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Kreditausfälle in der Coronakrise NordLB-Firmenkundenvorstand Günter Tallner: „Die Einschläge werden kommen“

Die NordLB fürchtet im Zuge der Corona-Pandemie einen deutlichen Anstieg fauler Kredite. Dabei kommt das Institut selbst aus einer schweren Krise.
10.08.2020 - 13:00 Uhr Kommentieren
„Wir werden bei einigen Firmenkunden im dritten und vierten Quartal und auch noch 2021 Schwierigkeiten sehen. “
NordLB-Firmenkundenvorstand Günter Tallner

„Wir werden bei einigen Firmenkunden im dritten und vierten Quartal und auch noch 2021 Schwierigkeiten sehen. “

Berlin Aus seiner Gemütslage macht Günter Tallner keinen Hehl. „Die Grundanspannung eines Firmenkundenvorstands ist in diesen Tagen durchaus vorhanden“, sagt der Manager der NordLB in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Dabei spielt er insbesondere auf die Coronakrise an, deren Auswirkungen bislang noch niemand richtig einschätzen kann.

Rund die Hälfte des Eigenkapitals der Bank, 1,9 Milliarden Euro, sind im Firmenkundengeschäft gebunden. Das Segment ist der größte Ergebnisbringer für die NordLB.

An Warnungen vor den Auswirkungen der Pandemie auf den Finanzsektor fehlt es nicht. Ratingagenturen, Finanzaufsicht und Unternehmensberatungen rechnen im Zuge der Coronakrise mit einer großen Zahl an faulen Krediten, für die die Banken vorsorgen müssen. Die Wertberichtigungen würden nicht nur mögliche Gewinne schmälern, sondern könnten auch zu Verlusten führen und die Kapitalbasis angreifen.

Die Öffentlichkeit betrachtet die NordLB mit besonderem Interesse, da die Landesbank gerade erst aus einer schweren Krise kommt. Das Institut verbuchte 2018 einen Rekordverlust und wurde im vergangenen Jahr von den Ländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie der Sparkassen-Finanzgruppe mit 3,6 Milliarden Euro gerettet. Kurz vor Weihnachten 2019 segnete die EU-Kommission das Rettungspaket ab.

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    Zwar wurde in dem Rettungspaket eine mögliche Rezession einkalkuliert. Dennoch wird die Coronakrise zu einem Härtetest für die viertgrößte Landesbank, die in einem intensiven Wettbewerb steht und wie andere Institute unter den niedrigen Zinsen leidet.

    Nach den ersten Vorboten der Pandemie „haben wir im Frühjahr mit unseren Kunden gesprochen, gemeinsam die Lage eingeschätzt und daraus ein Szenario abgeleitet“, so Tallner. Nachdem viele Unternehmen mithilfe der Hausbank und der staatlichen Bankengruppe KfW ihre Liquidität gesichert hätten, sei die Lage derzeit stabil.

    „Es überrascht mich ein wenig, aber in den vergangenen Wochen gab es keine Alarmmeldungen“, sagt Tallner. Doch es sei blauäugig, die derzeitige Entwicklung fortzuschreiben, räumt er ein. Er sei sich sicher, „dass wir bei einigen Firmenkunden im dritten und vierten Quartal und auch noch 2021 Schwierigkeiten sehen werden. Die Einschläge werden kommen.“

    Das Institut versteht sich nicht als Geldlieferant für die Kunden, sondern als Finanzierungspartner. Quelle: dpa
    Zentrale der NordLB in Hannover

    Das Institut versteht sich nicht als Geldlieferant für die Kunden, sondern als Finanzierungspartner.

    (Foto: dpa)

    Der Anteil der sogenannten leistungsgestörten Kredite (NPL-Quote) liegt im Konzern derzeit bei 1,7 Prozent, im Firmenkundengeschäft darunter. Die Ratingagentur Moody’s rechnet damit, dass der Anteil bei europäischen Banken bis 2022 um ein bis drei Prozentpunkte steigen wird. „Wir werden bei den Banken große Unterschiede sehen“, glaubt Tallner.

    Zudem könne das Firmenkundengeschäft nicht über einen Kamm geschoren werden. „Die Corona-bedingten Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen sind schon enorm. Fahrradgroßhändler haben eine Sonderkonjunktur, bei anderen Branchen bricht der Umsatz weg.“ Stabil sei die Lage beispielsweise in den Bereichen Agrar, Energie und in einigen Teilbereichen des Handels. Tallner verweist hier beispielweise auf Onlinehändler oder auch auf Möbelhäuser, die im Moment einen regelrechten Boom erleben.

    Unterm Strich laufe das Kreditgeschäft nach Plan, wobei Vergleiche mit dem Vorjahr hinkten. Denn das Rettungskonzept, das die EU-Kommission billigte, sieht eine starke Schrumpfung der Bank vor. Die Bilanzsumme soll sich bis 2024 von 147 Milliarden Euro auf 95 Milliarden Euro verringern, die Zahl der Mitarbeiter sich auf 2800 halbieren.

    Trotz der Krise ändert die NordLB nicht ihre hohen Kreditvergabestandards. „Wir verstehen uns nicht als Geldlieferant für unsere Kunden, sondern als Finanzierungspartner.“ Und die NordLB konzentriere sich auf die Kunden, „bei denen wir unsere gute Strukturierungskompetenz einsetzen können“. Die Bank müsse nicht bei jedem Geschäft mitgehen.

    Wie andere Banken auch leidet die NordLB unter Margendruck. Ob dieser jedoch auch in Zukunft anhält, ist für Tallner nicht ausgemacht. „Ich rechne in den kommenden Jahren mit großen Veränderungen am Markt.“ So geht der Manager davon aus, dass sich Auslandsbanken und inländische Wettbewerber strategisch neu positionieren werden. „Für mich ist nicht klar, ob die Auslandsbanken noch so aktiv bleiben oder aber der Rückzug in die Heimatmärkte beginnt.“

    Trotz bestehender Probleme und ungewisser Aussichten sieht Tallner das für 2024 angepeilte Renditeziel von sieben Prozent für die Bank nach wie vor als realistisch an und die Kapitalisierung der Bank als ausreichend. „Wenn aus Corona eine Rezession entsteht, wird es reichen. Bei einer Depression hat die Finanzwelt andere Probleme“, sagt der NordLB-Vorstand.

    Mehr: Bei Kreditausfällen herrscht die Ruhe vor dem Sturm

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