den Zuschlag für ein Bezahlsystem, das ab der Saison 2020/21 gültig sein soll.

    Die Deutsche Bank ist nicht die einzige, die versucht, mit neuen digitalen Geschäftsmodellen rund um die Eintracht Geld zu verdienen. So hat der legendäre Extrainer Dragoslav Stepanovic im Internet seinen ganz persönlichen Fanshop eröffnet, über den er Kissen, Kaffeetassen und Rucksäcke mit seinem Konterfei samt qualmendem Zigarillo verkauft.

    Aufgedruckt auf Boxershorts finden sich im Sortiment auch jene drei Worte, mit denen sich Stepanovic einst in den Olymp der Fußballpoeten katapultierte: „Lebbe geht weider“. So lakonisch fiel sein Kommentar aus, als die Eintracht 1992 in letzter Sekunde die Meisterschaft vergeigte. Seither gilt der Fußballlehrer als Musterbeispiel stoischer Gelassenheit im Moment des Scheiterns. Eine Eigenschaft, die auch der ein oder andere Deutsche-Bank-Chef in der jüngeren Vergangenheit gut gebrauchen konnte.

    Mehr: Die Eba fordert Banken zu Sparsamkeit bei Boni und Dividenden auf.

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