Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kreditmarktausblick der KfW Das Kreditneugeschäft mit Unternehmen stagniert

Im ersten Halbjahr haben sich viele Firmen mit Krediten vollgesogen. Seither lahmt die Nachfrage. Die Sonderkonjunktur für die Banken ist vorüber.
14.12.2020 - 12:15 Uhr Kommentieren
Das erlahmende Kreditgeschäft ist weniger auf den Bankensektor zurückzuführen. Quelle: Reuters
Finanzplatz Frankfurt am Main

Das erlahmende Kreditgeschäft ist weniger auf den Bankensektor zurückzuführen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt In den ersten Monaten des Jahres hat die Coronakrise noch für Hochbetrieb in den Kreditabteilungen der Banken gesorgt. Deutsche Unternehmen und Selbstständige sicherten sich Kreditlinien und frische Darlehen, wo immer es ging, um die Lockdown-Monate zu überstehen. Die Notprogramme der staatlichen Förderbank KfW sorgten für zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten. Doch nun kommt dieser Sonderboom zum Erliegen.

Im dritten Quartal wuchs das Neugeschäft mit Darlehen an Unternehmen und Selbstständige nur noch um 0,3 Prozent, geht aus dem Kreditmarktausblick der KfW hervor, der dem Handelsblatt vorab vorliegt. Für das vierte Quartal rechnet die KfW im Neugeschäft mit einer Stagnation und im ersten Quartal 2021 sogar mit einem Rückgang von drei Prozent.

„Die Abschwächung fiel damit nach dem pandemiegetriebenen Schub im ersten Halbjahr stärker aus als prognostiziert“, schreiben die Volkswirte der Förderbank. Ende August hatte die KfW noch mit einer Wachstumsrate von 3,5 Prozent im abgelaufenen Quartal gerechnet und erst im vierten Quartal mit einer Stagnation.

Das erlahmende Kreditgeschäft ist allerdings nicht darauf zurückzuführen, dass die Geldhäuser knauserig agierten. „Die rückläufigen Zuwächse im Neugeschäft hängen vor allem mit der geringeren Nachfrage der Unternehmen nach Krediten zusammen und nicht mit einer deutlichen Zurückhaltung der Banken“, sagt KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Banker bestätigen diese Ansicht. „Aktuell ist die Nachfrage nach Finanzierungen geringer“, sagt etwa Christian-Hauke Burkhardt, der den Bereich Unternehmensfinanzierung bei der Deutschen Bank leitet. „Das dürfte vor allem am Rückgang der Investitionstätigkeit in der aktuellen Situation liegen und daran, dass wir durch die Coronakrise weniger klassische Firmenkäufe sehen“, so Burkhardt.

    Auch Andreas Wagner, Leiter Sonderfinanzierungen bei der Hypo-Vereinsbank, spricht von einer Zurückhaltung mittelständischer Unternehmen bei Investitionskrediten. „Die Mittelständler halten ihr Pulver trocken. Wir sehen das auch an den relativ hohen Einlagen unserer Kunden“, sagt er. Viele Mittelständler hätten in den vergangenen Monaten ihre Liquiditätspositionen verbessert, etwa indem sie sich über Anleihen finanziert oder ihr Umlaufvermögen optimiert hätten. Zwischen April und Juni dieses Jahres hatten Unternehmen und Selbstständige außerdem ungewöhnlich viele langfristige Kredite aufgenommen.

    Von der Investitionsunlust ausgenommen ist nach Beobachtung Wagners nur ein Bereich. „Fördermittelkredite für Investitionen in Vorhaben zur Energieeffizienz sind nach wie vor gefragt“, beobachtet er. Doch grüne Investitionen fangen nicht auf, was angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten anderswo wegfällt.

    Grafik

    „Der Rückgang der Investitionstätigkeit im Unternehmenssektor liegt in diesem Jahr bei acht Prozent“, sagt Köhler-Geib. „Der Abwärtstrend im Neugeschäft dürfte sich fortsetzen und weiter vertiefen“, schließt die KfW-Chefvolkswirtin daraus. Dass die sich abzeichnende Flaute im Kreditgeschäft von den Unternehmen und nicht von den Banken ausgeht, ist aus ihrer Sicht allerdings so etwas wie eine gute neben der schlechten Nachricht. Es sei wichtig, dass der Kreditkanal für den Firmensektor weiter offen stehe. „Eine Kreditklemme würde den Abschwung massiv verschärfen“, so Köhler-Geib.

    Auch der zweite Lockdown in Deutschland hat bislang noch nicht zu einer zweiten Antragswelle bei den KfW-Hilfen geführt. „Viele Unternehmen haben sich an die neue Lage mit ihrer Produktpalette und den Geschäftsmodellen angepasst“, erklärt Köhler-Geib. Von der leichten Variante des Lockdowns sei außerdem nur ein relativ kleiner Teil der deutschen Wirtschaft direkt betroffen gewesen. Die Industrieproduktion habe dagegen stark angezogen. Das sind aus ihrer Sicht die wohl wichtigsten Gründe für die ausbleibende Antragsflut bei der KfW. Noch unklar ist, inwiefern sich die verschärften Maßnahmen auswirken, die ab Mittwoch gelten.

    Kredite während der Coronakrise: Margen für große Summen steigen

    Mit der sich abzeichnenden Durststrecke im Kreditgeschäft fallen für die Banken wichtige Ertragsmöglichkeiten weg. Dort, wo Darlehen noch gefragt sind, können die Institute aber zumindest teilweise für sie günstigere Konditionen durchsetzen. Eine Analyse des Datenspezialisten Barkow Consulting für das Handelsblatt kommt zu dem Schluss, dass die Margen großvolumiger Kredite – damit sind Finanzierungen von mehr als einer Million Euro gemeint – signifikant gestiegen sind.

    Die staatliche Förderbank hatte im ersten Halbjahr enorm viele Anträge zu bearbeiten. Quelle: dpa
    KfW

    Die staatliche Förderbank hatte im ersten Halbjahr enorm viele Anträge zu bearbeiten.

    (Foto: dpa)


    Im dritten Quartal sind die Bruttomargen im Kreditgeschäft im Vergleich zum Vorquartal um 0,22 Prozentpunkte auf 1,74 Prozentpunkte hochgeschnellt. Zieht man die Refinanzierungskosten von Banken ab, lag der Anstieg sogar bei 0,28 auf 1,42 Prozentpunkte. Einen so deutlichen Satz in nur drei Monaten hatte es zuletzt im Jahr 2009 gegeben, als die große Finanzkrise voll auf die deutsche Wirtschaft durchschlug.

    Barkow Consulting analysiert für seine Erhebungen die Zinsstatistiken der Bundesbank, die auf echten Kredittransaktionen basieren und die Zinssätze widerspiegeln, zu denen Darlehen an Unternehmen in unterschiedlichen Laufzeiten vergeben wurden.

    „Die Banken sind eindeutig in der Lage, das gestiegene Risiko in höheren Zinsen beziehungsweise Margen durchzusetzen“, sagt der Gründer und Inhaber des Datenspezialisten, Peter Barkow. Auch die absolute Höhe der Gewinnspannen ist bemerkenswert. „Damit haben die Margen das Rekordniveau zum Höhepunkt der Euro-Krise Ende 2012 nahezu eingestellt“, sagt er.

    Grafik

    Das bedeutet allerdings nicht, dass Unternehmen höhere Zinsen für ihre Darlehen berappen müssen als in den Jahren 2009 oder 2012. Im Gegenteil, die Kreditkonditionen sind deutlich günstiger. Das liegt an der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). In der Folge ist das allgemeine Zinsniveau, auf das die Bankmargen draufgesattelt werden, in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. 

    Der Trend zu höheren Gewinnspannen wird besonders bei Millionenkrediten sichtbar. „Der Margenanstieg bei Kleinkrediten fällt aufgrund des höheren Gewichts von günstigen Corona-Krediten der KfW deutlich niedriger aus“, erläutert Barkow.

    Banken knausern bei den Laufzeiten

    Bei Krediten für kleinere und mittelgroße Unternehmen sind die Konditionen seitens der KfW fest vorgeschrieben. Anders sind die Konditionen bei sogenannten Konsortialkrediten geregelt – also für große Darlehen, die von einer ganzen Gruppe von Banken gestellt werden. Wenn die KfW sich im Rahmen der Corona-Hilfen an einem solchen Konsortialkredit beteiligt, übernimmt sie die Konditionen, die das Bankenkonsortium mit dem Unternehmen ausgehandelt hat.

    Mit so deutlichen Worten wie Barkow kommentieren Firmenkunden-Banker die Markttrends zwar nicht. Allerdings sagt auch Deutsche-Bank-Manager Burkhardt: „Risikobewusstsein und eine adäquate Preispolitik sind mittlerweile wieder ein größeres Thema. In einem wirtschaftlichen Abschwung werden Risikofaktoren stärker berücksichtigt.“ Dass die Konditionen vor allem bei größeren Darlehen nach oben ziehen, ist für Burkhardt nicht sehr überraschend. „Großkonzerne konnten in den vergangenen Jahren sehr günstige Konditionen durchsetzen. Aus dem Grund fällt eine Gegenbewegung vermutlich stärker ins Auge“, meint er.

    Neben dem Preis für Kredite sind seiner Beobachtung nach auch die Laufzeiten von Darlehen wieder ein größerer Diskussionspunkt zwischen Banken und Unternehmen. Vor der Coronakrise seien Laufzeiten von fünf Jahren mit der Option, insgesamt um zwei Jahre zu verlängern, im Konsortialkreditmarkt durchaus normal gewesen. „Aktuell sind in vielen Fällen drei Jahre mit der Option, zweimal um ein Jahr verlängern zu können, üblich“, so Burkhardt. Wenn Banken fünfjährige Darlehen vergeben würden, dann sei das derzeit meist mit einem spürbaren Risikoaufschlag verbunden.

    Hypo-Vereinsbanker Wagner hat eher den Eindruck, dass die Margen für große Unternehmenskredite vor allem im zweiten Quartal „spürbar“ gestiegen seien. „In der Zwischenzeit hat sich der Markt zweigeteilt“, ergänzt er. „Die Margen für Unternehmen, die wenig von Covid-19 betroffen sind, sind wieder auf das Vorkrisenniveau gefallen.“ Auf der anderen Seite müssten Unternehmen in Sektoren, die stärker betroffen sind, etwa in der Autozulieferer- oder Reisebranche, immer noch Aufschläge gegenüber dem Vorkrisenniveau zahlen.

    Mehr: EU will den Banken beim Umgang mit faulen Krediten in der Coronakrise helfen

    Startseite
    Mehr zu: Kreditmarktausblick der KfW - Das Kreditneugeschäft mit Unternehmen stagniert
    0 Kommentare zu "Kreditmarktausblick der KfW: Das Kreditneugeschäft mit Unternehmen stagniert"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%