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Kreditinstitute Sparkassen in Baden-Württemberg rechnen mit Gewinneinbruch

Die 51 baden-württembergischen Sparkassen müssen mehr Geld für drohende Kreditausfälle beiseitelegen. Der Gewinn dürfte 2020 um mehr als die Hälfte sinken.
29.07.2020 Update: 29.07.2020 - 16:48 Uhr Kommentieren
Die Sparkassen in Baden-Württemberg erwarten einen Gewinneinbruch infolge der Coronakrise. Quelle: dpa
Sparkassen

Die Sparkassen in Baden-Württemberg erwarten einen Gewinneinbruch infolge der Coronakrise.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Stuttgart Die Folgen der Coronakrise verhageln den 51 Sparkassen in Baden-Württemberg die Geschäfte im laufenden Jahr. Sparkassenpräsident Peter Schneider sagte am Mittwoch: „Am Ende wird sich der verfügbare Gewinn zwar mehr als halbieren, aber immer noch positiv sein.“ 2019 hatten die Sparkassen im Ländle ein Ergebnis von knapp 990 Millionen Euro erzielt.

Die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite dürfte Schneider zufolge 2020 auf fast 400 Millionen Euro steigen – das ist dreimal so viel wie im vergangenen Jahr. „Wir gehen davon aus, dass auch im nächsten Jahr eine erhöhte Risikovorsoge notwendig sein wird.“ Noch gehe es der Wirtschaft relativ gut, die Auswirkungen der Pandemie werde man erst 2021 und 2022 sehen. Es wird erwartet, dass 21.000 Unternehmen bis Ende kommenden Jahres in die Pleite rutschen.

Schneider erwartet, dass die Corona-Pandemie ein „viel höheres Krisenpotenzial“ habe als die Finanzkrise im Jahr 2008. Es zeichnet sich bereits ab, dass die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 tiefe Spuren in den Bilanzen der europäischen und der deutschen Geldhäuser hinterlassen wird.

Aufseher gehen von einem deutlichen Anstieg der faulen Kredite in den Büchern der Kreditinstitute aus. Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group und das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle warnten Anfang Juli sogar davor, dass manche Geldhäuser in Existenznot geraten könnten.

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    Der baden-württembergische Sparkassenpräsident zeigte er sich gleichwohl optimistisch, dass die Sparkassen „gut gerüstet“ seien und genug Kraft hätten, die „Kreditversorgung sicherzustellen“. Im ersten Halbjahr 2020 haben die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute frische Darlehen in Höhe von gut 15 Milliarden Euro zugesagt – so viel wie noch nie. Die Sparkassen aus Niedersachsen hatten am Dienstag ebenfalls auf das hohe Kreditwachstum verwiesen, sie machten aber keine Angaben zu den erwarteten Kreditausfällen.

    Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind die Hauptfinanciers des deutschen Mittelstands und auch vieler Kleinunternehmen. Viele Firmen haben in der Coronakrise Kredite aufgenommen, um ihre Liquidität sicherzustellen. Häufig geht es dabei um Hilfskredite der Staatsbank KfW und anderer Förderbanken, die über die Hausbanken der Unternehmen ausgereicht werden.

    Bundesweit haben zahlreiche der knapp 380 Sparkassen und der rund 800 Volksbanken in den vergangenen Jahren einen erheblichen Teil ihrer Gewinne in die Stärkung ihrer Kapitalbasis gesteckt, um so besser gegen Krisen gewappnet zu sein. Schneider erklärte, sowohl die Eigenkapitalquoten der Firmenkunden als auch der Sparkassen selbst seien deutlich höher als bei Ausbruch der Finanzkrise.

    Auch der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) rechnet mit mehr Risikovorsorge, aber nicht mit einer Schieflage von Geldhäusern. Er geht davon aus, dass die Risikovorsorge ab 2021 noch einmal höher ausfällt.

    Vorerst kein neuer Anlauf für ein Sparkassen-Zentralinstitut

    Die Empfehlung der Europäischen Zentralbank, bis mindestens Januar 2021 keine Dividenden zu zahlen, sieht Schneider „sehr kritisch“. Die Sparkassen in Baden-Württemberg sind an der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) beteiligt. „Die Sparkassen als Träger der LBBW brauchen die Dividende.“

    Die LBBW ist auch betroffen von der Pleite des Zahlungsdienstleisters Wirecard. Sie zählt zu den Gläubigern und muss sich auf Abschreibungen einstellen. Laut Daten des Informationsdienstleisters Bloomberg ist die LBBW mit 200 Millionen Euro an einer gemeinsamen Kreditlinie von rund 15 Banken in Höhe von insgesamt fast 1,8 Milliarden Euro beteiligt.

    Die Aufsichtsgremien hätten sich mit dem Fall intensiv beschäftigt, sagte Schneider. Als eine Lehre aus dem Wirecard-Skandal forderte er, dass alle Unternehmen, die mit Finanzdienstleistungen zu tun haben, von der Finanzaufsicht Bafin kontrolliert werden sollten.

    Schneider geht davon aus, dass es vorerst nicht zu einem neuen Anlauf für ein einziges Zentralinstitut der deutschen Sparkassen kommt. Rund um eine mögliche Fusion des Fondsdienstleisters Deka und der Landesbank Hessen-Thüringen sei erst einmal die „Pausentaste gedrückt“. In den nächsten beiden Jahren hätten die Beteiligten mit sich selbst zu tun. Er sei für Schwerpunktbildung und Aufgabenteilung unter den Landesbanken. „Es müssen nicht gleich Fusionen sein.“ Sparkassenpräsident Helmut Schleweis wirbt seit Längerem für ein zentrales Spitzeninstitut der Gruppe. Derzeit gibt es noch vier große Landesbanken sowie die Deka.

    Mehr: Die spanische Banco Santander schreibt erstmals rote Zahlen

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